Sehr geehrte Damen und Herren, sehr verehrtes Publikum,
liebe Festivalfreundinnen und -freunde,

Keimzelle für unser Festivalthema ist ein kleiner, feiner Kammermusikabend in der vielleicht schönsten Bibliothek von Trier. Ulf Schneider, Jan Philip Schulze und Heikko Deutschmann begeben sich auf „Die Suche nach der verlorenen Zeit“. 2022 gedenken wir des einhundertsten Todestages von Marcel Proust. Sein Jahrhundertroman gilt als einer der bedeutendsten und vor allen Dingen als der längste Gesellschaftsroman der Weltliteratur, denn die „Recherche“ füllt über 4000 Seiten, sieben Bände oder 156 Hörbuchstunden. Es treten in ihm Herzoginnen, Diener, Ärzte, Künstler jedweder Couleur, Prostituierte, Köchinnen, Chauffeure, Hoteldirektoren oder Pagen auf. Über 200 Kunstwerke, Gemälde und Kathedralen, Symphonien und Opern, Romane und Gedichte finden darin Erwähnung. Der Roman beschreibe, so die Proust-Forscherin Ulrike Sprenger, „eine ganz diffuse Sehnsucht und diese Sehnsucht stillen wir in der Erinnerung.“

Es gehe Proust darum „eine Anleitung zu geben, das eigene Leben zu entdecken. Zu sehen, wie die Erinnerung funktioniert, wie man über sich selbst nachdenkt.“ Nach zwei der schwierigsten Jahre für die Kultur weltweit, verstehen wir das Thema, neben dem ganz konkreten Bezug zu Marcel Proust, im Hinblick auf Konzertprojekte, die gar nicht umgesetzt oder viele Male verschoben wurden und nun abgeändert oder verspätet zur Aufführung kommen, durchaus auch mit einem Augenzwinkern.
Die Pandemie hat die Welt, hat unser Zusammenleben tiefgreifend verändert. Es gibt selbstgewählte Veränderungen im Leben und eben solche, mit denen man ungewollt konfrontiert wird. Die letzteren sind für Individuen, für Gesellschaften, für Systeme gewaltige Stressfaktoren, denn damit einher geht das Lösen von Vertrautem. Sich auf Neues einzulassen, gehört zu den wirklich schwierigen Aufgaben. Bei aller Wehmut Vertrautes aufgeben zu müssen und bei aller Sehnsucht nach dem Alten, Gewohnten, bei aller Angst sich auf Neues einzulassen: ohne Veränderung gäbe es keine Weiterentwicklung. Alles verändert sich und nichts hat Bestand, das lehren uns buddhistische wie taoistische Denkschulen ebenso wie westliche Philosophien. Veränderung ist immer auch Antrieb, sie gibt die Impulse, neue Modelle zu denken und zu entwickeln.
Von vielem haben auch wir uns zwangsläufig in den zurückliegenden gut anderthalb Jahren verabschieden müssen. Und doch kamen ungewöhnliche, künstlerische wunderbare Konzertprojekte und -formate zustande. Routinen wurden aufgebrochen, neue Spielorte erschlossen, alternative Programminhalte entwickelt oder gar ein Podcast auf den Weg gebracht.
2022 wollen wir weiterhin Neues wagen, Angebote in zum Teil ungewöhnlichen Settings für junge Zielgruppen schaffen und nicht zuletzt auch über Jahre Liebgewonnenes wieder ins Programm nehmen, Konzertprojekte realisieren, die zwei Jahre auf Stand-by waren. Freuen Sie sich also auf große Konzerte mit unseren beliebten Chören der Region zur Eröffnung und zum Abschluss des Festivals. Freuen Sie sich auf herausragende Interpretinnen und Interpreten wie Iveta Apkalna, Jean Rondeau, Viviane Chassot, Max Mutzke und Marialy Pacheco, Jeanine de Bique und Concerto Köln, Stefan Temmingh oder Yeol Eum Son. Begeben Sie sich auf eine einzigartige musikalische und architektonische Zeitreise mit Kit Armstrong. Lassen Sie sich von neuen Ensembles wie der Jazzrausch Bigband oder den Grandbrothers in faszinierende, mitreißende Klangwelten entführen oder von den jungen Musikerinnen und Musikern des Landesjugendorchesters und des Landesjugendchores begeistern.
Dieses vielfältige Angebot, wäre ohne unsere sechs Gesellschafter, den Kultursommer Rheinland-Pfalz, dessen diesjähriges Motto „Ostwind“ an vielen Stellen durchs Programm weht, unsere treuen Sponsoren und nicht zuletzt unseren Förderverein und private Spenden nicht möglich. Für diese Verbundenheit auch in schwierigen Zeiten bedanken wir uns aus vollem Herzen!
Die Musik ist die vergänglichste aller Kunstformen. Eben noch trifft uns ein Ton im Raum, berührt uns ein Akkord, verzaubert uns eine Melodie. Im nächsten Augenblick sind sie verklungen. Sind sie deshalb verloren?
„Nur mittels der Kunst können wir aus uns heraustreten, erfahren, was ein anderer von diesem Universum sieht, das für ihn nicht das gleiche ist wie für uns und dessen Landschaften uns sonst ebenso unbekannt blieben wie jene, die es auf dem Mond geben mag. Dank der Kunst sehen wir statt nur einer Welt, der unseren, eine Vielzahl, und wir haben so viele Welten zur Verfügung, wie es eigenständige Künstler gibt … “ (M. Proust).
Das gesamte Team des moselmusikfestivals freut sich, mit Ihnen auf die „Suche nach der verlorenen Zeit“ zu gehen. Wir sind gespannt, was Sie erinnern, wiederfinden oder entdecken werden. Eines gewiss: viele Stunden großartiger Musik.

Tobias Schargenberger

Tobias Scharfenberger
Geschäftsführender Intendant

grußwort der ministerpräsidentin

Sehr geehrte Herren und Damen, liebe Musikbegeisterte,

es ist mir eine große Freude, Sie wieder als Schirmherrin zu einer neuen Ausgabe des moselmusikfestivals begrüßen zu dürfen. Seit über zwei Jahrzehnten ist die Konzertreihe eine wichtige Konstante im Kalender des rheinland-pfälzischen Kultursommers. Die Corona-Pandemie hat besonders deutlich gemacht, wie wichtig Kunst und Kultur für unser gesellschaftliches Zusammenleben sind. Der letzte Sommer war für Kulturschaffende sowie für Kulturliebende besonders schwer. Lang bewährte Formate mussten angepasst, viele Veranstaltungen verschoben – oder sogar ganz abgesagt werden.

Das Motto der 37. Ausgabe des moselmusikfestivals lautet: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Zum einen erinnern die Veranstaltenden damit an den 100. Todestag von Marcel Proust, dem Autor der gleichnamigen Romanreihe. Zum anderen beschreibt das Motto die einzigartige Kraft der Kunst, insbesondere der Musik: Ein Werk entsteht immer in einem konkreten zeitlichen und räumlichen Kontext. Doch durch die Möglichkeit, es immer wieder in anderen Kontexten aufzuführen und neu zu interpretieren, wird es zu einem zeitlosen, grenzüberschreitenden Artefakt. In gewisser Weise sind Kunst und Kultur Vehikel, mit denen wir durch die Zeit reisen können. Das moselmusikfestival nimmt das Publikum mit auf diese Reise und bespielt das Festivalmotto in doppelter Form. Das gewohnt anspruchsvolle Festivalprogramm widmet sich thematisch Vergessenem und verloren Geglaubtem. Parallel dazu werden ganz praktisch Projektideen aufgegriffen, die in den letzten zwei Jahren nicht umgesetzt werden konnten. Somit bringt das moselmusikfestival 2022 ein Stück verlorene Kulturzeit zurück.
Ich danke den Organisatoren und Organisatorinnen und insbesondere den vielen helfenden Händen ganz herzlich für ihren leidenschaftlichen Einsatz. Sie sorgen dafür, dass wir endlich wieder gemeinsam die verbindende Kraft der Kunst und Kultur erleben dürfen. Allen Besuchern und Besucherinnen wünsche ich viel Freude bei den Konzerten und viele schöne Begegnungen!

Maulu Dreyer

Malu Dreyer
Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz
und Schirmherrin des moselmusikfestivals
2022

grußwort der ministerin für familie, frauen, kultur und integration
des landes rheinland-pfalz

Katharina Binz

Liebe Musikfreund:innen,

unter dem Festivalmotto „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ wird das moselmusikfestival 2022 einige Ideen verwirklichen, die die Pandemie aufgeschoben hat. Während ich dies Monate vor Festivalbeginn schreibe, hoffe ich sehr, dass wir die Konzerte im Sommer wieder ohne Einschränkungen in der schönen Atmosphäre an der Mosel, meiner Heimat, genießen können. Das moselmusikfestival ist das älteste, größte und qualitativ herausragende Musikfestival im Programm des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Auch zum Kultursommer-Motto 2022 „Kompass Europa: Ostwind“ hat Intendant Tobias Scharfenberger wieder einiges entdeckt und vorbereitet.

Die Länder Osteuropas haben bekanntlich zahlreiche große Komponisten und Virtuosen hervorgebracht und wunderbare Kompositionen zum musikalischen Erbe der Menschheit beigetragen – bis in die Gegenwart. „Die Nationalmelodien jeden Volkes enthüllen seinen Charakter“, das hat schon Johann Gottfried Herder vor über 200 Jahren geschrieben. Und das wird man hören, wenn im Sommer 2022 wieder ganz viel großartige Musik im Moseltal erklingen wird.
Im Namen der Landesregierung danke ich dem Intendanten Tobias Scharfenberger und seinem Team und allen, die das moselmusikfestival unterstützen und ermöglichen. Jahr für Jahr fließt viel Herzblut und Kreativität in dieses wunderbare Festival ein.
Ihnen, dem Publikum, wünsche ich viel Freude bei den Konzerten an der schönen Mosel!

Katharina Binz

Katharina Binz
Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration
des Landes Rheinland-Pfalz

kurz und gut

Konzertvoraussetzungen Alle Konzerte und Veranstaltungen werden auch im Festivalsommer 2022 selbstverständlich wieder an die am Konzerttag geltenden Sicherheits- und Hygieneverordnungen angepasst sein. Sie können sich bei uns auch in der kommenden Saison sicher und gut aufgehoben fühlen.

Aktuelle Informationen finden Sie online unter www.moselmusikfestival.de. Mit unserem Newsletter (Anmeldung über news@moselmusikfestival.de) sowie über unsere Facebook- und Instagram-Seite bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

roadshows

… die Sinne bespielen lassen, schon vor der Saison? Bei unseren „Roadshows” erhalten Sie eine exklusive Festivalprogramm-Einführung von Intendant Tobias Scharfenberger. Freuen Sie sich auf 90 Minuten gefüllt mit ersten Hör- und Videoeindrücke inklusive Begrüßungsgetränk und spannenden Hintergrundinfos zu den Künstler:innen, Spielstätten und Co. Ein erstklassiger Vorgeschmack, den Sie nicht verpassen sollten!

Sie haben Interesse? Über unseren Newsletter (Anmeldung per Mail an news@moselmusikfestival.de) informieren wir Sie, sobald die Termine feststehen.

 

formate

Espresso-Konzerteinführungen

Espresso, der [ˌɛsˈpʀɛso],  ist eine ursprünglich aus Mailand stammende Kaffeezubereitungsart, bei der heißes Wasser mit hohem Druck durch sehr fein gemahlenes Kaffeemehl aus gerösteten Kaffeebohnen gepresst wird. Dieses Verfahren ergibt einen sehr konzentrierten Kaffee, dessen Güte unter anderem die sog. Crema – eine dichte, haselnussbraune Schaumschicht – auszeichnet, die zu seinem Aroma beiträgt. Zu verschiedenen Konzertveranstaltungen bieten wir Ihnen ab dem Sommer 2021 künftig – gleich einem gutem Espresso – eine sehr konzentrierte Art der Konzerteinführung mit einer guten „Crema“ an Informationen an, so dass Sie das „Aroma“ des Konzertes noch intensiver erleben können. Das moselmusikfestival hat 2020 dank diverser Förderprogramme viel in (digitale) Infrastruktur investieren können. Bei den Espresso-Konzerteinführungen können Sie sich bei ausgewählten Veranstaltungen vor dem Konzert einen MP3-Player (inkl. Kopfhörer) im Eingangsbereich der Veranstaltung gegen hinterlegen eines Pfands abholen.

Starten Sie dann ganz individuell Ihre informative Einstimmung und erfahren Sie Wissenswertes zu Komponisten, Künstlern, Werk oder Spielstätte – natürlich kombiniert mit einer kleinen Aufmerksamkeit als „Wachmacher“.
Espressoeinführung: 2 €
Ausgabe der MP3-Player mit Kopfhörern – ab 90 Minuten vor Veranstaltungsbeginn; Länge des Einführungsvortrages – maximal 30 Minuten; Abgabe nach dem Konzert beim Ausgang, bis 30 Minuten nach Veranstaltungsende möglich.

Ohrensessel-Konzerteinführungen

Anregung für Hirn, Herz und Sinne. Das beliebte Format “Ohrensessel” ist zurück und bietet in losen Abständen Einführungsveranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen: erfahren, was in den Werken unserer Konzerte verhandelt wird, und entdecken, welche menschlichen Erfahrungen darin verarbeitet sind – anders, neu und mehr hören. Die „Ohrensessel“ beginnen immer 90 Minuten vor den Konzerten und dauern etwa eine Stunde. Der Eintritt ist frei.