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Pressestimmen

Pressestimmen zu den Konzerten des Festivals:

  • 07.09.2017 Trierischer Volksfreund

    Prominente Gäste beim Mosel-Musikfestival: Brillantes aus dem Seelenreich

    (Trier) Zwei Weltstars auf einem Konzert des Mosel-Musikfestivals im Theater Trier: Magdalena Kozena singt, ihr Ehemann Sir Simon Rattle applaudiert.
    Sie steht auf der Bühne in einem hinreißenden Kleid, vielfarbig und funkelnd wie ihre Stimme. Eine hochdramatische Stimme. Magdalena Kozena Gesang lässt keinen Zweifel daran, welches Unheil sich im Innern des jungen Römers zusammenbraut, der in Georg Friedrich Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" (Julius Cäsar) den ermordeten Vater rächen will.
    Gemeinsam mit dem Venice Baroque Orchestra ist die Sängerin mit Werken des barocken Großmeisters zu einem Konzert des Mosel Musikfestivals ins Theater Trier gekommen.
    Begleitet wird sie von ihrem Mann, dem Dirigenten Simon Rattle. Sir Simon sitzt mit seinem weltweit berühmten weißen Lockenkopf im Publikum, wird herzlich willkommen geheißen vom designierten Festival-Intendanten Tobias Scharfenberger. Wie alle anderen Anwesenden applaudiert auch Rattle dem Weltstar auf der Bühne. Und doch, allein die Anwesenheit des charismatischen langjährigen Chefs der Berliner Philharmoniker setzt ohne Frage dem Abend ein Licht mehr auf.
    Das mögen auch die jungen Leute so sehen, die sich nach dem Konzert mit dem Dirigenten begeistert ablichten lassen. Magdalena Kozena und die venezianischen Musiker haben ein Programm mitgebracht, das perfekt die widersprüchlichen Stimmungen des barocken Menschen und seiner Epoche spiegelt, in der sich tiefste Innerlichkeit und höchste Ekstase, Liebeslust und Todesahnung faszinierend verbinden. Um solche Affekte geht es naturgemäß auch in der Musik.
    Kozena ist eine wunderbare Mittlerin dieser Seelenstimmungen. Die tschechische Mezzosopranistin mag keine Spezialistin für Barockmusik sein, obwohl sie auch darin inzwischen ausgewiesen ist. Dafür befreit sie mit ungeheurer Frische, spielerischem Talent und seelischer Energie die barocken Arien von jeder historischen Künstlichkeit und macht sie zum unmittelbaren zwischenmenschlichen Erlebnis. Kozena beherrscht die gesamte gesangliche Rhetorik der Affekte. Mühelos schafft sie die Intervallsprünge wie die Koloraturketten. Ihre schlanke Stimme ist am schönsten, wo sie samtig warm und innig klingt.
    Aber sie kann auch in den Höhen der Ekstase funkeln und sprühen oder zornig metallisch hart werden. Als perfekte Verbindung aus Gesang und Gestik ist jede ihrer Arien ein psychologisch fein ausgedeutetes Mini-Drama. Mütterlicher Triumph klingt aus der Arie der Agrippina "Ogni Vento". Hochvirtuos erklingt die Arie des Ruggiero, "Venti turbini" aus "Alcina", zu der die Geigen einen Wirbelsturm entfachen. Als subtiles Stimmungsbild menschlicher Qual, in dem Gesang und Rezitativ abwechseln, erklingt die Klage der Agrippina "Pensieri voi mi tormentate". Zum tief bewegenden Vanitas-Bild wird "Verdi prati" aus "Alcina".
    Am Ende siegt auch im Trierer Konzert die Hoffnung mit einem strahlenden "Dopo notte" aus "Ariodante". Mit Orchesterchef Andrea Marcon hat die Sängerin einen Power-Mann und Spezialisten für Alte Musik mitgebracht, der souverän vom Cembalo mit seinen Akkorden das Orchester leitet.
    Dynamisch und mit ungeheurer Lust am Spiel musizieren die Venezianer, nicht nur als einfühlsame Begleiter der Sängerin, sondern auch in drei Orchesterwerken Händels, dem Concerto Grosso, Op 3 n.2 HWV 313, das ganz nah an Vivaldi ist, sowie den Concerti Grossi Op 6 n.1, HWV 319 und Op 6 n.4. HWV 322.
    Auch in ihnen verbinden sich stille Innerlichkeit und seelenvolle Melodik mit überbordender Lebenslust. Der volle Saal dankt mit minutenlangem Applaus, Bravo-Rufen und "Standing Ovations". Nach dem Konzert tragen sich Simon Rattle und seine Frau sowie Andrea Marcon ins Gästebuch der Stadt Trier ein.

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  • 05.09.2017 Trierischer Volksfreund

    Musikalischer Kampfgeist und feinsinnige Klangmalerei

    (Trier) Aaron Pilsan lässt beim Mosel Musikfestival in Trier sein junges Talent für sich sprechen, mal temporeich, mal jazzig begeistert er das Publikum.
    Trier Er sieht aus wie der Wunschtraum von Müttern und wirkt selbstbewusst wie einer, der schon lange im Geschäft ist. Dazu verfügt er mit seinen eben mal 22 Jahren über eine enorme Spieltechnik. Dass Aaron Pilsan ein großes pianistisches Talent ist, ist hinreichend bekannt, nicht zuletzt durch seine zahlreichen Auszeichnungen. Als Kooperationsprojekt des Mosel Musikfestivals mit dem Österreich Forum Trier war der "Rising Star" aus Österreich am Sonntag im Kurfürstlichen Palais zu Gast. Dort zeigte sich neuerlich: der pianistische Gipfelstürmer kann mehr als technischen Hochleistungssport. Er versteht sich auch erstaunlich reif auf Klanggestaltung und-deutung. Gleich eingangs geriet ihm quasi im Plauderton die Allemande aus Johann Sebastian Bachs Französischer Suite Nr.1d-Moll BWV 812 zum Juwel mit ihrer Dynamik, ihrer nach innen gewandten Nachdenklichkeit, ihrem Perlen, ihren leuchtenden und funkelnden Tönen.
    Die anschließenden Teile der Tanz Suite wirkten dagegen eher hastig. Die folgende Suite Nr.3 op.18, "Pièces impromptues" von George Enescu liege ihm besonders am Herzen gestand Pilsan seinem begeisterten Publikum. Tatsächlich spielte der junge Musiker die leider selten zu hörende Komposition des Rumänen, die aus einer Reihe von Improvisationen besteht, wie einer, der sich mit Herz und Verstand in diese Musik vertieft und in sie hineingehört hat. Als feinsinniger Klangmaler machte der Pianist Vielfarbigkeit der Stücke hörbar, ihre gebrochenen Farben, ihre feine Melancholie, den einsamen Glockenklang. Die kaum gehörte Komposition des Rumänen, dessen Musik nah an Debussy, Fauré wie auch der slawischen Volksmusik ist wurde zur Wiederentdeckung und zum eindrücklichsten Klangerlebnis des Abends. Wo der Pianist bei Enescu hochsensibel war, da gab er sich bei Frédéric Chopin als Stürmer. Dessen herausfordernde Etuden op.25, ging er kämpferisch an. Dabei trieb er allerdings der Musik, die wunderbar leicht sinnieren kann und ein anderes Mal wie splitterndes Eis klingt, mit jugendlicher Energie ihre Poesie aus, ebenso wie ihre elegante Leichtigkeit und ihre impressionistischen Visionen. Was da mit zeitweise wummernden Bässen und viel Pedal erklang, war eher ein strammer Galopp durchs Stück, als eine dynamische Steigerung. Dem Publikum gefiel`s. Es bedankte sich mit lauten Jubelrufen. Der junge Künstler revanchierte sich mit mehreren Zugaben, zuletzt mit Mozarts verjazztem "Türkischen Marsch". Und da ging dann herrlich die Post ab.

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  • 01.09.2017 Trierischer Volksfreund

    Barock und Blues statt Bier und Bacardi

    (Trier) Nach der Arbeit mit dem Kollegen zum Konzert: Das ist ein neues Format beim Mosel Musikfestival. Dort erlebten mehr als 100 Besucher eine Reise durch die Genres - auf Spitzenniveau.
    rier Die Sonne hat noch nicht zum Untergang angesetzt, da streicht Eckart Runge schon die letzten Töne des Abends über sein mächtiges Violoncello. Wenn Konzerte für gewöhnlich erst gegen 20 Uhr beginnen, ist für Runge, Pianist Jaques Ammon und ihr Programm Baroque Blues bereits Schluss - und nein, nicht weil dabei etwas schiefgelaufen ist. Im Gegenteil: Das erste After-Work-Konzert am Mosel Musikfestival war mit mehr als 100 Besuchern ein voller Erfolg.
    "Wir wollten ein neues Format ausprobieren, bei dem die Leute am frühen Abend direkt nach der Arbeit Musik genießen können", sagt Festival-Geschäftsführer Tobias Scharfenberger. Dazu habe man sogar die Unternehmen in der Stadt direkt angesprochen. Dass das Konzept allerdings so positiv angenommen wird, damit habe man nicht gerechnet, sagt der Veranstalter. "Intern hatten wir Wetten laufen, ob überhaupt 50 Leute kommen würden", scherzt Scharfenberger.
    Letztendlich warten pünktlich um halb sieben auch solche auf das Duo Runge/Ammon, die bei einem anderen Format gar nicht erst den Weg in das Tagungszentrum der IHK Trier gefunden hätten. "Ich weiß nicht, ob ich mich nochmal aufgerafft hätte, wenn ich erst nach Hause gefahren wäre", sagt Enver Schrömbgens und lacht. "Aber jetzt bin ich wirklich begeistert, das war einfach toll."
    90 Minuten lang nahmen Runge und Ammon die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Genres. Jazz, Barock, Tango und Filmmusik. Von Antonio Vivaldi bis Miles Davis. Runge, dem Mitbegründer des renommierten Berliner Artemis-Quartetts und Ammon, der schon in Japan, Russland und Chile auf der Bühne stand, ist die über 15-jährige Zusammenarbeit sofort anzumerken. Jeder Ton sitzt, die Verschmelzung der musikalischen Welten geht dem Duo problemlos von den Händen. "Groove gibt es in der Klassik nicht - nur bei uns", sagt Runge. Es ist das Motto des Abends.
    In einer dreiminütigen Standing Ovation verabschiedet das Publikum die beiden ins Foyer, wo der Abend zwischen Wein und Snacks erst begonnen hat.
    Auch Schrömbgens bleibt noch. "Ich habe heute wahrscheinlich mehr über Musik gelernt als in zwölf Jahren Schule", sagt er. Es ist vielleicht das schönste Kompliment, das man dem Duo machen kann.

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  • 28.08.2017 Trierischer Volksfreund

    Imposante Kathedralklänge

    Am Ende von Anton Bruckners zweiter Sinfonie brach das Publikum im er Dom in Jubel aus. Der scheidende Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Karl-Heinz Steffens, dirigierte das Werk präzise und eindrücklich. Zuvor begleiteten die Musiker der Staatsphilharmonie Wolfgang Amadeus Mozarts Krönungsmesse. Unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Kiefer brillierten der Kathedraljugendchor und der Domchor samt Solisten (Foto von links) Vinzenz Haab (Bass), Christian Rathgeber (Tenor), Judith Braun (Alt) und Anne Kathrin Fetik (Sopran). Foto: Mosel Musikfestival

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  • 22.08.2017 Trierischer Volksfreund

    Schwere Kost am frühen Morgen

    Ambitioniert und brillant: Jean Muller spielt Bach und Beethoven im Kurfürstlichen Palais Trier
    Trier Sehr viel ambitionierter kann ein Klavierkonzert-Programm kaum mehr sein. Bachs Goldberg-Variationen und die Beethoven-Klaviersonaten op. 31,2 ("Der Sturm") und op. 101 stellen für den Interpreten, aber auch für die Zuhörer hohe Hürden auf. Schwere Kost jedenfalls für eine Matinee. Die Musikfreunde, unter ihnen eine starke und applausfreudige luxemburgische Fraktion, ließen sich davon nicht beeindrucken. Die Veranstalter vom Mosel-Musikfestival konnten beim Auftritt des luxemburgischen Pianisten Jean Muller im Trierer Kurfürstlichen Palais zufrieden ein volles Haus mit gut 200 Gästen vermelden.
    nd Muller brillierte. Die zahlreichen fingertechnischen Finessen von Bachs Goldberg-Variationen, die für das zweimanualige Cembalo gedacht waren, gelangen ihm mit Bravour. Auch die tückischen Punktierungen im Scherzo der A-Dur-Sonate op. 101 und die polyphonen Strukturen in der Schlussfuge dieser Sonate bereiteten Muller keine Schwierigkeiten. Überdies spielte der Pianist komplett auswendig - bei diesen Kompositionen, die nicht einfach in den Fingern liegen, eine beeindruckende Gedächtnisleistung.
    Bei solch herausgekehrter Virtuosität blieben allerdings etliche Zwischentöne auf der Strecke. Die Intimität der leisen, lyrischen Variationen bei Bach konnte Muller allenfalls durch das Hilfsmittel des linken Pedals andeuten, und das berühmte Instrumental-Rezitativ in Beethovens "Sturm"-Sonate wirkte zufällig und ohne rhetorische Kraft. Bei den Goldberg-Variationen schien es zeitweise sogar, als hätte sich Franz Liszt in Bachs Komponierwerkstatt eingeschlichen. Immer wieder klang in den brillanten Läufen etwas Etüdenhaftes mit. Zudem war Muller offenbar einen größeren Saal gewohnt. Im Kurfürstlichen Palais nahmen sich die leisen Passagen nur wie Vorstufen aus zum donnernden Dauerforte. So brillant Muller die Stücke auch bewältigte - Anschlagsdifferenzierung und Anschlagskultur sind noch ausbaufähig. Jean Muller hat den Höhepunkt seiner künstlerischen Entwicklung noch nicht erreicht.

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  • 07.08.2017 Trierischer Volksfreund

    Flöten, bis die Funken fliegen

    (Trier) Das Kammer-Ensemble Spark bietet beim Mosel Musikfestival mit seinen außergewöhnlichen Interpretationen zwischen Klassik, Jazz und Moderne 800 euphorisierten Zuschauern ein wahres Spektakel.
    Trier Wenn das Mosel Musikfestival in den Innenhof des Trierer Rokoko-Palais bittet, ist hochklassiges Konzerterlebnis angesagt. "Hochklassisches" könnte man in diesem Fall auch erwarten, steht doch ein Kammermusik-Quintett mit Piano, Violine, Cello und Flöten auf der Bühne und hat Musik von Mozart, Bach, Händel und Ravel im Programm. Aber: Weit gefehlt!
    Es gibt zwar die Granden der vergangenen Jahrhunderte zu hören, jedoch in völlig neuem musikalischen Gewand, und dazu einen elektrisierenden Stilmix von Volksmusik, Jazz, Pop und Moderne. Das alles verquicken - unprätentiös, aber spektakulär - die fünf klassisch ausgebildeten jungen Virtuosen von Spark - das ist Englisch für "Funke". Und dieser Funke springt vom ersten Moment an auf das 800 Köpfe zählende Publikum über.
    "In Re Don Giovanni" des zeitgenössischen Avantgarde-Komponisten Michael Nyman bietet Stakkato-Mozart, der gleich zu Beginn durch die Ohren über den Bauch in die Beine geht. Exzentrik und Kreativität kennzeichnen Sparks Interpretationen, aber auch erstaunliches Feingefühl bei den (wenigen) langsamen Stücken zum Runterkommen. Dabei ist immer das tiefe Werkverständnis der Musiker zu spüren, es wird nichts verhunzt oder verschandelt, ganz im Gegenteil: Die Dekonstruktion der Klassiker führt hier zu einem neuen Klangerlebnis, das die Musik auf eine neue, überraschende Ebene hebt.
    Andrea Ritter (Blockflöte), Daniel Koschinski (Blockflöte/Melodica), Arseni Sadykov (Klavier) und Viktor Plumettaz (Cello) lassen ihrem Spieltrieb freien Lauf. Letzterer steuert mit "Scotch Club" und "The last Step" (inspiriert von Händels Sarabande) auch zwei eigene und bemerkenswerte Kompositionen bei. Was Ritter und Koschinski auf ihren - übrigens zu Unrecht als Anfängerinstrument verspotteten - Blockflöten abliefern, ist sensationell. Rund 15 verschiedene Flöten bespielen sie im rasend-fliegenden Wechsel, von der Mini-Sopranino-Flöte bis zum meterlangen Blockflöten-Goliath ist alles dabei. Beim abschließenden und dem Konzert sinnigerweise den Namen gebenden "On the Dancefloor" - von Sebastian Bartmann eigens für Spark komponiert - spielen sie gar einen astreinen Techno-Sound auf zwei Flöten gleichzeitig. Cellist Plumetttaz wird zum Headbanger, und Sadykov macht sich außer Rand und Band am Innenleben des großen Konzertflügels zu schaffen.
    Das ist einfach mitreißend und provoziert immer wieder stürmischen Zwischenapplaus, Johlen und Pfeifen bei den euphorisierten Zuschauern. Johann Sebastian Bachs "Badinerie" oder Ravels "Rigaudon" bringen tanzbare Dynamik, das "Lamento di Tristano" aus dem 14. Jahrhundert hingegen eindringliche Gänsehautmomente. Modernere Stücke wie Tayfuns "Dance on two floors" oder Jazz von Kapustin und Cole Porter bieten den Künstlern Gelegenheit zu virtuosen Soli.
    Was zwei Blockflöten aus dem Popklassiker "Dancing Queen" von Abba machen können, ist nicht in Worte zu fassen, das muss man gehört haben. Das hat sich wohl auch der scheidende Mosel-Musikfestival-Intendant Hermann Lewen gedacht, als er, mit bekannt gutem Näschen für kommende Stars, Spark schon im Jahre 2011 zum ersten Mal an die Mosel geholt hat. Kurz darauf heimsten die Fünf den renommierten Musikpreis Echo in der Kategorie "Klassik ohne Grenzen" ein. Damals spielten sie noch vor nur 120 Zuschauern, heute nun vor der Rekordkulisse von 800 restlos begeisterten Besuchern. Und Lewen wäre nicht Lewen, wenn er - aus Anlass seines letzten Open-Air-Konzertes im Innenhof der kurfürstlichen Palais als Intendant - nicht noch einen draufsetzen würde: Nach dem Konzert bietet er der staunenden Menge noch ein opulentes und musiksynchrones Feuerwerk zu Mussorgskis "Das große Tor von Kiew" aus den "Bildern einer Ausstellung", bei dem dann auch optisch echte Funken fliegen. Und was für welche!

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  • 05.08.2017 Trierischer Volksfreund

    Mosel Musikfestival: 500 Besucher lauschen der Trumpet Night im Trierer Palais

    (Trier) Rüdiger Baldauf & Friends bieten dem Publikum beim Mosel Musikfestival im Palais in Trier eine "Trumpet Night". Die mehr als 500 Besucher können gar nicht genug bekommen.
    Just in dem Moment, da Tobias Scharfenberger, derzeit noch Zweit-Chef neben Hermann Lewen und ab 2018 Generalissimus des Mosel Musikfestivals, sich bei den Sponsoren der Reihe zu bedanken anhebt, unter anderem dem Hauptgeldgeber Sparkasse Trier, zieht ein Schwarm kreischender Raben am Himmel vorbei. Prompt macht der Jux vom "Pleitegeier" die Runde im Auditorium. Was angesichts der Erfolgsserie des Festivals eher unwahrscheinlich ist. Wahrscheinlicher dagegen, dass es sich um eine Abordnung britischer Raben aus dem Londoner Tower handelt, deren permanente Anwesenheit innerhalb des alten Gemäuers der Legende nach ja die Beständigkeit des britischen Imperiums garantieren soll.
    Aber auch Vögel haben Existenzängste. Aufgeschreckt von der Absicht ihrer Premierministerin "Alles neu macht die May" hatten die Brit Birds vermutlich auf der Suche nach einer neuen Bleibe in Europa auch die Mosel ins Auge gefasst. Ein Plätzchen im Innenhof des Kurfürstlichen Palais wäre an diesem Abend keine schlechte Wahl gewesen, ging doch hier echt die Post ab. Denn es hatten sich versammelt der Trompeter Rüdiger Baldauf mit sieben Freunden im Geiste des Pop, Funk, Rock - und ja, ein bisschen Jazz war auch dabei.
    Getreu dem Motto des Abends "Trumpet Night" hatte der aus Bensberg stammende Musiker zwei weitere instrumental-identische Mitstreiter mitgebracht: den Österreicher Andy Haderer (der mit einer wunderbar sanften Version von Kurt Weills "Speak low" den einzig wirklichen Klassiker des Abends präsentierte) und Joo Kraus, der nicht nur in sein Instrument blies, sondern auch gesanglich (etwa mit seinen melancholischen "Leaves", den farbigen Herbstblättern) zum Gelingen und moderationstechnisch zum Unterhaltungswert der Veranstaltung beitrug.
    Was den Gesang angeht, konnte sich übrigens Edo Zanki den Löwenanteil des Abends sichern. Der stimmgewaltige Sänger - eine Zuschauerin erinnerte der stämmige Künstler an die Mannheimer Rockröhre Joy Fleming - wusste sich mit Liedern wie "Gib mir Musik" oder "Uns bleibt die Nacht" auch dann noch mühelos Gehör zu verschaffen, wenn seine sieben Mitstreiter voll aufdrehten.
    Nachdenklich kann er aber auch: Seine Cover-Version von Gregor Meyles "Finde dein Glück" war eine Insel der Beschaulichkeit in einem Meer voller Drives und Dezibels. Dafür sorgten nicht zuletzt der Schlagzeuger Thomas Heinz, der dem Drumset atmosphärische Klänge zu entlocken wusste und im Übrigen rhythmisch raffinierte Schwerstarbeit leistete, sowie der Gitarrist Bruno Müller, der mit seiner Komposition "Spin" den Gitarrenheroen der 1970er seine Reverenz er- und dem Publikum bewies, dass er den großen Vorbildern allemal das Wasser reichen kann.
    Da hatten es der Bassgitarrist Marius Goldhammer und der Keyboarder Christian Frentzen schon etwas schwerer, sich im Oktett zu profilieren. Und immer wieder Michael Jackson. Zweifellos einer von Baldaufs Lieblingsinterpreten, aus dessen Werk er sich häufig bedient und die Songs auf sehr individuelle Weise aneignet - seien es "Superstition" (noch aus der Zeit der "Jackson 5"), "Don’t stop", "Wanna be starting something" oder "The way you make me feel". Mit mal messerscharfem, mal seidenpapierweichem Sound sowie einigen raffinierten Verfremdungen, quasi optischen Täuschungen fürs Ohr, übermalt er jedes Stück mit der passenden Klangfarbe.
    Und für die Trierer, über deren reichliches Erscheinen er ebenso überrascht wie erfreut zu sein scheint (klar: mehr als 500 Zuschauer müssen für einen Clubgrößen gewöhnten Jazzer eine geradezu olympische Dimension sein), hat er auch noch eine Uraufführung im Gepäck. Na gut, nicht wirklich eine "Ur"-Aufführung, aber zumindest eine Neubearbeitung von "You are not alone". Die kommt in Baldaufs Interpretation zwar sehr gefühlvoll, aber erfrischend unkitschig daher, vor allem, als am Ende die Band voll aufdreht und mit dreifachem Fortissimo den Schmachtfetzen explodieren lässt. Da trocknet wirklich ganz rasch jede Rührseligkeits-Träne.
    Jubel und Applaus und am liebsten noch zehn Zugaben. Vorsichtshalber greifen - nach immerhin zwei zusätzlichen Stücken - Lewen und Scharfenberger mit einem Tablett voller Biergläser (leider nur für die Musiker) ein und erlösen die Künstler aus der Beifallsfalle.

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  • 25.07.2017 Trierischer Volksfreund

    "So jung und so begabt"

    (Schweich) Der Longkamper Pianist Philipp Vitkov brilliert in der Schweicher Synagoge.

    Schweich (urs) Scheinbar mühelos meistert er herausragende Werke wie Ludwig van Beethovens Waldstein-Sonate mit ihren rasch wechselnden Emotionen. Doch es ist nicht nur ein Genuss, dem 20-jährigen Klaviertalent Philipp Vitkov zuzuhören. Beobachten zu können, mit welcher Leidenschaft er spielt, macht seine Konzerte umso mehr zu einem Erlebnis. Die ehemalige Schweicher Synagoge bot dafür eine optimale Kulisse, wie etwa 120 Besucher erleben konnten.
    Monika Wintgen, selbst Pianistin, war beeindruckt: "So jung und so begabt - ich habe Beethovens Waldstein selten so fantastisch gehört". Peter und Inge Brucker kommen öfter in den Genuss. Als Nachbarn des jungen Mannes aus Longkamp schätzen sie dessen Klavierkunst auf Weltklasseniveau. Für Erika und Peter Kruse aus Mehring zeichnen Künstler wie Vitkov, der ja "ein Kind" des Mosel Musikfestivals sei, dieses wiederum aus. Denn es zeige, dass es nicht bei der Absicht einer musikalischen Förderung junger Leute aus der Region bleibe. Beiträge als Freund oder Förderer der gemeinnützigen Gesellschaft seien also gut anlegt. Die Region bringe offensichtlich "nicht nur gute Weine, sondern auch gute Künstler" hervor. "Wir haben ihn mit zehn Jahren entdeckt", erinnert sich Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, an seine erste Begegnung mit Vitkov. Hinter dem Steinway-Flügel im Kurgastzentrum sei er kaum zu sehen gewesen, aber er habe traumhaft Bach gespielt. Lewen selbst hatte dem jungen Talent erlaubt, dort zu üben. Das Mosel Musikfestival bot die wichtige Plattform, den jungen Musiker aufzubauen. In Schweich gastierte der Enkel einer Pianistin zum vierten Mal im Rahmen der Reihe. Sein kraftvolles Spiel sei "typisch russische Schule", ist Lewen überzeugt, dass der in der Region groß gewordene Pianist "seinen internationalen Weg gehen wird".

    Extra: BIOGRAFISCHE NOTIZ: PHILIPP VITKOV
    1997 in der Ukraine geboren und seit 2001 in Deutschland, erhielt Philipp Vitkov schon als Sechsjähriger in der Kreismusikschule Bernkastel-Wittlich Klavierunterricht. Ab 2008 besuchte er das Landesmusikgymnasium in Montabaur und ab 2010 trat er bei Festivals in ganz Deutschland auf. Immer wieder sichert er sich bei nationalen wie internationalen Wettbewerben erste Plätze - zuletzt beim "Concours International De Piano De Lagny-sur-Marne". Aktuell studiert Vitkov am Pariser Conservatoire à Rayonnement Régional de Rueil-Malmaison bei Professorin Rena Shereshevskaya.

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  • 24.07.2017 Trierischer Volksfreund

    Purer Klarinettenklang im Kloster

    (Bernkastel-Wehlen) Giora Feidmann war mit dem Gershwin-Quartett im Kloster Machern zu Gast. Der charmante 81-Jährige spielte sein Instrument perfekt in all seinen Facetten.

    Bernkastel-Wehlen Leise wie ein Windhauch erklingen die ersten Töne des Konzerts, mit denen Giora Feidmann beginnt, als er den Saal von hinten durchschreitet und zur Bühne geht. Auf seinem Weg wird sein Spiel intensiver, kraftvoller, manchmal flehend. Als er angekommen ist, setzen die Streicher des Gershwin-Quartetts mit ein, und das Tempo zieht an. Nach einem großen dynamischen Bogen endet es in einem durchdringenden Ton. Mit kräftiger Applaus zeigt das Publikum schon jetzt, wie sehr es Giora Feidmann und seine Mitmusiker vom Gershwin Quartett schätzt.
    Feidmann selbst sagt: "Hier zu spielen ist wie nach Haus zu kommen." Acht Mal war er bereits im Rahmen des Mosel Musikfestivals zu Gast. Im Kloster Machern hat er schon Tonaufnahmen produziert. Hermann Lewen kennt er sehr gut. Seit 1992, um genau zu sein. Seine Wertschätzung für ihn drückte er musikalisch aus, indem er ihm ein Geburtstagständchen auf der Klarinette spielte. In seinem Programm spielte er auch Louis Armstrongs "What a wounderful world", bei dem die Streicher seine gefühlvolle Interpretation untermalten und das Violoncello die passenden Akzente setzte. Tänzerisch ging es mit Hava Nagila, einem hebräischen Volkslied, weiter. Das Violoncello, gespielt von Kira Kravtsov, spielte ein eindringliches Solo, dazu kam die Bassklarinette, die mit ihrer Tiefe dem Ganzen eine weitere Ebene verlieh. Das Gershwin-Quartett war an diesem Abend nicht nur Begleitung für den Weltstar an der Klarinette, sondern es gestaltete mit und ergänzte sich. Giora Feidman und Michel Gershwin gaben die Melodien in die Hände des jeweils anderen, der sie dann auf seine Weise fortführte und dabei den Kern nie aus den Augen verlor. Das Gershwin-Quartett bekam bei den Georigan Folk Songs, bei denen sie alleine spielten, sehr viel Applaus.
    Die Besucher im ausverkauften Barocksaal waren bei "Donna, Donna" gefordert mitzusingen, was sie auch taten. Dabei waren sie sehr konzentriert und meisterten die Einsätze mit Bravour, was Giora Feidmann ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Sein Klarinettenspiel dazu war sehr hingebungsvoll. Bei "Nobody knows the trouble i have seen" swingt Feidmann, spielt schnelle Läufe, haucht und betont jeden einzelnen Ton, so dass seine Klarinette der menschlichen Stimme sehr nahkommt. Durch den entsprechenden Stil, beispielsweise Triller, Vibrato oder angeschnittene Töne, entlockt er seiner Klarinette Klänge, die Schluchzen, Weinen oder Jubel sehr ähnlich sind.
    Zwischen den Stücken spricht Feidmann an, wie wichtig ihm der Friede zwischen den Völkern ist, und dass er nicht verstehen kann warum es immer wieder zu so viel Gewalt kommt, und wie viel Freude und Gefühl er und andere Menschen durch die Musik erfahren können. Mit Shalom chaverim, Friede sei mit euch, ging es in die Pause.
    Einen musikalischen Dank an das Leben gab es mit dem gleichnamigen Stück "Gracias a la vida", das sich zwischen leichter Melancholie und tiefer Freude bewegte. Nahtlos ging es dann über in Carmina Burana, das weitläufig von den Musikern interpretiert wurde und auch mal einen "Oh du lieber Augustin" in der Melodie hatte. Zum Schluss sang das Publikum noch einmal mit Giora Feidmann, so dass dieser sich schon fast im Paradies fühlte, wie er sagte. Mit mehreren Zu gaben und stehendem Applaus ging der Abend zu Ende.

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  • 24.07.2017 Trierischer Volksfreund

    Sanfte Klänge mit lateinamerikanischem Flair

    (Trier) Das Amadeus Guitar Duo springt beim Mosel Musikfestival für die Assad Brothers ein. Mit ihren Kompositionen sorgen die Musiker dabei für Urlaubsstimmung.

    Trier Eigentlich waren für den Auftritt beim Mosel Musikfestival (MMF) am Samstag die Assad Brothers vorgesehen. Krankeitsbedingt musste das Duo den Auftritt im Bischöflichen Priesterseminar jedoch absagen. Glück für den Veranstalter: Das Amadeus Guitar Duo, das aus der Kanadierin Dale Kavanagh und dem Deutschen Thomas Kirchhoff besteht, konnte kurzfristig für die Assad Brothers einspringen.
    Das Gitarrenduo gehört zur internationalen Spitzenklasse, und wenn das kanadisch-deutsche Duo nicht auf Tour ist, unterrichten beide als Professoren an der Gitarrenklasse der Musikhochschule Detmold.
    Konzentriert und mit voller Hingabe spielte das Gitarrenduo die Lieder in ihrem Programm. Besonders die lateinamerikanischen Stücke von Jaime M. Zenamon und Alfonso Montés transportierten das Publikum an einen anderen Ort. Die ruhige Gitarrenmusik versetzte die Zuhörer in ein kleines lateinamerikanisches Dorf, in dem gerade zur Mittagszeit Siesta gemacht wird. Die Menschen suchen Schutz vor der erdrückenden Hitze, und die Gitarrenmusiker nehmen ihnen mit ihrem leichten Gitarrenspiel die Sorgen.
    Den beiden Zuhörern Marianne und Bernhard aus Trier gefiel die Musik sehr gut: "Ich fühlte mich wie in meinem letzten Urlaub in Barcelona, als ich abends die Straßen hinunterging und ruhige Gitarrenmusik aus den Bars drang." Beide mochten es, dass man sich bei der Musik treiben lassen konnte und den Alltagsstress vergaß.
    Tobias Scharfenberger wird nächstes Jahr als Intendant die Leitung des Mosel Musikfestivals von Hermann Lewen übernehmen (der TV berichtete mehrfach). Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund äußerte er sich bezüglich der schnellen Programmänderung sehr zufrieden: "Wir haben es glücklicherweise geschafft, mit dem Amadeus Guitar Duo einen hochwertigen Ersatz für die Assad Brothers zu finden. Zwar sind ein paar Karten nach der Ankündigung zurückgegangen, aber gleichzeitig sind auch Menschen extra gekommen und haben Karten gekauft, als sie hörten, dass das Amadeus Guitar Duo auftreten wird."

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  • 20.07.2017 Trierischer Volksfreund

    Dem Geheimnis der Musik auf der Spur

    (Bernkastel-Wehlen) Der weltberühmte Pianist Grigory Sokolov war zu Gast im Kloster Machern und begeisterte das Publium mit hervorragendem und einfühlsamem Spiel.

    Bernkastel-Wehlen (er) Mozart bringt alles zum Klingen, was in uns ist. Und Grigory Sokolov ist sein genialer Mittler. Als Gast des Mosel Musikfestivals gab der russische Pianist im Barocksaal von Kloster Machern ein Konzert, das den Weltruhm des Künstlers einmal mehr rechtfertigte.
    Eigentlich möchte man meinen, sei über Sokolov alles gesagt. Und doch ist jede neue musikalische Begegnung mit dem Mann, der dem Augenschein nach den gemächlich stämmigen Figuren russischer Romane des 19. Jahrhunderts gleicht, eine neue, tiefgreifende Erfahrung.
    Als Mystiker gilt der Russe vielerorts. Sicher zu Recht, wie sich in Machern einmal mehr herausstellte, und das nicht wegen seiner Vorliebe für abgedunkelte Räume (auch diesmal waren die Vorhänge zugezogen).
    Wenn er so dasitzt, hochkonzentriert und ganz bei sich, ist Sokolov dem nicht formulierbaren Geheimnis der Musik auf der Spur, die es vermag, wortlos nach innen zu schauen und die Seele schwingen und vibrieren zu lassen.
    Im Spiel des Pianisten verband sich auch in Machern faszinierend die eigene Innenschau mit der feinsinnigen Auslotung der Musik und ihrer Wesenhaftigkeit. All das geschieht erzählfreudig, geistreich und ungeheuer klangsinnlich. Werke von Mozart und Beethoven standen an diesem Sommerabend auf dem Programm.
    Als heiterer Erzähler begann Sokolov den Abend mit Mozarts bekannter Sonate C-Dur KV 545 und machte im Klang den Saal leuchten. Bereits da beeindruckte die Klarheit, die Sokolovs Klanglyrik, auch in den beseeltesten Momenten nie abhanden kommt. Dem strahlenden C-Dur folgte unmittelbar Mozarts großartige Fantasie und Sonate c-Moll KV 475/457, die Beethoven inspirierte und die bereits weit in die Romantik vorausweist. In Sokolovs Spiel wurde die über viele Jahre entstandene Musik mit ihren überraschenden Wendungen, ihren Wechselfällen und Kontrasten zur existenziellen Frage. Geradezu zum Bild des modernen Menschen wurde die Musik, mit ihren Fragen, Zweifeln, ihrem Ringen, ihren vorläufigen Antworten und ihrer nie endgültigen Gewissheit.
    Sokolovs Spiel suchte, machte die feinen Unterströmungen der Musik hörbar, das Gespenstische wie das Höhnische und ließ im Leuchten das Dunkel ahnen. Was sich im ersten Teil des Konzerts angekündigt hatte, wurde im zweiten Teil schlüssig weitergeführt.
    Der Pianist spielte Ludwig van Beethovens Klaviersonaten Nr.27 e-Moll op.90 und seine letzte Klaviersonate Nr.32 c-Moll op.111, die als Vermächtnis des Komponisten gilt. Als Meister der Temperamente und kongenialer Treuhänder präsentierte sich der Pianist.
    Eros und Erkenntnis hat Thomas Mann in dieser letzten Sonate gesehen. Und so spielte Sokolov, dem Weltgeist auf der Spur. Kraftvoll und entschieden erklang die Musik, dringlich, aber immer Herr ihrer selbst. Kleine gemeißelte Klangskulpturen waren die Triller des Pianisten. Tief berührte der nachdenkliche Ernst der Einsicht und Selbstbescheidung.
    Unzählige Male hat man die Stücke dieses Abends gehört, in Machern hat man sie bewegend neu erfahren.
    Mehr noch: einmal mehr bestätigte sich, von welch existenzieller Bedeutung die Kunst ist, als Bild der Welt und Echolot ins eigene Innere. Seinem jubelnden Publikum dankte der Pianist mit großzügigen Zugaben.

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  • 18.07.2017 Trierischer Volksfreund

    A cappella mit Gefühl und Humor

    (Trier) Das Ingenium Ensemble präsentiert Volkslieder und ein paar moderne Stücke.

    Trier Jung und dabei schon unwahrscheinlich gut aufeinander abgestimmt: Der Auftritt des Ingenium Ensembles im Rheinischen Landesmuseum im Rahmen des Mosel Musikfestivals hat bei den 150 Zuschauern für Furore gesorgt. Denn die Leistung der vier Sänger und zwei Sängerinnen aus dem slowenischen Ljubljana hat sie überzeugt. Die Stimmen der vier jungen Männer und der zwei Frauen des Ensembles - vier davon sind Geschwister - brillieren. Immer wieder bilden die tiefen Stimmen der Männer die Grundlagen für die Sopranstimmen der Frauen. Da passt jeder Einsatz, da passt jede Betonung, jede Dynamik und auch jede Stimmung, die die sechs Sänger bei ihrem A-cappella-Auftritt transportieren. So wie in dem slowenischen Volkslied "Marko Skace", das von einem Jungen handelt, der ein Mädchen heiraten will, deren Mutter dieses jedoch nicht erlaubt. Trotz der fremden Sprache kann das Publikum das Werben des jungen Mannes, die Ablehnung der Mutter und die Verwünschungen des abgewiesenen Schwiegersohns mitfühlen.

    Beide Hälften des Programms haben sich aus zwölf manchmal sehr kurzen Stücken zusammengesetzt. Begonnen hat der Chor mit zahlreichen Volksliedern, die bis auf zwei deutsche Stücke aus der slowenischen Heimat der Sänger und ihrer benachbarten Länder stammen. Diese sind oft ähnlich arrangiert und haben dabei an kirchliche Choralgesänge erinnert. Doch wird das Programm beim letzten Stück der ersten Hälfte, einem Medley unterschiedlicher slowenischer Volkslieder, etwas lebhafter, was sich nach der Pause fortsetzt. Da ist auf einmal Humor und Witz im Spiel, und auch die bekannteren Melodien wie der Beatlestitel "Yesterday" oder "Time to say Goodbye" machen es dem Publikum jetzt leicht, dem Programm zu folgen. "Yesterday" stimmen die Sänger mit Intensität und Gefühl an, bei dem der Stil des Ensembles immer noch erkennbar bleibt. Und bei "Time to say Goodbye" überzeugen gleich alle drei Sänger, die nacheinander die Strophen anstimmen, mit Kraft und Emotion. Dem Publikum hat das Konzert sichtlich gefallen, zwei Zugaben gab es nach langanhaltendem Applaus.

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  • 17.07.2017 Trierischer Volksfreund

    Feiner Humor aus tiefem Blech

    (Wittlich) Die sieben Blechbläser von Mnozil Brass waren, auf Einladung des Moselmusikfestivals, mit ihrem Programm Cirque im Eventum Wittlich. Neben großartiger Blasmusik gab’s auch einige Überraschungen.

    Wittlich Ein Clown betritt die Bühne. In der einen Hand hält er eine Rose, in der anderen eine Trompete. Im Hintergrund wird getragene Musik gespielt. Während er Rosenblätter auf die Bühne schweben lässt, wird die Musik chaotischer. Die Trompeten und Posaunen lauter, die Töne angespielt mit Glissandi versehen, und die Harmonien dissonanter. Schließlich endet es in einem großen voluminösen Klang. Mnozil Brass steht auf der Bühne des Eventums vor 1000 Besuchern und zeigt sein Programm Cirque.

    Mit einer klingenden Hommage an die Welt des Zirkus sind sie aktuell auf Tournee. Die sieben österreichischen Musiker, in der Besetzung von drei Trompeten, drei Posaunen und einer Tuba, stehen seit über zwanzig Jahren erfolgreich auf der Bühne und bieten ihrem Publikum nicht nur ausgezeichnete Blechblasmusik, sondern zudem ein feinsinniges Programm.
    In Wittlich wird es nach dem polternden Schluss des ersten Stücks ruhiger. Ein Zirkusdirektor mit Zylinder und Frack, es ist der Trompeter Roman Rindberger, kommt auf die Bühne und lässt charmant ein Taschentuch verschwinden und an verschiedenen Stellen, wie der Hose seines Kollegen Robert Rother, wieder auftauchen. Die Musiker begleiten ihn derweil dezent, setzten präzise, aber von Leichtigkeit geprägte Einwürfe und untermalen die Szene. Die Musiker gehen mal schleichend über die Bühne, dann tänzeln sie, schließlich trägt einer den anderen, während sie weiter musizieren. Das Ganze geschieht ohne Worte. Nur pantomimisch wird agiert, und die Musik spricht für sich.
    Über fast sieben Oktaven, vom Subkontra Ges der Tuba bis hin zum viergestrichenen C der Trompeten, beherrschen sie ihre Instrumente in allen Stilrichtungen. Sie schmettern kraftvoll, spielen leise und präzise, können in rasanten Tempi brillieren und minutenlang das Tempo exakt halten. Dabei klingt es nie angestrengt, sondern immer lässig und leicht. Zudem sind Dynamik, Zusammenspiel und Tonqualität im Eventum gut auszumachen. Ein besonderer Höhepunkt war es für die Besucher, als Thomas Gansch mit Trompete in der einen und Flügelhorn in der anderen Hand, erst nacheinander und schließlich in beide gleichzeitig blasend, gespielt hat. Ebenso überzeugte Leonhard Paul mit einem Posaunensolo, das die gesamte Bandbreite des Instruments hören, und die Zuschauer staunen lässt.
    Faszinierend ist für die Besucher, die zum Teil aus der Schweiz, Luxemburg und Österreich angereist sind, die Mischung aus feinem Humor und brillantem Instrumentalspiel. Das macht die sieben Musiker so einzigartig: sehr gute Brass-Musik können viele Gruppen, Comedy dazu einige, aber die Zwischentöne, die durch das Zusammenspiel von Musik und künstlerischer Darstellung entstehen, macht ihnen keiner nach. Dabei wahren sie eine gewisse Distanz zum Publikum. Es sind keine Wirtshausmusiker, die mit ihrem Publikum gleich beim "Du" sind, den direkten Kontakt suchen oder sie gleich dazu animieren, mitzumachen. Sie lassen ihre Musik wirken und geben den Besuchern dadurch den Freiraum, Bilder im Kopf entstehen zu lassen.
    Sie spielen zudem nicht nur auf ihren Instrumenten, Mnozil Brass kann auch singen. Mehrstimmig zeigen sie anhand eines französischen Liebeslieds, dass sie auch diese Kunst beherrschen. Und sollte Leonhard Paul mal keine Lust mehr auf Basstrompete und Posaune haben, wäre ihm eine Karriere als trauriger Clown zuzutrauen. Den spielte er mit einer großartigen Intensität, langsamen Bewegungen, traurigem Blick, etwas ungeschickt und linkisch, dass sich der Eintrittspreis schon für seine Vorstellung gelohnt hat.

    Extra: MNOZIL BRASS BESETZUNG
    Thomas Gansch: Trompete, Flügelhorn, Robert Rother: Trompete, Flügelhorn, Roman Rindberger: Trompete, Flügelhorn, Leonhard Paul: Posaune, Basstrompete, Gerhard Füssl: Posaune, Zoltan Kiss: Tenor- und Altposaune, Wilfried Brandstötter: F-Tuba.

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  • 13.07.2017 Trierischer Volksfreund

    Zwischen Zärtlichkeit und Leidenschaft

    (Wehlen) Ein gefühlvoller, sensibler Musikabend erwartete die Besucher im Barocksaal des Klosters Machern.
    Wehlen (cst) Zurückhaltend und zart klingt das Klavier, dazu die Violine, die sich über die sanften Töne des Pianos erhebt. Man merkt auf Anhieb: Auf der Bühne des Klosters Machern sind mit Khatia Buniatishvili und Renaud Capuçon zwei Musiker, die sich blind verstehen.
    Direkt beim zweiten Konzert der diesjährigen Auflage des Mosel Musikfestivals hat der scheidende Intendant Hermann Lewen damit für einen Höhepunkt gesorgt. Gekonnt spielen sich die beiden Musiker am Flügel und der Violine die Motive zu, übernehmen die vom Partner in Klang gesetzten Melodien und setzen sie virtuos fort.
    Beispielhaft genannt sei hier der erste Teil von Edvard Griegs Sonate für Violine und Klavier Nr 3 c-Moll op. 45.: Da erinnert das Spiel der beiden an einen Springbrunnen, aus dem das Wasser zart heraussprüht und die Betrachter in eine Stimmung des Wohlseins und der Harmonie versetzt. Genauso wie es den Zuhörern im Barocksaal mit den gefühlvollen Melodien ergeht, bis die Musik von einer Sekunde auf die andere dem Tosen von Wasserfällen gleicht, deren aufbrausender Fluss sich dann aber rasch in den aufnehmenden Gewässern wieder beruhigt, bis sich die nächste Stromschnelle mit ihrer Dynamik ankündigt. Der Dialog der beiden Instrumente mit dem gegenseitigen Aufnehmen und Fortführen der Motive hat in einem Moment etwas Zärtliches, bevor es dann immer wieder umso forscher und leidenschaftlicher weitergeht.
    Insbesondere die aus Georgien stammende Pianistin spielt den altehrwürdigen Flügel des Klosters Machern so gefühlvoll und sensibel, wie es wohl nur wenigen vor ihr gelungen ist.
    Und auch Capuçons Spiel auf der Violine ist besonders in den leisen Passagen mit ihrer intensiven Zärtlichkeit beeindruckend, während es sich in einigen wenigen lebhaften und energischen Momenten des Abends nur mit Mühe gegen den lauten Flügel behaupten kann.
    Nicht nur bei der Sonate von Grieg, sondern auch bei den romantischen Stücken für Violine und Klavier von Antonin Dvorak und César Francks Sonate für Violine und Klavier in A-Dur gelingen Buniatishvili und Capuçon immer wieder meisterhaft die Wechsel von laut zu leise, von schnell zu langsam. Die 200 Besucher hat die Leistung des Duos mitgerissen: Sie haben das mit zwei Zugaben 75 Minuten dauernde Konzert mit Standing Ovations honoriert.

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  • 12.07.2017 Trierischer Volksfreund

    Mosel Musikfestival: Wolfgang Port löst Thomas Egger im Aufsichtsrat ab

    (Bernkastel-Kues) Wolfgang Port, Bürgermeister von Bernkastel-Kues, ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Mosel Musikfestivals. Den Vorsitz der Gesellschafterversammlung übernimmt der Kulturdezernent der Stadt Trier, Thomas Schmitt.

    Die Wahl war notwendig geworden, da der vorherige Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Egger im vergangenen Jahr als Kulturdezernent der Stadt Trier vom Trierer Stadtrat abgewählt worden war und somit auch seinen Vorsitz im Aufsichtsrat abgegeben hatte.

    Auf der Gesellschafterversammlung in Bernkastel-Kues haben die Gesellschafter darüber hinaus beschlossen, wie in den Vorjahren ihre Ausgleichzahlung von
    116 000 Euro auch für das Geschäftsjahr 2016 in voller Höhe zu leisten. Daraus resultiert ein positiver Jahresabschluss von 15 300 Euro.

    Die Saison des Mosel Musikfestivals dauert bis einschließlich Dienstag, 3. Oktober. Auch im Lutherjahr finden viele Projekte, Konzerte mit Solisten und Soloprogramme in Weingütern, Kirchen, Kapellen und Klöstern, Ruinen, Schlössern und open air statt.

  • 10.07.2017 Trierischer Volksfreund

    Nachdenklichkeit im Jubel

    (TRIER) Mit einem musikalischen Gedenken an den Holocaust eröffnen Franz Grundheber, Orchester und Chor das Mosel Musikfestival.
    TRIER Die Interpreten ließen Beifall einfach nicht zu. Der letzte Akkord in Arnold Schönbergs "Überlebendem von Warschau" war mit einem heftigen Akzent zu Ende, da verließen die Mitglieder des Saarländischen Staatsorchesters in Trier St. Maximin unvermittelt ihre Plätze, manche tauschten die Positionen aus, andere gingen ab, wieder andere kamen dazu. Es war "business as usual". Und damit genau die rechte Konsequenz aus dieser Kantate, die Schönberg gegen Ende seines Lebens schrieb - über Menschen, die im KZ angesichts des nahen Todes ihre Religion wiederfinden und ihre ethnische Identität gleichfalls. Keine Frage: Jeder Applaus hätte den ethischen Anspruch in diesem Werk geschwächt.
    In kurzen sieben oder acht Minuten schildert Schönberg, wie Menschen die Lager-Tyrannei abwerfen, wie sie ganz zu sich selber kommen und zu ihrem jüdischen Volk. Bariton Franz Grundheber beginnt mit der Erzählung des "Überlebenden" leise, verhalten und jenseits aller Dramatik. Dieser Sprechstil lässt ahnen, was die Erzähl-Figur an Schrecklichem erlebt hat. Und wenn gegen Ende der befohlene Zählappell übergeht in den jüdischen Hymnus "Schema Israel" - "Höre, Israel" -, dann nimmt bei Grundheber die Sprech-Intensität zu, ohne theatralisch zu werden.
    Der Choreinsatz war ein Höhepunkt - vielleicht der große Höhepunkt in diesem ausverkauften Eröffnungskonzert zum Mosel Musikfestival. Da findet der etwa 60 Köpfe starke und bestens vorbereitete Männerchor zu einer imponierenden Gewalt und bedingungslosen Hingabe. Das Staatsorchester aus Saarbrücken und vor allem Dirigent Jochen Schaaf geben Schönbergs strenger und doch so farbenreicher und klangintensiver Zwölfton-Partitur eine expressionistische Schärfe.
    Jeder der 800 Besucher mag es gespürt haben: Nach Schönberg offenbart Beethovens Neunte ein anderes, meist verborgenes Potenzial - weniger kulturgesättigt, nachdenklicher. Bei Franz Grundheber klingt das Final-Rezitativ "O Freunde, nicht diese Töne" wie eine unübertrefflich präsente und ungemein entschiedene Absage an alle Konventionen. Spätestens in diesem Satz hört bei Beethoven die Gemütlichkeit auf. Dabei bringt Jochen Schaaf nicht allzu viel dirigentisches Profil mit. Aber das ist auch anders zu verstehen: Der Dirigent lässt das Orchester frei ausspielen. Es dankt ihm mit Konzentration, Engagement und Distanz zu lauer Routine. Nur bei komplexen, polyphonen Abschnitten weichen die Klangkonturen in der Maximin-Akustik auf, und der langsame Satz gerät merkwürdig eilig, fast atemlos.
    Aber dann das wunderbare Chorfinale! Der Trierer Konzertchor, der Kammerchor "Madrigal de Luxembourg", Mitglieder des Trierer Speechors und je drei Sängerinnen und Sänger aus dem Trierer Opernchor haben sich zu einer Formation von erstaunlicher Qualität zusammengefunden. Aus der Maximin-Apsis heraus entfalten sie Klangfülle, Deutlichkeit der Sprache, Reinheit der Intonation und dazu eine beeindruckende Klangkultur. Das Schrille, Forcierte, Überanstrengte, das Sängern und Hörern den späten Beethoven verleiden kann, es stellt sich noch nicht einmal in Ansätzen ein. Susanne Bernhards klangschöner, leichter Sopran, Marion Ecksteins runder, warmer Alt, der helle, freilich eher einförmige Tenor von Thomas Greuel und der überragende und dabei höchst anpassungsfähige Franz Grundheber, sie formieren sich mit Chor und Orchester zu einem homogenen und am Ende jubelnden Klangganzen. Gerade im direkten Vergleich mit Schönberg entfaltet Beethoven eine entschiedene, eine utopische Kraft. Sie ist Mahnung und Appell zugleich: zu verhindern, dass sich Auschwitz jemals wiederholt. Und sich für eine bessere, eine humane Welt einzusetzen. Die Besucher applaudierten anhaltend und hellauf begeistert und blieben noch lange vor St. Maximin miteinander im Gespräch. © Martin Möller

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  • 14.02.2017 Trierischer Volksfreund

    Ein Abschied auf Raten: Mosel-Musikfestival-Chefs plaudern über ihr Projekt

    (Bernkastel-Kues) An der Spitze des Mosel Musikfestivals gibt es 2018 einen Wechsel. Hermann Lewen und Tobias Scharfenberger, die das Projekt bis Ende des Jahres gemeinsam leiten, plaudern aus dem Nähkästchen.

    Hermann Lewen muss unbedingt ein Buch schreiben! Was er seit dem 4. Januar 1983 erlebt hat, sollte der Nachwelt erhalten bleiben. Zum Beispiel das: "Als ich meinen Dienst bei der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues antrat, sagt der Büroleiter: ,Was Sie hier sollen, weiß ich nicht. Ich habe auch noch kein Büro für Sie, sondern nur eine alte Schreibmaschine’", erzählt Lewen im Kurgastzentrum vor Mitgliedern von Verbandsgemeinderat und Stadtrat.

    Er sei damals erst einmal im Gemeinschaftsraum gelandet und dort auf Günter Wagner, heute Kämmerer der VG, gestoßen. "Was machst du hier. Der Kaffee kostet drei Groschen. Wenn du nichts bezahlst, warst du das letzte Mal hier", habe der zu ihm gesagt. Lewen blieb dann doch länger. Er hat das kulturelle Leben in der Region geprägt wie kein anderer, wahrscheinlich hat er es sogar erst eingeführt.

    Seit Beginn des Jahres läuft die Abschiedstournee des 64-Jährigen. Sein Nachfolger im Amt als Intendant des Mosel Musikfestivals steht bereits fest. Tobias Scharfenberger (52), in München geboren, in Hamburg und in Trier aufgewachsen, ist an diesem Abend auch da. Beide werden 2017 gemeinsam an der Spitze stehen. "Eine einzigartige Form des Übergangs", sagen sie. Über Lewens musikalische Ambitionen ist so gut wie nichts bekannt. Da ist ihm Scharfenberger voraus. Der hat Gesang studiert und hat als Bariton auf der Bühne gestanden. Der Weg von Hermann Lewen erscheint geradlinig und mit wenig Hindernissen verstellt.

    Ob so etwas heute noch möglich ist? Lewen betont, dass er viele Freiheiten hatte. Es sei kein Problem gewesen, einen Teil des Unterhaltungsprogramms für die Kurgäste auf dem Kueser Plateau in ein klassisches Angebot umzuwandeln. Lewen war ursprünglich verpflichtet worden, um ein kulturelles Angebot für die Patienten der Kliniken auf die Beine zu stellen. Für den klassischen Part hätten 1985 rund 30 000 Mark zur Verfügung gestanden. "Gebraucht haben wir 5000", erzählt der Intendant der Veranstaltungsreihe die anfangs Mosel Festwochen hieß und im Zwei-Jahres-Rhythmus über die Bühne ging. Vor der letzten Spielsaison unter seiner Leitung blickt Lewen auf mehr als 1500 Veranstaltungen zurück.

    Die Veranstaltungsreihe sei das erste große Festival dieser Art in Deutschland gewesen, erläutert er. Der Name sei ein Türöffner gewesen, um auch Künstler verpflichten zu können, die normalerweise nicht bezahlbar sind. Lewen besaß auch die Gabe, Künstler zu entdecken und sie vor Beginn ihrer großen Karriere an die Mosel zu verpflichten.
    Sein Nachfolger ist schon dabei, das Programm für die Folgejahre zusammenzustellen. Vergleiche wie den von den großen Fußstapfen stellt er erst gar nicht an. "Ich trete auch kein schweres Erbe an, sondern ein schönes", betont er.


  • 02.12.2016 Trierischer Volksfreund

    Grundheber, Sokolov, Feidmann, Zuckowski: Mosel Musikfestival bietet für 2017 ein glamouröses Programm

    Draußen an der frisch sanierten Fassade von Schloss Lieser blicken fantastische Fischfiguren die Besucher mit weit aufgerissenen Mäulern staunend an. Drinnen staunen die Journalisten – über üppige Kristalllüster, Ölgemälde, glänzende Holzvertäfelungen, Kachelöfen und den Stuckschmuck der Toilettenräume, die mit sanfter klassischer Musik beschallt werden.
    Die übergroßen, goldverzierten Sessel reichen nicht für all die Menschen, die zur Pressekonferenz des Mosel Musikfestivals gekommen sind. Vielleicht, weil der Glanz des Schlosses lockt, das nach langem Dornröschenschlaf im Januar als Luxushotel öffnet. Vielleicht, weil sich herumgesprochen hat, welcher Star dort an diesem Tag hautnah zu erleben ist. Vielleicht, weil es das letzte Mal ist, dass Hermann Lewen, der das Festival vor mehr als 30 Jahren ins Leben rief, als Intendant präsentiert, welche Konzerthöhepunkte das Jahr 2017 der Region beschert. Es sind mehr denn je. Das Budget übersteigt im Abschiedsjahr erstmals knapp die Millionengrenze. Nur die Besten kommen.

    Lob für Thomas Egger

    Ganz alleine verantwortet Lewen das nicht. Sein Nachfolger Tobias Scharfenberger, der ab Januar die Geschäftsführung übernimmt, hat die Saison mit ihm geplant. Nicht nur bei der Krawattenfarbe – Orange – scheinen die beiden sich einig zu sein. Sie wirken wie Vertraute, spielen sich bei der Moderation die Bälle zu, und das einzige Mal, dass sie einander ins Wort fallen, benutzen sie präzise dieselben Worte, um sich ans Publikum zu wenden. 

    „Wir haben einen super Übergang hingekriegt“, sagt Thomas Egger, Chef des Festival-Aufsichtsrats und Kulturdezernent der Stadt Trier, im Hinblick auf den Intendantenwechsel. Ein Mann, der wegen der Turbulenzen am Theater in der Kritik steht. Am Freitag jedoch gibt es Lob: Egger habe das Festival deutlich vorangebracht, betont Jürgen Hardeck, Leiter des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Auch Scharfenberger freut sich, wie glatt alles läuft. „Ich habe schon viele Intendantenwechsel erlebt, und ich weiß, wie sehr so etwas schieflaufen kann“, sagt der Bariton, der erst 2015 als Stellvertreter von Ex-Theaterintendant Karl Sibelius in die Region gekommen war.
    Passend zur Schlosskulisse präsentieren Lewen und Scharfenberger in Lieser ein glamouröses Programm: Es verspricht große Namen, gewohnt grandiose Kulissen und reichlich Gänsehaut. Denn einige der berühmten Künstler, die Lewen entdeckte und an die Mosel holte, als sie noch am Beginn ihrer Karriere standen, machen ihm nun ein Abschiedsgeschenk: Sie kehren zurück. 

    In mehr als 70 Konzerten werden zwischen dem 8. Juli und dem 3. Oktober an 41 Spielstätten Top-Künstler zu hören sein, darunter der aus Trier stammende Kammersänger Franz Grundheber, Klezmer-Star Giora Feidmann, Klavierlegende Grigory Sokolov oder Rolf Zuckowski, mit dem Lewen eine lange Freundschaft verbindet. Mit einer winzigen Gitarre ist Zuckowski, dessen Lieder Kinder schon seit 40 Jahren singen, von Hamburg nach Lieser gereist, um dort mit dem Stück „Kinder brauchen Musik“ Lust auf das Benefizkonzert zu machen, das am 24. September in der Arena Trier zu hören ist: Unter Leitung von Julia Reidenbach interpretieren Kinderchöre seine Stücke neu. Der Erlös kommt auch der Dieter-Lintz-Stiftung zugute, die junge Talente fördert. 

    Einen geografischen Schwerpunkt hat das Festival, das sich von Saarburg bis zum Deutschen Eck erstreckt, mit 24 Konzerten in Trier. Neu hinzugekommene Spielstätten sind neben Schloss Lieser ein altes Kraftwerk in Traben-Trarbach, das Weingut Maximin Grünhaus in Mertesdorf, eine Kirche in Zell und die Burg Bischofstein in Hatzenport. 
    Scharfenberger hinterlässt bereits 2017 seine Handschrift: In der neuen Einführungsreihe „Ohrensessel“ sprechen Experten über Beethoven, Kastraten oder die Hörgewohnheiten im 16. Jahrhundert. Der designierte Intendant kündigt an, dass Dinge anders werden. Doch liege die Kraft „mehr in der Evolution als in der Revolution“. Er wolle dem Festival „eine Seele und ein Gesicht“ geben – so wie Hermann Lewen dies mehr als 30 Jahre lang getan habe. 

    Programmhöhepunkte 2017
    • Schon der Auftakt ist vielversprechend: Franz Grundheber deklamiert Arnold Schönbergs Holocaust-Melodram „Ein Überlebender aus Warschau“. Ihn begleiten das Saarländische Staatsorchester Saarbrücken und der Trierer Konzertchor. (8. Juli, St. Maximin, Trier).
    • Renaud Capuçon (Geige) und Khatia Buniatishvili (Piano) brillieren mit Stücken von Anton Dvorák, Edvard Grieg und César Franck (11. Juli, Kloster Machern, Bernkastel-Wehlen).
    • Als besten Pianisten der Welt bezeichnet Stardirigent Daniel Barenboim den russischen Pianisten Grigory Sokolov. Statt in einem der großen Konzertsäle der Welt spielt er im Kloster Machern (18. Juli).
    • Klezmerlegende Giora Feidman, der 1993 erstmals an der Mosel auftrat, füllt die großen Konzerthallen der Welt. Mit dem Gershwin String Quartett spielt der 81-jährige Klarinettist israelische Werke und Folksongs (21. Juli, Kloster Machern).
    • Musik von Bach und Texte von Martin Luther, verwoben mit zeitgenössischem Jazz: So erschaffen der Pianist Markus Burger und Saxofonist Jan von Klewitz mit den Sängern vom Athos-Ensemble „Nachts in der Basilika“ eine mystische Atmosphäre (19. August, Basilika Trier).
    • „Kathedralklänge“:  am 26. August erklingen im Trierer Dom Bruckners Sinfonie Nr. 2 und Mozarts Krönungsmesse.
    • Die mehrfach mit dem Echopreis ausgezeichnete Mezzosopranistin Magdalena KoŽená interpretiert mit dem Venice Baroque Orchestra unter der Leitung von Andre Marcon Arien von Händel (5. September, Theater Trier).
    • Wie aus einer anderen Zeit klingt die Stimme von Valer Sabadus, einer der besten Countertenöre. Der mehrfache Echo-Preisträger widmet sich den Arien Antonio Caldaras (8. September, Kloster Machern).
    • Kinderliebling Rolf Zuckowski feiert seinen 70. Geburtstag mit einer Benefiz-Tournee, bei der nicht er, sondern Chöre, Musikschulen und Musicalgruppen im Mittelpunkt stehen. In Trier hat Julia Reidenbach ein Programm zum Mitsingen zusammengestellt (24. September, Arena Trier).
    • Der Trompeter Markus Stockhausen erhält den JTI Trier Jazz Award 2017 (2. Oktober, 20 Uhr, IHK, Trier).

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  • 05.10.2016 Trierischer Volksfreund

    "Wir hatten wirklich Gänsehaut"

    Zum Abschluss des Mosel Musikfestivals gibt’s Händels "Messias" im Trierer Dom

    (Trier) Georg Friedrich Händels Messias ist berühmt und trotzdem heikel. Das Werk wird zudem belastet von der Tradition der Monumental-Aufführungen. Der Aufführung im Trierer Dom gelang eine perfekte Balance zwischen der ausladenden Wucht dieser Musik und ihrem feinen Filigran.

    Trier. Es war ein großer, ein bewegender Moment. Zum berühmten Halleluja aus Händels Messias erheben sich die Besucher im voll besetzten Trierer Dom. 1200 Menschen demonstrieren Verbundenheit mit dem Christentum - eine stumme und doch eindringliche Reverenz. Dirigent Thomas Kiefer gibt diesem bekannten Chor ein deutliches Profil mit. Er scheut dessen Theatralik-Musik nicht und bezieht doch Distanz zu platten Triumphgesten. Obwohl die perfekt geblasenen Trompeten deutliche Akzente setzen - in diesem Halleluja dominiert ein warmer, ein hymnischer Tonfall. Da klingt etwas Archaisches mit, eine Erinnerung an die Einstimmigkeit im Mittelalter. Und zugleich etwas Großes und Umfassendes, die Idee vom Reich Gottes.
    Es ist, als hätten sich alle Vorzüge dieser eindrucksvollen Händel-Aufführung in diesem Halleluja konzentriert. Der Trierer Domkapellmeister und seine Assistenten Ulrich Krupp und Christina Elting haben den Domchor und den Kathedraljugendchor Trier exzellent vorbereitet. Beide Chöre formieren sich zu einem Ensemble von heller, leichter, intonationsreiner Klangkultur. Wie geschaffen für ältere Musik und speziell für Händel. Die meist jungen Sängerinnen und Sänger bewältigen die heiklen Koloraturen in Händels Partitur mal mit Anstand und nicht selten mit Bravour. Und immer wieder beeindruckt die Präsenz des Chors bei Einsätzen.
    Das Orchester Concerto Köln bringt dazu seinen eigenen, an historischer Interpretationspraxis geschulten Stil ein - markant und beweglich zugleich, und in den zweistimmigen Violinpassagen des Schlusschors schlichtweg makellos.
    Und dann die Solisten: Hervorragend in Tongebung wie Sprache der kurzfristig eingesprungene Tilmann Lichdi mit seinem scharf zeichnenden, hellen Tenor. Terry Wey entfaltet seinen Altus nach eher neutralem Beginn zu intensivem, sprachbezogenem Ausdruck. Trotz einiger Höheprobleme - Elisabeth Scholls Sopran bringt einen warmen, lyrischen Tonfall ein. Und ein Bass, der im Mittelteil seiner Trompeten-Arie so viel Lyrik einbringt wie York Felix Speer, der darf an anderer Stelle auch die enorme Klangfülle seines Organs ausbreiten.

    Der Messias klingt eingängig, aber im Detail tun sich bei diesem Werk Fragen auf. Muss es wirklich das ganze Oratorium sein, auch mit den schwachen Sätzen? Wie geht ein Musiker heute mit der belastenden Tradition der Monumental-Aufführungen um? Und auch: Wie viel an historischer Interpretationspraxis verträgt dieses Werk? Mag sein, dass einige Sätze allzu unruhig abliefen. Aber Thomas Kiefer findet auf die Fragen in diesem Werk überzeugende Antworten. Er setzt auf den ganzen Messias ohne Kürzungen und nimmt den Spannungsverlust schwacher Passagen hin. Historische Interpretationspraxis ist bei ihm kein ästhetisches Dogma. Er und sein Ensemble scheuen Gefühle nicht und bringen den weiten Emotionsbereich dieses Oratoriums zum Klingen - Staunen über das Wunder der Geburt, Trauer um Kreuzigung und Tod, schließlich Hoffnung auf Erlösung.
    Der Trierer Domkapellmeister hat ein sicheres Gespür entwickelt für Händels perfekte Formgebung mit ihrer bündigen Zusammenfassung der Stimmen gegen Ende eines Satzes. Das macht seine Interpretation energisch und differenziert zugleich. Händels Tonsprache entfaltet ihre Dynamik - jenseits aller akustischen Monumentalität und dennoch ohne historisierende Kargheit. Perfekt! Die Begeisterung schlug hohe Wellen: "Wir hatten wirklich Gänsehaut", sagten zwei Besucherinnen.

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  • 04.10.2016 Trierischer Volksfreund

    Barocke Musik mit Elektroklängen

    Zeitlliches und musikalisches Crossover beim Mosel Musikfestival

    (Trier) Ein ungewöhnliches Musikprojekt hat das Moselmusikfestival mit der Singer-Songwriterin Mine und der Lautten Compagney auf die Bühne in den römischen Viehmarktthermen zu Trier gebracht. Elektronisch aufgepeppte Elemente der Barockmusik verbinden sich mit Mines Gesang zu einem überraschenden Mix.

    Trier. Das Moselmusikfestival betritt auch im 31. Jahr seines Bestehens immer wieder neue Pfade. Zur JTI-Klassik Lounge hatte man schon sehr erfolgreich die Klassik-Performerinnen des Ahn Trio oder den Soul-Jazzer Max Mutzke am Start; im Jahr 2016 präsentiert sich das Lounge-Konzert als eine Mischung aus barocken Klängen, Elektro- und Singer-Songwriter-Musik. Die Berliner Lautten Compagney ist schon beim Festival zu Gast gewesen, bevor der internationale Erfolg einsetzte, Mine ist mit ihren melancholischen Liedern allerdings zum ersten Mal in Trier.

    Im 2000 Jahre alten römischen Badehaus am Viehmarkt zaubern die Lichteffekte wunderbare Stimmungsbilder auf die Steine, Mine singt melancholische Lieder vom Werden und Vergehen menschlicher Beziehungen, und die Lautten Compagney spielt - mit elektronischer Unterstützung - auf historischen Instrumenten wie der Gambe, der Laute, dem Zink (eine gekrümmte Flöte) oder dem großen Violone. Dazwischen interpretiert die Compagney unter der Führung des musikalischen Leiters Wolfgang Katschner Musik von Purcell, Charpentier oder Vivaldi. Katschner ist immer auf der Suche nach fantasievollen Variationen, da wird auch mal gerappt oder bein Mines "Kann sie es tragen" ein lateinamerikanischer Rhythmus angeschlagen.

    Die sechs Musiker sind allesamt virtuos an ihren Instrumenten, Mines Gesang und Texte betörend und ausdrucksstark. Zwanzigminütige Sets wechseln sich mit "chillig"-ruhiger Lounge-Musik von Discjockey Daniel Schulze ab, die Gelegenheit zum Weingenuss und zur Unterhaltung bietet.

    Es ist aber eigentlich ein Konzert mit kontemplativer Musik zum gesetzten Zuhören, eine echte Lounge-Atmosphäre mag deshalb nicht aufkommen. Die 250 Zuschauer in der nicht ausverkauften Viehmarkttherme spenden großen Applaus, einige Zuschauer sind jedoch etwas gelangweilt und verlassen das Konzert schon früher: "Mir fehlte die Power, mit der Zeit war es zu gleichförmig", sagt eine Dame, bevor sie in die Nacht hinausgeht. DT

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  • 01.10.2016 Trierischer Volksfreund

    Das Mosel Musikfestival zieht 2016 erneut eine Erfolgsbilanz

    (Trier/Bernkastel-Kues) Es ist Erfolge gewohnt, das kleine Team des Mosel Musikfestivals um Intendant Hermann Lewen und neuerdings dessen Nachfolger Tobias Scharfenberger. Mit der Saison 2016 sind die Festivalmacher sehr zufrieden. Vor dem Abschlusskonzert am Montag im Trierer Dom beschreibt Lewen gegenüber dem TV die Eigenheiten des Publikums an der Mosel.

    Trier/Bernkastel-Kues. Das Mosel Musikfestival bleibt auf Erfolgskurs. Zur Veranstaltungsreihe, die 2016 Anfang Juli startete und am Montag mit Händels "Messias" im Trierer Dom offiziell zu Ende geht, addieren sich die Konzertbesuche auf stolze 13 000. Das entspricht ungefähr dem Ergebnis von 2015. Die Platzausnutzung in den überwiegend kleinen Veranstaltungsräumen lag im Mittel bei 85 bis 90 Prozent.
    Zu den Höhepunkten zählt Intendant Hermann Lewen den Auftritt von Klavier-Jungstar Kit Armstrong an der Eule-Orgel der Trierer Konstantin-Basilika und das neue Konzert-Format "Sneak Preview", bei dem der Besucher nicht weiß, welcher Künstler ihn erwartet. Dieses Format solle es auch 2017 geben, erklärt Lewen und verspricht außerdem für das kommende Jahr wieder ein "außergewöhnliches Programm mit vielen Weltstars". Das Festival 2017 wird von Lewen und seinem Nachfolger Tobias Scharfenberger noch gemeinsam betreut. Ab 2018 ist Scharfenberger als Intendant dann allein verantwortlich für die traditionsreiche Konzertreihe. Das kommende Festival wird am 8. Juli 2017 mit Beethovens Neunter eröffnet.
    Die Konzerte zum Abschluss: 3. Oktober, 17 Uhr, Händels "Messias", Trierer Dom. Solisten: Elisabeth Scholl, Terry Wey, Patrick Grahl und York Felix Spee, Trierer Domchor, Kathedraljugendchor Trier und das Orchester Concerto Köln; Leitung: Domkapellmeister Thomas Kiefer. Das Konzert ist ausverkauft.
    Weihnachtskonzert mit den Pueri Cantores Luxemburg unter Pierre Nimax jr. (18. Dezember, 17 Uhr, St. Michael Bernkastel).

    ... Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals Herr Lewen, das Mosel Musikfestival endet wie immer mit einer Erfolgsmeldung. Welche Tendenzen können Sie aus dem Publikumsverhalten ablesen? Hermann Lewen: Wir sind nicht nur bei den Besucherzahlen auf der positiven Seite, sondern auch beim Einzugsgebiet. Wir haben noch keine konkreten Zahlen, aber wir beobachten, dass immer mehr Musikfreunde aus Städten wie Köln oder Stuttgart eigens zu unseren Konzerten anreisen und dann auch hier übernachten. Kulturtourismus ist an der Mosel ganz klar ein Erfolgsrezept. Akzeptieren die Besucher denn die Eintrittspreise? Lewen: In Großstädten sind andere Preise üblich als bei uns. Aber wir beobachten, dass gerade die teuren Karten zuerst verkauft sind. Preise bis zu 89 Euro sind vor allem für Auswärtige kein Problem. Wir haben eher Schwierigkeiten, 18-Euro-Karten zu verkaufen. Erfolge verkaufen sich immer gut. Aber haben sich manche Konzepte nicht bewährt? Lewen: Wir haben Schwierigkeiten mit musikalisch-literarischen Veranstaltungen, obwohl die deutschlandweit sehr beliebt sind. Aber an der Mosel ist das Interesse an Lesungen mit Musik gering. Unser Publikum ist zum allergrößten Teil ein reines Konzertpublikum. Die Fragen stellte TV-Mitarbeiter Martin Möller. mö

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  • 13.09.2016 Trierischer Volksfreund

    Musik, die zum Himmel strebt

    Ensemble "Vocalis Frankfurt" präsentiert Renaissancekompositionen

    (Trier) Endlich einmal erweist ein Ensemble dem verkannten Heinrich Isaac die gebührende Reverenz. Freilich wollte sich auch das Ensemble "Vocalis Frankfurt" im Konzert des Mosel Musikfestivals nicht auf den reichen, schwierigen Stil des Renaissancekomponisten konzentrieren und belegte den zweiten Teil des Konzerts in Trier-Liebfrauen mit englischer Musik.

    Trier. Was für ein Zusammentreffen! Mitten in der frühgotischen Trierer Liebfrauenkirche entfaltet sich Vokalmusik der Renaissance. Es sind Kompositionen, die Jahrhunderte nach dem Kirchenbau geschrieben wurden. Und doch, es ist als gehörten sie zusammen, der hohe Zentralbau von St. Liebfrauen und diese Musik, die aufzustreben scheint.

    Das gut 20-köpfige Ensemble "Vocalis Frankfurt" hatte mit der "Missa de Apostolis" von Heinrich Isaac einen Komponisten ins Zentrum des Programms gestellt, der in der Konzertöffentlichkeit kaum präsent ist - zu Unrecht. Der Bonner Musikwissenschaftler Ludwig Weisgerber (1926-2012) hat beharrlich das umfangreiche Schaffen von Isaac (1450-1517) aufgearbeitet. Einen Durchbruch hat er nie erlebt. Jetzt erweist das Frankfurter Ensemble nicht nur Isaac Reverenz, sondern auch diesem Musikforscher die Ehre.
    "Vocalis Frankfurt" - der Titel ist Programm. Das Ensemble kommt ohne unterstützende Instrumente aus. Und es praktiziert nicht den oft spröden und gelegentlich manierierten Umgang von Spezialensembles mit Alter Musik, sondern singt sie als traditionelle Chormusik aus.
    Das mag für manche veraltet sein. Aber Dirigent Robin Dovento und sein Chor geben der großen, sechsstimmigen "Missa de Apostolis" von Isaac A-cappella-Qualitäten mit, die ihre Bedeutung nicht verloren haben. Dovento hat das Stimmen-Potenzial seiner Sängerinnen und Sänger ausgereizt.

    Der Chor besticht mit Homogenität, guter Intonation und mit einem in sich ruhenden Gesamtklang. Hinzu kommen die sensibel ausgefeilte Dynamik und die Fähigkeit, der Musik Stimmungen mitzugeben - etwa das "Christe" im "Kyrie"-Satz anders zu färben als die eigentlichen "Kyrie"-Teile. Das sind beste Voraussetzungen für Isaac und seine differenzierte, teilweise fast doppelbödige Kunst. In der gewaltigen Sechsstimmigkeit der Apostel-Messe klingt Selbstbewusstsein des renommierten Komponisten mit. Und in der Tatsache, dass die Messe mit einem einstimmigen, gregorianischen Abschnitt beginnt und endet, manifestiert sich Demut gegenüber der kirchlichen Tradition.
    Ob Choral oder mehrstimmiger Satz, die Frankfurter beherrschen beides. Und legen über die abwechselnd ein- und mehrstimmigen Passagen dieser Messe einen weit ausgreifenden Spannungsbogen.
    Wie schön wäre es gewesen, hätte man noch anderes von Isaac aufgeführt. Vielleicht wollte man die rund 300 Besucher nicht überfordern mit Isaacs gelegentlich verschlossenem, in sich gekehrten Stil. Wobei das kompositorische Niveau auch nach der "Missa" blieb: Ein wohlklingendes, doppelchöriges "Credo" von Nicolas Gombert (1495-1560) und dann, im zweiten Teil, englische Renaissance. Die steht dem Dur- und Moll-gewohnten Hörer näher als Isaac. Tallis, Byrd, Weelkes und Orlando Gibbons klingen anschaulicher, griffiger, moderner, ohne sich in Simplizität zu flüchten. Man spürt, hier sind die Frankfurter zu Hause. Sie singen die Feinheiten dieser Kompositionen aus, haben aber auch Kraft für große Klang-Entwicklungen. Der offene, helle Chorklang mit einem sehr präsenten Sopran ist zudem ideal für englische Renaissance.
    All das verbindet sich mit der Liebfrauen-Kirche zu einer Einheit. Englische Spätrenaissance in der Musik und französische Frühgotik im Bauwerk: Musik und Architektur, die zum Himmel streben. mö


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  • 12.09.2016 Trierischer Volksfreund

    Bekannte Opernmelodien erklingen zwischen Ritterrüstungen

    (Veldenz) Ein kleines Sahnestück im Rahmen des Mosel Musikfestivals hat das Duo Volker Reinhold und Ralph Zedler mit den Opernfan tasien des Violinisten Pablo de Sarasate gezeigt - zwischen Ritterrüstungen auf Schloss Veldenz.
    Veldenz. Opernfantasien - ein Begriff, der nicht allen Musikliebhabern bekannt ist. Das Duo Volker Reinhold an der Violine und Ralph Zedler am Klavier haben den etwa 80 Zuhörern im Rittersaal des Schloss Veldenz diese Musik von Pablo de Sarasate nähergebracht. Denn in der Mitte des 19. Jahrhunderts suchte der damals 18 Jahre alte Violinist nach einem Weg, populär zu werden und bewies nach Aussage von Zedler ein "glückliches Händchen", als er bekannte Opernmelodien umschrieb und nach Art einer heutigen Coverband seinem Publikum präsentierte.
    Mit einer Auswahl dieser Stücke wie den Fantasien zu Mozarts "Don Giovanni" oder Gounods "Souvenir de Faust" hat das Duo die Besucher in den Bann gezogen. Dabei haben die Musiker in der verträumten Atmosphäre des lediglich von Kerzenlicht erleuchteten Rittersaals eine hervorragende Leistung gezeigt.
    Immer wieder legt Zedler am Piano das Fundament für die Melodien, trifft die richtige Dynamik und gibt Rhythmus und Melodien der Fantasien vor. Reinhold greift die Motive kunstvoll mit der Geige auf, interpretiert diese mal alleine, mal mit Unterstützung des Klaviers, bis sich beide Instrumente wieder treffen.
    Drei Zugaben erklatscht sich das Publikum in der bezaubernden und intimen Atmosphäre des Rittersaals mit seinen Rüstungen und Fahnen im Kerzenlicht. Mittendrin die Schlossherren Gisbert und Christa Haufs-Brusberg. cst

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  • 12.09.2016 Trierischer Volksfreund

    Man hört, wenn eine Frau schweigt

    Senta Berger beschreibt vor 250 Besuchern die Facetten der menschlichen Beziehungen
    (Bernkastel-Kues) Die österreichische Schauspielerin Senta Berger ist in Filmen und Theatern seit Jahrzehnten erfolgreich. Sie nutzt ihre Popularität, um ihrem Publikum Literaturprogramm vorzustellen. In der Bernkastel-Kueser Mosellandhalle rezitiert sie Texte von Alfred Polgar. Musikalisch begleitet wird sie vom Trio Cosi fan Tango.
    Bernkastel-Kues. "Sie und Er", so heißt das Programm, das Senta Berger präsentiert. Dabei werden alle Facetten der menschlichen Beziehungen beschrieben, beispielsweise die Eifersucht, das Verhalten nach der Hochzeit, das Schweigen in einer langjährigen Beziehung oder die Untreue.
    In einer Szene macht sich ein Mann darüber Gedanken, was seine Frau mit dem "Unterhalt dich gut" vor dem Gang in die Kneipe gemeint hat. Er sinniert und sinniert und kommt dabei zu dem Schluss, dass sie nur gemeint haben kann: "Enthülle dich in deiner Schlechtigkeit und lass’ sehen, wie weit du in deiner Dreckigkeit gehen wirst."
    Der österreichische Journalist Alfred Polgar, der an diesem Abend mit seinen Texten vorgestellt wird, ist ein sehr genauer Beobachter und feinsinniger Schreiber, der durch kleine Nuancen viele Themen so zuspitzen kann, dass sich ein jeder darin wiederfindet.
    Dazu liest Senta Berger die Texte charmant mit wienerischem Akzent, weiß natürlich, wo sie die Stimme anheben muss, wo das Lesetempo erhöhen, um dann sanft und ein wenig süffisant die Pointe punktgenau zu treffen. Musikalisch begleitet sie das Trio Cosi fan Tango in ihren Sprechpausen, das von Franz Schubert über ein jiddisches Volkslied, John Lennon, Jean Sibelius bis zum verlogenen Heurigen einen breiten Bogen spannt. Dabei spielt Norbert Nagel an Tenor- und Sopransaxofon, Bassklarinette und Klarinette, Maria Reiter am Akkordeon und Rudi Spring am Klavier.
    Im Stück Abschied vom Freunde von Jean Sibelius ist die Stimmung sanft und harmonisch, dann wird es dynamischer, indem das Klavier das Sopransaxofon unterstützt und das Akkordeon antreibt. In "Motive", der Bearbeitung eines jiddischen Volkslieds steht die Bassklarinette im Vordergrund.
    Das Akkordeon wird von Marie Reiter zart gespielt, so dass ihre Töne klingen wie ein Hauch, der die Bassklarinettentöne verlängert. Rudi Spang ergänzt mit seinem sensiblen Spiel die Szene. Senta Berger liest nicht nur von Polgar, sondern erzählt auch von ihm. Beispielsweise, dass er Theaterkritiker war, und über einen Schauspieler, der am Burgtheater spielte, aber nicht die dort eigene Sprache annehmen wollte, sagte: "Wo er hintritt, wächst Gras."
    Besonders viele Lacher und Applaus gibt es für seine Weisheiten: "Das man hört, wenn eine Frau schweigt`" oder "Vor der Hochzeit war er ein ganzer Kerl, danach ein halbes Paar."
    Alfred Polgar hat seine Heimatstadt Wien oft kritisch gesehen. Er mochte die Selbstliebe der Wiener nicht, die in den vielen Liedern über die Stadt zum Ausdruck kommt.
    Senta Berger gibt nach der Lesung Autogramme und lässt sich mit den Besuchern fotografieren. Eine Frau reiste sogar aus dem 500 Kilometer entfernten Chemnitz an - eine weiter Weg, der Berger beeindruckte. chb

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  • 05.09.2016 Trierischer Volksfreund

    Priester, Jäger und Studenten

    Kölner Männer-Gesang-Verein präsentiert beliebte Opernchöre im Theater Trier
    (Trier) Die schönsten Stücke aus beliebten Opern hat der Kölner Männer-Gesang-Verein am Samstag im Trierer Theater präsentiert. Der Chor existiert bereits seit fast 175 Jahren.
    Trier. 1842. Joseph Groll braut das erste Pils, die preußische Armee führt die Pickelhaube ein, Richard Wagner beginnt mit seiner Arbeit am "Tannhäuser". In Köln wird der Grundstein für den Weiterbau des Domes gelegt. Und eng damit verbunden ist die Gründung eines Vereins, den zwölf Musikliebhaber aus der Taufe heben: die "Kunstanstalt für den deutschen Männergesang". Die Sänger sammeln unter dem Motto "Durch das Schöne stets das Gute" Geld für Bau und Erhalt des Kölner Doms. Heute heißt der Chor Kölner Männer-Gesang-Verein und ist auf 190 aktive Mitglieder angewachsen, gut 120 haben ihre geballte Sangeskraft am Samstag im Theater Trier erklingen lassen. Männnergesangverein - das klingt volkstümlich und etwas angestaubt.
    Dass es auch anders geht, zeigen die Kölner, die sich berühmten Opernchören widmen: Sie geben die Priester in Mozarts "Zauberflöte", die Studenten in "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach und die Höflinge in Verdis "Rigoletto" und treffen dabei ganz unterschiedliche Stimmungen - von würdevoll bis ausgelassen. Feierlich klingt der Pilgerchor aus Wagners "Tannhäuser", drei Jahre nach Gründung des Chors uraufgeführt, fröhlich der - unvermeidliche - Jägerchor aus Webers "Freischütz". "Um den kommen Sie nicht herum!", sagt Bernhard Steiner, der nicht nur mit launiger Moderation durch das Konzert führt, sondern auch den Chor sowie das Philharmonische Orchester der Stadt Trier dirigiert. Eine Frau schafft es aber fast, den Männern die Schau zu stehlen: Adréana Kraschewski, langjährigen Theaterbesuchern als früheres Ensemble-Mitglied bekannt, singt unter anderem die Arie der Violetta ("Rigoletto"). Tenor Uwe Stickert erhält für die schwierige Partie des Tonio aus Donizettis "Regimentstochter" ebenso viel Beifall. Dritter Solist ist Tobias Scharfenberger, designierter Intendant des Mosel Musikfestivals, der sich mit der Arie des Hamlet von Ambroise Thomas dem Publikum auch gesanglich vorstellt. daj

  • 02.09.2016 Trierischer Volksfreund

    Ein Abend, der die Seele streichelt

    Gemütliches Konzert bei Starmoderator: Saar-Wein und Posaunen im Garten des Weinguts Von Othegraven
    (Kanzem) Der Grandseigneur der deutschen Moderatoren Günther Jauch und Mosel Musikfestival-Impressario Hermann Lewen haben zum weinseligen Konzert mit der Trombone Unit in den wunderbaren Garten des Weingutes Von Othegraven in Kanzem eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein war ein Riesenerfolg garantiert.
    Kanzem. Das Glück ist mit denen, die sich eine der 120 Eintrittskarten für das "Vivat Bacchus"-Konzert sichern konnten, auch die Zusatzveranstaltung - aufgrund der großen Nachfrage beim Mosel Musikfestival - ist in Windeseile ausverkauft. Wann bekommt man schon einmal Gelegenheit einen wahren Fernsehstar und seine Weine im zauberhaften Ambiente des Gutes und seines beeindruckend schlicht-schönen Parks hautnah zu erleben? Jauch ist ein Zugpferd par excellence, ganz klar; klar ist aber auch, dass das von ihm vor sechs Jahren von seiner Tante Heidi Kegel übernommene Weingut Von Othegraven seine eigenen, unwiderstehlichen Reize hat.
    Das fängt mit der riesigen, sattgrünen Rasenfläche an, auf der exotische Büsche und imposante alte Bäume stehen. Im Hintergrund, vor dem klassizistischen Gutshaus, reckt sich der längste zusammenhängende Weinberg Europas, der Kanzemer Altenberg, mit 66 Prozent Steigung gen Himmel. Alle historischen , vinologischen und botanischen Details hat Günther Jauch parat und teilt sie in seinen persönlichen Moderationen mit den Zuschauern.
    Für den musikalischen Part hat der designierte Intendant des Mosel Musikfestivals, Tobias Scharfenberger, die Trombone Unit aus Hannover verpflichtet, neun junge Posaunisten, die gemeinsam studiert haben und nun in Orchestern deutschlandweit engagiert sind. Sie schlagen einen musikalischen Bogen zwischen Mittelalter und Moderne, barocke Klänge, Chansons von Debussy und beeindruckend schön gespielte schwedische Lieder, arrangiert vom schwedischen Band-Mitglied Lars Karlin.
    Dazu werden sieben Weine der Jahrgänge 2013-2015 des Gutes serviert, der spritzige Aperitif ist der Haus-Sekt. Die Palette schmeckt den Besuchern vorzüglich, als Favoriten gelten die neuerdings wieder sehr gefragten restsüßen Weine, bei denen der spürbare Restzucker die stahligen und mineralischen Saar-Säuren abpuffert. Als herzhafte Grundlage dient ein Vesperteller von Caterer Jörg Linden aus Ayl. Damen im kleinen Schwarzen schweben in hochhackigen Schuhen elegant über den Rasen, die Herren kommen leger und ohne Schlips daher, Pullover und Jacken können aufgrund des tollen Spätsommers zu Hause bleiben. Hier hat sich die Vorverlegung des Termins auf 18 Uhr bewährt. Die Besucher lassen die Seele baumeln, alle sind entspannt und - wie Jauch anmerkt - im Schein der Kerzen vor dem erleuchteten Gutshaus "ein bisschen glücklich".
    Das sei auch der Grund warum der RTL- und ARD-Moderator solche Events gern veranstaltet: "Ich möchte meine Freude teilen und diesen großartigen und historischen Schatz auch anderen Menschen zugänglich machen." Das glaubt man dem bodenständigen und ehrlich sympathischen Superstar aufs Wort.
    Er bleibt bescheiden und souverän, selbst wenn eine Verehrerin ihm mitteilt, dass sie nur wegen ihm und nicht wegen der Musik oder der Weine gekommen sei. Dabei ist auch die Darbietung der Trombone Unit ein seltener Leckerbissen, virtuos und mit einer Portion Humor beherrschen die Männer ihr Repertoire und zeigen alle Möglichkeiten auf, die die Posaunen zu bieten haben. Bis nach Kanzem auf der anderen Saarseite ist die Musik zu hören, wenn es knallig oder strahlend wird; quasi ein Gratis-Genuss für die von Jauch sehr geschätzten Nachbarn.
    Ein kontemplativer Abend, der für strahlende Gesichter und ausschließlich positive Kommentare bei Publikum und Veranstaltern sorgt.

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  • 23.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Gesamtkunstwerk aus Sprache und Musik

    Dominique Horwitz und das Fauré Quartett erzählen die Freundschaft zwischen Goethe und Mendelssohn Bartholdy

    (Bernkastel-Kues) Einmal mehr war das Fauré Quartett zu Gast beim Mosel Musikfestival. Gemeinsam mit Dominique Horwitz, der zum zweiten Mal beim Festival auftrat, gestaltete es einen Abend, der sich mit dem jungen Felix Mendelssohn Bartholdy und seinem bewunderten väterlichen Freund Johann Wolfang von Goethe befasste - ein gleichermaßen musikalisch wie literarisch gewinnbringender Abend.

    Bernkastel-Kues. Mit dem Wort "Wunderkind" hatte er so seine Probleme. Den Begriff fand er eher absonderlich. Dass hingegen das Spiel des zwölfjährigen Felix Mendelssohn Bartholdy etwas "ganz Wunderbares" sei, das stand für Geheimrat Goethe fest.
    Sein Freund Carl Friedrich Zelter hatte seinen begabtesten Schüler 1821 zu einem Besuch nach Weimar mitgebracht. Der Funke sprang beiderseits sofort über. Aus dem ersten Treffen entwickelte sich eine jahrelange Verbundenheit zwischen dem Dichterfürsten und dem früh vollendeten Komponisten.

    Die Freundschaft zwischen Goethe, Zelter und Mendelssohn ist aus zahlreichen Briefen und Zeitzeugenberichten hinlänglich bekannt. Weniger geläufig sind dagegen die drei Streichquartette, die das junge Genie im Alter von zwölf bis 15 Jahren komponierte, der Zeit, in die seine Besuche bei Goethe fallen. In ihnen wird bereits Mendelssohns geniales Talent deutlich.
    Im Kloster Machern in Bernkastel-Kues haben das Fauré Quartett und Dominique Horwitz als Sprecher dem jetzt abgeholfen. In einer höchst unterhaltsamen wie stimmungsvollen konzertanten Lesung verdichteten die fünf Künstler Musikalisches und Biografisches zu einem ebenso aufschlussreichen wie klangsinnlichen Gesamtkunstwerk.

    Dominique Horwitz, inzwischen selbst Autor und bestens bekannt als Sänger und Schauspieler, las einen Text von Sascha Frömbling (dem Bratschisten des Ensembles) zu Mendelssohns Besuch in Weimar. Geradezu plastisch gestaltete seine ausdrucksstarke Stimme die Hauptakteure des Treffens: den jungen ungestümen, aber durchaus selbstbewussten Mendelssohn, den weisen, dabei leidenschaftlichen Goethe, und schließlich Zelter. Leibhaftig vor Augen hatte man den gesetzten, hochangesehenen Musikprofessor und Leiter der Berliner Sing-Akademie, von dem sein Freund Goethe sagt, er treffe immer den Nagel auf den Kopf. Als Erster hatte er auch Mendelssohns Genie erkannt, das er noch höher als das von Mozart schätzte. Was Horwitz berichtete, orchestrierte das Quartett vielfarbig und spannend. Das Fauré Quartett, das wie der Schauspieler zum wiederholten Mal beim Mosel Musikfestival zu Gast war, gehört fraglos zu den besten Klavierquartetten dieser Zeit.
    Frisch, kraftvoll und mit einer ansteckenden Lust am Spiel gingen die Musiker Mendelssohns Frühwerk an und entfalteten in der strengen Sonatenform der Klavierquarttete Nummer zwei f-Moll und Nummer drei h-Moll die ganze Vielfalt und Ausdrucksfülle der Kompositionen.

    Kraftvolle Dynamik

    Trotz packenden Zugriffs blieben Struktur und Ursprünge der Musik hörbar. Seit Jahren spielt das Quartett in derselben Besetzung zusammen. Auch von daher mag sein analytisches Spiel rühren, der enorm kultivierte Klang, die innere Spannung und die kraftvolle Dynamik.
    Dirk Mommertz lässt das Klavier funkeln und leuchten, ist Impulsgeber und Treibkraft. Im ersten Satz des Quartetts Nummer zwei machte er zeitweise allerdings sein eigenes Ding.
    Erika Geldsetzers Violine kann wunderbar singen. Herrlich intim gelang das Adagio des Quartetts Nummer zwei. Nach der Pause standen Mendelssohns Besuch bei Cherubini in Paris im Mittelpunkt und das zukunftsweisende Quartett Nummer drei in h-Moll.
    Mit der erstaunlich reifen Komposition empfahl sich der 15-Jährige dem "brummigen", aber kenntnisreichen Komponisten. Womit endgültig die Entscheidung für eine Laufbahn als Musiker gefallen war. Großartig erklangen der gespenstische dritte Satz und das irrlichternde Finale, das bereits auf den "Sommernachtstraum" verweist. Schlüssig endete dann auch Horwitz’ Lesung mit einem musikalischen Sommerabend in Mendelssohns Elternhaus in Berlin und einer Aufführung des Stücks. Ein rundum gelungener Abend, den das Publikum im vollen Saal mit anhaltendem Beifall bedachte.

    Extra
    Dominique Horwitz wurde am 23. April 1957 in Paris, wo seine Eltern einen Feinkostladen betrieben, geboren. Seine Eltern waren Juden, die vor den Nationalsozialisten geflohen sind. 1971 zog die Familie zurück nach Deutschland. Horwitz erhielt seine erste Fernsehrolle 1977, ein Jahr später folgte eine Kinorolle. Er ist als Schauspieler, Sänger und Schriftsteller tätig. Seit 2003 lebt er in der Nähe von Weimar. jwa

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  • 22.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Ein Duo, das ein Trio ist

    Musikkabarettisten Carrington-Brown begeistern mit vielseitigem Programm - Ein Cello names Joe macht die Vorstellung perfekt

    (Bernkastel-Kues) Gute Stimmen, viel Witz und ein facettenreiches Programm: Das Duo Rebecca Carrington und Colin Brown erweisen sich bei ihrem Auftritt in Bernkastel-Kues als Meister des musikalischen Kabaretts.

    Bernkastel-Kues. Ein Sommer unseres Vergnügens ist das diesjährige Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Grund genug für Intendant Hermann Lewen, das aus England stammende und in Berlin wohnende Duo Carrington-Brown für die diesjährige Spielzeit des Mosel Musikfestivals zu verpflichten.
    Doch eigentlich ist es ein Trio: Denn das Cello namens Joe, wunderschön immer wieder in Szene gesetzt von Rebecca Carrington, bestimmt ganz erheblich die musikalischen Beiträge der beiden Kabarettisten. Da wird das Cello ganz normal mit dem Bogen gestrichen, aber dann schlägt Carrington auch Akkorde wie bei der Gitarre oder zupft und dreht das Instrument wie einen Kontrabass.
     
    Alle drei zusammen begeben sich auf eine musikalische Reise, wie sie abwechslungsreicher kaum sein könnte. Die 150 Besucher werden mit James-Bond-Klängen begrüßt, auf Bach-Akkorde singen Carrington und Brown Beatlesmelodien von She Loves you bis zu Yellow Submarine, Colin Brown singt seine eigene Interpretation von Carmen - die ganze Oper in drei Minuten - und zusammen begeben sie sich auf eine musikalische Tournee durch das international geprägte Deutschland.

    Dabei überzeugen beide stimmlich und auch als Entertainer. Der Sopran von Carrington und der sonore Bass von Brown harmonieren wunderschön miteinander. Mal singen sie zusammen, mal unterstützen sie sich gegenseitig, wenn beispielsweise Brown mit seiner tiefen Stimme den Bass vorgibt.
    Carrington hält den Zuschauern zu deren großem Vergnügen einen Spiegel vor, wenn sie in ihren Stand-up-Comedy-Einlagen als Engländerin die Deutschen aufs Korn nimmt. Die Mülltrennung, das streitende Ehepaar, bei dem sich beide Partner auf die kurzen Worte "nö" und "doch" beschränken, Regeln wie Kein-Wäsche-aufhängen-am-Sonntag und das Steuersystem - die deutschen Eigenarten spitzt Carrington wunderbar zu.
     
    Brown gibt den Entertainer, wenn er mit Lederhose und Seppl-Hut auf dem Dudelsack die deutsche Nationalhymne spielt oder Michael Jacksons Billy Jean singt und gleichzeitig im Moonwalk über die Bühne tanzt. In der Zugabe verschmelzen Komödianten und Publikum zu einer einzigen Rap-Party. Die Besucher haben diesen Abend ihres Vergnügens sichtlich genossen. cst

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  • 22.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Musik in Raum und Zeit

    Calmus Ensemble und Lautten Compagney treten beim Nachtkonzert in der Trierer Konstantinbasilika auf

    (Trier) Es war ein beeindruckendes Nachtkonzert: Der rot ausgestrahlte Riesenraum der Trierer Konstantinbasilika, dazu zwei hochkarätige Ensembles und im Programm eine geschickte Mischung aus Alt und Modern, vokal und instrumental. Freilich gibt das Konzert auch Anlass zur Nachdenklichkeit.

    Trier. Ein großer Moment: Bei Bernd Frankes zeitgenössischer Komposition "And Why" verlassen die fünf Vokalisten vom Calmus Ensemble ihre Plätze vor dem Altar und bewegen sich langsam durch die rot ausgestrahlte und mit knapp 500 Besuchern besetzte Trierer Konstantinbasilika. Und mit einem Mal verbreitet die Musik eine ungeahnte Fülle und Weite. Im Riesenraum der ehemaligen Palastaula erscheinen Klänge nah und fern zugleich.
    Auch wenn Sängerin und Sänger dann wieder zurückkehren auf ihre Positionen: Ihr Gesang behält seine philosophische Würde. Da appelliert jemand mitten im optischen Zeitalter an die ganz eigene Wahrnehmung des Ohrs - an die Fähigkeit, Räume zu erleben, Zeitabläufe nachzuvollziehen, Gemeinsamkeiten zu spüren und bei Arvo Pärts "Fratres" sogar eine Ahnung von Ursprünglichkeit zu gewinnen.
    Zwei exzellente Formationen gaben diesem Nachtkonzert im Mosel Musikfestival künstlerisch Gestalt. Das Calmus Ensemble ist bei Bach und der Moderne gleich hervorragend und lieferte in Guillaume Dufays hochkomplexer Papstmotette "Ecclesiae militantis" von 1431 zudem ein melodisch-rhythmisches Glanzstück. Und auch beim Instrumentarium der fünfköpfigen Lautten Compagney (Wolfgang Katschner) sind alte Musik und zeitgenössische Kompositionen bestens aufgehoben.

    Mit der sogenannten "historischen Interpretationspraxis" haben beide Gruppen eher wenig zu tun. Die Arrangements integrieren auch moderne Instrumente wie Marimbaphon und Handtrommel. Sie sind eigenwillig, aber perfekt. Bachs doppelchöriger Motettensatz "Wie sich ein Vater erbarmet/Gott nimmt dich ferner unser an" entfaltet in der gemischt vokal-instrumentalen Fassung einen Farbenreichtum, der bei Choraufführung häufig fehlt.
     Im Chorsatz "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" des jungen Bach verschärft die kleine Besetzung gezielt die "klagenden" Dissonanzen. Immer wieder werden Vokal- und Instrumentalformationen neu miteinander verzahnt - gehen Soli und Ensemble, Vokales und Instrumentales ineinander über. Und dann zum Abschluss der Satz "An hellen Tagen/In dir ist Freude": ein raffinierter Mix aus Giovanni Giacomo Gastoldis "Balletto" von 1591 und der Bearbeitung des darauf basierenden Chorals in Bachs "Orgelbüchlein" von 1714. Und all das in einer prägnanten, subtil tänzerischen Interpretation. Fantastisch!

    Stimmungsvolle Unverbindlichkeit
     
    Freilich: Das Konzert gibt auch Anlass zur Nachdenklichkeit. Bei allen Vorzügen - die großen, die letzten Klangerfahrungen bleiben aus. In der Konstantinbasilika verbreitete sich eine stimmungsvolle Unverbindlichkeit. Wo Bach und sein Textdichter Grenzsituationen beschreiben und in Tönen erfahrbar machen, bleiben die Interpreten im allzu engen Radius privater Melancholie.
    Bezeichnend die Bach-Motette "Jesu meine Freude", deren theologische Dimension trotz des raffinierten Arrangements verloren geht. Die Tiefe solcher Musik klang bei den Interpreten nicht mit. So wirkungsvoll das Projekt auch war - ihr künstlerisches Potenzial haben beide Ensembles damit nicht ausgelotet. (Martin Möller)

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  • 14.08.2016 Trierischer Volksfreund

    (Ba)rockiger Auftritt nachts im Museum

    Teuflisch gut: Musiker von Red Priest geben Händels Werken ihre ursprüngliche Faszination zurück - 150 Plätze seit Wochen ausverkauft

    (Trier) Das soll Barockmusik sein? Klingt eher wie Rock und Jazz, was Red Priest aus dem "Messias" von Georg Friedrich Händel rausholt. In kleiner Besetzung und teuflisch virtuos hat das britische Quartett im ausverkauften Trierer Landesmuseum sein Publikum von den Sitzen gerissen.

    Trier. Für den "Messias" Georg Friedrich Händels braucht es ein Orchester, einen Chor und Solostimmen - oder die vier Musiker von Red Priest. Das britische Quartett - Violine (Adam Summerhayes), Cello (Angela East), Cembalo (David Wright) und Blockflöten (Piers Adams) - ersetzt nicht nur 25 Streicher, sondern die Bläser gleich dazu.

    Das gelingt durch perfekt auf die Instrumente abgestimmte Arrangements - frei nach der barocken Praxis, die Besetzung den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.

    So greift Adams für das Stück "Shepherds and Angles" zum Gemshorn. Und selbst Mundharmonika (Adams) und die moderne Melodica (Summerhayes) finden ihren Platz in der kleinen Kapelle. Da wird für die Arie "The trumpet shall sound" die Trompete einfach von der Blockflöte ersetzt - und niemand vermisst sie.
    Auch den Gesang kompensiert das Ensemble mit Violine und Blockflöten, etwa in der Arie aus der Oper "Rinaldo", die sie kurzerhand in "Lascia ch’io Czardas" umbenennen. So klingt sie, als hätte ein ungarischer Geiger Händels Werk unter seine Finger genommen: nach Lebensfreude, ausgelassenem Tanz und Lagerfeuer. Oder kurz: "barocke Zigeuner-Fantasie", wie die Musiker ihr nächstes Projekt nennen. Einen weiteren Vorgeschmack darauf gibt’s in der zweiten Zugabe.

    Überhaupt wirken die barocken Stücke überraschend modern, mit Einflüssen von Rock, aber auch Jazz - sag noch einer, Klassik sei schwerfällig und langweilig. Red Priest beweist das Gegenteil. Wenn’s dem Stück guttut, spielen sie es schon mal in doppeltem Tempo und setzen neue Akzente. "Handel in the wind" heißt denn auch ihr aktuelles Programm, zu Deutsch: "Händel liegt in der Luft".

    Die Improvisation genießt - wie in barocker Zeit - auch bei Red Priest einen hohen Stellenwert. So geben sie die Passacaglia aus der Suite für Cembalo g-Moll in unzähligen Variationen wieder, mal zu viert, mal als Duo, dann wieder solo. Die vier könnten diese paar Takte einen ganzen Tag lang spielen, ohne die Melodien zu wiederholen. "Nachts im Museum", das ist ein Format, mit dem das Mosel Musikfestival schon seit Jahren mit ausgefallenen Ensembles im Landesmuseum überrascht. Und so erfolgreich, dass die 150 Plätze seit Wochen ausverkauft sind. Diesmal ist es Intendant Hermann Lewen geglückt, ein - wie er sagt - "barockig, klassisch verrücktes Ensemble" an Land zu ziehen. Und das Publikum dankt es mit Bravorufen und frenetischem Applaus.

    Zu Recht. Denn Red Priest - benannt nach dem rothaarigen Priester Antonio Vivaldi - schafft es, in Minimalbesetzung und mit unglaublicher Virtuosität, die Werke Händels für das heutige Hörvergnügen neu zu arrangieren. Damit heben die vier Briten sich wohltuend ab von den zahlreichen Ensembles, die in den vergangenen Jahren die klassischen Werke aufgepeppt haben. Und mancher Gast wird nach dem Trierer Konzert den alten Meister mit anderen Augen sehen.

    Red Priest wären keine Briten, würden sie ihre Performance nicht mit einer kräftigen Prise englischen Humors würzen. So schmuggeln sich Passagen aus dem Musical "Jesus Christ Superstar" in den zweiten Teil des "Messias", und Monty Pythons "Always look on the bright Side of Life" in das "Hallelujah". Einfach teuflisch gut, diese roten Priester.

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  • 08.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Fulminantes Talent im Wiesengrund

    Laetitia und Philip Hahn spielen bei "Bach am Bach" - Begeisterter Applaus

    (Naurath-Wald) Musik traf auf ländliche Idylle beim Mosel Musikfestival. Als Ausnahmetalente am Klavier faszinierten Laetitia Hahn und ihr Bruder Philip ihr Publikum im schönen Wiesental von Naurath-Wald. Die etwa 30 Zuhörer applaudieren begeistert.

    Naurath-Wald. Das Licht der Nachmittagssonne fällt durch die hohen Bäume, tanzt auf dem Wasser des einstigen Mühlteichs und sprenkelt die grünen Blätter der Büsche mit Sonnentupfen. Ringsum auf der Wiese sitzen drei Dutzend Leute auf Garten stühlen, um dem Mädchen im luftigen roten Kleid zuzuhören, das unter zwei Sonnenschirmen Klavier spielt. Diskret rauscht im Hintergrund der Bach. Die malerische Szene wirkt wie ein impressionistisches Bild. Dabei ist sie greifbare Wirklichkeit.

     

    Von "Bach am Bach", dem Traditionsformat des Mosel Musikfestivals, ist die Rede. Diesmal ist der Bach die Dhron. Und der Ort im idyllischen Wiesental die Außenanlage des Gourmet Restaurants und Hotels "Rüssels Landhaus" St. Urban in Naurath-Wald. Auch das Mädchen am Flügel ist nicht irgendeine beliebige Nachwuchspianistin, sondern die hochbegabte Laetitia Hahn, die als eines der weltbesten Talente auf dem Tasteninstrument gilt. Zusammen mit Lang Lang hat sie schon konzertiert, in allen möglichen Fernsehshows war sie zu Gast. Mit ihren zwölf Jahren ist die junge Pianistin bereits Studentin der Schweizer Kalaidos University of Applied Sciences in Zürich. Manch einer spricht von einem Wunderkind.

    Enormes Musikgedächtnis

    Auch der Nachmittag im Dhrontal belegt das enorme Musikgedächtnis und das fulminante technische Können des jungen Mädchens. Ein ausgesprochen schwieriges Programm hat sich Laetitia an diesem Sonntag vorgenommen, das sie auswendig spielt. Gleich zu Beginn trägt sie Johann Sebastian Bachs Suite Nr.6 E-Dur BWV 817 vor. Anmutig, frisch, bisweilen perlend erklingt in leichtem Plauderton die Suite. An Gigantisches wagt sich die Jungpianistin mit Ludwig van Beethovens berühmter Grande Sonate Nr.8 in c-Moll op.13, der berühmten "Pathétique".
    Beethoven spiele sie am liebsten, sagt die junge Künstlerin später, "wegen der unterschiedlichen Temperamente". Dynamisch arbeitet sie auch an diesem Nachmittag die Dynamik der Komposition heraus. Zart und mit feinem Klangsinn beschließt sie das Konzert mit Felix Mendelssohn Bartholdys Rondo capriccioso.

    Mit von der Partie ist auch Laetitias siebenjähriger Bruder Philip, ebenfalls hochbegabt und wie seine Schwester Jüngststudent an der Schweizer Hochschule. Staunend verfolgen die Zuhörer die Interpretation des blonden Jungen im dunklen Anzug, der nach Bachs Präludium und Fuge D-Dur BWV 850 noch Frédéric Chopins Etude f-Moll op. 25 Nr.2. präsentiert.
    "Ich spiele am liebsten Bach", erklärt Philip selbstbewusst, und dann war’s das mit dem Wunderkind. Schwupps ist er weg und drüben auf der Schaukel. Wo er brillant vorführt, wie man auch in Oberhemd und dunkler Hose abseits des Klaviers hoch fliegen kann. Derweil bemüht sich seine Schwester, mit Mamas Hilfe aus ihrem festlichen, aber nicht gerade bewegungsfreundlichen Kleid herauszukommen. "Es ist ganz wichtig, dass die Kinder genügend Zeit zum Spielen haben", bestätigt Annette Hahn, die Mutter der beiden Ausnahmetalente.

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  • 08.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Ein Hymnus der Liebe

    Claus Kanngiesser und Gerhard Oppitz spielen Regers Cellosonaten in Machern

    (Machern) Mit knapp 150 Besuchern hatte offenbar niemand gerechnet. Die Veranstalter vom Mosel Musikfestival mussten im Barocksaal Machern die Stuhlreihen noch ergänzen. Und die Interpreten Claus Kanngiesser, Violoncello, und Gerhard Oppitz, Klavier, taten alles, um die Cellosonaten Max Regers in ihrer ganzen Kraft zum Klingen zu bringen.

    achern. Sie schauen sich an, atmen einmal tief durch - und dann überfällt eine Klangwoge die Zuhörer. So deutlich noch das Notenbild der Sonate op. 5 mit ihren ausladenden Bassfiguren und den fülligen Terz-Akkorden an Brahms erinnert - der akustische Eindruck ist ganz anders.
    Das ist nicht der abwägende, skeptische, oft verschlossene Brahms, sondern eine Musik, die aufs Ganze geht. Regers Kammermusik klingt vom ersten Opus an, als wolle sie den Hörer umarmen, ihn hineinziehen in ihren Reichtum und ihre ungebändigte Ausdruckskraft.

    Und bei Cellist Claus Kanngiesser und Gerhard Oppitz am Klavier ist diese himmelsstürmende Emotionalität in besten Händen.
    Unnötig, den Rang beider Musiker zu beschreiben. Aber so perfekt sie ihr Metier verstehen - bei Reger praktizieren sie keine überlegen-abgewogene Auseinandersetzung.
    Sie lassen sich ganz ein auf diese wuchtige Musik. Sie vollziehen nach, was bei Reger als "musikalische Prosa" gilt: die Ablösung von den regelmäßigen, periodischen Strukturen in Klassik und Romantik durch asymmetrische Formbildungen. Und dazu die melodischen und harmonischen Überraschungen, die sich erst im Nachhinein als schlüssig erweisen.
    Da rückt Reger ganz nah an die Schönbergschule, und in Schönbergs Privatkonzerten war Reger tatsächlich der meist gespielte Komponist.

    Aber es waren ja nicht so sehr die musikhistorischen Zusammenhänge, die den Rang dieses Konzerts ausmachten - es war die beeindruckende Präsenz der Interpreten.
    Claus Kanngiesser und Gerhard Oppitz entfalten über alle vier Sonaten hinweg und zweieinhalb Stunden lang einen Bogen größter Intensität - vom ersten Takt der Sonate opus 5 über die weit ausholende Melodik der Sonate op. 28, die sprunghaft-bizarre Sonate op. 78 bis hin zum abgeklärten Allegretto con grazia der Sonate op. 116 mit ihrer leisen Wehmut. "Hymnus der Liebe" nannte Reger sein Orchesterlied op. 136.
    An diesem Abend klingen die vier Cellosonaten so, als habe er damit sein gesamtes Schaffen gemeint.

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  • 08.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Debütkonzert: Pianist Kit Armstrong spielt an der Orgel in der Trierer Konstantin-Basilika

    (Trier) „Teuflisch gut gespielt“, hieß es von einem Konzertbesucher. Bei seinem Orgel-Debüt in der Trierer Konstantin-Basilika riss Kit Armstrong mehr als 600 Zuhörer von den Bänken. Der junge Star-Pianist bestach dabei vor allem mit seiner erstaunlichen Musikerpersönlichkeit.

    Welch ein Höhepunkt! Welch ein gewaltiger, atemberaubender Abschluss! Als Kit Armstrong in der Phantasie und Fuge über „Ad nos“ von Franz Liszt in die letzten, wuchtigen Akkordpassagen einbog und den hell tönenden C-Dur-Abschluss erreichte, da wollten die mehr als 600 Besucher den Nachhall in der Trierer Konstantin-Basilika nicht mehr abwarten. Die Spannung, die sich aufgebaut hatte, sie explodierte in einem frenetischen Applaus. Wann hat ein Organist schon einmal diese Energie verströmt, diese Intensität aufgebaut und diesen engen Kontakt zu den Hörern gefunden?

    Bei Armstrongs Liszt-Interpretation greifen die Formeln nicht, die traditionell Virtuosität umschreiben – brillant, perfekt, furios, souverän. Es ist die erstaunliche, reife Künstlerpersönlichkeit, die hinter den vielfältigen Klängen deutlich wird.

    Liszts ausgedehnte Phantasie über einen Chorsatz aus Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet“ kann dem Interpreten unübersichtlich geraten, ja, unförmig. Aber Kit Armstrong zielt deutlich auf größere Einheiten, auf weit ausgreifende Zusammenhänge. Damit gibt er der Introduktion, dem langsamen Satz, den beiden Fugen und dem wuchtigen Schluss des Werks eine eindringliche Stringenz mit, eine überragende Geschlossenheit. Dieses Konzert war vorläufiges Ziel einer erstaunlichen Entwicklung – so etwas wie ein kleiner Künstlerroman: Armstrong spielt ganz für sich auf der kleinen Orgel im Bitburger Bedahaus. Hermann Lewen vom Mosel Musikfestival hört ihn, spricht ihn an, bietet sich als Veranstalter an. Gemeinsam entdecken sie auf mehreren Exkursionen die großartige Orgellandschaft von Mosel und Eifel. Und dabei reift der erstaunliche Plan, die beiden Orgeln der Konstantin-Basilika einem ausgewiesenen Pianisten für ein Debüt-Konzert einzuräumen. Dazu gehören Mut beim Musiker und Mut beim Organisator.

    Virtuose auf der Orgelbank

    Aber die Anwesenheit auswärtiger Veranstalter im Trierer Konzert zeigte: Die unkonventionelle Entscheidung war richtig. Schon jetzt gilt der Pianist Armstrong unter Insidern auch als Virtuose auf der Orgelbank. Dabei war sein Konzert keineswegs auf Virtuosität getrimmt. Geradezu demonstrativ hat Armstrong frühe Musik für Tasteninstrumente ins Programm aufgenommen, hat die Schuke-Orgel von 1962 einbezogen. Mag sein, dass Jan Pieterszoon Sweelincks Choralpartita „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ bei einem Organisten ausgewogener klingen dürfte, der auf dem Instrument zu Hause ist, und ob Mozarts reichlich akademische Phantasie und Fuge KV 394 die beste Wahl für das Instrument war, bleibt fraglich.

    Aber es war gerade bei diesen Werken faszinierend nachzuvollziehen, wie sich Armstrong ernsthaft und fast liebevoll dem fremden Metier nähert, wie er den Klangfiguren dieser Musik nachhorcht und sie nachzeichnet. Und mit den Erläuterungen zu Werken und Interpretationen offenbart Armstrong auch etwas von seiner Annäherung an Orgel und Orgelmusik. So gelingt ihm auf beiden Instrumenten das Kunststück, die Avantgarde um 1600 mit Byrd, Preston, Frescobaldi und John Bull und die von 1955 mit György Ligetis „Musica Ricercata“ zur Deckung zu bringen – das Neue im Alten und das Alte im Neuen zu entdecken.

    Ruhiger, natürlicher Impuls

    Und da zeichnet sich beispielhaft ab, was bei Armstrong über Technik und Formgefühl hinaus- reicht. Es ist die Fähigkeit, den Kompositionen einen ruhigen, einen natürlichen Impuls mitzugeben. So, wie sich das Tempo alter Musik am Herzschlag orientierte. Nichts bei Armstrong ist hektisch und atemlos. Er befindet sich immer ganz in der Mitte der Musik. Trotz aller Vorsicht bei künstlerischen Prognosen: Mit Armstrong könnte konzertantes Orgelspiel eine neue Qualität gewinnen.

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  • 05.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Von jahrelanger Erfahrung profitieren und neue Ideen entwickeln

    Künftiger Intendant des Mosel Musikfestivals, Tobias Scharfenberger, sieht Potenzial bei Familien und jungen Künstlern.

    (Bernkastel-Kues) Tobias Scharfenberger will als künftiger Intendant des Mosel Musikfestivals anderthalb Jahre mit seinem Vorgänger Hermann Lewen zusammenarbeiten, um von dessen Erfahrung zu profitieren. Gleichzeitig will er neue Ideen für das Festival entwickeln.

    Bernkastel-Kues. Jetzt ist es schriftlich fixiert: Tobias Scharfenberger hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, mit dem er der Nachfolger von Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals (MMF) wird.
    Zum 1. Januar 2017 wird Scharfenberger Geschäftsführer des Festivals, ab 2018 übernimmt er zusätzlich die Intendanz. Bis dahin arbeiten der neue und der alte Chef des MMF eineinhalb Jahre zusammen. Eine in der Szene einmalige Konstellation, wie Lewen sagt, der mit 32 Jahren an der Spitze des MMF Deutschlands dienstältester Festivalintendant ist.

    In Aufgaben reinwachsen

    Wir sprechen das Festival für 2017 so ab, als wäre es sein eigenes", sagt der scheidende Intendant mit Blick auf seinen Nachfolger. Das ermöglicht diesem, in die Aufgabe reinzuwachsen. "Ich kann schauen, was funktioniert? Was muss sich ändern? Wo kann ich anschließen?", sagt Scharfenberger. Der ausgebildete Sänger hat 2012 bis 2014 ein berufsbegleitendes Studium im Bereich Kulturmanagement an der Uni Zürich mit dem Abschluss Exekutive Master in Arts Administration absolviert. "Ich freue mich wahnsinnig", sagt der 51-Jährige mit Blick auf die kommenden Aufgaben.

    Young Artist Award geplant

    Neue Ideen hat Scharfenberger bereits. So plant er ein Young Artists Programm, bei dem er sich mit jungen Künstlern Gedanken über neue Auftrittsformate machen will.
    Des Weiteren sieht er bei Kindern, Jugendlichen und Familien noch viel Potenzial nach oben, was die Zuschauerzahlen anbelangt. "Wir haben noch viel Potenzial zur Identifikation im Moseltal", sagt er, die Bewohner des Moseltals würden sich noch zu wenig mit dem Mosel Musikfestival identifizieren.
    Zudem will er verstärkt auf übergreifende Themen setzen, die sich durch das Programm des Festivals ziehen. Doch deren Entwicklung brauche ihre Zeit. "Es reift bereits viel für 2018 und 2019", sagt der neue Intendant.

    In große Fußstapfen passen

    "Ich glaube, wir haben jemanden gefunden, der in die großen Fußstapfen von Lewen gut hineinpasst", sagt Wolfgang Port, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des MMF. Scharfenberger stamme aus der Region, kenne die Szene und sei in der Branche beheimatet, sagt er.
    Zudem habe man jemanden gesucht, der "Auftreten und Standing hat."
    Thomas Egger, Aufsichtsratsvorsitzender des MMF, sagt, dass Scharfenberger bereits über ein künstlerisches Netzwerk verfügt. Das Sponsorennetzwerk müsse er sich allerdings mit Hilfe von Lewen noch erarbeiten. Egger sagt, der neue Intendant dürfe "eine eigene Brille mitbringen". In Gesprächen habe Scharfenberger den gesamten Aufsichtsrat überzeugt. cst




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  • 04.08.2016 Trierischer Volksfreund

    Weltpremiere: Starpianist Kit Armstrong spielt am Sonntag sein erstes Orgelkonzert in der Konstantin-Basilika

    (Trier) Alfred Brendel hat den damals 16-Jährigen als „größte musikalische Begabung“ bezeichnet. Doch statt sich in den großen Hallen verheizen zu lassen, studierte Kit Armstrong Mathematik, gab Konzerte in kleinem Rahmen. Auch heute, mit 24, geht er extravagante Wege: In Trier gibt der Starpianist sein allererstes Orgelkonzert – am Sonntag in der Basilika.

    Porta Nigra, Dom. Wer zu Besuch in Trier ist, schaut sich die römischen Denkmäler an. Auch Kit Armstrong besucht die Welterbestätten, interessiert sich für ihre Entstehung. Im bunten Karohemd, roter Jeans und grauem Jackett, die froschgrüne Tasche über die Schulter gehängt, wirkt er wie ein Tourist, nicht wie ein weltweit gefragter Pianist. 

    „Ich will auch die Nero-Ausstellung besuchen“, sagt er und lässt sich erklären, dass diese in insgesamt drei Museen, Landes-, Stadt- und Dommuseum zu sehen ist – mit verschiedenen Schwerpunkten. Er hört interessiert zu. Fragt, was Nero mit Trier zu tun habe. Und er, in den USA geborener Brite, studierter Mathematiker, kennt sich aus in Geschichte, weiß, dass Rom im Jahr 64 gebrannt hat. Und spricht akzentfrei Deutsch. „Es ist eine wichtige Sprache für die Musik.“ Vor allem, weil er sich sehr für die Vokalmusik interessiere. „Man kommt besser zurecht, wenn man den Text versteht.“

    Und natürlich hat Armstrong auch die kaiserliche Palastaula gesehen. Klar, die Konstantinbasilika ist ja zurzeit auch sein Arbeitsplatz. Genauer, der Spieltisch der großen Eule-Orgel. Jeden Abend nach 18 Uhr, wenn sich die Pforte der evangelischen Erlöserkirche fürs Publikum geschlossen hat, öffnet er die Türe der Sakristei und schlüpft durch den Eingang neben dem Altar.

    Langsam geht er durch die riesige Halle. Ein schmächtiger junger Mann. Eher wie ein Teenager wirkend als ein 24-Jähriger. Fast verschwindet er hinter dem riesigen Tisch. Doch kaum berührt er die Tasten des Instruments, wird aus dem Jungen ein Genie.

    Die Noten der Stücke, die er beim Orgelkonzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals am Sonntag präsentieren möchte, hat er alle im Kopf. Papier, Stift, irgendwas zum Aufzeichnen oder gar ein Blick auf die Tasten – Fehlanzeige. Dieser Mann muss die Stücke nicht proben. Er hat sie längst parat – in seiner Vorstellung. 

    Der Pianist Armstrong sitzt nicht zum ersten Mal an einer Orgel – wenn auch noch nie an einer so großen. Er begleitete schon Sänger oder Orchester. Doch das Trierer am Sonntag, 7. August, um 17 Uhr in der Basilika ist sein erstes reines Konzert an der Königin der Instrumente. Dabei wird er vorbarocke Werke wie von Girolamo Frescobaldi an der kleinen Schuke- und romantische an der Eule-Orgel spielen. „Ich möchte zeigen, dass man auf dem Instrument eine große Bandbreite der Musik präsentieren kann.“

    Und so ist das neuste Stück vom ungarischen Komponisten György Ligeti (1923-2006), die „Musica Ricercata“. „Da gibt es eine Querverbindung zu Frescobaldi“, erklärt Armstrong. „Es sind Klavierstücke mit deutlich definierten Schichten. Sie sind geeignet für das Orgelspiel, weil man gleichzeitig verschiedene Klangwelten laufen lassen kann.“
    Die Orgel sei ein schwieriges Instrument, sagt er. „Wenn man eine Taste gedrückt hat, kann man den Ton – anders als beim Klavier – nicht mehr steuern.“ Für ein Pianokonzert könne er fünf Minuten vor dem Spiel in den Konzertsaal kommen und alles vor Ort gestalten. Anders bei der Orgel.

    Der Grund, weshalb er sich bereits zehn Tage vor Konzertbeginn nach Trier und jeden dieser Abende in die Basilika begibt: „Ich programmiere die Register“, sagt Armstrong. Alleine könne er diese während des Spielens nicht bedienen. Immerhin stehen 82 zur Verfügung plus fünf weitere im Pedal. 

    Einige Stücke hat Armstrong schon programmiert. Heute Abend steht Franz Liszts Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ auf dem Programm. Der Musiker bedient einige Kippschalter an der Orgel, spielt die ersten Takte auf den vier Manualen. Stoppt. Wiederholt Passagen, probiert verschiedenen Schalter aus, testet den Klang, verwirft die Auswahl, schaltet neue Register hinzu und andere weg, bis die Töne genau seiner Idee des Werks entsprechen. 

    „Ich habe im Kopf, wenn die Trompeten ertönen sollen – die sinfonische Eule-Orgel hat vier davon“, erklärt er. „Das Registrieren ist fast wie Komponieren, wenn ich die Instrumentierung auswähle.“

    Die Idee für das besondere Konzert entstand 2015, bei Armstrongs viertem Klavier-Gastspiel in der Region. Damals gab er eine Zugabe auf der Orgel. In der Vorbereitung für Trier suchte er mit Festivalintendant Hermann Lewen ein Instrument aus: Die Wahl fiel auf die Eule-Orgel. „Sie ist hervorragend! Und ich finde den Raum besonders.“

    Ein Blick auf das Mobiltelefon in der grünen Tasche. 21 Uhr. Kit Armstrong schaltet die Orgel ab, schiebt sich von der Bank. Schnappt sich die Tasche, geht zur Sakristeitüre. Draußen blickt er sich um. Eine zierliche Frau sitzt gegenüber auf der Mauer. Sie blickt auf, lächelt. „Meine Mutter“, stellt er sie vor, verabschiedet sich, hakt sich bei ihr ein, geht mit ihr in die City. Wie ein Touristenpaar. Kein Mensch käme auf die Idee, dass hier einer der gefragtesten Pianisten weltweit durch Trier schlendert.
    Das Konzert von Kit Armstrong in der Konstantinbasilika ist am Sonntag, 7. August, 17 Uhr.

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  • 03.08.2016 Trierischer Volksfreund

    JTI Jazz-Award für finnischen Pianisten Iiro Rantala: „Der Jazz wurde in Deutschland erfunden"

    (Trier) Spitzbübisch, unbekümmert und hochprofessionell spielt Iiro Rantala das Klavier. Und mit einer Freude, die ansteckend ist. Der finnische Jazz-Pianist ist am Dienstagabend im Rahmen eines Konzerts beim Mosel Musikfestival mit dem siebten JTI-Award ausgezeichnet worden. Dazu erlebten 250 Besucher ein Konzert der Spitzenklasse.

    „Eine Weltmeisterschaft im Luftgitarre-Spielen traut man den Finnen zu“, sagt der Musikjournalist Ralf Dombrowski. Schließlich seien sie oft als die schrägen Vögel Europas dahergekommen. Aber ein Klaviertrio mit kalifornischer Leichtigkeit vortragen? Genau das aber sei Iiro Rantala, dem Pianisten, gelungen, den Dombrowski als Jurymitglied des siebten JTI-Awards als Preisträger 2016 im IHK-Tagungszentrum in Trier am Dienstagabend vorstellte. Sowohl als Solist als auch mit seinem Trio sei Iiro Rantala ein würdiger Preisträger, so der Laudator.

    Und dann geht der 46-jährige Echo Jazz-Preisträger von 2012 auf die Bühne und beginnt mit einem Stück von Bach, das erste, das er gelernt hat. Er spielt es erst zart, dann kräftiger und schließlich mündet es in „Thinking of Misty“, als gehörten die beiden schon immer zusammen.

    Zu Bach hat Iiro Rantala eine besondere Beziehung, denn der war seiner Meinung nach der erste Jazzmusiker. „Der Jazz ist hier in Deutschland erfunden worden“, sagt er. „Johann Sebastian Bach war der erste, der in seinen Stücken improvisiert hat. Bei seinem eigenen Spiel wirkt der Finne hochkonzentriert, tief versunken, singt leise die Töne mit, stampft mit dem rechten Fuß auf und ist im nächsten Moment wieder in Kontakt mit dem Publikum.“

    Bei „„Tears for Esbjörn“ wird es melancholisch, einzelne Töne klingen, als würden jemandem Tränen langsam übers Gesicht rollen. Das Stück hat Rantala im Gedenken an den 2008 tödlich verunglückten Komponisten Esbjörn Svensson gespielt, der als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Jazz-Pianisten der Zeit um die Jahrtausendwende angesehen wird. Dann wieder hellt sich die Stimmung des Stücks etwas auf, es erinnert an das Leben Svenssons –, doch die Tränen bleiben. Dann merkt man den Schmerz, der den Trauernden mit Dissonanzen innerlich zerreißt. Schließlich wird es kraftvoller und klingt leise aus.

    Es folgen Stücke von Leonard Bernstein und aus seinem aktuell sehr erfolgreichen Album „My working class hero“ – eine Hommage an John Lennon. Damit zeigt Rantala seine musikalische Vielseitigkeit, und dass er problemlos die Grenzen zwischen den Musikrichtungen auflösen kann.

    Seinen beiden Söhnen, die charakterlich sehr unterschiedlich zu sein scheinen, hat er ein Lied gewidmet, aus dem man schnell heraushört, dass der eine eher für die einfachen Dinge wie Essen und Schlafen zu haben ist, „der andere sich dagegen oftmals wie James Bond fühlt, nur ohne dessen Glück zu haben“, wie Rantala sagt.

    Für das Preisträgerkonzert gab es stehenden Applaus und als Zugabe „All you need is love“, bei dem Iiro Rantalla das Publikum ermutigte mitzusingen. Im ausverkauften Tagungszentrum der IHK war unter den 250 Jazzinteressierten aus der Region auch der Pianist und Komponist Kit Armstrong dabei, der selbst am Sonntag eine Weltpremiere als Organist an den Orgeln der Konstantin-Basilika spielen wird.

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  • 03.08.2016 Trierischer Volksfreund

    "Einfach ein wunderbares Projekt"

    Cellist Claus Kanngiesser über das Konzert mit Kammermusik von Max Reger

    (Trier) Für Orgelfreunde ist Max Reger (1873-1916) ein Begriff, und vereinzelt erscheinen seine Kompositionen in Sinfoniekonzerten. Der Kammermusik-Komponist Max Reger ist nahezu unbekannt. Ein Konzert im Kloster Machern am Freitag könnte ein Anstoß werden zur Wiederentdeckung des Kammermusikers Reger.

    Trier. Die Kammermusik zieht sich durch das gesamte Werk des Spätromantikers Max Reger. Cellist Claus Kanngiesser und Gerhard Oppitz am Klavier spielen die vier Sonaten für Cello und Klavier im Kloster Machern. Mit Claus Kanngiesser sprach dazu TV-Mitarbeiter Martin Möller.
    TV: Herr Professor Kanngiesser, alle vier Sonaten für Cello und Klavier von Max Reger an einem Abend - was hat Sie bewogen, dieses Mammutprojekt anzugehen?

     
    Claus Kanngiesser: Reger ist für mich einer der bedeutendsten Komponisten überhaupt. Ich bin mit seiner Musik von Jugend auf vertraut. Mein Großvater Bruno Otto Hämpel war Schüler bei Reger und auch bei seinem Freund Karl Straube. Auch mein Klavierpartner Gerhard Oppitz hat sich sehr früh mit Reger beschäftigt. Er stammt übrigens aus der Oberpfalz -genau wie Reger. Wir waren uns schon vor 30, 35 Jahren einig, dass wir das Projekt irgendwann machen müssen. Jetzt ist es so weit. Darüber sind wir sehr froh.

    TV
    : Stand nur ihr Interesse an der Musik Regers dahinter, oder zielen Sie auf ein bestimmtes Publikum?

    Kanngiesser: Ich bin sicher, dass aufmerksame und vorurteilsfreie Hörer von diesen Sonaten sehr angetan sein werden. Langweilig wird das Konzert ganz sicher nicht.
    Die Cellosonaten, vom Opus 5 über die Opera 28 und 78 bis zum Opus 116 ziehen sich durch das Gesamtwerk Regers. Repräsentieren sie etwas von der Entwicklung des Komponisten?

    Kanngiesser:
    Es sind vier ganz eigenständige Sonaten. Die Sonate Opus 5 ist ein großer, genialer Wurf, auch wenn Reger später von ihr nichts mehr wissen wollte. Die Sonate Opus 28 wurde in einer Zeit geschrieben, in der Reger sehr labil war - wobei man in der Musik nichts davon bemerkt. Die Sonate Opus 78 mit ihrem provokanten Stil gehört zum sogenannten wilden Reger. Und in der Sonate Opus 116 kündigt sich schon Regers Spätwerk an. Es ist eine Musik, die Abschied nimmt.

    TV: Für Sie als Cellist: Was unterscheidet Reger von, sagen wir: Brahms?

    Kanngiesser:
    Die Unterschiede sind gar nicht so groß. Ich meine nur, dass bei Brahms der Schwerpunkt auf der Melodie liegt, während Reger das Melos in seine dichte Harmonik einbindet.
    TV: Was muss geschehen, damit Sie sagen können: Es war ein gelungenes Konzert!

    Kanngiesser: Es ist einfach ein wunderbares Projekt. Gerhard Oppitz hat viel Reger gespielt, aber den Klavierpart der Cellosonaten hat er ganz neu gelernt. Wir freuen uns darauf, diese große Musik im Kloster Machern spielen zu können. Das ist schon ein Wert an sich.mö

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  • 31.07.2016 Trierischer Volksfreund

    Max Mutzke und die SWR-Big-Band in Bernkastel-Kues: 800 Zuschauer beim Mosel Musikfestival Open Air.

    (Bernkastel-Kues) Knallender Bi- Band-Sound und ein energiegeladener Sänger der Extraklasse vor der romantischen Mosel-Kulisse von Bernkastel-Kues - das ist das Rezept für ein großartiges Konzert vor über 800 Zuschauern beim Mosel Musikfestival Open Air.

    Das Glück ist mit dem Tüchtigen, das mag sich der Intendant des Mosel Musikfestivals, Hermann Lewen, gedacht haben, als er nach der Pause des Konzertes in den Bernkastel-Kueser Moselauen berichtete, dass er die herannahenden, tiefschwarzen Regenwolken mal eben auf die andere Seite der angrenzenden Weinberge "verschoben" habe. Dem Manne mangelt es nicht an Selbstbewusstsein; zu Recht, hat er doch mit dem Konzert des Ausnahme-Sängers Max Mutzke und der SWR-Big Band seinem Publikum wieder einen exquisiten Abend beschert.

    Mosel Musikfestival

    Über 800 Menschen sitzen und stehen im großzügig bemessenen Zuschauerbereich, flanieren, trinken ein Glas Wein oder verköstigen sich am hippen Food-Truck. Der Veranstalter hält das rechte Maß, es ist angenehm voll, aber es herrscht kein Gedränge. Die Stimmung ist heiter, schon als die ersten Musiker der exzellenten Band die wunderbar farbig ausgeleuchtete Bühne betreten, brandet Applaus auf.

    Balladen prägen erste Hälfte

    Stimmungsvolles farbiges Licht, das war es auch schon mit den Effekten. Die braucht es auch gar nicht, wie die Mannen von Bandleader Klaus Wagenleiter (Piano) mit einem swingenden "Sweet Lucy" und "Strasbourg St. Denis" eindrucksvoll beweisen.

    Ihr Auftritt ist effektvoll genug, ein Meister seines Fachs spielt neben dem anderen. Dann kommt Max Mutzke, der sicher vielseitigste Sänger seiner Generation, ein uneiteler Show-Mann, der über die Bühne shuffelt, mit einer grandios variantenreichen und sicheren Stimme ausgestattet. Jeder Ton sitzt, kein Wackeln, alles sieht selbstverständlich und locker aus, obwohl es höchste Anstrengung und eine grandiose Technik erfordert. Das nennt man wohl Virtuosität. Der perfekt ausgesteuerte Ton dringt rein und klar bis in die letzte Reihe, das Publikum geht groovend mit.

    Band aus Top-Solisten

    "Leise ist anders", hatte es zu Beginn geheißen, "die Handys können an bleiben!" Ganz so dicke kommt es dann nicht, Balladen bestimmen die erste Konzerthälfte, "Welt hinter Glas" sowie "Me & Mrs. Jones" heißen die absoluten Gänsehaut-Höhepunkte. Dann bleiben 30 Minuten Pause, um den Wolken beim Rückzug über die Burg Landshut zuzuschauen, den Riesling zu kosten und sich auszutauschen: "Ein herrliches Erlebnis, dieser Sound, diese Stimme", sagt eine Zuschauerin, die mit ihren Freundinnen extra aus Mainz angereist ist.

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  • 31.07.2016 Trierischer Volksfreund

    Wellküre in Bernkastel-Kues: 250 Besucher begeistert

    (Bernkastel-Kues) Kabarett und Musik haben sich die Wellküren aus der bayerischen Wellfamilie, zu der auch die Biermösl Blosn gehören, in ihr Programm geschrieben. Politische Themen kamen dabei genauso auf die Bühne wie Alltagsprobleme und die Nonnentrompete.

    Die STUGIDA, Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlands, wollen wir heute hier gründen", das war die Ansage der drei Musikerschwestern Burgi, Bärbi und Moni Well, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum als Wellküren feiern, in den Moselauen in Bernkastel-Kues. Dorthin waren sie auf Einladung des Mosel Musikfestivals gekommen.

    In harmlose, harmonische, aber hochwertige Volksmusik mit Hackbrett, Harfe, Gitarre und Saxofon verpackten sie vor 250 Zuschauern ihre Themen von Vergesslichkeit, menschlichen Beziehungen und der Politik in Bayern und Berlin und vergaßen dabei nicht, sich auch selbst ins Visier zu nehmen.

    Bärbel beruhigte die Nerven von Moni mit Globuli, wenn die sich beispielsweise über Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst aufregt, der gegen König Ludwig, was Prunk und Protz angeht, ein Anfänger gewesen sei. Auch die AfD und Frauke Petry sind Thema: "Bei uns in Bayern sagte man, eine Frau hat Haare auf den Zähnen, aber bei der hat jeder Zahn eine eigene Frisur", so Moni Well, in breitestem bayerischem Dialekt, unter dem Beifall des Publikums. Da die Damen aus Bayern kommen, nehmen sie natürlich auch ihren Ministerpräsidenten Horst Seehofer, dem sie den Beinamen "den Fruchtbaren" geben, und Markus Söder, "der noch nicht mal Schafskopf spielen kann", ins Visier.
    "Ich genier mi scho, dass i aus Bayern kimm, obwohl das eh keiner merkt", so Moni Well. Zu Seehofer erklärt sie: "In Bayern brüllt er rum wie ein Löwe, und in Berlin kommt nur noch ein Miau." Und zu Pegida sagt sie: "Von wegen ,Wir sind das Volk’, sie leben gut von unserem Staat, aber wenn die das Volk wären, würd ich Flüchtling."

    azwischen gab es immer wieder Globuli, die aber erst mit Verzögerung wirkten, und Stubenmusik, die nach ihren Erfahrungen für alles gut ist. Dabei kommen auch seltene Instrumente zum Einsatz, beispielsweise die Nonnentrompete, ein Saiteninstrument mit nur einer Saite, an die ein Trompetentrichter montiert ist. Die Wellküren erklären das so: "Die Nonnen wollten ja auch gerne Musik machen, aber sie durften ja nicht blasen, deshalb bekamen sie ein Seiteninstrument."

    Ihre musikalische Klasse mit dreistimmigem Gesang und insgesamt zehn Instrumenten, die sie spielten, zeigten sie bei dem Volkslied: "Auf einem Baum ein Kuckuck saß", das sie rhythmisch immer weiter veränderten, bis ein improvisiertes Singen von Silben, ähnlich einem im Jazz üblichen Scat, herauskam, so dass sie ihrem "Weltmusikanspruch" durchaus gerecht wurden.

    Zum Schluss inszenierten sie "Bayern-früher-heute-morgen" im Stil des Western "Spiel mir das Lied vom Tod", indem Horst Seehofer und Markus Söder bei einem Duell an der Tankstelle umkommen und Carl-Theodor zu Guttenberg als Sanitäter, natürlich ohne Doktortitel, das bayerische Volk heilen will. Als Zugabe sang Bärbi Well den Titel "Waren sie schon einmal in mich verliebt?".

  • 23.07.2016 Saarbrücker Zeitung

    Imagedreh mit Mosel, Most und Musik

    Wie das Moselmusikfestival den Generationenwechsel meistert
    Von  Cathrin Elss-Seringhaus

    Der Dreiklang aus Architektur, Genuss und Atmosphäre machte das Moselmusikfestival (MMF) zum größten und ältesten Klassikfestival in Rheinland-Pfalz. Anders als die Musikfestspiele Saar strotzt es im 31. Jahr vor Selbstbewusstsein und Gesundheit. Dort gelingt bis 2018 offensichtlich ein gleitender Generationenübergang und eine sanfte Erneuerung.

    Wie sich die Temperamente gleichen. Wenn Hermann Lewen (64), Deutschlands dienstältester Klassikfestival-Chef, über sein erstes Klassik-Open Air mit Pianist Justus Frantz 1985 im Kloster Machern bei Bernkastel erzählt, wie er dem damaligen millionenschweren Besitzer diesen atmosphärisch berückenden und kulturhistorisch bedeutenden Ort für die Moselregion abschwatzte, dann klopft er sich gerne selbst auf die Schulter. Als „Spinner“ habe man ihn bezeichnet, sagt er, dann seien 1000 Menschen gekommen, und Frantz habe die Idee nach Schleswig-Holstein getragen. Er sei nun mal der Erfinder der Klassik-Festivals in Deutschland, meint Lewen, einst Kultur-Beauftragter in Wittlich. Man meint, seinen saarländischen Kollegen Robert Leonardy (76) zu hören, der 1989 die Musikfestspiele Saar gründete. Zwei fabelhafte Selfmade-Männer, seit Jahrzehnten mit Charme und Chuzpe bei VIP-Sponsoren unterwegs, mit einem programmatisch vergleichbaren Gemischtwarenladen von Kabarett bis Kammerkonzert, von Fünfsterne-Größen bis zu regionalen Mini-Combis. „Große Stars in kleine Dörfer“, dieses Motto könnte auch über dem hiesigen Festspielen stehen. Wäre denn das Wort Dorf im Saarland nicht verpönt, während es an der Mosel nach idyllischer Heimat, köstlichem Riesling und nach lukrativem Genuss-Tourismus klingt. Lewens Idee, die ausschließlich von der Weinerzeugung geprägte Kulturlandschaft des Moseltals zwischen Schengen und Koblenz zum Markenkern zu erklären, Klosterruinen, Bischofssitze und Weingüter zu bespielen, sie hat sein Festival Seit an Seit mit dem immer mehr boomenden Moselwein groß, stark und unersetzlich werden lassen. In der Region selbst, kaum überregional, was sich an der bisher eher mageren Strahlkraft des MMF etwa ins Saarland hinein beweist. Jedenfalls schossen zeitgleich zum MMF und auch zu den Musikfestspielen Saar bundesweit Festivals als austauschbare Massen-Kulturware auf, heute sind rund 300 am Start. Doch Lewen hat starke Partner, weniger die Gemeinden und Landkreise, die als Gesellschafter der gemeinnützigen Trägergesellschaft fungieren (Landkreis Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell, Mayen-Koblenz, Bernkastel-Kues) und das Festival zusammen mit dem Land Rheinland-Pfalz zu einem Drittel (300 000 Euro) finanzieren. Auch nicht die Sponsoren, die ebenfalls mit 300 000 Euro dabei sind – mit den Ticketeinnahmen summiert sich der Etat auf rund 900 000 Euro. Nein, die wahren Stabilitätspfeiler sind die Moselwinzer, viele auch Hoteliers und Gastronomen. Sie spendieren den Zuhörern nicht nur das kostenlose „Glas Wein danach“ mit den Künstlern, sie nutzen das MMF als ihr branchenspezifisches touristisches Marketinginstrument. Sie haben Interesse daran, dass die Konzerte zu einem Wohlfühl- und Genuss-Erlebnis werden. Die Moselwein e.V. kooperiert engstens. Das ist ein Ideal- und Glücksfall – unübertragbar auf die Musikfestspiele Saar. Die generieren zwar vier Mal so viele Zuschauer (2015 rund 50 000) – und deren durchschnittlicher Etat ist zwar beinahe doppelt so hoch, doch sie stecken in der Krise, erlebten jetzt eine politische Entkoppelung. Leonardy fiel in Ungnade; seine Landes- und Totomittel (2015: 350 000 Euro) sind weg. Ein Grund dafür: seine zähe und „dynastische“ Übergabe- und Stabwechsel-Politik an den Sohn Bernhard. In Kontrast dazu läuft die Sache beim MMF. Lewen gibt am 31. Dezember 2016 die Geschäftsführung der gemeinnützigen Festspiel-GmbH ab an Tobias Scharfenberger (51), Bariton und stellvertretende Trierer Theaterchef. Zusammen entwickeln sie das Programm 2017, das noch unter Lewens künstlerischer Leitung (Beratervertrag) laufen wird. Erst 2018 kommt dann Scharfenbergers Solo. „Ich habe noch zwei Studienjahre“, sagt der Bariton, der in Zürich Kulturmanagement studierte und Anfang der 2000er Jahre in Joachim Arnolds Merziger Oper im Zelt auftrat. Über Innovationen spricht er mit der gebotenen Dezenz, plant als Innovation Themensetzungen, ausgeklügelte Familienangebote, ein aggressiveres „zielgruppenorientiertes Verkaufen“. Er möchte für Jüngere und die Szene interessanter werden: „Ich könnte mir eine Akademie und Education vorstellen“. Vor allem aber möchte er sich von den Spielorten noch stärker inspirieren lassen: „Wer passt wo optimal rein?“ Und Lewen? Er warnt davor, den Markenkern – anspruchsvolle Musik – aufzugeben: „Es darf nicht zu populistisch werden“. Aber lauter, vitaler, pfiffiger in Richtung Saarland-Werbung – dieser Punkt fehlt bei Jung und Alt noch im Zukunfts-Portfolio.
    Meinung:

    Vorbild für das Saarland

    Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus Angeblich stirbt der Klassik das Publikum weg. Dann stellen wir uns ans Grab und heulen? Beim Moselmusikfestival läuft kein Requiem, sondern eine muntere Melodie aus Mosel, Most und Musik, komponiert für Klassik-Kunden, die in ihrer Mehrheit keine sind: Touristen. Nein, diese Situation ist nicht vergleichbar mit dem Saarland. Es wäre töricht, den Musikfestspielen Saar vorzuwerfen, sie hätten es nicht geschafft, touristische Effekte zu erzielen und sich dadurch überflüssig gemacht. Das Leonardy-Festival besitzt immer noch seinen Herzens-Stammplatz beim hiesigen Publikum. Doch die Kämpfe der vergangenen Monate haben Glanz und Kraft gekostet, und die Themensetzung China für die nächste Ausgabe wirkt eher skurril als zugkräftig. Nichts deutet auf Erneuerung und Belebung hin. Kurz: Man muss ein wenig bangen, zumal die Landespolitik 2018 ein zweites, ein neues Klassikfestival an den Start bringt. Das Konzept ist offen. Und weil das so ist, sollte man ins Moseltal schauen. Nicht, dass dort der Festival-Nabel der Welt läge. Aber der Brückenschlag zwischen Eventkultur und regionaler Kulturhistorie unter der großen Flagge „Genuss“ und „Heimat“, der könnte auch fürs Saarland passen.
    Zum Thema: Auf einen Blick Das Festival bringt bis 3. Oktober mehr als 67 Konzerte an 40 Spielstätten. Höhepunkte: Vivat Bacchus (kulinarische Weinproben und Konzerte): 11. 8. Garten Weingut Schloss Lieser oder 21./22. 9. Markus Molitor, Bernkastel-Wehlen; Fazil Say (14. 8., Kloster Machern), Senta Berger liest Alfred Polgar (10. 9., Bernkastel-Kues), Barock und Lounge: Berliner Lautten Company/Mine Barcok (1. 10., Viehmarktthermen, Trier), Concerto Köln mit Händels Messias, Trierer Dom (3. Oktober). Information: www.moselmusikfestival.de, unter Tel. (0 65 31) 50 00 95; www.ticket-regional.de ce

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  • 18.07.2016 Trierischer Volksfreund

    Wuchtig, flirrend, mystisch

    (Trier) Bruckner und der Trierer Dom - wirkungsvoller hätten die Kathedralklänge im Kultursommer Rheinland-Pfalz gar nicht weitergehen können. Karlheinz Steffens und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz entfalteten in der ältesten deutschen Bischofskirche eindrucksvoll die gewaltige Klang-Architektur der achten Sinfonie.
    Trier. Es war ein verhaltener Anfang. Die ersten Takte von Bruckners Achter hatten etwas Verschlossenes, mystisch Raunendes. Und der Dialog zwischen Streicher-Bassgruppe und Holzbläsern klingt im Trierer Dom, als käme er aus weiter Ferne. Aber dann überfällt der erste, große Orchestereinsatz den Hörer. Und da weitet sich der Orchesterklang zu einer gewaltigen Fülle. Im Hall der Trierer Bischofskirche nimmt die Musik den Hörer ganz in seine Mitte - ein überwältigendes Raumerlebnis.

    Karlheinz Steffens, Chefdirigent der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, wusste, warum er das Konzept von den Kathedralklängen erfand. Gerade bei Bruckner klingen im Hall der rheinland-pfälzischen Bischofskirchen die Höhepunkte weit und offen und die leisen Passagen fern und entrückt - ganz anders als der Konzertsaal-Bruckner mit der Gefahr starker, aber enger Orchesterklänge.

    Wahr ist allerdings auch: Bruckner als Kathedralmusik ist mit Risiken verbunden. So wuchtig sich im Trierer Dom der Klang entfaltet - Details bleiben in diesem Raum auf der Strecke. Obwohl Steffens mit seinem Dirigat kompromisslos auf Präzision setzt, schleichen sich im akustischen Resultat Unschärfen ein. Und die können gerade bei der Achten mit ihrer Wagnernahen Chromatik und den Ansätzen zum Wagnersch’en Mischklang ein Problem werden.

    Am höchsten waren die akustischen Hürden wohl im Scherzo-Satz. Da verschwimmen die flirrenden Streicher-Tremoli, und die Bläser-Einwürfe wirken zufällig. Zudem nimmt Steffens das Trio allzu rasch (Bruckner: "Langsam") und gibt ihm einige Atemlosigkeit mit.
    Ja, Defizite bleiben. Und dennoch fällt die Gesamtbilanz dieser Interpretation überwältigend positiv aus. Das Adagio, Herzstück der gesamten Sinfonie, entfaltet unter den Händen von Steffens und seinem Orchester eine einzigartige Gewalt und Tiefe, Wucht und mystische Versenkung. Wahrzunehmen, wie sich aus dem verhaltenen Begleitapparat der Streicher die ersten Violinen herauslösen und die Führung übernehmen, wird zum nachhaltigen Erlebnis.
    Karlheinz Steffens beschwört die Räumlichkeit von Bruckners Erfindung - ihren Kathedralcharakter. Wenn sich im dritten Abschnitt des Satzes die Streicher in ein Klangnetz von raschen Sechzehntelfiguren auflösen und darüber die Bläser ihren gewaltigen Klang-Dom errichten, dann erreicht die Interpretation eine religiöse Energie sondergleichen.
    Und noch etwas zeichnet diese Interpretation aus. Steffens gelingt es vom ersten Takt an, die Generalpausen und die nur scheinbar unverbundenen Sektionen in dieser Sinfonie zu einem großen, spannungsvollen Ganzen zu verbinden. Mögen Details untergegangen sein - der gewaltige Bogen dieser Interpretation hinterließ bei den rund 800 Besuchern einen tiefen Eindruck.
    War Johann Nepomuk Davids Chaconne a-Moll die passende Einleitung zum Brucknersch’en Großwerk? Gewiss haben diese Sinfonie und die Orgelkomposition wenig miteinander zu tun. Aber genau da liegt die Pointe der Programmdisposition: David imitiert Bruckner nicht und sucht ihn ohnehin nicht zu übertreffen. Mit der Komposition, die 1927 aus dem Geist der damaligen Orgelbewegung entstand, besetzt er stilistisch einen Bereich, den Bruckner freilässt.
    Domorganist Josef Still brillierte zudem in dieser technisch anspruchsvollen Musik, die ihren Reichtum hinter einer abweisenden Außenseite versteckt. Vielleicht ergibt sich nach dem Reger-Jahr 2016 ein David-Jahr - 2017, zum 40. Todestag des Komponisten.

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  • 17.07.2016 Trierischer Volksfreund

    Deutsche Romantik - ganz speziell

    Vokalensemble "Amarcord" und Hornisten "German Hornsound" in der Trierer Promotionsaula
    (Trier) Intendant Hermann Lewen gab sich selber ganz erstaunt: Zum ersten Mal nach 30 Jahren gab es beim Mosel Musikfestival ein Konzert in der Trierer Promotionsaula. Egal, ob deutsche Romantik und der Rokoko-Saal zueinander passen oder nicht - am Ende verbreitete sich beim "Soft Opening" des Festivals im Innenhof des Priesterseminars eine märchenhafte Sommerstimmung.
    Trier. Hätte ein Konzert schöner, stimmungsreicher und persönlicher ausklingen können? Kaum waren Schlussbeifall und Zu gaben vorbei, da drängte es die rund 250 Besucher der Trierer Promotionsaula nach draußen, zum Innenhof des Priesterseminars. Da standen sie in lockeren Gruppen, das kostenlose Glas Wein in der Hand, redeten und diskutierten. Und vom Balkon der Promotionsaula beschworen das Vokalensemble "Amarcord" und das Hornquartett "German Hornsound" noch einmal die Welt deutscher Romantik. Ein klingendes Resümee. Fantastisch!

     
    Mit "Amarcord" hat das Mosel-Musikfestival ein exzellentes Vokalensemble nach Trier geholt. Intonation, Sprache, Klangbalance - alles steht zum Besten. Nur minimale Schwankungen zeigen, wie ungemein schwer dieses Ensemblesingen ist.
    Und weil "Amarcord" von einem echten hohen Tenor angeführt wird und sich darin von den Kontrate nören britischer Formationen unterscheidet, klingt das Ensemble so strahlend-markant. Da schwingt die Ästhetik einer Barockorgel mit und wohl auch die langjährige Schulung der fünf Sänger bei den Leipziger Thomanern.

    Mosel Musikfestival

    So ausgestattet, modellieren sie Stimmengeflechte heraus, vertiefen sich in die reiche Harmonik bei Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy, bedenken bei Dichtern und Komponisten aus der zweiten Reihe die Gemeinplätze mit subtiler Ironie und verbinden sich mit dem Hornquartett zu vielschichtigem Musizieren. Und dann die Hörner - klingende Wahrzeichen deutscher Romantik! Welch breite Palette an Farben und Stimmungen zaubern die vier von "German Hornsound" - von schmetternder Energie bis zu sanfter Intimität. Und wenn sie bei Mendelssohn und Constantin Homilius (1813-1902) ohne die Sänger-Kollegen auf dem Podium stehen, dann entfalten sie echt romantische Stimmungen - träumerisch und zupackend, vertraut und fremd, fern und nah zugleich.

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  • 15.07.2016 Trierischer Volksfreund

    Mosel Musikfestival: "Ein Festival muss eine Seele haben"

    Hermann Lewen und Tobias Scharfenberger sprechen über neue Schwerpunkte, künstlerische Nischen und kulturelle Spielstätten.
    (Trier) Nach mehr als 30 Jahren steht das Mosel Musikfestival (MMF) vor einem Stabwechsel. Intendant Hermann Lewen gibt die Leitung der erfolgreichen Festspiele im Lauf des Jahres 2017 weiter an Tobias Scharfenberger.
    Tobias Scharfenberger ist dem Trierer Publikum als Konzertsänger durch Auftritte mit dem Trierer Konzertchor vertraut - Leitung damals: Manfred May. Er war einige Monate stellvertretender Intendant am Trie rer Theater und gilt als angesehener Musiker und als professioneller, versierter Organisator. TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach mit Scharfenberger und dem amtierenden Intendanten Hermann Lewen über die aktuelle Situation und die Aussichten des Festivals an der Mosel.
    Herr Lewen, Herr Scharfenberger, Sie sitzen hier für das Mosel Musikfestival als Duo. Wann wird das Duo zum Solo?
    Lewen: Ich werde am 31. Dezember 2016 die Geschäftsführung der gemeinnützigen Festspiel-GmbH abgeben an Tobias Scharfenberger. Wir legen beide schon jetzt das Programm für das Festival 2017 fest, das damit noch unter meiner künstlerischen Leitung steht. Tobias Scharfenberger macht dann das Programm für 2018. Ich werde das Festival 2017 mit einem Beratervertrag begleiten, bis zum 1. Januar 2018.
    Kann es darauf hinauslaufen, dass der Nachfolger von Hermann Lewen wieder Hermann Lewen heißt - jedenfalls inoffiziell?
    Scharfenberger: Dem möchte ich doch eindeutig widersprechen (lacht). Aber um die erste Frage präziser zu beantworten: Ich denke, das Solo beginnt im Jahr 2018 - definitiv.

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  • 07.10.2015 Trierischer Volksfreund

    Besucherplus, Sternstunden und neue Akzente: Über die Höhepunkte des 30. Mosel Musikfestivals und erste Pläne für 2016

    Das Mosel Musikfestival hat seine Jubiläumssaison mit Erfolg beendet. Zur 30. Spielzeit kamen deutlich mehr Besucher als im Vorjahr, zudem konnten einige neue Konzertformate beim Publikum punkten. Für 2016 kündigt Intendant Hermann Lewen schon jetzt ein spannendes Kooperationsprojekt mit dem Theater Trier an.

    Trier. "Das war ein richtig gelungener Geburtstagssommer", sagt Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals (MMF). Und er hat allen Grund zur Freude, blickt er doch auf eine erfolgreiche 30. Ausgabe des größten und ältesten Klassikfestivals im Land zurück, die am Sonntag zu Ende gegangen ist. Das bestätigen zunächst die nackten Zahlen: 13 500 Besucher kamen zu den mehr als 50 Veranstaltungen an 41 Spielstätten entlang der Mosel, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Konzerte, sagt Lewen, seien im Durchschnitt zu 85 Prozent ausgelastet gewesen.

    Mosel Musikfestival
    Aber nicht nur Zahlen sind der Grund für Lewens Zufriedenheit. Auch die Begegnungen mit Künstlern und Publikum seien bei der Jubiläumsausgabe ganz besondere gewesen: "Es war ein wunderbares Wiedersehen mit alten Freunden und jungen Menschen, die bei uns ihren Weg begonnen haben." Als Beispiel nennt er den Auftritt von Pianist Martin Stadtfeld, der schon 2001 sein Debüt an der Mosel gab. Oder Star-Trompeter Ludwig Güttler, der Ende der 80er Jahre beim Festival auftrat und nun wieder zu Gast war.
    Auch viele Begegnungen der Künstler auf der Bühne hätten ihn beeindruckt, sagt der Festivalchef. Etwa der gemeinsame Auftritt von Pianistenlegende Alfred Brendel und Meisterschüler Kit Armstrong oder das Zusammentreffen von Stargeiger Daniel Hope mit dem Orchester L’Arte del Mondo bei "Vivaldi recomposed".

    Bei den oft riskanten Open-Airs spielte diesmal das Wetter mit. Lediglich beim Aufakt im Juli mit Maybebop regnete es, Sänger und Zuhörer mussten für die Zugaben vom Innenhof ins Treppenhaus des Kurfürstlichen Palais umziehen. Ansonsten sorgten die vielen lauen Sommernächte für gut besuchte Veranstaltungen unter freiem Himmel. Allein zum Bigband-Konzert der Bundeswehr am Bernkasteler Moselufer kamen 4000 Gäste.
    30 Jahre Mosel Musikfestival sind für Lewen auch ein Anlass, auf das bisher Erreichte zurückzublicken. "Es hat schon lange gedauert, bis das Festival den Stellenwert hatte, den es heute genießt", sagt der Intendant. Heute sei das Festival "in der internationalen Szene akzeptiert" und "im Fokus der Musikinteressierten" angekommen. "Es gibt in unserer materiell gesättigten Gesellschaft ein Bedürfnis nach emotionalen Erlebnissen - und die bieten wir."

    Neue Formate, neue Gesichter
    Dazu gehöre auch, dass man neben Stars und beliebten Stammgästen auch neue Gesichter und neue Formate an "kulturhistorisch interessanten Spielstätten" ins Programm integriere. Geiger Roman Kim (24) etwa ist für Lewen "die Entdeckung des Sommers". Aber auch die erst zwölfjährige Pianistin Laetitia Hahn und ihr Bruder Philip hätten ihn fasziniert. "Wenn so ein Sechsjähriger sich ans Klavier setzt, mit den Beinen baumelnd, und Bach spielt - das ist eine Sternstunde. Dafür mache ich dieses Festival!"
    "Verblüfft" habe ihn das Interesse an neuen Formaten wie "Nachts in der Basilika", ein Konzert nach 22 Uhr, das 600 Besucher anlockte. Bei der JTI Lounge in den Trie-rer Viehmarktthermen traf Soulsänger Max Mutzke auf ein Streichquintett. "Diese Sache war für junge Leute konzipiert. Dann hat uns aber das sogenannte etablierte Publikum fast überrannt - einfach, weil es gut und anders war." Ein weiteres Erfolgsrezept laut Lewen: die Einbindung regionaler Akteure. "Wir bieten der regionalen Kulturszene eine Plattform. Wir grenzen nicht aus, was vor Ort passiert."
    "Noch lange nicht ausgeschöpft" sind für den Festivalchef Potenziale bei der touristischen Vermarktung und der finanziellen Unterstützung, etwa durch die Kommunen. Deren Anteil am Festivaletat von einer Million Euro liege bei 12 bis 15 Prozent. "Das sind Peanuts im Vergleich zu anderen Infrastrukturprojekten", kritisiert Lewen. Was in der Kultur investiert werde, zahle sich volkswirtschaftlich dreifach aus, das werde nur "leider nicht überall gesehen". Dabei habe er mit seinem kleinen Team in 30 Jahren "eine Marke, ein hochwertiges Produkt entwickelt", das der Tourismus verkaufen könne. Zwar gebe es inzwischen mehr Mitbewerber, die Klassik im Sommer anböten. "Aber das Spannende ist, dass wir alle keine Probleme haben."
    Kaum ist das Jubiläum vorbei, richtet sich der Blick schon auf 2016. Das Programm für die kommende Saison wird im Dezember vorgestellt. Einen Höhepunkt verrät Lewen schon jetzt: Im Rahmen des mehrfach verschobenen "Nukleus"-Projekts zeigen das MMF und das Theater Trier vom 5. bis 7. August die Tanz- und Bürgertheater-Performance "Nero Hero" vor der Porta Nigra.
    Ersatz müsse man suchen für den Palais-Innenhof, der für Bauarbeiten gesperrt werde. "Wir wollen deshalb häufiger ans Bernkasteler Ufer gehen." Gerne wiederholen würde Lewen das Public-Viewing-Experiment, bei dem 1000 Zuhörer vor der Basilika das Beethoven-Eröffnungskonzert kostenfrei auf einer Videoleinwand verfolgten. Dies habe allerdings einen "fünfstelligen Betrag" gekostet. Ob man so etwas erneut finanzieren könne, sei ungewiss.
    Autor: Christa Weber

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  • 04.10.2015 Trierischer Volksfreund

    Gewaltiges Raumerlebnis, donnernder Klang

    Gewaltig hatte es mit Beethoven begonnen. Eindrucksvoll und international endete das Jubiläumsjahr des Mosel Musikfestivals am Samstag in der Trierer Basilika. Auf dem Programm: Werke der französischen Spätromantik. Die herzlich applaudierenden Zuhörer bedankten sich für ein gigantisches Konzert und einen gelungenen Konzertsommer.

    Trier. International ging es her beim Schlussakkord des Mosel Musikfestivals. Mit seinen 30 Jahren ist das Festival das älteste und größte in Rheinland-Pfalz, wie Kulturstaatssekretär Walter Schumacher in Vertretung der Schirmherrin Ministerpräsidentin Malu Dreyer betonte.
    Etwa 14 000 Gäste haben in diesem Jahr die Konzerte und Events besucht, über zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Dass die ursprünglichen Mosel-Musik-Festwochen ihren namensgebenden Fluss als europäisches Band verstehen, zeigte einmal mehr das Schlusskonzert der Jubiläumsausgabe. Das gemeinsame Musizieren deutscher, luxemburgischer und französischer Chöre wurde zur gigantischen musikalischen Demonstration europäischen Gemeinsinns.
    In Anwesenheit der über 800 Besucher - darunter die deutsche Botschafterin in Luxemburg und ihr französischer Kollege - sangen der Trierer Bachchor, der Straßburger Kathedralchor, Kammerchor und Knabenchor des Konservatoriums Luxemburg sowie die Trierer Domsingknaben und der Mädchenchor am Trierer Dom gemeinsam Hector Berlioz’ monumentales "Te Deum" op. 22. Begleitet wurden sie vom Philharmonischen Orchester der Stadt Trier. Das ambitionierte Projekt unter der engagierten musikalischen Leitung von Martin Bambauer war eine Kooperation des Festivals mit der Evangelischen Kirchengemeinde Trier.

    "Mein Requiem hat einen Bruder, der mit Zähnen auf die Welt gekommen ist", schrieb Hector Berlioz an Franz Liszt nach der Uraufführung seines "Te Deum" zur Eröffnung der Pariser Weltausstellung 1855. Wie bedrohlich diese Zähne und wie widerspenstig der geistliche Bruder ist, war in der Basilika zu erfahren.
    Mit seiner triumphalen Vergangenheit und seinen überwältigenden Ausmaßen entspricht der Raum durchaus dem Geist der Komposition. Einen Hang zum Pompösen hatte das ursprünglich zur Krönung Napoleon III. geschriebene "Te Deum" schließlich immer. Auch Bambauer weist in seinem Begleittext darauf hin, dass die Komposition einer großen Kirche bedarf. Genau darin bestand ein Grundproblem der Trierer Aufführung. Ist doch die Basilika nicht als Kirche, sondern als Palastaula gebaut.
    Der bei der Verkündigung kaiserlicher Botschaften erwünschte lange Nachhall, störte beim Musizieren ganz erheblich den Eindruck von Transparenz und Struktur. Dabei gingen die rechts aufgestellten Kinderstimmen im Mittelfeld völlig unter. Ohne Frage verdient Bambauers Mut, die mörderische, selbst von professionellen Chören selten aufgeführte Komposition in Angriff zu nehmen, unbedingt Respekt. Gleichwohl blieb die Aufführung mit ihrem Aufgebot an Sängern eher ein gewaltiges Raumerlebnis und ein Genuss für die Augen als einer für die Ohren.
    Die donnernden Klangmassen und expressiven Ausbrüche erschlugen sämtliche lyrische Partien. Die himmlische Klarheit der Sopranhöhen verendete als schriller Schrei. Kaum zu vernehmen war Wolfram Wittekinds geschmeidige, warme Tenorstimme. Das abschließende dunkle "Judex crederis", bei dem die Pauken die Stunde zum Weltgericht schlagen, geriet als Endzeitszenario jedoch wirklich überzeugend.

    Mosel Musikfestival
    Das Philharmonische Orchester war den Sängern ein präsenter Begleiter, so wie Iveta Apkalna an der Orgel. Dort hatte die Lettin bereits vorher brilliert. Mit Alexandre Guilmants spätromantischer Symphonie D-Moll op. 42 hatte die geniale Organistin, die schon vor Jahren beim Festival zu Gast war, den Abend eröffnet. Den Trierer Philharmonikern mit ihren feinnervigen Streichern war die hochangesehene Künstlerin eine wunderbare Dialogpartnerin. Unter Bambauers Dirigat machten die Musiker die ganze Dynamik, Farbenfülle und Struktur der Symphonie hörbar.
    Als Poetin von hohen Graden erwies sich Apkalna im zweiten Satz der herrlichen "Pastorale". Sogar jene Tropfen Parfüm, die Guilmants Musik auch enthält, trug sie passend auf. Keine Frage: ein gigantischer Raumklang und ein Ende, das schon den neuen Anfang unüberhörbar in sich trug.
    Autor: Eva-Maria Reuther

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  • 30.09.2015 Focus Online

    Mosel Musikfestival in 30. Saison mit Besucherplus

    Das Mosel Musikfestival hat in seiner 30. Saison rund 13 500 Musikfreunde angelockt. Das seien gut zehn Prozent mehr als im Vorjahr, sagte Festivalchef Hermann Lewen am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Trier. Die Konzerte seien im Durchschnitt zu 85 Prozent gefüllt gewesen. „Das war eine mehr als erfolgreiche Geburtstagssaison.“ Nach 55 Konzerten an 41 Spielorten entlang der Mosel geht das größte und älteste Klassik-Festival des Landes am Samstag (3. Oktober) mit dem „Te Deum“ von Komponist Héctor Berlioz zu Ende. Ein Fokus habe dieses Jahr auf der Begegnung von Legenden und jungen Talenten gelegen, sagte Lewen. Dazu gehörte etwa eine Veranstaltung mit Star-Pianist Alfred Brendel und seinem jungen Meisterschüler Kit Armstrong. „Das war ein ganz besonders emotionaler Moment.“

    Ein Erfolg sei auch das erste Klassik-Public-Viewing in Rheinland-Pfalz gewesen: Unter dem Titel „Beethoven für alle“ war das Eröffnungskonzert Mitte Juli kostenlos auf eine Videowand vor dem Konzertgebäude übertragen worden. Diese Veranstaltung und ein weiteres Volkskonzert mit freiem Eintritt in Bernkastel-Kues hatten insgesamt weitere 5000 Menschen angezogen.
    dpa/J. Kalaene

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  • 30.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Jazzklassiker im Rumba-Rhythmus

    Kein Künstler trat bisher häufiger beim Mosel Musikfestival auf: In der Kröver Weinbrunnenhalle luden der göttliche Götz Alsmann und seine brillante Band die 500 Besucher ein zu "Expeditionen in die ferne und seltsame Welt des Broadways". Es war Alsmanns achter Auftritt im Rahmen der Konzertreihe - und wie immer ein gefeierter.

    Kröv. Wenn man etwas zu früh angereist ist und deshalb beschließt, sich noch ein bisschen den Ort anzuschauen, kann man bereits vor dem Konzert schmunzeln: Die Straße gegenüber der Halle heißt "Ritter-Götz-Straße".
    Ob Götz Alsmann davon weiß, ist nicht bekannt. Viel Spaß bereitet dem Schelm jedenfalls schon der volkstümliche Name des Auftrittsortes: "Nacktarschhalle". Weniger Spaß bereitet dem Zuhörer die Akustik der Halle, denn die ist für den selbigen. Vier Betonsäulen, viel Glas und viele Winkel sorgen für einen Klang, der musikalisch anspruchsvoller Musik nicht gerecht wird.Nach der CD "In Paris", die Alsmann Platin und seinen zweiten Echo-Preis einbrachte, widmet er sich in seinem neuen Programm "Am Broadway" amerikanischen Evergreens. Der 58-Jährige trüge jedoch nicht den Titel "König des deutschen Jazzschlagers", wenn er die Titel nicht in deutschen Versionen sänge. Tatsächlich wurden oft schon kurz nach der Veröffentlichung des Originals deutsche, meist auch adäquate Texte zu den Songs geschrieben. Harry Warrens "Serenade in blue" heißt in der germanisierten Fassung "Das Lied der Einsamkeit", Richard Rodgers "Blue Moon" trägt den Titel "Mondnacht am Meer", und George Gershwins "They can’t take that away from me" wurde in "Es ist die Liebe, die so glücklich macht" umgedichtet.
    Auch bei den Arrangements ist bei Alsmann keine Werktreue zu erwarten. Der Künstler hat den Songs seinen typischen Latinsound verpasst. So steckte er "Mondnacht am Meer" in einen hawaiianischen Hula-Rock. Und seine Interpretation von "My Funny Valentine" ("Traumvision") - eine der meistaufgenommenen Jazzballaden - dürfte die erste Version im Paso-Doble-Rhythmus sein.
    Nun kommen die Besucher nicht nur, weil sie ausgesprochene Liebhaber von Musicalstücken der 20er bis 50er Jahre im Rumba- oder Cha-Cha-Cha-Gewand sind oder sich Alsmann "wie eine Mischung aus Ozeloth und Feuersalamander" (zutreffende Eigenbeschreibung) über die Tasten bewegt und von einer perfekt eingespielten Band begleitet wird. Alsmanns Konzerte bieten beste Unterhaltung, da er nach zwei Nummern immer wieder charmant Anekdoten und erfundende Geschichten zum Besten gibt.

    Amüsante Anekdoten
    Er kann zwar auch fast so schnell sprechen wie Klavier spielen, dies ist jedoch nur ein rhetorisches Stilmittel, das er gerne benutzt. Der wortgewandte Münsteraner ist ein wunderbarer Erzähler, der jeden Vortrag zum Funkeln bringt - und die Besucher zum Lachen. Zum Beispiel wenn er erklärt, dass es eine Diskrepanz zwischen dem Namen des Hotels in New York, wo er im vergangenen Jahr das Album "Am Broadway" einspielte, und dessen Standort gibt ("Manhattan View" im Stadtteil Queens). Oder wie er und seine Kollegen sich dort für die Tour mit pinkfarbenen Jackets mit schwarzen Samtkragen einkleideten und ihnen daraufhin auf der Straße Bauarbeiter hinterherpfiffen und riefen, ob wieder Christopher Street Day sei.
    Für Unterhaltungskünstler ist es von großem Vorteil, musikalisch zu sein. Götz Alsmann ist jedoch mehr als ein feiner Komiker und großartiger Musiker. Sein Stil, sein Charme, sein Humor und sein Können machen ihn zum größten deutschen Entertainer.
    Autor: Christian Jöricke

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  • 28.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Pure Hingabe, brillante Technik: Mischa und Lily Maisky

    Ein fantastischer Abend: Mit dem Auftritt von Mischa und Lily Maisky erreichte das Mosel Musikfestival einen weiteren glänzenden Höhepunkt im Jubiläumsjahr.

    Bernkastel-Wehlen. Er ist fraglos einer der größten Cellisten dieser Zeit. Auch mit bald 68 Jahren hat Mischa Maisky nichts an Strahlkraft verloren. Und auch nichts an Exotik. Wie eine Figur aus einem russischen Roman des 19. Jahrhunderts sitzt er im seidenen Bauernkittel oben auf der Bühne im Barocksaal von Kloster Machern. Ein wenig älter ist er geworden. Noch immer umhüllt seinen Kopf die wallende weiße Mähne, dafür ist sein ehemals asketisches Gesicht mit dem scharfen Profil voller und sanfter geworden. Und was das Schönste ist: Mischa Maisky ist noch mehr eins geworden mit seinem Cello.

    Mosel Musikfestival
    An die Mosel hatte der Lette seine Tochter Lily mitgebracht. Die 28-Jährige ist eine talentierte Pianistin. Gleich das Eingangsstück, Franz Schuberts "Arpeggione- Sonate", ist geeignet, die Qualitäten beider Musiker zu demonstrieren. Ihre virtuosen Passagen und ihre seelenvolle Liedhaftigkeit, bieten dem Duo die Möglichkeit, brillante Technik und emotionale Stärke zu verbinden.

    Und doch: Auch wenn Lily Maisky durch Frische, Sensibilität und Dialogfähigkeit überzeugt, das packende Erlebnis bleibt Mischa Maisky. Kaum dass er die ersten Takte gespielt hat, schlägt sein Cello die Zuhörer in Bann. Wozu es unter den zupackenden Händen seines Meisters fähig ist, der es versteht, Spannung bis zum Zerreißen zu halten, ist sogleich faszinierend in Astor Piazollas berühmtem "Grand Tango" zu erleben. In seiner Vielfarbigkeit und seinen vielfältigen Temperamenten ersetzt Maiskys Cello eine ganze Tangaband plus Sänger. Angriffslustig, stolz, sogar eitel, kommt es daher, ist Frau und Mann, sehnsüchtig und zuweilen voll dunkler Schwermut.

    Als Melodienfetischist bezeichnet sich Maisky gern. Deren Zauber lebt der Cellist in Sergej Rachmaninows ursprünglich für Klavier und Singstimme geschriebenen Stücken lustvoll aus. Selten hat ein Cello so hingebungsvoll von der Tiefe und Weite der Seele erzählt, von den Stürmen des Gefühls, von Sehnsucht und wehmütiger Erinnerung. In Maiskys Spiel klingt der Ertrag eines leidenschaftlich durchliebten und durchlittenen Lebens und der Mut eines Menschen, der sich seiner Gefühlsmacht stellt. Ein grandioser Abend, den die 200 Zuhörer mit viel Applaus bedachten.
    Übrigens: Der Auftritt war so etwas wie ein generationenübergreifendes Konzert. Nicht nur wegen Vater und Tochter. Lily Maiskys Notenblätter wendete die zwölfjährige Pianistin Laetitia Hahn. Sie hatte morgens im Cusanus-Geburtshaus ein Solokonzert gegeben.
    er

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  • 27.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Ein Multitalent und groovende Streicher: Max Mutzke und Mikis Handmade Ensemble begeistern in den Viehmarktthermen

    Trier. Ein Pop- und Soulsänger, begleitet von einem Streichquintett - eine ungewöhnliche Kombination, die in den Thermen am Viehmarkt für einen besonderen Konzertgenuss gesorgt hat. Etwa 500 Besucher strömten zu der JTI Classic Lounge mit Max Mutzke & Mikis Handmade Ensemble.

    "Es hat uns glatt umgehauen, als wir hereinkamen!", schwärmt Max Mutzke. "Wir sind sehr glücklich, hier auf der Bühne zu stehen." Sein Song "Marie" erklingt in den farbenfroh, geradezu psychedelisch erleuchteten Trierer Viehmarktthermen.

    Die Zuhörer haben sich gute Plätze auf den Treppen gesichert, lugen zu Dutzenden über die alten Mauern. Einige glückliche haben sich die bequemen weißen Sitze vor der Bühne gesichert.
    Fast 500 Konzertbesucher sind es insgesamt, die Max Mutzke & Mikis Handmade Ensemble im Rahmen des Mosel Musikfestivals und der JTI Classic Lounge nicht verpassen wollten. Die exzellente Musik der fünf Streicher, der soulige Gesang des deutschen Multitalents und die alten Gemäuer mit dem hohen Glasdach schaffen auch eine ganz besondere Atmosphäre.

    "Er musste sich ja erst einmal in Fahrt singen, aber bis zum dritten Lied hat er sich sehr gesteigert", stellt Lorenz Weiler aus Hannover fest, der selbst Musiker ist. Und er bemerkt: "Max Mutzke hat Anleihen bei Xavier Naidoo gemacht." Nach diesem sei Mutzke einer der besten Sänger im Land. Auch die Band gefällt den Zuhörer sehr gut: "Sie spielen total auf den Punkt. Die grooven ja auch! Das ist eine rhythmische Arbeit, die man von einem Streichquintett gar nicht erwartet." Weilers Freund Gunnar Bartels ergänzt: "Die Atmosphäre hier ist ideal - es ist ja auch eine Toplocation."

    Chilliges in der Pause
    Nach drei Liedern verschwinden die Musiker hinter der Bühne. DJ Daniel Schulze fährt seine Anlage auf und bietet rund eine halbe Stunde lang "chillige Musik", während unter den Besuchern Bewegung entsteht. "Das ist der Sinn der Lounge", erklärt Mosel-Musikfestival-Mitarbeiterin Christine Lück. Mit der Besucherzahl sei sie mehr als zufrieden.

    "Wenn ihr’s mega gut findet, dann gebt uns alles!", fordert Max Mutzke nach der Pause die Zuhörer auf. Sein nächstes Stück muss erraten werden - Michael Jacksons "Billie Jean" im ungewöhnlichen Gewand, viel getragener als gewohnt - aber virtuos. Applaus brandet auf. Gegen Fremdenhass ist sein Song "What’s Going On" von Marvin Gaye gerichtet. "Yeah, yeah!", stimmt das Publikum beherzt mit ein.
    "Er hat eine tolle Stimme, und auch die Illuminierung hier gefällt mir sehr gut", sagt Konzertbesucherin Monika Oberle-Meyer aus Trier. Sie warte auf einen ganz bestimmten Song: "Welt hinter Glas". Kurz vor Mitternacht beginnt der letzte Konzertteil, in dem auch der Wunsch der Zuhörerin erfüllt wird.
    Das rundum begeisterte Publikum erklatscht sich eine Zugabe: "Can’t Wait Until Tonight" - der Song, mit dem Mutzke 2004 beim Eurovision Song Contest in Istanbul den achten Platz erreichte.
    Autor: Dorothe Quaré

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  • 20.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Sehnsüchtige Sentimentalität und Posaunen-Spiel mit nackten Füßen

    Die sieben Vollblut-Blechbläser von Mnozil Brass zählen mittlerweile zu den wenigen Stammgästen des Mosel Musikfestivals. Mit einer Show voller Humor und musikalischer Klasse euphorisiert die Combo auch am Samstagabend die 1000 Zuschauer in der ausverkauften Trierer Europahalle.

    Trier. Wenn die sieben Vollblut-Unterhalter von Mnozil Brass auf der Bühne stehen, ist ein krachendes Spektakel garantiert, sowohl musikalisch als auch komödiantisch reißen die seit über 20 Jahren erfolgreichen Blechbläser ihre Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin. So auch am Samstag bei ihrem mittlerweile fünften Auftritt im Rahmen des Mosel Musikfestivals.

    Benannt haben sie sich nach einem Wiener Gasthaus, in dem sie sich ursprünglich trafen, ihre Musik hat jedoch so gar nichts von Wirtshaus-Seligkeit. Die Herren sind musikalisch eine Klasse für sich, schlicht virtuos. Dazu singen, tanzen und schauspielern sie, das "Konzert" gerät zum Gesamtkunstwerk. Ihr Profil hat sich noch einmal geschärft, im Repertoire ihres neuen Programms "Yes Yes Yes" bestechen vor allem die swingenden Töne, auf die sie sich besonnen haben. Daneben stehen Pop, Jazz und Klassiker, Filmmusik oder Richard Strauss’ "Also sprach Zarathustra": Die Trompeten spielen an, die Posaunen übernehmen und die heroischen Trommeln - damm, damm, damm - gibt es vokal dazu. Köstlich!
    Das Publikum jauchzt, so wie bei allen Slapstick-Einlagen und den fein herausgearbeiteten pantomimischen Nummern. Manchmal sind die in ihrer Albernheit und epischen Breite ein wenig "drüber", aber das ist eben der spezielle Mnozil-Humor, die Zuschauer lieben und feiern das.
    Echte musikalische Höhepunkte sind die poppigen Medleys und die Klassiker, beispielsweise die Interpretation von Sinatras "My Way": Die Trompeten strahlen, und die Posaunen schmachten. Da schmelzen die Herzen dahin, vor allem die der Damen. Mit humorvollem Charme holt beispielsweise Posaunist Zoltan Kiss, während einer pantomimischen Einlage als spanischer Discjockey, eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne, um mit ihr zu einem tête-à-tête in den Kulissen zu verschwinden. Gabi Maier hat sichtlich Freude, spielt grandios mit und wagt sogar ein Tänzchen mit dem feurigen Spanier. Tanzen können die Mnozils nämlich auch, ständig sind sie in Bewegung. Die Ansagen von Trompeter Thomas Gansch (der - als primus inter pares - herausragt) kommen an diesem Abend ausschließlich auf Spanisch, der Google-Übersetzer hat ganze Arbeit geleistet und sorgt für Lacher. Und dann singen sie auch noch ein altmodisches Volkslied: "Eine kleine Frühlingsweise", a cappella und voll’ sehnsüchtig augenzwinkernder Sentimentalität.
    Als Zugabe gibt es die schon legendäre Barfuß-Nummer des Posaunisten Leonhard Paul: Sitzend und mit den blanken Füßen bedient er die Züge der Posaunen von Zoltan Kiss und Gerhard Füssl, mit den Händen drückt er die Ventile der Trompeten von Robert Rother und Thomas Gansch. Großartig! Jubel und stehende Ovationen zum Abschluss.
    DT

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  • 14.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Musik, die Hoffnung macht

    Ein opulentes und anrührendes Konzerterlebnis haben der Trierer Konzertchor und das Philharmonische Orchester der Stadt Trier den über 600 Zuschauern am Sonntagnachmittag in der ehemaligen Abtei St. Maximin mit Dvoráks "Stabat Mater" geboten. Herausragend die Solisten mit Star-Bariton Franz Grundheber an der Spitze.

    Trier. Sichtlich berührt ist Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, bei der Begrüßung des Publikums zum Konzert in St. Maximin. Er widmet dieses Konzert dem vor rund einem Jahr verstorbenen Gründer des Trierer Konzertchores, Manfred May, einem Freund und Förderer des Festivals.

    Die Rührung sollte sich fortsetzen an diesem Nachmittag: Zur Aufführung kommt nämlich das "Stabat Mater" von Antonin Dvorák (1841-1904). Mit seiner Vertonung der mittelalterlichen Dichtung vom Leiden der Gottesmutter im Angesicht des Todes Jesu Christi hatte der böhmische Komponist wohl den traurigen Tod seiner drei kleinen Kinder verarbeitet. Entsprechend tragisch mutet die Musik an.

    Auf der Bühne der ehemaligen Reichsabtei in Trier stehen mehr als 100 Mitwirkende, der Trierer Konzertchor, das Philharmonische Orchester der Stadt Trier und vier Solisten: die Sopranistin Inga-Britt Anderson, Marion Eckstein (Alt), Clemens Bieber (Tenor) und der aus Trier stammende Weltstar Franz Grundheber (Bariton). Während der 90 Minuten des Konzertes ist es mucksmäuschenstill in den sonnendurchfluteten Hallen. Die Musiker ziehen das Publikum vollends in ihren Bann, die große Sinfonik ist ergreifend und die Ausführung schlicht großartig.

    Voller Sensibilität und mit höchster Konzentration leitet Jochen Schaaf den Chor, das Orchester und die Solisten. Andersons Sopran leuchtet, Ecksteins Alt drückt all die schmerzliche Trauer aus, sowohl in den tieferen als auch den höheren Lagen gibt es kein Wackeln, der Gesang dringt in perfekter Harmonie bis in die letzten Reihen.

    Biebers glänzender Tenor ist von reifer, lyrischer Ausdrucksstärke geprägt, dazu kommen eine erstaunliche Frische und technische Perfektion. Und den mittlerweile 77-jährigen Franz Grundheber und seinen perfekten Bariton zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Scheinbar alterslos ist der aus Trier-Biewer stammende Sänger; so meistert er mühelos auch die schwierigsten Anforderungen des zehnsätzigen Werkes. Sein Ausdruck ist unerreicht, seine Präsenz füllt den Kirchenraum.

    Die ersten Sätze sind getragen sakral, der Chor singt feinfühlig und exakt. Die Trierer Philharmoniker musizieren auf der Höhe ihres Könnens, gefühlvoll begleitend, passioniert. Einzig den Streichern erlaubt Dvoráks Partitur die eine oder andere solistische Passage, Konzertmeister Petar Entchev führt souverän.

    In den letzten Sätzen des Konzertes blitzt musikalisch etwas Hoffnung auf, die Melodien stimmen auf die erhoffte Erlösung ein. Das alles kommt im positiven Sinne bombastisch daher, kein Vergleich jedoch zur Londoner Aufführung von 1884, die Dvorák den internationalen Durchbruch gebracht hatte.

    Damals hatten in der Royal Albert Hall 8000 Zuschauer ein vielhundertköpfiges Ensemble mit allein 250 Sopranen bejubelt. Glücklicherweise braucht das MoselMusikfestival diesen Gigantismus nicht: Es funktioniert auch ein paar Nummern kleiner.

    Und es funktioniert ganz wunderbar. Zum Ende hin schwingt sich der Chor noch mal jubilierend in die Höhen, das Orchester schwelgt im Tutti, und die Solisten - jeder einzelne unterscheidbar und hörbar - geben noch einmal alles. Das ist sowohl kontemplativ, als auch höchst beglückend, und das Publikum dankt mit minutenlangem, großen Applaus.
    Ein herausragender Abschluss eines wahrlich kulturell an Höhepunkten reichen Trierer Kultur- Wochenendes mit inspirierenden Theater- und Opernpremieren, der langen Nacht der Museen und Konzerten. "Wir können uns glücklich schätzen, so ein Angebot zu haben", meint ein Besucher im Hinausgehen. Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Autor: Dirk Tenbrock

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  • 13.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Musik beginnt und endet mit Gefühl: Alfred Brendel in Bitburg

    Bitburg Das Mosel Musikfestival hat am Samstag in Bitburg einen großartigen Höhepunkt erreicht. Im Haus Beda las Altmeister Alfred Brendel aus seinem Buch "Das A-Z eines Pianisten". Sein Schüler Kit Armstrong brachte zum Klingen, was sein großer Lehrer vortrug.

    Kaum ein Pianist wird von Publikum und Kritik so sehr verehrt wie Alfred Brendel, dessen begnadete Hände die Musik so sprechend machen, so kontrastreich und spannend wie das Leben selbst. Brendels Spiel ist schließlich Leben, tief empfundenes, mitleidendes, aber nie sentimentales oder gar jammerndes Leben.

    Mosel Musikfestival
    Vor sieben Jahren hat der 1931 geborene Österreicher, der heute in London lebt, im Wiener Musikverein sein Abschiedskonzert gegeben. Als Legende wird er gern bezeichnet. Zum Glück ist er eine, die auf unzähligen CDs allgegenwärtig ist. Und wie sich in Bitburg zeigte, eine von ungebrochener Faszination. Oben auf dem Podium im Haus Beda sitzt er, feinsinnig, ein wenig geschwächt vielleicht, aber hellwach. Mitgebracht hat er seinen jungen hochtalentierten Meisterschüler Kit Armstrong. Der 23-Jährige wird am Klavier "illuminieren" ,wie Brendel sagt , was der Lehrer in Worte fasst.
    Denn Brendel war zeitlebens auch ein großer Denker, ein Erzieher, der seinem Publikum die Sinnhaftigkeit der Musik nahegebracht hat. Was er erkannte, hat er in brillant formulierten Texten mitgeteilt.
    In Bitburg liest er aus "Das A-Z eines Pianisten". Es geht ihm um die Schlüssigkeit von Musik und Interpretation, um Proportion, Kontraste und überraschende Einfälle, um musikalische Beredsamkeit. "Musik muss reden", sagt der Pianist. Allem voran steht Brendels berühmtes Credo, nach dem Musik immer mit dem Gefühl beginnt und mit dem Gefühl endet.
    Dass solches Gefühl, wie die Musik selbst, auch das Geheimnisvolle, Verstörende einschließt, macht Kit Armstrong in Franz Liszts Sonate "Mosonyis Grabgeleit" eindrücklich deutlich. Sichtlich bewegt hört sein Lehrer den musikalischen Reflexionen über Tod und Trauer zu.
    Johann Sebastian Bach befreit er vom Image des Musik verfugenden Technokraten. Stattdessen lässt er die Musik des Thomaskantors durch Armstrong in seinen Orgelchoralvorspielen singen. Ein Genie des Ausdrucks ist Liszt für den Pianisten. Armstrong liefert in der h-Moll Sonate den Beweis. Nachdenklich, fast weise spielt der junge Amerikaner, ohne jemals altklug zu wirken. Und zeigt dabei sein geniales Talent, sein Gefühl für Dynamik, Farbe und Tonsprache.
    270 Gäste hören fasziniert zu. Ihre "Standig Ovations" sind Dank und Verbeugung.
    Autor. er

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  • 10.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Senta Berger und weitere Kracher

    Bernkastel-Kues Senta Berger, Jürgen von der Lippe, Regensburger Domspatzen: Sie zieren das Programm der Kultur & Kur GmbH. Hauptschauplatz der mehr als 30 Veranstaltungen ist die Mosellandhalle auf dem Kueser Plateau.
     
    Nein, es waren keine vom Weinfestfeuerwerk am Samstag übrig gebliebenen Raketen, die am Mittwochabend in den nächtlichen Himmel über Bernkastel-Kues zischten. Das Feuerwerk war Abschluss eines grandiosen Benefizkonzertes der Bigband der Bundeswehr. Mit ihm beschenkte das Mosel Musikfestival, vor 30 Jahren entstanden, sich und seine Geburtsstadt (Bericht auf Seite 25). Was Intendant Hermann Lewen anpackt, wird oft zu Gold.
    Schon wenige Stunden später war er wieder in seinem Metier. Als Geschäftsführer der Kultur & Kur GmbH präsentierte er das Bühnenprogramm 2015/16 der Stadt Bernkastel-Kues. Und das beinhaltet auch einige Knaller. Als da wären: der Entertainer Jürgen von der Lippe, die Schauspielerin Senta Berger, die Kabarettisten Jürgen Becker, Vince Ebert und Hagen Rether. Musikalisch herausragend ist der Auftritt der Regensburger Domspatzen. Er geht als einzige der mehr als 30 Veranstaltungen außerhalb der Stadt, in der Rachtiger Marienkirche, über die Bühne.
    Dieses Konzert und einige weitere Angebote macht die Kultur & Kur GmbH in Zusammenarbeit mit dem Mosel Musikfestival. Dahinter steckt, so Hermann Lewen, der Wunsch, wieder verstärkt die Stadt Bernkastel-Kues zum Aufführungsort zu machen. Auch deshalb ist die 35 Jahre alte Mosellandhalle auf Vordermann gebracht worden. Sie bietet 435 Sitzplätze.
    Die Halle wird auch Ort einer ganz besonderen Veranstaltung sein. Im Mai kommenden Jahres wird dort, quasi an der Wiege, der 20. Geburtstag des Musicals Flori gefeiert. Der aus Bernkastel-Kues stammende Thomas Schwab hat es als 20-Jähriger geschrieben. In einer musikalischen Revue gibt es ein Wiedersehen und Wiederhören mit Akteuren der ersten Stunde. "Darauf freue ich mich besonders", sagt Hermann Lewen, ein großer Förderer des damals jungen Komponisten.
    Der Gesamtetat, gespeist aus den Töpfen der beiden Kulturveranstalter, liegt nach Auskunft von Barbara Ehses (Kultur & Kur GmbH) zwischen 60 000 und 70 000 Euro. Die Erfahrung zeige, dass etwa 80 Prozent durch die Eintrittsgelder wieder hereinkommen, sagt Hermann Lewen.
    Stadtbürgermeister Wolfgang Port geht davon aus , dass Bernkastel-Kues als Veranstaltungsort weiter an Renommee zulegt. Das habe auch das Konzert der Bigband der Bundeswehr am Mittwochabend gezeigt. Der Schauplatz, der Moselparkplatz unterhalb der Brücke, sei genauso für Freiluft-Veranstaltungen geeignet wie das auf der anderen Moselseite liegende Gelände zwischen Brücke und Festplatz. "Welche Stadt in dieser Größe hat schon solch ein Potenzial an Bühnen", sagt er. Es soll in Zukunft noch stärker genutzt werden.

    Extra
    Die Programm-Höhepunkte: A-Cappella mit Onair (25. September), Jürgen Becker (14. November), Regensburger Domspatzen (13. Dezember). Im Jahr 2016: zwei Gala-Neujahrskonzerte (9./10. Januar), Jürgen von der Lippe (22. Januar), Happy Birthday Flori (21. Mai), Hagen Rether (8. September), Senta Berger & Trio (10. September), Cello Cinema (24. September), Vince Ebert (3. November). Karten für die Veranstaltungen, außer für Berger, Cello Cinema und Rether, gibt es bereits unter Telefon 06531/3000 und unter www.kulturundkur.de cb

    Autor: Clemens Beckmann

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  • 10.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Bundeswehr-Big-Band begeistert 4000 Zuhörer in Bernkastel-Kues

    Bernkastel-Kues. Musikalisch und optisch ein Genuss war der Konzertabend am Mittwoch am Bernkastel-Kueser Moselufer. Zum 30. Geburtstag des Mosel Musikfestivals spielte die Big Band der Bundeswehr Jazz und James-Bond-Melodien. 4000 Zuhörer waren begeistert – auch vom anschließenden Feuerwerk.

    Ein Feuerwerk in musikalischer und optischer Form hat das Mosel Musikfestival zu seinem 30-jährigen Bestehen geboten. Intendant Hermann Lewen beschenkte die Besucher am Mittwochabend mit einem Auftritt der Big Band der Bundeswehr am Bernkastel-Kueser Moselufer und einem Feuerwerk über der Burg.

    Mittelpunkt des Abends war allerdings eindeutig die musikalische „Geheimwaffe“ der Bundeswehr. Sie zeigte ihre Klasse in verschiedensten Stilrichtungen. Die Vollblutmusiker starteten mit einer rockigen Einleitung und gingen dann über in ein Jazzstück von Quincy Jones: „The Birth of a Band“. Hier hatten die einzelnen Instrumentalsätze erste Gelegenheit, sich zu präsentieren. Die Saxofone spielten in rasantem Tempo, die Trompeten ließen ihren Tonumfang aufblitzen und die Rhythmusgruppe trieb die Band voran. Dazu spielten die Solisten präzise und intensiv über ihre Chorusse.Mosel Musikfestival

    Ab diesem Moment war den rund 4000 Besuchern bewusst, dass ein Abend der musikalischen Extraklasse auf sie wartete. Weiter ging es mit dem Besten aus den James-Bond-Filmen. Während hier Posaune, Saxofon und Flügelhorn ihre Soli hatten, zeigte das tiefe Blech seinen satten Ton gepaart mit präzisen Einwürfen, die einen breiten Klangteppich ausbreiteten und die Solisten weiter antrieben. Soul und Rhythmus kamen mit Sängerin Bwalya auf die Bühne. In John Lennons „Imagine“ brachen Band und Sängerin mit der gewohnten Melodie. Pausen, Synkopen, ein leichtes Vibrato, wurden mit afroamerikanischen Rhythmen gepaart.

    Dem Publikum gefiel es, die ersten Zuhörer begannen zu tanzen. Mit der Volksweise „Walzing Matilda“ folgten ungewöhnliche Klänge. Auf einem typisch australischen Blasinstrument, dem Didgeridoo, afrikanischen Trommeln und einer Waterdrum – Kürbishälften in Wasserschalen – wurde unter anderem gespielt.

    Es folgten weitere Höhepunkte wie ein improvisiertes Schlagzeugsolo, zwei Gitarren, die sich gegenseitig die besten Gitarrensequenzen der Musikgeschichte zuspielten und ein Queen-Medley, das Sänger Ralf Winter sehr präsent auf der Bühne sang.

    Jetzt gingen auch die Besucher auf der Moselbrücke und in den hinteren Reihen voll mit. Erst nach zwei Zugaben entließ das Publikum die Band, um sich dem zweiten, optischen Genuss des Abends zu widmen: Zur Musik von Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ schnellten Feuerwerkskörper in die Höhe, was mit viel Applaus gewürdigt wurde.
    Der Abend diente zudem einem guten Zweck: Gespendet wurden insgesamt 11.000 Euro für den Förderverein der Rosenbergschule, das DRK Sozialwerk und den Verein Amme, die sich für Musiker mit Behinderung einsetzen.
    Autor: Christina Bents

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  • 06.09.2015 Trierischer Volksfreund

    Botschaften, die unter die Haut gehen

    (Trier)Das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz (LJO) ist schon lange ein sehr gern gesehener Stammgast beim Mosel Musikfestival (MMF). In diesem Jahr brachte es mit dem Landesjugendchor und dem Kammerchor Rheinland-Pfalz noch Verstärkung für einen Abend mit, der unter die Haut ging.

    Trier. Darf man sich eigentlich einen schönen Abend wünschen, wenn bei einem Konzert ein Requiem auf dem Programm steht? Diese Frage war vor der Trierer Konstantinbasilika zu hören, in der das MMF zur Totenmesse des italienischen Meisters Giuseppe Verdi eingeladen hatte.
    Neben dem Requiem aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart dürfte es das wohl bekannteste Werk dieser Art in der Weltliteratur sein. Manch einer schätzt es besonders wegen seiner teilweise auftretenden Klanggewalt, die Emotionen freisetzen und erschüttern kann.
    Dies war auch in Trier so, jedoch hatten die Passagen der Innerlichkeit, der zurückhaltenden Verklärung einen mindestens genauso großen Anteil daran, dass am Ende des Abends rund 800 Besucher minutenlang ihrer Begeisterung Ausdruck verliehen.
    Grund hierfür war zum einen das Werk selbst, zum anderen aber auch die Art, wie das LJO und die Chöre unter der Leitung von Hermann Bäumer damit umgingen. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchen Qualitäten das rheinland-pfälzische LJO trotz regelmäßigen Besetzungswechsels aufwarten kann. Auch in diesem Jahr stellten die jungen Leute unter Beweis, dass sie den Vergleich mit manchem Profiklangkörper nicht scheuen müssen. Durch alle Register hindurch musizierten sie hoch konzen-triert und trotz der akustisch nicht einfachen Situation mit großer Perfektion.
    Gleiches galt für den Jugendchor, der für dieses große Werk die Unterstützung des rheinland-pfälzischen Kammerchores bekam. Karsten Storck hatte die beiden Chöre in der Einstudierung bestens vorbereitet, und so konnten sie mit einer Intonationsreinheit und Präzision glänzen, auf deren Boden sich die Musik in ihrer ganzen Erhabenheit entwickeln konnte.
    Eine gute Wahl war auch das Solistenquartett, das insbesondere durch die Sopranistin Vida Mikneviciute und den Tenor Yoonki Baek strahlend angeführt wurde. Melissa Fajardo hatte die Partie des Mezzosoprans übernommen und konnte mit ihrer an sich sehr ansprechenden Stimme vom Volumen her ihrer Aufgabe nicht ganz gerecht werden. Der Bassist Stephan Bootz hatte zu Beginn des Werkes ein wenig Mühe, sich zu finden. Probleme, die er aber überwinden und sich dann mit profunder Stimme einbringen konnte.
    So hatte Bäumer also beste Voraussetzungen für eine Aufführung, die unter die Haut gehen konnte. Ja, das Dies irae erschütterte in seiner packenden Klanggewalt. So, wie es sein soll. Aber in Verdis Opus steckt auch viel stille Trauer, Hoffnung und Bitte. Botschaften, die eine tiefe Gläubigkeit ausdrücken.
    Dass diese Botschaften umgesetzt wurden und ankamen, zeigte die Zeit der Stille, nachdem das letzte "Libera me" im Pianissimo verklungen war und das Publikum offensichtlich in der Bitte "befreie mich" gefangen war, bevor der Applaus sich seine Bahn brach.
    Von Festival-Intendant Hermann Lewen war übrigens am Rande der Aufführung zu erfahren, dass das LJO auch im nächsten Jahr wieder beim MMF gastieren wird. Auf dem Programm stehen dann die erste Sinfonie von Gustav Mahler und das Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven. Spielort wird das Eventum in Wittlich sein.
    Autor: Gerhard W. Kluth

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  • 04.09.2015 Trierischer Volksfreund

    120 Gäste genießen Wein, Musik und eine Vesper bei Günther Jauch

    (Kanzem)Musik mit dem Männerensemble St. Martin Mosel, ein moselländischer Vesperteller und sieben vom Hausherrn Günther Jauch präsentierte Rieslinge - das waren die Zutaten eines besonderen Abends im Park des Weinguts Othegraven in Kanzem.
    Die Veranstaltung im Rahmen des Mosel Musikfestivals war im Dezember in wenigen Tagen ausverkauft. 120 Gäste hatten eine Karte ergattert. Das Konzert war Teil der Reihe "Vivat Bacchus", die die Zuhörer auf Weingüter mit außergewöhnlicher Atmosphäre führt. Im 100 Jahre alten Park in Kanzem wachsen Bäume aus aller Welt. Der Urgroßvater Jauchs hatte die exotischen Samen gesammelt. Zu hören gab es Mosellieder, Schubert und Silcher. Mit der Moderation von Günther Jauch konnten sich die Zuhörer fast wie im Fernsehen fühlen. Doch anders als auf der Mattscheibe fing es im Park zum Schluss an, zu regnen. Das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Die Gesellschaft wechselte ins Kelterhaus, sang zum Finale gemeinsam "Kein schöner Land in dieser Zeit" und feierte weiter. (mai)

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  • 30.08.2015 Trierischer Volksfreund

    Ein Mann für alle Jahreszeiten

    Mit einem ebenso beliebten wie spannenden Programm war ein Stern des Geigenhimmels beim Mosel Musikfestival im Kloster Machern zu Gast. Stargeiger Daniel Hope präsentierte gemeinsam mit dem Orchester L’Arte del Mondo dort zwei Versionen von Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten".

    Bernkastel-Wehlen. Das war ein Frühling, der bis zum Winter durchhielt. Stürmisch, kraftvoll, drängend und dazu mit geradezu atemberaubender Virtuosität brachte Daniel Hope Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" in Schwung. Da verloren selbst die sommerlichen Seufzer der Musik an Mattigkeit, und das winterliche Eis blieb eine kurze Episode.
    Der englische Stargeiger ist bekanntlich ein mutiges Multitalent, das gleichermaßen mit der Geige wie der Feder brilliert und in der Alten Musik genauso zu Hause ist wie in der zeitgenössischen, im Jazz oder in der Weltmusik. Mit den barocken "Jahreszeiten" hatte Hope ein Stück mitgebracht, das unverschuldet als musikalisch verschlissen gilt, seit es als Klangtapete in Fahr-stühlen, Wellnesstempeln und Warteschlangen von Fluggesellschaften dudelt.

    Forsch und virtuos
    Kein Wunder, dass seit Jahrzehnten Musiker versuchen, die komplexe Komposition des rothaarigen Priesters aus Venedig auf unterschiedliche Weise zu rehabilitieren, um ihr frisch und neu, Bedeutung zu verleihen. Hope, zu dessen erklärten Zielen es gehört, Musik gegenwartstauglich zu machen, hatte sich für die Version "forsch und hochvirtuos" entschieden.
    Mit forcierten Tempi, energischem Ausdruck und virtuoser Brillanz riss er, begleitet vom renommierten Kammerensemble L’Arte del Mondo sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Bei so viel Lust am Spiel mochte Vivaldi auch gern mal abrocken, rustikal deftig in den Herbst tanzen oder wie feurige Zigeunermusik klingen. Der frische musikalische Wind blies zuverlässig allen Mief und Kitsch davon.
    Allerdings fegte er auch einiges weg, was man gern behalten hätte. Dem energischen Zugriff der Musiker fiel weithin der Feinsinn der Musik zum Opfer, ihre leisen Vibrationen, ihre feinen Verzierungen, ihr Glitzern und Knistern, die stille Innerlichkeit, schlicht das Wunderbare. Das kam zum Glück nach der Pause zurück.

    Reverenz aus England
    Da stand Max Richters "Le Quattro stagioni recomposed" auf dem Programm. Die Hommage des englischen Komponisten an den Venezianer, die ebenfalls aus Frust über den gnadenlos in Dienst genommenen Vivaldi entstand, entfernt sich nicht einmal weit von den ursprünglichen "Jahreszeiten".
    Gleichwohl ist sie ungeheuer erhellend. Um Vivaldis Komposition energetisch aufzuladen, hat Richter lediglich kleine Themen herausgegriffen und sie durch Wiederholung bedeutsam und transparent gemacht. Dabei ist, wie einmal mehr in Machern zu erleben war, ein kontrastreiches spannendes Werk entstanden, dessen Dynamik und Klangverständnis die 300 Jahre alte Musik als genialer Mittler in die Gegenwart hievt.
    Verstärkt durch eine Harfe, gaben die Musiker über Richters Bearbeitung Vivaldis Musik ihr inneres Leuchten, ihre Feinnervigkeit, ihre ganze vielfarbige Klangsinnlichkeit zurück. Einmal mehr präsentierte sich Hope als lustvoller, risikofreudiger Interpret, ein glänzender Virtuose mit feinstem Gefühl für Klang und Temperamente.
    Mit den Musikern der L’Arte del Mondo unter ihrem Leiter Werner Erhardt hatte Hope ebenso spielfreudige wie dynamische Partner, denen der Dialog mit dem Solisten sichtlich Vergnügen machte. Die 250 hingerissenen Zuhörer erklatschten sich Zugabe um Zugabe, bis am Ende der Saal in Hopes "Guten Abend, gute Nacht" einstimmte.
    Autor: Eva-Maria Reuther

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  • 30.08.2015 Trierischer Volksfreund

    "Wir dürfen Musik machen - das ist ein Geschenk"

    Zum sechsten Mal ist der JTI Trier Jazz Award verliehen worden. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung ging diesmal an die 34-jährige Saxophonistin und Komponistin Nicole Johänntgen aus dem saarländischen Fischbach. Ihr Konzert in der Europäischen Kunstakademie Trier bestätigte den Juryentscheid als exzellente Wahl. Mit berauschender Intensität überwältigte es 250 Zuhörer.

    Trier. "Ihr seid alle hier, und wir dürfen für euch Musik machen, das ist ein Geschenk!" Schon in Nicole Johänntgens verbal geäußerter Freude über Auszeichnung und Einladung zum Preisträgerkonzert drückt sich ein gewinnend natürliches und fröhliches Wesen aus. Eins, das Jurymitglied und Laudator Peter Kleiss vom Saarländischen Rundfunk auch als kommunikationsfreudig und ehrlich bezeichnet.
    Er kennt die 1981 im saarländischen Fischbach geborene und seit dem fünften Lebensjahr musikalisch ausgebildete Künstlerin seit ihrer Abiturzeit. Sie hatte damals als Saxophonistin (Alt und Sopran) schon Erfahrungen in der Tanzband ihres Vaters, in Jazz-Combos und im Jugendjazzorchester des Saarlandes gesammelt. Anschließend ging sie zum Studium nach Mannheim; ihr bedeutendster Mentor war Dave Liebman.
    Peter Kleiss war Nicole Johänntgen mit ihrer eigenen Band Nicole Jo aufgefallen, die bereits 1999 eine erste und bis 2014 fünf weitere CDs veröffentlichte. Sie beeindruckte auch andere Jazzgrößen: Der schwedische Posaunist Nils Landgren war so angetan, dass er Johänntgen für die Besetzung der Frauenband Respect empfahl, deren Auftritt beim Jazzfestival St. Ingbert europaweit 16 Millionen Hörern übertragen wurde.
    An die Erfahrung mit diesem Projekt knüpfte die inzwischen in Zürich lebende und schon mehrfach preisgekrönte Künstlerin mit der Gründung einer eigenen Initiative an: SOFIA (Support Of Female Improvising Artists) ist ein Programm zur internationalen Förderung junger Jazzmusikerinnen in Sachen musikalische Improvisation und Selbstmanagement.
    Neben Nicole Johänntges Qualitäten als Musikerin sei es dieses ohne Solidarität und Toleranz nicht denkbare Engagement, das mit dem JTI Trier Jazz Award gewürdigt werde, erläutert Kleiss. Kulturen und Nationen zusammenzubringen, sei ihr ein Herzensanliegen, bekräftigt die Preisträgerin: "Musik ist eine Universalsprache."
    Das beweist sie dann auch im Konzert mit ihren Begleitern Marc Mean (Piano), Thomas Lähns (Kontrabass), Bodek Janke, (Drums/Percussion) und als Gast Nehad El-Sayed an der Oud. Es ist ein Musikerlebnis, das eine Vielfalt von Stilen wie modernem Jazz, orientalische Folklore oder Blues in schillernden, durch Tablas und Oud auch exotisch getönten Klangfarben vereint. Kategorisierungen lässt es aber gar nicht erst zu, denn was zählt und packt, ist ein hoch dynamischer Spannungsbogen, in dem sich romantische Momente mit aggressiven Ausbrüchen oder humorvollen Neckereien abwechseln.
    Da entfesselt sich auf der Bühne ein sinnlich-emotionaler Rausch, in dessen Zentrum die kommunikative Kraft und völlige Hingabe der jungen Virtuosin stehen.
    Verzückt lauscht sie jedem Ton, den ihre Mitmusiker spielen, zuweilen wirkt es, als lasse sie sich davon liebkosen. Dann gibt sie das Aufgesogene mit vielfacher Energie zurück. Nicole Johänntgen lebt ihre Musik mit jeder Faser des Körpers. Diese Bühnenpräsenz und ihr Spiel, in dem sich ein fröhliches, lebensbejahendes und zartfühlendes Temperament ausdrückt, entfalten einen Sog, dem sich niemand entziehen kann.
    Hier werden auch solche Zuhörer zu Jazz-Fans, die es vorher nie gewesen sind. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe bringt es bei der Preisvergabe durch Heike Maria Lau von Japan Tobacco International stellvertretend für viele auf den Punkt: "International und Trier haben sich heute zusammengefügt. Ich bin begeistert."
    Autor: Anke Emmerling

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  • 24.08.2015 Trierischer Volksfreund

    ... dass einer so Geige spielen kann!

    Die knapp 200 Besucher in der Wittlicher Synagoge riss es am Ende von den Stühlen. Der erst 24-jährige Geiger Roman Kim hatte mit einer virtuosen Brillanz sondergleichen geglänzt. Ganz unauffällig schlichen sich dabei aber auch Defizite ein. Vermisst wurde ein eigenständiges Format.

    Wittlich. "Wahnsinn", sagt jemand. Am Ende springt das Publikum in der Wittlicher Synagoge von den Stühlen und feiert Roman Kim frenetisch. Da hatte ein gerade mal 24 Jahre junger Interpret die Zuhörer das Staunen gelehrt: dass einer so fantastisch Geige spielen kann!
    Kim ist ein außerordentliches Talent. Auf dem Griffbrett seiner Geige schwingt er sich in höchste Höhen, bewegt sich mit hexenhafter Geschwindigkeit durch den Tonraum des Instruments, gibt ihm mal offensive Energie mit, mal schmachtende Eleganz. Die drei Paganini-Kompositionen bewältigt er energisch und souverän.
    Und über allem liegt eine virtuose Ausstrahlung, die das Publikum verzückt und zu heller Begeisterung hinreißt. Auch die etwas befremdliche Brille, die Kim gelegentlich aufsetzt, dämpft die Begeisterung nicht. Aus solchem Holz sind Virtuosen geschnitzt.
    Aber ausgerechnet die Es-Dur-Sonate aus Beethovens Opus 12 entpuppt sich für Kim und seinen Pianisten Sergiu Filioglo als einstweilen hohe Hürde.
    Filioglo, sonst ein aufmerksam-zurückhaltender Klavierbegleiter, nutzt die Gelegenheit zu solistischer Selbstdarstellung, legt energisch und lautstark los und lässt seinen Geiger links liegen. Der wiederum kann mit seiner teils melodieführenden, teils begleitenden Partie nicht viel anfangen. Nun ist diese Sonate zwar vom Klavier her komponiert, aber die Violinstimme ist doch mehr als eine Zutat. Sie hätte ein stärkeres Profil dringend gebraucht.
    Überhaupt: Im ersten Teil des Konzerts schleicht sich in Kims stupende Virtuosität auch etwas Uniformes, Eingeebnetes ein, ein Musizieren ohne ausgeprägte Klang-Nuancierungen und von Anfang an ohne Ruhepunkte. Die Brillanz des jungen Geigers ist atemberaubend, aber auch atemlos. Erst in Tartinis Teufelstriller-Sonate nach der Pause entfaltet Kim seine enorme Musikalität. Da klingt die Geige nicht mehr angestrengt-demonstrativ virtuos, sondern feinfühlig, nuanciert und vor allem enorm reich an Klangfarben - ein herrlich vielfältiges Tableau.
    In der Zugabe, Paganinis Variationen über "God save the King", klingen tatsächlich all die Feinheiten mit, die im ersten Teil fehlten. Da bewegt sich der junge Geiger ganz auf der Höhe seines enormen Potenzials.
    Das Programm dieses Abends konnte allerdings nachdenklich machen. Machen wir niemandem etwas vor: Außer Beethoven war die gespielte Musik mitsamt Kims Kompositionen herzlich unbedeutend - bestenfalls Folie für virtuose Selbstdarstellung und kaum einmal von eigenständigem Format.
    Und da liegt ein Problem. Wenn ein junger Geiger sich im engen Musikmarkt so wirkungsvoll wie möglich verkauft, ist ihm das gerade im marktwirtschaftlichen Zeitalter nicht anzukreiden. Ob er sich mit dieser Musik allerdings künstlerisch (und nicht nur technisch) weiter entwickeln kann, bleibt zweifelhaft. Roman Kim wird seine enorme Begabung an den wirklich großen Violinkompositionen von Bach bis Bartók und darüber hinaus zu Ligeti und Penderecki schulen müssen. Darin, und wohl nur darin liegt seine Chance.

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  • 24.08.2015 Trierischer Volksfreund

    Junge Wilde sprühen musikalische Funken im Landesmuseum

    Sie strotzen vor Spielfreude und entfesseln dabei eine Energie, die Funken schlägt: Die fünf Musiker von Sparks begeisterten mit den virtuosen Klängen von Flöten, Melodica, Cello, Geige und Klavier das Publikum. Wild Territories heißt das Programm der Echo-Preisträger, die auf Einladung des Mosel Musikfestivals vor ausverkauftem Haus im Landesmuseum spielten

    In seinem Programm schlug das klassisch besetzte Quintett einen Bogen von Georg Philipp Telemann (Barock) bis hin zu modernen Komponisten des 20. Jahrhunderts..

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  • 17.08.2015 Trierischer Volksfreund

    Starpianist bringt Morgenstern zum Leuchten

    (Trier) Schon 2001 hat Martin Stadtfeld sein Debüt beim Mosel Musikfestival gegeben. Zum 30. Geburtstag holte Intendant Hermann Lewen den international konzertierenden Pianisten nun erneut an die Mosel. Im ausverkauften Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais begeisterte er das Publikum mit einem sehr emotional vorgetragenen Programm.

    Er leuchtet eindeutig, der Morgenstern. Dafür sorgt Martin Stadtfeld, gebürtiger Koblenzer, am Sonntagvormittag mit einem abwechslungsreichen Programm Bach’scher Musik für Tasteninstrumente. Dafür hat der 34-Jährige einige Orgelwerke selbst für das Klavier bearbeitet und eingerichtet.
    Er eröffnet mit dem Choralvorspiel "Wie schön leuchtet der Morgenstern", ebenfalls Titel seiner 2014 veröffentlichten CD, und stimmt sein Publikum damit auf ein beeindruckendes Konzert ein. Fast nahtlos fügt sich die erste Toccata an (fis-Moll, BWV 910), ebenso wie das Choralvorspiel aus der frühen Schaffensphase des großen Musikers. Hier zeigt sich Stadtfelds ausgeprägte Fähigkeit, Gegensätze agogisch (im Tempo) und dynamisch (in der Lautstärke) differenziert herauszuarbeiten und die Wirkung und die Aussagekraft dieser Komposition dadurch zu verstärken. Und dass der italienische Begriff Toccata berühren, bewegen und auch anschlagen heißt, wird spätestens bei der bekannten und beliebten d-Moll-Toccata und Fuge, BWV 565, nachvollziehbar. Die hohen Töne perlen die Tastatur hinab, im Bass herrscht ein lautes Donnern, dem wuchtigen und massiven Beginn folgen ariose, lyrische Abschnitte.
    Virtuos und sehr individuell interpretiert der mehrfach ausgezeichnete Pianist das Werk, haut buchstäblich in die Tasten, um anschließend zu einem sensiblen Piano überzugehen. Den Aufbau der Fuge stellt er analytisch dar, ohne dabei an Gefühl zu verlieren. Dies alles ist so berührend, dass die Zuhörer im Anschluss spontan applaudieren.

    Von großer Empathie und viel Feingefühl geprägt ist auch Stadtfelds Vortrag des "Capriccio auf die Abreise des geliebten Bruders", in dem Bach möglicherweise die Abreise des eigenen Bruders als Musiker in der schwedischen Armee verarbeitet hat. Die barocken Verzierungen gestaltet er als liebliche Schmeicheleien, um die Reise zu verhindern, scharfe und spitze Klänge warnen vor den Gefahren der Fremde. Im Adagiosissimo, dem dritten Satz, versinkt Stadtfeld regelrecht in tiefer Traurigkeit und Melancholie, die ein solcher Abschied mit sich bringen kann, und seine eigene Versunkenheit in die Musik überträgt sich auf das Publikum. Bis zu den finalen Motiven des Posthorns spricht er die ganze Bandbreite der Gefühle an, und das so gekonnt, dass auch romantisch klingende Abschnitte nicht kitschig wirken. Fast schade, dass Johann Sebastian Bach nicht mehr Programmatisches komponiert hat.

    Stadtfeld rundet seine Hommage an dessen frühe Werke mit der im Tempo gemäßigten Passacaglia c-Moll ab. Als Zugabe spielt er eine Toccata und einen Choral, beides von Robert Schumann, mit denen er den thematischen Kreis vollendet. Wer glaubt, Bachs Musik komme erst an der Orgel in einem möglichst großen Kirchenraum richtig zum Leuchten, wurde aufgrund der teilweise fast berauschenden Klangfülle und der emotionalen Gestaltung der Werke eines Besseren belehrt.
    Martin Stadtfeld, der zwischen 2001 und 2012 bereits sieben Mal beim Mosel Musikfestival gastierte, erweist sich erneut als einer der bedeutendsten Bach-Interpreten der Gegenwart.
    Außerdem hat er die Vermittlung klassischer Musik an Kinder und Jugendliche zu seiner Sache gemacht und stellt daher sein Honorar dem Verein Freunde des Mosel Musikfestivals zur Verfügung, der damit junge Musiker unterstützt und fördert. Autor: Marianne Binzen

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  • 16.08.2015 Trierischer Volksfreund

    Sie geben ihrer Seele eine Stimme: Vokalsextett glänzt in der Basilika

    (Trier) Gleich drei führende A-cappella- Ensembles stehen in der aktuellen Spielzeit beim Mosel Musikfestival (MMF) auf der Bühne. Den Auftakt gestaltete das Sextett Sjaella mit einem mystischen Abend in der Konstantin-Basilika.

    Sjaella ist ein skandinavischer Ausdruck, der so viel wie Seele bedeutet, und laut dem Programmheft geben die sechs jungen Damen aus Leipzig ihrer Seele über den Gesang eine Stimme. "Nachts in der Basilika" - so war das Konzert des MMF überschrieben, und Intendant Hermann Lewen begrüßte die gut 600 Konzertbesucher mit dem Versprechen, es werde eine mystische Nacht. In der Tat hatte es etwas Mystisches, als das Sextett mit dem Pfingsthymnus "Veni creator spiritus" von hinten in die abgedunkelte Konstantin-Basilika einzog.

    Aber neben Atmosphäre und Emotion sorgte vor allem die hohe Qualität, mit der Sjaella sich dem Publikum präsentierte, dafür, das dieser Abend vokal etwas ganz Besonderes wurde. Die Sängerinnen bauten Brücken von alter Musik zu neuen Kompositionen und vereinten zeitgenössische Klangkunst mit der Tonsprache längst vergangener Jahrhunderte. Mit beeindruckender Intonationsreinheit vereinten sich die sechs Stimmen und schufen eine ätherische Atmosphäre, die niemanden unberührt lassen konnte. Das galt für den Auftaktchoral ebenso wie für die "Missa in discantu" des schwedischen Zeitgenossen Carl Bertil Agnestig.
    Sjaella zur Seite standen die Saxofonistin Anne Kaftan und der Organist Adrian Caspari, die als Duo das Programm ergänzten. Oftmals wird ein Saxofon in dieser Kombination als ein Fremdkörper empfunden, weil es eine ganz eigene Klangwelt aufbaut. Nicht aber bei der Eule-Orgel, mit der sich Kaftans Instrument wunderbar mischte. So passten die Improvisationen des Duos zum Hochfest Maria Himmelfahrt und auch die Kompositionen Kaftans nahtlos zu den vokalen Beiträgen Sjaellas.

    Wie ein Fremdkörper hingegen wirkte Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur, BWV 564. Das Adagio wurde ebenfalls von dem Duo improvisiert und hatte mit dem Original nicht viel zu tun. Dies galt aber auch für die Ecksätze, die Caspari alleine spielte. Zum einen passte das Werk nicht in das Gesamtkonzept des Abends, und andererseits wurde Caspari der Komposition nicht gerecht. Mit überzogener Agogik und Registrierungen, die bar jeder Logik waren, spielte er gegen den Raum, das Werk und die Orgel. Diesen Programmteil hätte man, abgesehen vom langsamen Mittelsatz, besser weggelassen. Autor: Gerhard W. Kluth

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  • 02.08.2015 Trierischer Volksfreund

    Swing-Klassiker in Spitzenqualität

    (Bernkastel-Kues) Ein wahres Hit-Feuerwerk aus perfekt gespielten Swing-Klassikern hat die SWR Bigband zusammen mit den Vokalisten Jeff Cascaro und Fola Dada im Rahmen des Mosel Musikfestivals abgebrannt. 700 Besucher genossen die vorwiegend Frank Sinatra und Ella Fitzgerald gewidmete "Nacht der Legenden" als Open-Air-Vergnügen in den Moselauen von Bernkastel-Kues.

    Bernkastel-Kues. Eine Premiere und zwei Jubiläen sind mit der "Nacht der Legenden" in Bernkastel-Kues verbunden: Mit romantischem Panorama aus Fluss, Weinbergen und der gegenüberliegenden Burg Landshut dienen erstmals die Moselauen als Aufführungsort beim Mosel Musikfestival. Dessen Intendant, Hermann Lewen, hat auf den Tag genau vor 45 Jahren sein erstes Konzert mit dem SWF-Rundfunkorchester unter Emmerich Smola veranstaltet - und Frank Sinatra hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert.

    Auch das Wetter spielt mit

    Das Wetter zeigt sich auch von bester Seite, damit steht das Konzert unter vielversprechendem Stern. Tatsächlich erfüllt es höchste Erwartungen. Mit der vierfach für den Grammy nominierten SWR-Bigband unter Leitung von Klaus Wagenleiter stellt sich ein Ensemble aus 17 Musikern vor, die sowohl kollektiv wie auch individuell Spitzenqualität liefern.

    Schon in den mitreißenden Auftakt-Instrumental-Nummern wie "Song of India" legt die Band die Präzision eines durch und durch eingespielten Organismus’ an den Tag. Da äußert sich bei allem Schwung eiserne Disziplin, alles sitzt punktgenau, so wie es soll.
    Im Programm jagt ein bekannter Jazz-Standard den nächsten, von "Sing, Sing, Sing" über "Satin Doll", "Moanin" oder "Stardust" bis "Cute". Da steht die Swingära mit ihren Legenden wie Benny Goodman, Duke Ellington oder Count Basie wieder auf.
    Doch ganz besonders werden Frank Sinatra und Ella Fitzgerald gefeiert. Deren Parts übernehmen zwei großartige Vokalisten, Jeff Cascaro und Fola Dada. Jeff Cascaro, der auch Professor für Jazzgesang ist, macht der Legende Sinatra in Interpretationen von "Teach Me Tonight", "Fly Me To The Moon", "I’ve Got You Under My Skin" oder "New York, New York" alle Ehre. Er singt mit Eleganz beziehungsweise laszivem Schmelz, setzt stets ein äußerst vielseitiges Instrumentarium an stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten ein. Auch mit seinen Entertainer-Qualitäten trägt er zum authentischen Gesamteindruck bei.
    Nicht minder überzeugend und versiert präsentiert sich die ausdrucksstarke und wandelbare Fola Dada. Sie vermag die naive Verspieltheit von Ella Fitzgeralds "A Tisket, A Tasket" genauso meisterhaft zu transportieren wie die bedrückende Eindringlichkeit von Billie Holidays "Strange Fruit".

    Das Publikum muss noch lernen

    Mit ihrer warmen Mezzosopran-Stimme und gewinnendem Charme glänzt sie in Liebesballaden genau so wie in Duetten mit Jeff Cascaro, die beiden offensichtlich viel Spaß bereiten. Auf der Bühne funktioniert also alles perfekt. Nicht perfekt jedoch funktioniert in den Augen von Klaus Wagenleiter das Publikum, obwohl es anfangs schon instruiert wurde, wie zu Swing richtig geklatscht werden müsse. Dem Leiter der erfolgsverwöhnten Band ist zu mäßiger Zwischenapplaus ein Stein des Anstoßes, deshalb fühlt er sich zu pädagogischem Eingreifen bemüßigt. Die Zuschauer sind lernwillig und verhalten sich dann wie gewünscht, was allerdings angesichts der Qualität des Gebotenen auch nicht schwer fällt. So endet der Abend in bester Stimmung.

    Autor: Anke Emmerling

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  • 26.07.2015 Trierischer Volksfreund

    Heiße Rhythmen in kühler Sommernacht

    (Trier) Das Wetter spielte zum Auftakt der Open-Air-Konzerte des Mosel Musikfestivals im Trierer Palais-Innenhof nicht so ganz mit. Am Freitag regnete es, am Samstag fielen die Temperaturen auf zehn Grad. Heiß her ging es dennoch: Das Quartett Quadro Nuevo und die Bläser Harmonic Brass machten mit ihrer fetzigen Weltmusik wett, was an Wärmegraden fehlte.
    Trier. Beim Konzert von Maybebop am Freitag im Innenhof des Kurfürstlichen Palais regnete es kräftig (siehe Text rechts). Am Samstag hatte Wettergott Petrus zum Glück begriffen, dass die fünf Musiker von Harmonic Brass viel besser in ihre Instrumente blasen konnten als der Wind durch den Innenhof - und er gab Ruhe.
    Windstill war es, als das Münchner Quintett und seine Kollegen von Quadro Nuevo im Gänsemarsch auf die Bühne spazierten. Und die fürsorglich ausgegebenen Regenumhänge blieben trocken. Dafür wärmten sie. Denn ein bisschen war es an diesem Juliabend wie in der Sahara: kalt bei tiefblauem Sternenhimmel.
    Stürmisch und heiß wurde es hingegen auf der Bühne. Kaum hatte Ravels um sich selbst kreisender Bolero - die vielleicht autistischste Musik, die es gibt - die 800 Zuhörer atemlos gemacht, ging es ab auf die Straße. Federico Fellinis Filmmusik zu "La Strada" führte ins komisch-tragische Milieu der Gaukler.
    Harmonic Brass bestätigten, dass sie zu den herausragenden Bläserensembles gehören. Ebenso die alte Weisheit, dass es erst die rechte Mischung macht. Richtig Pfiff bekam das Programm durch das Zusammenspiel mit Quadro Nuevo. Die vier Bayern mit dem großen Herzen für Argentinien und den Tango waren so etwas wie das Salz in der Suppe. Oder doch eher der Paprika? Jedenfalls haben sie den vertont. Eine echt heiße Nummer, wie sich herausstellte. Was nicht nur an der Musik lag, sondern auch an Nuevo-Chef Mulo Francel, einem atemberaubenden Virtuosen auf dem Saxofon und der Klarinette. Faszinierend ist auch Evelyn Huber, die aussieht wie ein Engel und dabei auf der Harfe wie der Teufel spielt.
    Nicht, dass die vier Brassmusiker im Frack und ihre passend schwarz- weiß gekleidete Kollegin Elisabeth Fessler an der Trompete keinen Witz hätten. Hornist Andreas Binder ist ein Komödiant von hohen Graden, der genauso gut ins Horn bläst wie er trommeln kann. Die gewaltige Tuba seines Kollegen Manfred Häberlein versteht sich ebenso brilliant auf Elefanten wie auf Dampfloks.
    Vielfarbig, flott, feurig, dann wieder gefühlvoll und immer als hinreißende Musikanten präsentierten beide Ensembles das, was man seit den 80ern "Weltmusik" nennt. Jazz, Swing und Improvisation, Altbekanntes und Neues wechselten sich in spannender Folge ab. Mackie Messer aus der "Dreigroschenoper" ließ grüßen. In einer Eigenkomposition marschierte Alexander der Große Richtung Indien, eine weitere entführte als Concerto Grande nach Italien. Aram Katschaturian ließ Säbel rasseln und Instrumente tanzen. Bei allem Feuer, Rhythmus und musikalischem Witz: Welch exzellente Musiker hier am Werk waren, machten am eindringlichsten die leisen Töne hörbar in Astor Piazzollas wehmütigem "Oblivion" (Vergessen). Viel Beifall und "Standing Ovations".

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  • 26.07.2015 Trierischer Volksfreund

    Konzertgenuss im Treppenhaus

    (Trier) Manchmal läuft es nicht wie geplant. Intendant Hermann Lewen hatte am Freitag kurz vor Beginn des Konzerts mit Maybebop wegen einer Gewitterwarnung sprichwörtliche Bauchschmerzen. 600 Gäste waren gekommen. Sie erlebten einen ganz und gar besonderen Auftritt.
    Trier. Während die Wolken am Himmel zunahmen, sprach Mosel-Musikfestival-Intendant Hermann Lewen mit den Künstlern. Man war sich rasch einig: Konzertbeginn wie geplant unter freiem Himmel, keine Pause und Abbruch, wenn es denn zu schlimm werden sollte.
    Für die Gäste lagen Regencapes bereit, die dankbar angenommen wurden. Punkt 20.30 Uhr begann das Konzert. Nur eine knappe Begrüßung durch den Intendanten, dann hatte die Musik das Wort. Und die überzeugte vom ersten Ton an. Die vier stimmgewaltigen Herren waren nicht nur gesanglich top, sie imitierten auch perfekt ihre Begleitinstrumente.
    Es war ein heiteres, aber auch tiefer gründendes Programm, das die Vier aus Norddeutschland für Trier zusammengestellt hatten. Die moralisierende Gesellschaft ("Das darf man nicht") bekam hier ebenso ihr Fett weg wie die zunehmende Abhängigkeit von elektronischen Begleitern ("Mein Handy weiß es"). Und auch der feine Unterschied zwischen "Theorie und Praxis" fand seine Beachtung. Ein guter Start, der gegen 20:50 Uhr vor eine erste Bewährungsprobe gestellt wurde. Denn da fielen die ersten Tropfen vom Himmel. Das Publikum nahm es gelassen, schlüpfte in die Regencapes.
    Die Künstler auf der Bühne brachte das nicht aus dem Konzept. Mit kleinen Blödeleien bewahrten sie die gute Stimmung und überbrückten so den kurzen Moment der Unruhe. Und als ob das Wetter von Künstlern und Publikum beeindruckt gewesen wäre, hörte der Regen nach einiger Zeit auch wieder auf.
    Weiter ging die musikalische Fröhlichkeit, bis es dann kurz vor Schluss doch kräftig runtermachte. Für die Musiker kein Problem: sie brachen ab und luden spontan zur Fortsetzung ins trockene Treppenhaus des Kurfürstlichen Palais ein. Nicht nur für das Publikum war das ein fantastischer Abschluss eines durchaus bemerkenswerten Konzerts. flo

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  • 25.07.2015 Trierischer Volksfreund

    A-Cappella beim Mosel Musikfestival: Regen? Na und - Dann spielt das Konzert im Treppenhaus

    (Trier) Manchmal kommt es eben anders, als man denkt. Intendant Hermann Lewen hatte am Freitag kurz vor Konzertbeginn plötzlich sprichwörtliche Bauchschmerzen wegen einer Gewitterwarnung für die Region. Schließlich waren knapp 600 Gäste gekommen, um die a-capella Gruppe „Maybebob“ im traumhaften Innenhof-Ambiente des Kurfürstlichen Palais zu erleben...
    Während die Wolken am Himmel zunahmen, sprach Lewen mit den Künstlern. Man war sich rasch einig: Konzertbeginn wie geplant open air, keine Pause und Abbruch, wenn es zu schlimm kommen sollte.

    Für die Gäste hatten Lewen und sein Team Regencapes dabei, die dankbar angenommen wurden.

    Punkt 20.30 Uhr startete das Konzert. Nur eine knappe Begrüßung vom Intendanten, dann stand alles im Zeichen der Musik. Und die überzeugte vom ersten Ton an. Vier stimmgewaltige Musiker, die nicht nur sangesfest waren, sondern auch noch perfekt Begleitinstrumente imitieren konnten. Es war ein heiteres, aber auch tiefer gründendes Programm, das die Vier aus Norddeutschland für ihr Konzert in Trier zusammengestellt hatten.

    Die moralisierende Gesellschaft („Das darf man nicht“) wurde ebenso aufs Korn genommen wie die zunehmende Abhängigkeit von elektronischen Begleitern („Mein Handy weiß es“). Auch der feine Unterschied zwischen „Theorie und Praxis“ fand seine Beachtung.

    Ein guter Start, der gegen 20.50 Uhr vor eine erste Bewährungsprobe gestellt wurde. Denn da fielen die ersten Tropfen vom Himmel. Das Publikum nahm es gelassen, schlüpfte rasch in die Regencapes. Die vier Künstler auf der Bühne brachte das nicht aus dem Konzept. Mit kleinen Blödeleien hielten sie die gute Stimmung aufrecht und überbrückten so den kurzen Moment der Unruhe. Kaum saßen alle wieder, ging es fröhlich weiter.

    Als ob das Wetter vom Verhalten von Künstlern und Publikum beeindruckt gewesen wäre, hörte der Regen nach einiger Zeit auch wieder auf. Weiter ging die musikalische Fröhlichkeit, bis es dann kurz vor Schluss doch kräftig regnete.

    Für die Musiker kein Problem: sie brachen ab und luden spontan zur Fortsetzung des Konzertes ins trockene Treppenhaus des Palais ein. Respekt - Das war ein phantastischer Abschluss eines bemerkenswerten Konzertes. –flo-

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  • 21.07.2015 Trierischer Volksfreund

    Trio feiert 30. Geburtstag

    (Bernkastel-Wehlen) Mit einem Konzert hat das Mosel Musikfestival im Barocksaal von Kloster Machern seinen 30. Geburtstag gefeiert. Wolfgang Lichter (Mitte), der 1985 das erste Konzert des Festivals dirigiert hatte, hat den 26-jährigen Cellisten Benedict Kloeckner (links) eingeladen.
    Mit 16 Jahren spielte dieser zum ersten Mal Josef Haydens Cello-Konzert mit dem Bernkasteler Orchester. Heute konzertiert er in den größten Sälen der Welt. Nach dem Konzert prosteten die beiden mit Intendant Hermann Lewen (rechts) zu und feierten den Start in die 30. Saison. (red)/Foto:Mosel-Musikfestival/ Artur Feller)

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  • 18.07.2015 Trierischer Volksfreund

    30 Jahre: Mosel Musikfestival startet mit "Beethoven für alle"

    (Trier) Mit dem ersten Klassik-Public-Viewing in Rheinland-Pfalz ist das Mosel Musikfestival am Freitagabend in Trier in seine 30. Saison gestartet. Unter dem Titel «Beethoven für alle» wurde das Konzert in der Konstantin-Basilika - Ludwig van Beethovens Missa Solemnis - live und kostenlos auf einer 23 Quadratmeter großen Video-Wand auf dem Vorplatz übertragen.
    So genossen neben gut 800 Menschen in der Basilika und nach Veranstalterangaben etwa 1000 Menschen vor dem Gebäude auf mitgebrachten Decken oder Stühlen den Start des ältesten und größten Klassikfestivals des Landes. Das ausverkaufte Konzert wurde von der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern und dem Bachchor Mainz gegeben. Im Jubiläumsjahr wartet das Festival mit 55 Konzerten an 41 Spielorten auf: Vom luxemburgischen Grevenmacher bis Koblenz. Mehr als die Hälfte der Karten seien bereits verkauft, sagte Festivalchef Hermann Lewen, der die Reihe 1985 in Bernkastel-Kues gegründet hatte. Bundesweit gehöre das Festival an der Mosel, das jeden Sommer rund 15 000 Gäste anlocke, von Größe und Qualität her zu den «Top 5».

  • 18.07.2015 Trierischer Volksfreund

    Erlösung in Tönen - Mosel Musikfestival eröffnet mit Beethovens "Missa solemnis"

    (Trier) Die Hürden waren hoch: mit Beethovens "Missa solemnis" ein überaus heikles Werk, die hallige Akustik der Trierer Konstantin-Basilika und dazu das Public Viewing vor der Basilika. Aber das Experiment glückte. Das Eröffnungskonzert im Mosel Musikfestival wurde ein grandioser Erfolg.
    Trier. Ja, die "Missa solemnis"! Seit Adornos hellsichtig-kritischem Essay über das "Verfremdete Hauptwerk" hat sie den Rang des unbestrittenen Meisterwerks eingebüßt. Zu vieles an ihr bleibt rätselhaft distanziert, statisch, archaisch und oft weitab von dem Stil, den man für den Beethovens hält. Der Musik Schlüssigkeit mitzugeben, ihre Fremdheit aufzulösen, sie so nahe an die Hörer zu bringen, wie es der taube Komponist mit seiner Formel "Von Herzen, möge es wieder zu Herzen gehen" zur Sprache brachte - an dieser Aufgabe scheitern auch angesehene Interpreten.
    Und dann nach 30 Jahren Mosel Musikfestival dieses Konzert: Da stellt sich der Bach-Chor Mainz unter den Schalldeckel der Trierer Konstantin-Basilika, da spielt die wunderbar anpassungsfähige Deutsche Radio-Philharmonie die 20 Einleitungstakte liebevoll aus. Die ersten "Kyrie"-Chorakkorde kommen mit einer Deutlichkeit, Präsenz und Statur, die beeindrucken. Der Klang der rund 60 Sänger geht mühelos über das mittelgroß besetzte Orchester hinweg und bleibt auch in den mörderisch hohen Forte-Partien frei von Forcierung. Dirigent Ralf Otto bettet Chor und Solisten sensibel ein in einen herrlich flexiblen Orchesterklang.
    Das Orchester ist nicht nur Begleitung und Verstärkung, sondern mehr: eine eigenständige Gruppe, die Eigenes zu sagen hat. Otto setzt Beethovens Lautstärke-Angaben penibel um. Er gibt dem Forte eine Spur Leichtigkeit mit, nimmt dem "Kyrie" die gefährlich naheliegende, unpersönliche Statik, gibt Gloria und Credo Prägnanz ohne Forcierung, vertieft im "Benedictus" den innigen Tonfall der Musik, lässt das "Dona nobis pacem" sacht und leichthändig ausklingen. Und vor allem: Er gibt den zahlreichen Übergängen zwischen Chor, Orchester und Solisten Spannung und Balance mit.
    Es war eine Aufführung, die alles Unebene dieser großen Messe vergessen machte. Die Problematik des Werks löst sich einfach auf, wenn sich Interpreten so auf die Musik einlassen - wenn sie die Nähe zu ihr suchen, mithören, mitgestalten, mitempfinden. Und auch die Unschärfen, die im Riesenraum der Konstantin-Basilika fast zwangsläufig entstehen, sie nehmen dieser Aufführung nur wenig von ihrer starken Bildkraft, ihrer jubelnden Prägnanz, ihrer religiösen Versenkung. Die stellt sich im "Benedictus" ein, obwohl es schwierig wird, die gradlinig-sensible Solo-Geigerin Margarete Adorf und die von ihr weit entfernten Holzbläser zu integrieren. Die vier Solisten freilich mussten kämpfen, um sich in der "Pleni sunt coeli"-Fuge gegen das Orchester zu behaupten und zueinander Anschluss zu finden.
    Und doch: die Solisten! Sie beziehen zu allen eingeschliffenen Unarten entschieden Distanz. Nichts bleibt von dem unsensibel forcierten, selbstdarstellerischen und ensemblefeindlichen Beethoven-Gesang vergangener Jahrzehnte. Der Basilika-Akustik zum Trotz formieren sie sich zu einer erstaunlich sicheren und fast immer intonationsreinen Einheit. Da mag die Schulung an Alter Musik und an Bach mitspielen - sie beherrschen das Miteinander, gehen in Stimmklang und Ausdruck aufeinander ein. Bass Yorck Felix Speer und Tenor Dominik Wortik verbinden lyrische Wärme und oratorische Kraft. Altistin Marion Ecksteins lässt im dicht gesungenen "Agnus Dei"-Rezitativ die "Militär-Episode" zuvor beklemmend nachklingen. Und über allem schwebt Susanne Bernhards warm-leuchtender Sopran - eine Erlösung in Tönen.
    Ein bewegendes, ein wunderbares Konzert. Und zudem Teil einer bemerkenswerten Doppelveranstaltung. Während drinnen nach den Festreden die Messe vor 800 Besuchern im traditionellen Rahmen ablief, versammelten sich vor der Basilika an die 1000 Musikfreunde zur öffentlichen Direktübertragung. Die wurde ab 22 Uhr wiederholt. Selbstverständlich war die Stimmung draußen weniger förmlich als im Raum, und selbstverständlich waren manche nur mit halbem Ohr bei der Musik, wenn Freunde zum Plausch erschienen. Aber sogar eine halbe Stunde vor Mitternacht saßen sie noch auf den Stufen zum Basilika-Vorplatz, schauten und hörten hin - hoch interessiert, ja gebannt. Das Experiment ist geglückt.

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  • 09.02.2015 Wochenspiegel

    Einzigartige Konzerterlebnisse: Mosel Musikfestival in Cochem

    In diesem Jahr jährt sich zum 30. Mal die Geburtsstunde eines der größten Musikfestivals in Deutschland: Dem Mosel Musikfestival. Grund genug für die Initiatoren, ein ganz besonderes Programm auf die Beine zu stellen.

    Voll des Lobes für das einzigartige Kulturevent waren Cochems Bürgermeister Wolfgang Lambertz und Landrat Manfred Schnur bei der Vorstellung des neuen Programms. "Das ‚Mosel Musikfestival ist das größte in Rheinland-Pfalz«, erläuterte Schnur nicht ohne Stolz. Vor zwei Jahren wurde das Festival auf neue Füße gestellt. Die Gesellschaftsverhältnisse innerhalb der Landkreise wurden neu aufgeteilt. Für Cochem-Zell bedeutet das, dass eine höhere Regionalität gewahrt werden kann. »Der Kulturgast fährt der Qualität nach«, so Schnur, der davon sprach, »Magnete« innerhalb der Region zu schaffen um Gäste anzulocken.
    Ein solcher Magnet ist nach Auffassung des Stadtchefs auch das Kapuzinerkloster. Hier findet beispielsweise der Klaviersommer statt, der sich bereits als feste Größe, nicht nur im Rahmen des »Mosel Musikfestivals«, etabliert hat. »Der besondere Zauber des Klosters ist bei den Gästen aus nah und fern sehr beliebt«, so Lambertz. In diesem Jahr konnte die Stadt mit der Mezzosopranistin Ileana Mateescu einen herausragenden Star am Klassik-Himmel nach Cochem holen.

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  • 05.02.2015 Trierischer Volksfreund

    Erst moderne Musik, dann Feuerwerk

    (Bernkastel-Kues) Erstmals gibt es neben dem Feuerwerk beim Weinfest der Mittelmosel in diesem Jahr ein zweites Feuerwerk in Bernkastel-Kues. Es ist der Abschluss eines Benefiz-Konzerts der Big Band der Bundeswehr auf dem Parkplatz an der Mosel. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 5000 Zuhörern. Der Trierische Volksfreund präsentiert das Konzert.

    Bernkastel-Kues. Wer das Feuerwerk beim Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues am 5. September verpasst hat, erhält ein paar Tage später am Mittwoch, 9. September, einen Nachschlag. Dann wird ein zweites Feuerwerk zum Abschluss eines Konzerts der Big Band der Bundeswehr am Moselufer gezündet. "Das ist ein Novum, erstmals gibt es nach dem Weinfest ein zweites zusätzliches Musikfeuerwerk, das über den Weinbergen der Stadt abgeschossen wird", sagt Hermann Lewen vom Mosel Musikfestival.
    Feuerwerk und Konzert seien als Dankeschön an die Stadt Bernkastel-Kues zu verstehen, in der das Mosel Musikfestival vor 30 Jahren geboren wurde. Schließlich werde kein Eintritt für das Konzert verlangt, das als open air auf dem Parkplatz am Moselufer gegenüber der Verbandsgemeindeverwaltung stattfinden soll und vom Trierischen Volksfreund präsentiert wird. Spenden seien hingegen willkommen, denn das Konzert soll möglichst viel Geld für gute Zwecke einnehmen. Und diese Zwecke sind klar definiert: Drei gemeinnützige Institutionen der Region sollen das Geld erhalten: Das Sozialwerk des Deutschen Roten Kreuzes in Bernkastel-Kues, die Aktion "Musiker für Musiker im Einsatz - AMME" in Neumagen-Dhron und die Band "Donnerwetter" der Rosenberg-Schule in Bernkastel-Kues. Alle drei Institutionen und Vereine setzen sich für die Arbeit mit Behinderten ein. Der Verein AMME richtet sich an Menschen mit geistiger Behinderung, die gerne musizieren möchten. Sein Ziel ist es, die Inklusion durch Musik zu fördern.
    Die Band "Donnerwetter" gehört zur Rosenberg-Schule mit Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung. Dort singen und musizieren seit 1998 Schüler mit Behinderung. Das Sozialwerk des Deutschen Roten Kreuzes auf dem Kueser Plateau beschäftigt wiederum Behinderte in anerkannten Werkstätten und Wohnheimen. "Wir werden während des Konzerts in einem speziellen Infotainment-Programm, das wir auf einer Leinwand zeigen, auf die Benefizaktion aufmerksam machen. Wir rechnen mit bis zu 5000 Zuhörern", sagt Thomas Ernst vom Management der Big Band der Bundeswehr. Das Konzert werde pünktlich um 20 Uhr beginnen und um 22 Uhr enden, wenn das Feuerwerk gezündet wird. Was für ein Programm geboten wird? "Wir könnten zwar einem den Marsch blasen, aber spielen selbst keine Märsche," sagt Ernst scherzhaft. Denn im Gegensatz etwa zum Koblenzer Heeresmusikkorps 300 spielt die bundesweit einzigartige Big Band der Bundeswehr Unterhaltungsmusik. Das Repertoire reicht von Cover-Hits von Tina Turner bis zu Swing-Nummern.
    Das Konzert, bei dem 23 Musiker auf einer 17 Meter breiten Bühne spielen, findet, so Thomas Ernst, auch bei Regen statt.

    Extra
    Die Big Band der Bundeswehr wurde 1970 von dem damaligen Verteidigungsminister und späteren Bundeskanzler Helmut Schmidt gegründet. Er wollte eine zusätzliche Musikgruppe gründen, die keine Marschmusik, sondern moderne Unterhaltungsmusik spielt. Derzeitiger Leiter ist Timor Oliver Chadik. Solosängerin ist Bwalya Chimfwembe aus Sambia. Die Band macht in diesem Jahr 22 Konzerte in Deutschland und im Ausland. hpl

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  • 14.01.2015 Trierischer Volksfreund

    Humor und Liebesgeheimnisse: Singphoniker im Kloster Machern

    (Bernkastel-Kues/Wehlen) Die Stimmen stehen beim diesjährigen Mosel Musikfestival im Vordergrund. Der gelungene Auftritt der Singphoniker im Kloster Machern macht schon jetzt Lust auf die Konzerte im Sommer.

    Bernkastel-Kues/Wehlen. Lieder aus fünf Jahrhunderten, ein wenig Humor, Kabarettatmosphäre und markante Stimmen: Diese ungewöhnliche Kombination bietet das Neujahrskonzert der Freunde des Mosel Musikfestival im Kloster Machern. Zu Gast sind die Singphoniker: Fünf Sänger, die teils a cappella singen, oft aber auch vom Klavier oder lediglich vom Schnipsen der Finger begleitet werden.
    Das Programm hat das Ensemble aus Liedern verschiedenster Stilrichtungen zusammengestellt. Da wechseln sich Madrigale der Renaissancezeit mit Jazzstücken ab, da folgen auf das "Ständchen" von Franz Schubert erst "I\'ll be there" von Michael Jackson und dann wieder das "Abendständchen" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Eine Kombination, die verwundern mag, sich aber als stimmig erweist.
    Alle Lieder des Konzerts befassen sich thematisch mit den "Geheimnissen der Liebe". Doch die entsprechenden Stücke bringen die sechs Musiker auch mit sozialkritischen Untertönen auf die Bühne, wenn sie mit gekonnt schrägen Tönen tiefgründig und trotzdem humorvoll die Auswüchse von Sex und Liebe in den Chats und Darkrooms des Internets besingen. Da gebrauchen sie auch derbere Ausdrücke, rufen "Fuck Cyber" durch den Barocksaal des Klosters Machern und ziehen aus Sicht des frustrierten Internetsurfers musikalisch Bilanz: "Das Leben ist scheiße, aber die Grafik ist geil." Starker Tobak für das Stammpublikum des Mosel Musikfestivals.
    Aber trotzdem gelingt es dem Ensemble aus München, die 200 Besucher zu begeistern. Da sind zum einen die tollen Stimmen der Sänger, die problemlos im Ensemble oder solo alle Stücke von Simon & Garfunkel bis zu Orlando di Lasso umsetzen. Und zum Zweiten treffen die Singphoniker mit mehreren Stücken von Georg Kreissler die Stimmung des Publikums, wenn sie mit schwarzem Humor "Sie is a herrliches Weib" oder auf englisch "Please shoot your husband" anstimmen.
    Beim Mosel Musikfestival steht 2015 die Stimme, laut Intendant Hermann Lewen "das schönste Instrument", im Vordergrund. Das Neujahrskonzert hat einen gelungenen Auftakt geboten. cst

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  • 04.12.2014 Trierischer Volksfreund

    Ein Jungstar an der Geige und eine Legende

    (Trier) Von Nostalgie keine Spur. 30 Jahre nach seiner Gründung erspart sich das Mosel Musikfestival verklärende Rückblicke. Intendant Hermann Lewen und sein Team behalten für das Jubiläumsprogramm 2015, unter anderem mit Klavierlegende Alfred Brendel, aktuelle Trends im Visier. Neuerdings findet man sogar im Internet exzellente junge Künstler.

    Trier. Da soll mal einer etwas gegen die modernen Kommunikationsmittel sagen! Beim Blick ins Internet, genauer gesagt auf die Videoplattform YouTube, hat Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals (MMF), einen exzellenten jungen Musiker entdeckt - und ihn gleich für die 30. Ausgabe der Musikfestspiele vom 17. Juli bis 3. Oktober engagiert.
    Der Russe Roman Kim gilt als Senkrechtstarter unter den Geigern. Sein Manager Rafael Schwarzstein erhofft sich vom Engagement beim MMF einen Karriereschub für den 23-Jährigen. Denn das MMF habe ein interessiertes Publikum und enorme Breitenwirkung und Hermann Lewen zudem wichtige Kontakte zu Veranstaltern. Der Jungstar Nummer eins tat sich bei der Programmvorstellung für 2015 gleich mit Jungstar Nummer zwei zusammen, der koreanischen Pianistin Younee. Die spielte zu Kims Paganini-Vortrag die Klavierbegleitung und lieferte danach als Solistin Beethoven in einer zeitgemäßen Jazz-Paraphrase.

    1400 Konzerte, 80 Spielorte

    0 Jahre Festival an der Mosel - da blieben selbstverständlich die Lobreden nicht aus. 1400 Konzerte an über 80 Spielstätten und an die 400 000 zahlende Besucher bilanzierte Intendant Lewen sichtlich stolz (siehe Hintergrund). Und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Egger resümierte: "Die Neuaufstellung des Festivals 2013 hat sich bewährt."
    Damals wurden die Städte Trier und Bernkastel-Kues zu Hauptgesellschaftern, auch die Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell und Mayen-Koblenz beteiligten sich an der gemeinnützigen Veranstaltungsgesellschaft mbH. Schließlich kamen auch Vertreter der Hauptsponsoren JTI, Sparkasse Trier und Sparkasse Mittelmosel zu Wort und bekräftigten ihre Verbundenheit mit dem MMF und der heimischen Kultur.
    Zum neuen Programm wollten Hermann Lewen gar nicht genug Superlative einfallen. Formulierungen wie "ganz besonders", sensationell", "angesagtester Künstler", "unglaubliches Ensemble" häuften sich. Fest steht: Das MMF hält sich nicht an ein verengtes Programmkonzept und schon gar nicht an eine stilistische Doktrin, sondern breitet eine enorm große Palette aus - eine Art Musikbaukasten, aus dem jeder nach Stilpräferenz, Jahreszeit und Entfernung vom Wohnort sein eigenes Programm zusammenstellen kann. Die breite Streuung der Veranstaltungen - stilistisch und auch räumlich - ist wohl das Erfolgsrezept des MMF. Wer immer an Musik interessiert ist, wird wohl auch 2015 fündig.

    Für Orgelfreunde: Auch beim MMF ist die neue Trierer Basilika-Orgel präsent. Der Internationale Orgelsommer im Juli/August ist Teil des Programms. Außerdem findet im Juli die traditionelle Orgelwanderfahrt statt, und das Festival klingt mit der Orgelsinfonie von Alexandre Guilmant in der Konstantin-Basilika aus. Überhaupt: Von der neuen Orgel war Lewen "gänsehautmäßig beeindruckt". Und wagte gleich eine Prognose für die nächsten Basilika-Konzerte: "Im Dezember werden 5000 bis 8000 Menschen diese Orgel hören."

    Für Liebhaber von Chor- und Sologesang: Gleich fünfmal stehen große Oratorien auf dem Programm, darunter Beethovens "Missa solemnis" und das monumentale "Te Deum" von Hector Berlioz. Außerdem gastieren A-cappella-Ensembles wie das Ensemble Nobiles und die sechsköpfige Frauen-Formation Sjaella aus Schweden. Mit Klaus Mertens und Simone Kermes kommen zudem zwei exquisite Solisten.

    Für Freiluft-Fanatiker: "Brass im Wingert", "Maybebop", "Quadro Nuevo", SWR Big Band, Big Band der Bundeswehr - Konzerte unter freiem Himmel bleiben ein Thema. Wobei die Oratorien-Aufführungen vorsichtshalber drinnen stattfinden.

    Für Crossover-Anhänger "Gentlemen of Swing", "Spark", "Bach im Liegestuhl", "Vivaldi recomposed", "Der Klang von Wien", "Jugendstil" - Konzerte für alle, die Klassik mögen, aber sich nicht darauf festlegen. Ob sich in diesem Sektor das stilistische Profil noch straffen lässt, bleibt offen.

    Für Freunde der leisen Töne: In unüblich großer Zahl gibt es auch Solo- und Kammerkonzerte. Etwa mit Klavierlegende Alfred Brendel als Mentor des jungen Kit Armstrong. Die Camerata Cusana mit "Cello plus", Liedlegenden mit der Mezzosopranistin Ileana Mateescu, die Harfenistin Silke Aichhorn, den Internationalen Klaviersommer, Martin Stadtfeld oder dessen Klavierkollegin Olga Scheps. Ein Bonbon: Heiko und Ralf Hansjosten vierhändig am historischen Hammerflügel.
    Der Vorverkauf für 2015 ist gestartet. Komplettes Programm:www.moselmusikfestival.de  

    Autor: Martin Möller

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  • 05.10.2014 Trierischer Volksfreund

    Der Frieden als hart erkämpfte Leistung

    (Trier) Mit einem musikalischen Aufruf zum Frieden und viel Gottvertrauen endete eindrucksvoll das Mosel Musikfestival 2014. Die 800 Zuhörer im Trier Dom belohnten den bewegenden Abschluss der 53 Konzerte an 35 Spielorten mit "standig ovations".

    Trier. Katastrophen und Kriege sind dieser Tage in aller Munde. Wo Sprache versagt, ist die Musik mit ihrer Ausdruckskraft noch lange nicht am Ende. Wie sie unmittelbar aus dem Innern kommend ins Innerste vordringt, war großartig beim Schlusskonzert des Mosel Musikfestivals im Trie rer Dom zu erleben. Des 70. Jahrestags des Dombrandes gedachte das Konzert, wie Intendant Hermann Lewen eingangs erklärte, und natürlich wollte es am Tag der Deutschen Einheit auch an den Mauerfall und seine Geschichte erinnern. Frank Martins Oratorium "In Terra Pax" stand auf dem Programm, dazu Anton Bruckners Messe Nr. 1 in d-Moll. Eine Musikfolge, die eindrücklich zusammenfasste, was die beiden Dimensionen des menschlichen Lebens ausmacht: die Auseinandersetzung mit der eigenen irdischen Wirklichkeit und der Wunsch, dem materiellen Sein durch eine andere, transzendente Dimension wie den Glauben, Sinn zu geben.
    Thomas Kiefer, der das Konzert leitete, hat sich schon mehrfach als überzeugender Interpret moderner Kompositionen bewährt. Der blieb er auch diesmal. Der junge Domkapellmeister dirigierte mit Intelligenz und großer Umsicht. Stück für Stück fügte er das nuancenreiche Werk zusammen. Mit den Musikern der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Trierer Domchor und dem Kathedraljugendchor Trier machte er die Widersprüchlichkeit des musikalischen Dramas mit seiner herben Harmonik ebenso erlebbar wie seinen inneren Zusammenhalt. Der Frieden ist eine Leistung, die hart erkämpft werden muss, erfuhren musikalisch die Zuhörer. Vielfarbig und dynamisch spielte das Orchester, wunderbare transparente Klangflächen schufen die Chöre. Unter den Solisten ragte der warme, hervorragend artikulierende Bariton von Klaus Mertens und der ausdrucksstarke Bass von Matthias Horn hervor.
    Wärme verströmte der Alt von Wiebke Lehmkuhl. Dagegen erschienen Susanne Ellen Kircheschs Sopran und Marc Dosterts Tenor etwas wenig elastisch. Problematisch geriet teilweise der Ensembleklang. Was sich auch bei Bruckners Messe bemerkbar machte. Sie geriet wenig überzeugend. Besonders die komplexe Gestalt des Credo wirkte diffus. Kiefer setzte auf Klanggewalt, wo die hellen jungen Stimmen an ihre Grenzen stießen. Das tat den leisen, feinen Piano-Stellen nicht gut. Dabei liegt darin viel Trost, wie das wunderbar gelungene Agnus Dei zum Schluss bewies. In jedem Fall ein bewegender Schlussakkord des Festivals. er

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  • 16.09.2014 Trierischer Volksfreund

    Immer für eine Überraschung gut: Kit Armstrong im Kloster Machern

    (Zeltingen-Rachtig) Der 22-jährige Pianist Kit Armstrong begeistert beim Mosel Musikfestival mit seinem intensiven Spiel und seinem fantastischen Gespür für die Feinheiten der Melodien. Dazu haben die Zuschauer die Uraufführung eines von Armstrong komponierten Stückes erlebt.

    Zeltingen-Rachtig. Wie hört sich ein musikalisches Selbstporträt eines 22-jährigen Pianisten an? Das haben 250 Zuschauer beim Konzert des Amerikaners Kit Armstrong erleben dürfen. Das von ihm komponierte Werk, das Armstrong im Barocksaal des Klosters Machern selbst zur Uraufführung bringt, erinnert an den ungeduldigen Drang eines jungen Mannes, der immer wieder Widerstände überwinden, seine Grenzen ausloten und erweitern will. Schnelle, auffordernde Tonfolgen lassen seine Fragen erraten: Wo will ich hin? Hierher? Dorthin? Zögerlich findet er in den Melodien eine Richtung, wird sicher und selbstbewusst, bis er unvermittelt sein Stück beendet, das noch keinen Titel hat: Ein junger Musiker ist immer für eine Überraschung gut.
    2012 trat Armstrong erstmals beim Mosel Musikfestival auf und erhielt den Auftrag, seine damals gewonnenen Eindrücke in einer eigenen Komposition niederzuschreiben. Mit finanzieller Unterstützung des Kultursommers Rheinland-Pfalz war dies jetzt möglich geworden. "Wenn ich meine Musikalität herauslasse, kommt ein Selbstporträt her-aus", sagt der sympathisch wirkende junge Mann zum Publikum.
    Doch ist das noch namenlose Stück nur eines von vielen Höhepunkten des Konzerts. In jeder Sekunde zeigt Armstrong sein ungewöhnliches musikalisches Talent. Leicht, locker und trotzdem eindringlich spielt er auf den Tasten, so beschwingt und unangestrengt, als ob Klavier spielen das Einfachste auf der Welt wäre. Seine selbst komponierte Fantasie über die Töne B.A.C.H., die gleichzeitig für Johann Sebastian Bach stehen (Armstrong: "Wie hätte es Bach heute gemacht?"), ist nicht unbedingt eingängig, aber geheimnisvoll und spannend.

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  • 15.09.2014 Trierischer Volksfreund

    Festliche Musik in festlichem Barocksaal

    (Bernkastel-Kues/Wehlen) Zeitgenössische Musik, die sich in weiten Teilen an den Klängen des Barocks orientiert, haben rund 130 Gäste beim Konzert der polnischen Musiker Pjotr Szabat (Violine) und Natalia Koziarz (Klavier) im Barocksaal des Kloster Machern genossen.

    Bernkastel-Kues/Wehlen. Der Barocksaal im Kloster Machern ist mit seiner Ausstattung ein eindrucksvoller Raum. Grund genug, ihn am Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und zwar nicht nur zu einer Besichtigung, sondern zu einer Matinée. Hermann Lewen, Leiter des Mosel-Musikfestivals hat dazu zwei junge Künstler eingeladen, die trotz ihrer Herkunft aus Polen mit der Region verbunden sind. Wie Lewen erzählt, stammt die Patentante des jungen Geigers aus Rachtig.
    Auch die Musik passt gut zum Ambiente des Barocksaals. Vor allem die Werke von Fritz Kreisler (1875 bis 1962) erinnern an den Stil des Barocks. Dieser Komponist gilt als einer der letzten geigenden Romantiker. Seine von ihm geschriebenen Stücke orientieren sich an Francois Francoeur (1698 bis 1787), Gaetano Pugnani (1731 bis 1798) und Guiseppe Tartini (1692 bis 1770).
    Die beiden Musiker spielen die Stücke technisch hervorragend und mit viel Gefühl. Das Publikum ist begeistert und spendet von Musik zu Musik immer mehr Applaus. Besonders gut kommt das letzte Stück des Programms, die Teufelstriller-Sonate, bei den Zuhörern an. Natalia Koziarz und Pjotr Szabatbeenden ihr gut einstündiges Konzert "Summertime" von Geroge Gershwin als Zugabe. noj

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  • 09.09.2014 Trierischer Volksfreund

    Klänge für eine Festgesellschaft im Barocksaal

    (Zeltingen-Rachtig) Ein Zusammenspiel mit Harmonie: Die spanische Sopranistin Nuria Rial ist gemeinsam mit dem Kammerensemble Camerata Köln beim Mosel Musikfestival aufgetreten.

    Zeltingen-Rachtig. Die Stars geben sich beim Mosel Musikfestival die Klinke in die Hand. Jetzt ist es die Sopranistin Nuria Rial gewesen, die zusammen mit dem Kammerorchester Camerata Köln im Kloster Machern ihr Können unter Beweis gestellt hat. Scheinbar mühelos singt sie Kantaten von Vivaldi, Händel und Scarlatti und fesselt damit die etwa 250 Zuschauer in dem nicht ganz ausverkauften Barocksaal des Klosters.
    Spielerisch wirkt es, wenn sie mit ihrer klaren Stimme die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zieht. Dabei singt sie sichtlich mit Spaß und mit einer Begeisterung, die die Besucher in ihren Bann zieht, und schafft es, im Zusammenspiel mit den fünf Musikern von Camerata Köln, ihren Stücken Seele und Atmosphäre einzuhauchen. Wunderschön, wie sie bei einer Kantate von Scarlatti geradezu ein Zwiegespräch mit der Traversflöte des Ensembles hält.
    Während Topstar Rial die Zuschauer begeistert, kann das Kammerorchester bei seinen Stücken, die sie ohne die Sopranistin interpretieren, nicht immer mithalten. Dafür sind die beiden Sonaten von Bach vor der Pause zu wenig emotional gespielt, die Spannungsbögen in der Musik zu wenig herausgearbeitet. Diese beiden Stücke wirken bei aller Perfektion der Musiker ein wenig zu brav.

    Vielleicht hätte ein Stück von Bach im Programm gereicht. Denn die Mitglieder von Camerata Köln zeigen, dass sie es auch anders können. Beim Quartett d-Moll von Telemann entführen sie die Zuschauer scheinbar in die Welt der Tänze an den großen Fürstenhöfen. Fast meint man, eine Festgesellschaft durch den Barocksaal des Klosters schreiten zu sehen.
    Das Spiel der Flöten erinnert dabei an feines Vogelgezwitscher. Bei dem Stück Concerto à 5 G-Dur des spätbarocken Komponisten Johann Adolph Hasse spielt Camerata Köln beschwingt, fast schon amüsant. Auch hier sind es besonders die Flöten, die im Zusammenspiel mit der Geige begeistern.
    Begeistert sind auch die Zuschauer: Sie haben ein gutes Konzert miterlebt. cst

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  • 05.09.2014 Trierischer Volksfreund

    Eine kleine Nachtmusik

    (Kanzem) In der prachtvollen Kulisse des Weingutes von Othegraven haben 130 Zuhörer einen perfekten Spätsommerabend erlebt. Auf Einladung des Mosel Musikfestivals spielte das Ensemble German Hornsound, während Weingutsbesitzer Günther Jauch und seine Frau Thea ihre Gäste charmant und aufmerksam bewirteten.

    Kanzem. Die Welt ist perfekt: Sanft senkt sich die Dunkelheit über das Saartal. Ein Käuzchen ruft, und der Mond lugt bereits über den Baumwipfeln. Das Weingut von Othegraven ist hell erleuchtet, und die Zuhörer, die an gedeckten Tischen im Park sitzen, sind gespannt.
    Fernsehmoderator Günther Jauch und seine Frau Thea - ihnen gehört das Weingut seit 2010 - schenken ihnen gerade Riesling aus der Lage Ayler Kupp 2013 ins Glas. Behutsam intonieren die vier Hornisten von German Hornsound Richard Wagners Pilgerchor aus der Oper "Tannhäuser" und reduzieren Wagner dabei so aufs Wesentliche, dass der Klang schon beinahe durchsichtig wirkt.

    Günther Jauch sagt Ja

    Festivalchef Hermann Lewen hat an diesem Abend ein Rundum-Wohlfühlpaket für die 130 Glücklichen geschnürt, die eine Karte für "Vivat Bacchus - Opus 2" ergattern konnten. Denn ausverkauft war das Konzert bereits nach einer Woche.
    Die Kombination aus Musik, Essen, einer kommentierten Weinprobe und prominentem Gastgeber wirkte magisch. Offenbar auch auf Günther Jauch, der sich nicht lange bitten ließ, als Hermann Lewen mit dem Vorschlag kam, bei Jauchs zum Konzert zu laden: "Wir haben gleich Ja gesagt, weil wir so was noch nie gemacht haben. Der Park ist so schön und die Kulisse ebenfalls. Es wäre schade, wenn die Leute das alles nicht sehen könnten. Wir sind da nicht scheu und öffnen ja auch sonst den Park", erzählt Jauch.
    Der englische Landschaftsgarten bietet die perfekte Atmosphäre für diesen Abend. Während Günther und Thea Jauch sich locker unter ihre Gäste mischen, spielen German Hornsound Barockes. Händels Wassermusik, Marcellos Adagio aus dem Oboenkonzert d-Moll und Vivaldis Winter aus den "Vier Jahreszeiten" interpretieren sie ohne große Schnörkel und verleihen den Werken einen ganz neuen, eigenwilligen Charakter. Analog zur Musik hat Andreas Barth, Geschäftsführer des Weingutes, drei trockene Rieslingweine ausgesucht. Erklären könne er Wein nicht, "denn sonst ist er entzaubert. Aber ich kann versuchen, Ihnen Wein näherzubringen". Und so informiert er über Lagen und Witterung, Erntemengen und Jahrgänge, über die Entwicklung der Weine im Keller, sinniert über heiße Sommer und verregnete Herbsttage. So manch einer der weit angereisten Gäste entdeckt an diesem Spätsommerabend seine Liebe zum Saarwein.
    Andere wiederum erwärmen sich für Hornmusik. Verblüffend, wie grazil der Triumphmarsch von Verdis "Aida" in einem vierstimmigen Bläserarrangement klingen kann, wie subtil die Arie Sempre libera aus "La Traviata". Als Günther Jauch die Spätlesen kredenzt, ist der Abend bereits fortgeschritten und die Musik bei drei Tangos von Astor Piazolla angelangt, gefolgt von Kerry Turners Quartett Americana und Hits aus James-Bond-Filmen.
    Neben viel Applaus nehmen die vier Musiker noch ein ganz besonderes Andenken mit nach Hause: Den Schnappschuss mit Günther Jauch und German Hornsound im Kelterhaus des Weingutes.
    Vier ehemalige Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart gründeten 2009 das Ensemble German Hornsound (übersetzt: deutscher Hörnerklang). Mittlerweile haben Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steiniger Engagements in professionellen Orchestern. Das Repertoire des Hornquartetts beinhaltet alle Epochen der Musikgeschichte, Originalwerke und Bearbeitungen. Sie treten regelmäßig bei Musikfestivals wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival, dem Oberstdorfer Musiksommer oder dem Musiksommer zwischen Inn und Salzach auf. vk

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  • 31.08.2014 Trierischer Volksfreund

    Musikalische Räume für Geist und Gefühl

    (Bernkastel-Wehlen) Mit Johann Sebastian Bachs Cello-Suiten und französischer Barockmusik begeisterten der Bratschist Nils Mönkemeyer und Andreas Arend an der Theorba etwa 150 Zuhörer im Kloster Machern.

    Bernkastel-Wehlen. So etwas bietet nun einmal nur das Live-Erlebnis. Mäuschenstill ist es im Konzertsaal von Kloster Machern. Vorn auf der Bühne, vor dem himmelwärts strebenden Altarbild der Kapelle, steht Nils Mönkemeyer mit seiner Bratsche und spielt Johann Sebastian Bachs berühmte Cello-Suiten Nr. 1 und Nr. 2. Kaum wagt man zu atmen, um nur ja nicht das feine Gewebe aus Klang und musikalischen Gedanken zu zerstören.
    Mönkemeyers Bratsche schafft einen wunderbaren intimen Klangraum, einen stillen musikalischen Rückzugsort, in dem die Musik tief innen leuchtet und zum Echolot der Seele wird. Die Suiten gehören bekanntlich zum "Allerheiligsten" der Cello-Literatur.
    In Mönkemeyers Spiel verlieren die faszinierenden Kompositionen nichts an Erhabenheit, nur an Erdenschwere. Fast abgeklärt klingt die Musik zuweilen, befreit von aller irdischen Last und jenem existenziellen Kampf, zu dem das Cello herausfordert.

    Letzte Wahrheiten

    Mönkemeyers Spiel ist Klangrede im Wortsinn, ein fein ausformulierter, bewegender Gesang, dessen Vielfarbigkeit und Temperamente gleichermaßen aus dem Geist wie aus dem Gefühl kommen. In sich versunken scheint die Musik im großartigen Prélude der Suite Nr. 2 über letzte Wahrheiten nachzudenken. Von virtuoser Leichtigkeit ist die Courante.Überhaupt hat Mönkemeyers Umgang mit seinem Instrument etwas von einer Liebesbeziehung. Das ist auch in Machern gleich eingangs zu erleben, wenn er in der melancholischen Komposition des Franzosen Marin Marais "La Guitarre" aus "Pièce de Viole" mit seiner Bratsche tanzt, sich in ihrem Rhythmus wiegt und sich zärtlich an sie schmiegt, wenn ihre Musik schmeichelt. Später am Abend wird er kraftvoll in ihre Saiten greifen und sogar mit ihr rasen.
    Als Partner hat Mönkemeyer Andreas Arend an der Theorbe mitgebracht. Auf seiner Laute mit den langen Basssaiten ist Arend ein spielfreudiger Partner. Ein geradezu lustvoller Dialog entwickelt sich zwischen den beiden Musikern.
    Der sanften Bratsche bietet Arends spröde Theorbe, die manchmal wie ein Spinett klingt, einen idealen Boden. Auch Arend ist ein ungeheuer beredter, einfühlsamer Musiker, gleichsam ein Meister aller Jahreszeiten auf seinem Instrument. Wunderschön: die Suite für Theorbe von Robert de Visée.
    Zum musikalischen Bravourstück gerät den beiden Musikern zum Schluss Marin Marais lautmalerisches Blättergesäusel "La Badinage" und der wilde, ausgelassene Tanz "Le Tourbillon" (beide aus "Pièce de Viole"). Die jubelnden 150 Zuhörer erklatschten sich noch drei Zu gaben. er

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  • 29.08.2014 Trierischer Volksfreund

    Genuss für Ohr und Auge

    (Trier) Musik und Tanz gehören untrennbar zusammen, vor allem im Barock. Das Mosel Musikfestival hat mit "La belle Danse" an einem besonderen Ort zum Tanz aufgespielt. 150 Besucher im Trierer Landesmuseum waren hingerissen von zeitgenössischen Kompositionen und Choreographien.

    Trier. Fröhliche, verspielte Flötentöne erklingen. Ein leichter Lauf, der direkt in die Beine geht. In die Beine von Anouk Mialaret und Jean-Marie Belmont. Sie halten sich an den Händen und hüpfen im Takt. Zuvor haben sie umeinander herumgetanzt, sich umeinander gedreht, erst langsam zueinander gefunden. Nicht nur das Menuett von André Joseph Exaudet, welches das vierköpfige Ensemble Le Concert Lorrain spielt, stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, auch die Choreographie ist von einem Zeitgenossen: Claude-Marc Magny. Unkapriziöser Tanz zur schnörkellosen Musik für ein einfaches Dorffest. Passend dazu farbenfrohe grün-türkise Kostüme.
    Mit den getanzten barocken Klängen schafft es das Mosel Musikfestival erneut, in der Reihe "Nachts im Museum" eine ausgefallene Kombination auf die Bühne zu bringen. Ganz nach dem Motto des Landes-Kultursommers erleben die 150 Gäste im Rheinischen Landesmuseum in Trier Kultur mit allen Sinnen; Ohren und Augen sind gleichermaßen gefordert. Aber auch die Spannung zwischen den Tänzern, die Energie der Klänge und Bewegungen sind spürbar. Prunkvoll ist die Kleidung bei höfischen Bällen. Die Dame, ganz in Rosé, trägt selbst beim Tanz ein enges Mieder zum weiten Rock, der an der Hüfte gerafft ist; der Herr trägt weiße Strümpfe unter knielangen Hosen und einen langen Herrenrock - alles in feudalem Rot. Mialaret und Belmont hüpfen nicht mehr, sie schreiten. Majestätisch gleiten sie über die Bühne, verkörpern ganz "l\'air noble", die noble Haltung, auf die Louis XIV. an seinem Hof so großen Wert gelegt hat. Auch diese Tänze sind von zeitgenössischen Choreographen überliefert.

    Tänzer und Musiker gefordert

    In den Tanz- und Umkleidepausen spielt Le Concert Lorrain mit Leonard Schelb (Traverso), Swantje Hoffmann (Violine), Cellist Stephan Schultz und Sabina Chukurova am Cembalo Sonaten, ja ganze Ballette, viele von Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755). Getragene und schnelle Partien wechseln sich ab - Herausforderung und Ruhepausen für Musiker und Tänzer. Herausragend: Boismortiers Sonate für Violoncello und Basso Continuo, dessen Part Chukurova am Cembalo übernimmt, während Schultz die Solostimme spielt. Besonders anspruchsvoll: das lebhafte Allegro und das irre Tempo des "Giga Staccato", für das der Cellist Bravo-Rufe erntet.
    Gemächlicher wird es beim "Tanz in der Oper". Golden glänzen die Gewänder, eleganter noch, aber auch kraftvoller die Schritte, auf die, wie Belmont auf Französisch erläutert, das klassische Ballett zurückgeht - nur Sprünge und Hebefiguren fehlen. Hier tanzen die Partner auch solo, dann schweben sie wieder gemeinsam über das Parkett - ein Genuss für alle Sinne.

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  • 25.08.2014 Trierischer Volksfreund

    A-cappella-Mix aus Trance und Jubel

    (Zeltingen-Rachtig) Der amerikanische A-cappella-Chor Chanticleer hat die Zuschauer des Mosel-Musikfestival-Konzerts im Kloster Machern zu wahren Jubelstürmen hingerissen. Die zwölf Sänger überzeugten mit ihrem Programm "Best of All", starken Einzelstimmen und einem perfekten Zusammenwirken.

    Zeltingen-Rachtig. Bravo-Rufe und langanhaltender Applaus sind bei vielen Konzerten des Mosel Musikfestivals die Regel. Denn die Veranstaltungen, die Intendant Hermann Lewen und sein Team auf die Beine stellen, haben durchweg ein hohes Niveau. Doch wohl nur selten fällt der Beifall des Publikums so enthusiastisch aus wie beim Auftritt des amerikanischen A-cappella-Chores Chanticleer.
    Das schon früh ausverkaufte Gastspiel im Kloster Machern war eines der beiden diesjährigen Europa-Konzerte, die der Chor aus der Nähe des kalifornischen Napa-Valley gegeben hat. Dabei haben die zwölf jungen Männer aus ihrem umfangreichen Repertoire ein abwechslungsreiches Konzert zusammengestellt.
    Zu Beginn widmen sie sich der Renaissance. Schon hier zeigen sich die Stärken der zwölf Sänger, die nicht nur stimmlich hervorragend sind, sondern die Zuschauer im Barocksaal mit viel Gefühl verzaubern und in einen besinnlichen Zustand der Ruhe und der Harmonie versetzen. Da übernehmen abwechselnd sowohl die Bass- als auch die Tenorstimmen die Führung, die Countertenöre setzen die Sahnehäubchen obendrauf. Erst der einsetzende Applaus der 270 Zuschauer beendet die Momente der Trance, in die das Ensemble das Publikum regelrecht versetzt.

    Die ersten gehäuften Bravo-Rufe kommen aus den Reihen der Zuschauer, als Countertenor Cortez Mitchell im Vordergrund das Publikum mit Vocalisen zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt. Nach der Pause wird es volkstümlich und amüsant. Die sechs Countertenöre jagen ihre Stimmen in ungeahnte Höhen, so dass man unwillkürlich nachschaut, ob die Kronleuchter das auch heil überstehen. Da wird die Musik spanisch und ungarisch, da erklingen serbische Volksstücke, die die Sänger mit sichtlichem Spaß vorbringen, und auch ein Gospelmedley mit Stücken wie "Swing Low, Sweet Cheriot" reißt das Publikum mit.
    Unter den Zuschauern sind auch die Mitglieder des Leipziger Gesang-Ensembles Nobiles, die ihre zweifach mit dem Grammy ausgezeichneten Kollegen in den höchsten Tönen loben. "Es ist unglaublich, wie sich die starken Einzelstimmen zu einem homogenen Ensemble zusammenfügen", sagt Lukas Lomtscher vom Leipziger Chor. Chanticleer hätten unheimlich viele Möglichkeiten, die sie auch in allen Facetten ausnutzten. Die Besetzung mit zwölf Sängern biete den Amerikanern eine unheimliche Flexibilität.
    Der einzige Wermutstropfen: Einige Zuschauer vermissen eine Auflistung der gesungenen Stücke. Das allerdings ist der Tatsache geschuldet, dass Chanticleer ihr Programm sehr kurzfristig zusammengestellt haben und der Veranstalter deshalb keine Liste erstellen konnte. Doch kann dieses Detail den Gesamteindruck nicht trüben: Die Besucher erleben ein hervorragendes Konzert mit tollen Sängern und einem großartigen Ensemble.

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  • 18.08.2014 Trierischer Volksfreund

    Von Leichtigkeit bis Leidenschaft

    (Schweich) In der New Yorker Carnegie Hall ist der israelische Pianist und Komponist Matan Porat bereits aufgetreten, nun hat er im Rahmen des Mosel Musikfestivals in der ehemaligen Synagoge Schweich konzertiert. Dort schenkte er seinen Zuhörern ein beseeltes und intensives kammermusikalisches Erlebnis.

    Schweich. Als Person wirkt der 32-jährige Matan Porat eher scheu, doch am Flügel entwickelt er eine Präsenz aus Hingabe und Ausdruckskraft, die den Zuhörer einfach in ihren Bann zieht. Für sein Schweicher Konzert hat er die "Musica Ricerata" des rumänisch-stämmigen Komponisten Gyögy Lligeti (1923-2006), drei posthum veröffentlichte Klavierstücke von Franz Schubert (1797-1828) und die Davidsbündlertänze von Robert Schumann (1810-1856) ausgewählt. Wer zunächst ob dieser Zusammenstellung stutzt, erkennt in Porats Spiel bald den verbindenden roten Faden: Alle Kompositionen haben etwas Tänzerisches und entführen in ein großes Spektrum kontrastierender Stimmungen.

    Kluge Schachzüge

    Mit Lligetis Werk zu beginnen, ist ein kluger Schachzug Porats. Denn damit ermöglicht er seinem Publikum, ihn über ein Grundprinzip des Komponierens und Interpretierens kennenzulernen: die Suche nach einem eigenen musikalischen Ausdruck. Lligeti, dessen Musik Regisseur Stanley Kubrick für Filme nutzte, experimentiert in "Musica Ricerata" mit einer von Satz zu Satz ansteigenden Zahl der verwendeten Töne. Im ersten Satz ist es zunächst nur einer, das "A". Porat lotet ihn förmlich aus, lässt ihn in verschiedenen Höhen schmettern, zart verhallen oder rhythmische Muster formen, so dass der eine Ton alles andere als eintönig wirkt.

    Auch in den Folgesätzen gibt sich der Pianist mit Verve dem forschenden Spiel um tonale Wirkungen hin, bis er es mit wunderbarer Leichtigkeit in ein tänzerisches Muster münden lässt. Tatsächlich hatte sich Lligeti bei dieser Komposition nicht vom Einfluss Bela Bartóks und seiner ungarischen und rumänischen Tänze frei machen können. Hier liegt die Verbindung zum nächsten Programmpunkt, mit dem Porat endgültig auch diejenigen packt, für die das Eingangswerk noch gewöhnungsbedürftig klang. In Franz Schuberts Klavierstücken blitzt tschechische Folklore, ebenfalls mit Tanzcharakter durch. Allerdings äußert sich in dieser Komposition aus dem Todesjahr Schuberts auch ein Ringen zwischen Schwermut und zarter Milde, das der Pianist mit überwältigendem Feingefühl herausarbeitet.
    Robert Schumanns Davidbündlertänze schließlich geben ihm die Möglichkeit, alle bisher angeklungenen Facetten meisterhaft auszuspielen. In den zwei fiktiven Persönlichkeiten zugeordneten Stücken zeichnet er Charakterzüge in einem fein nuancierten Spektrum von zarter Empfindsamkeit über heitere Ausgelassenheit bis zu dramatischer Leidenschaft nach. Zum Schluss trumpft er noch mit der kraftvoll-dynamischen Variation eines Tangos Astor Piazollas auf. Zurück bleibt der Eindruck von einem Künstler, dem es gegeben ist, das Wesen von Musik zu beseelen, sie atmen zu lassen.

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  • 17.08.2014 Trierischer Volksfreund

    In Klang gefasstes Gottvertrauen

    (Trier) Die Bläser des Brass Ensembles Costum Tomaculum haben in der Trierer Liebfrauenkirche die Faszinition barocker Musik einmal mehr unter Beweis gestellt. Pracht, Trauer und Heilssehnsucht lagen eng beieinander während des Konzerts im Rahmen des Mosel Musikfestivals.

    Trier. Kaum irgendwo liegen ausgelassene Lebensfreude und dunkle Todesahnung so nah beieinander wie in der Kunst des Barocks. Einmal mehr war das am Samstagabend in der Liebfrauenkirche in Trier zu erfahren. Dort war das Brass Ensemble Costum Tomaculum mit Barockmusik zu Gast.
    "Der Tod ist groß, wir sind die Seinen lachenden Mundes" - Rainer Maria Rilkes berühmtes Wort stand im Raum, als Georg Friedrich Händels strahlende weltliche Pracht auf Johann Sebastian Bachs Todesgewissheit und Glaubenssicherheit traf. Noch ein anderer Tod mitten im Leben erschütterte die mehr als 400 Zuhörer an diesem Abend. In dankbarer Erinnerung hatte das Mosel Musikfestival das Barockkonzert TV-Redakteur Dieter Lintz gewidmet. "Er war uns ein Freund und wertvoller Begleiter", würdigte Festival-Intendant Hermann Lewen den am vergangenen Samstag plötzlich verstorbenen Journalisten.

    Frisch und schlackenfrei klingen die Musiker des jungen Bläserensembles Costum Tomaculum. Für den aus Schweich stammenden Thomas Leyendecker, der als Posaunist bei den Berliner Philharmonikern engagiert ist und den Abend moderierte, war der Auftritt in Trier sozusagen ein Heimspiel. Genauso wie für seinen Kollegen an der gewichtigen Tuba, den Trierer Stefan Am-brosius. Er ist inzwischen an der Bayrischen Staatsoper in München unter Vertrag.
    Eine enorme Klangfülle vermögen die vier Blechbläser zu erzeugen. Das war allerdings auch ihr Problem. Tapfer kämpften die vier mit der Akustik des wunderbaren, aber eben gotischen Raumes, der eigentlich darauf ausgerichtet ist, statt opulenter Klangfülle, feine Melodienlinien himmelwärts zu befördern. Natürlich funktionierte die vorgetragene, für Brass arrangierte Musik da am besten, wo die Originale schon auf Blech setzten. So wie bei Händels triumphaler "Feuerwerksmusik", einem der ersten Open Airs, bevor es überhaupt den Begriff gab. Strahlend und siegessicher erklang die Musik. Herrlich vielfarbig geriet die Suite Nr. 2 aus der "Wassermusik" des Komponisten. Großartig: das feinsinnige Horn von Daniel Adam. Auch bei Marc-Antoine Charpentiers strahlendem Prélude aus seinem Te Deum, besser bekannt als Eurovisionsmusik, waren die Bläser in ihrem Element, genauso wie in Georg Philipp Telemanns "Heroischen Märschen". Arg handfest wirkten dagegen das feine Gewebe von Bachs Kantate "Jesus bleibet meine Freude" und seine zutiefst berührende Aria "Bist du bei mir".
    Feierlich erklang "Oh Haupt voll Blut und Wunden" aus Bachs Matthäus-Passion. Eigens zum Tod von Dieter Lintz hatten die Bläser den Choral ins Programm genommen. Mit Georg Philipp Telemanns "Fanfare" endet wie ein Aufruf zu leben und wohl ganz im Sinne von Dieter Lintz das Konzert.

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  • 10.08.2014 Trierischer Volksfreund

    Sternenrausch und musikalischer Goldregen

    (Trier) Funkelnder Klang und unbändige Spiellust ließen über 600 Zuhörer beim Mosel Musikfestival jubeln. Weltstar Simone Kermes und die Lautten Compagney Berlin rissen ihr Publikum in St. Maximin von den Sitzen. Das Konzert musste wegen des Wetters aus dem Innenhof des Kurfürstlichen Palais in die ehemalige Trierer Abteikirche verlegt werden.

    Trier. "La Kermes" wird Simone Kermes genannt, und das muss man erst schaffen. In allen Blau-und Türkistönen schillernd steht sie oben auf der Bühne von St. Maximin - ein prachtvoller Vogel mit blonden Locken, hereingeflattert aus einem barocken Schlossgarten. Ach was, geflattert: gestürmt ist sie. Ihr Zorn bricht wie ein Unwetter über das erwartungsvolle Publikum herein mit "Furie terribili", aus Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo.
    Hinreißend anzusehen und natürlich zu hören, ist "La Kermes" in ihrem musikalischen Zorn. Wenn sie singt, kann man getrost Wunderkerzen und Feuerwerkskörper einpacken. In allen Farben glitzert und funkelt ihre Stimme, ist Sternenrausch und Goldregen.

    Explosiv und atemberaubend
    Und das in einer höchst explosiven Mischung. Halsbrecherisch sind ihre Koloraturen, wie mit feinen Hämmerchen gemeißelt, die Staccati. In atemberaubende, schwindelnde Höhen führt die Barocksängerin sicher ihre Stimme über die schmalsten musikalischen Stege. Bisweilen wird das zum Extremsport, so wie in der ersten Hälfte des Konzerts, in der sie hörbar gegen das Raumklima ankämpfen muss.
    Das große Drama, ihre unbändige Lust am Spiel, haben sie allerorts berühmt gemacht. Auch das Trierer Publikum jubelt, wenn sie temperamentvoll auf der Bühne das Barock "rockt". Allerdings: Simone Kermes kann auch nach innen glühen. Eine wunderbar leuchtende und warme Cleopatra ist sie in "Se pietà di me non sentí", aus Händels Oper "Julius Cäsar". Begleitet wird sie von der Lautten Compagney Berlin und ihren historischen Instumenten.
    Die Leitung hat Lautist Wolfgang Katschner. Großartige Spiel-Leute sind die Berliner. Ansteckend ist ihre Freude am konzertanten Miteinander, am musikalischen Frage- und Antwortspiel. Am Schlagwerk sitzt Peter A. Bauer. Tiefernst kann seine Trommel grummeln oder aufgeregt zum Krieg rufen. Wahre Schelmenstücke sind seine Soli auf der uralten Maultrommel. Händels Arien präsentieren die Berliner in der instrumentalen Bearbeitung. Einfühlsam übernehmen die Instrumente die Rolle der Stimme. Herrlich leuchtend erklingt: "Ti giurasti aus der Oper Il Trionfo del Tempo et del Disinganno". Dynamisch und mit musikalischer Intelligenz machen die Berliner Geist und Struktur der barocken Musik erfahrbar.

    Wunderbar der Dialog zwischen Streichern und Bläsern in "Haste thee, Nymph". Zu welcher Dynamik die Lautten Compagney in Deutung und Klangfarben fähig ist, wird noch einmal eindrucksvoll deutlich in "Più non cerca libertà" aus der Oper Teseo. Ein wahrhaft strahlender Abend, bei dem sich Sternenglanz mit musikalischem Wetterleuchten abwechselen. er

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  • 08.08.2014 Trierischer Volksfreund

    Wenn die Seele schreit und die Absätze knallen

    (Trier) Rafael Seguras und seine Compania Flamenca haben beim Mosel Musikfestival für mitreißende Momente im Innenhof des Kurfürstlichen Palais gesorgt. Das begeisterte Publikum erlebte beim Open-Air-Konzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals eine spanische Nacht voll Feuer und Gefühl.

    Trier. Es war vielleicht nicht der feurigste, aber der bewegendste Augenblick des Abends: Ein paar harte aufrührerische Gitarrenakkorde rufen zum Kampf. Dann hebt Rafael Seguras raue Stimme zur sehnsüchtigen Klage an. Ganz tief aus dem Innern bricht sich dieses Wehklagen Bahn, in dem sich das ganze uralte Leid der Zigeuner ausdrückt, ihre endlose Geschichte von Tod, Verfolgung und Heimatlosigkeit.
    Der in Zürich lebende Sänger und Percussionist ist ein Vertreter des "Flamenco puro". Den spanischen Exportartikel, die Touristenattraktion aller andalusischen Nächte, will er zurückführen auf ihre Grundsubstanz, ihre Herkunft aus den armen Quartieren der Zigeuner in Selliva, Jerez und Cadiz.

    Intime Atmosphäre

    Zum Mosel Musikfestival ist der gebürtige Andalusier mit seiner Compania Flamenca gekommen. Zur Truppe gehört auch der eindrucksvolle Gitarrist Juan Ramón Caro. Die Nacht ist warm. Und wenn sie schon nicht ganz mit den andalusischen Temperaturen mithalten kann, so hat sie mit ihnen doch den tiefblauen Himmel gemein. Der intime Innenhof des Kurfürstlichen Palais in Trier und die kleine Bühne darin vermitteln genau jene private Atmospähre der geschlossenen Höfe und "Cafés cantantes", in denen der Flamenco zu Hause ist.
    Nicht nur die Stimmen klagen an diesem Abend. Flamenco-Tänzer sprechen mit ihrem ganzen Körper. Feurig, wütend, leidenschaftlich geht es zu. Die Absätze knallen auf den Boden, immer schneller werden die Bewegungen, angefeuert vom rhythmischen Klatschen der restlichen Truppe und dem musikalischen Trommelfeuer der Gitarren.

    Herausragender Tänzer

    Um sein Leben scheint Iván Alcalá zu tanzen. Der junge Spanier ist der herausragende Tänzer des Abends. Hochexpressiv und vielfältig ist seine Körpersprache. Was in der Musik an Freude, Schrecken und Magie, an Abgründen, Sehnsucht und Verzweiflung steckt, übersetzt er mit jeder Faser seines Körpers in Geste und Bewegung. Wenn er so am ganzen Körper zitternd dasteht, mit langen Haaren und blassem Gesicht, gleicht er einem Besessenen, in den die Musik wie ein Geist gefahren ist. Launig führt Seguras durchs Programm, das die ganze Vielfalt des Flamencos spiegelt. Lange schon war der Flamenco ein Crossover der Kulturen, bevor es überhaupt den Begriff gab. Nicht nur Trauriges hat diese Kultur zu bieten. Mit der "Alegría", der heiteren Seite des Flamencos, die in der spanischen Stadt Cadiz beheimatet ist, wird es dann mit den drei Tänzerinnen in den mit Rüschen besetzten Röcken kokett, komisch, sogar handfest derb.
    Diesen zweiten Teil des Abends hatte Juan Ramón Caro mit einem wunderbar nachdenklichen Gitarrensolo eingeleitet. Trotz feuriger Tänze zeigte sich einmal mehr: die Seele des Flamencos ist der Gesang. Mehr als 400 Gäste waren begeistert. (Eva-Maria Reuther)

     

  • 04.08.2014 Trierischer Volksfreund

    Bach, der Blues und die Samba

    (Trier) Was verbindet Barockmusik von Johann Sebastian Bach mit Tango, Blues und Jazz? Der Perkussionist Peter Sadlo hat bei einem Open- Air-Konzert des Mosel Musikfestivals im Hof des Kurfürstlichen Palais in Trier die Antwort gegeben: Es ist der besondere rhythmische Groove. Rein auf Schlaginstrumenten eröffneten der Virtuose und vier Begleiter ungewohnte Klangwelten.

    Trier. Ein warmer Sommerabend und das besondere Ambiente historischen Gemäuers - das weckt Lust auf feurige Rhythmen. Und die gibt es dann auch satt beim Open Air des Mosel Musikfestivals im Innenhof des Kurfürstlichen Palais - wenn auch etwas anders, als es das zuletzt allerorten von brasilianischen Fußball- WM-Soundtracks umspülte Ohr gewöhnt ist. Der zu den weltweit bedeutendsten Solo-Schlagzeugern zählende Nürnberger Perkussionist Peter Sadlo und vier Freunde aus der Schlagzeug-Zunft haben gleich zum Einstieg Barockmusik mitgebracht, das Preludio aus der Partita für Violine solo Nr. 3 E-Dur von Johann Sebastian Bach.

    Die Violine hat in ihrer Version jedoch ausgedient, stattdessen klingen Vibrafon, Marimba, Bongos, Schlagzeug, verschiedene Percussion-Instrumente und Marimba-Keyboard. Sie erzeugen einen temporeichen, quirligen Rausch glockiger, erdiger und metallischer Töne, die sowohl die mathematisch-rhythmische Ordnung der Bach\'schen Komposition als auch deren eingängige Melodie in ein modern-unterhaltsames Format übersetzen.
    Angesichts des großen Arsenals an Schlaginstrumenten überrascht es, wie melodisch und wie wenig laut sich diese Musik anhört. Sadlo, der unter anderem Solopauker bei den Münchner Philharmonikern, Schlagzeug-Professor in München und Salzburg war, hat noch mehr Bach-Stücke im Programm. Das entspricht dem Schwerpunkt "Barock" des Mosel Musikfestivals 2014, aber auch einer persönlichen Leidenschaft des Mannes, der nach eigenem Bekunden schon als Kind "Bachs Groove" schätzte.
    Das Spannendste ist die Variation über die Fuge C2. Hier nämlich weicht die sonst eher gefällig-melodische einer das Hauptmotiv rhythmisch verfremdenden Formensprache. Das Ergebnis hört sich an wie ein virtuos improvisiertes, sich ekstatisch steigerndes Schlagzeug-Solo, bei dem Sadlo als besonderen Effekt rhythmischen Gesang durch ein Megafon einsetzt. Die eigentliche Überraschung des Abends aber ist, in welche Zusammenhänge Sadlo und seine internationalen Kollegen Claudio Estay, Kiril Stoyanov, Simone Rubino und Samuel Wooten den Klassiker Bach betten. Sie umgeben ihn mit zwei weichen und verschmitzten Bluestiteln auf Vibrafon und Marimba, einem melancholischen argentinischen Tango oder dem als temperamentvolle Samba-Nummer interpretierten Jazz-Stück "Spain" von Chick Corea.

    Rhythmen gehen ins Blut

    In der Publikumsgunst ganz oben landet ein Arrangement von Kiril Stoyanov. Darin führt er ein Madrigal und einen Tanz aus seiner bulgarischen Heimat zusammen. Die folkloristischen Rhythmen gehen den Zuschauern sichtlich ins Blut. Für Furore sorgt auch Stoyanovs Solo auf einer Trommel, die in Bulgarien den "Trotteln" (musikalisch nicht so Begnadeten) zugeordnet wird, hier aber herausragende Akzente setzt. Am Ende gibt es viel Applaus für ein kurzweiliges Sommerabendvergnügen, das Grenzen zwischen klassischer und moderner, ernster und unterhaltender, improvisierter und folkloristischer Musik so leichthändig wie humorvoll verwischt hat.

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  • 01.08.2014 Trierischer Volksfreund

    Blech von Bach bis Basin Street

    (Trier) Die "Toccata" wird zum Blues, "The Saints" zum "Halleluja": Wenn das Rennquintett loslegt, fließen Musikstücke und Stile ineinander. Mit ihren extravaganten Arrangements und ihrem Mix aus Klassik und U-Musik haben die fünf Blechbläser ihre 400 Zuhörer beim ersten Open-Air-Konzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals im Kurfürstlichen Palais mitgerissen.

    Trier. Drei Töne - Bachs "Toccata" ist unschwer zu erkennen. Mit Luft erzeugt, stammen die Klänge jedoch nicht von einer Orgel, sondern von fünf Blechbläsern. Die Tuba (Ralf Rudolph) kümmert sich um die Basis, Posaune (Jochen Scheerer) und Horn (Uwe Tessmann) sorgen für die mittleren Lagen, und obendrauf tanzen die Trompeten (Uwe Zaiser und Peter Leiner) mit ihren schnellen, hohen Läufen. Scheinbar ohne Übergang, für die 400 Zuhörer im Innenhof des Kurfürstlichen Palais kaum nachvollziehbar, sind die Musiker des Rennquintetts mitten im "Basin Street Blues". Ganz nach dem Motto "Von Bach bis Blues" lassen sie 250 Jahre auf 2,5 Minuten zusammenschrumpfen.

    "Hummelflug" auf der Tuba

    Immer wieder setzen sich die fünf über stilistische Grenzen hinweg, mischen munter Händel und Gospel zu "The Saints Halleluja". Auf die ersten vier Töne von "Oh when the Saints" folgt das "Halleluja"; mehrmals wechseln die Bläser zwischen den Stücken bis sie zum schallenden Finale. Das alles klingt mühelos und spielerisch - immerhin gibt es das Rennquintett seit 27 Jahren, fast so lange wie das Mosel Musikfestival, bei dem sie regelmäßig zu Gast sind. Und so gerät die Vorstellungsrunde der Musiker äußerst humorvoll. Dabei darf Bachtrompeter Zaiser auf der Piccolotrompete brillieren. Tessmann spielt das Rondo von Mozart für Horn und Streich-… - ähm - Rennquartett, wie Conférencier Leiner sagt. Und Rudolph übernimmt beim "Hummelflug" das Thema - auf der Tuba. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Ausmaße ein Insekt haben muss, das so tief brummt.

    Das Rennquintett beantwortet auch die nie gestellte Frage: Was wäre wenn … Johann Sebastian Bach das Münchener Volkslied "Solang der alte Peter" neu arrangiert hätte? Es würde festlich klingen, hätte aber auch leise, gefühlvolle Passagen. Mozart hätte es, mit vielen Verzierungen gespickt, verspielt komponiert, während Wagner ihm eine dramatische Note verliehen und Strauss einen Walzer daraus gemacht hätte. Wie so was klingt? Abgefahren! Besonders, weil das Rennquintett noch eine Schippe drauf legt und eine Avantgarde-Version hinterherschickt: dissonant, mit kratzenden, schrillen Tönen und Geräuschen, bevor das Stück zum bayerischen Schunkellied verkommt.
    Zu einem bunten Mix gerät auch Schostakowitschs Walzer, in den Rudolph unter anderem Schunkler, Schlager und ein Stück aus dem "Dschungelbuch" hineinarrangiert hat. "That\'s a plenty" spielen die fünf als Zugabe, den Zuhörern reicht‘s noch nicht an diesem lauen Sommerabend. Und so spendieren die Musiker ihnen eine sinfonische Version des Beatles-Hits "Yesterday". Denn klassisch ist, so Leiner, was bleibt.

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  • 28.07.2014 lokalo.de

    Blattgold für und in der Glockengießerei

    SAARBURG. Was haben Thomas Hammes, Karl-Heinz Steffens und Marion Eckstein gemeinsam? Sie stammen alle von der Mosel und haben als Musiker international Karriere gemacht. Und sie waren alle schon Gast beim Mosel Musikfestival. In Saarburg konnte man nun eine Musikerin erleben, die sich auf denselben Weg gemacht hat.

    Von Gerhard W. Kluth

    “Das Mosel Musikfestival ist nicht nur eine Bühne für die ganz großen Musiker. Immer wieder laden wir auch Künstler ein, die von der Mosel aus in die Welt gezogen sind, um ihren Weg zu machen. Sie sind uns herzlich willkommen und können bei uns zeigen, was aus ihnen geworden ist.” Mit diesen Worten begrüßte Hermann Lewen, Intendant des Festivals das Publikum in der KulturGießerei Saarburg, der ehemaligen Werkstatt der Glockengießerei Mabilon, die sich in den letzten Jahren zu einem veritablen Kulturzentrum entwickelt hat. Die Atmosphäre, die sich hier dem Konzertbesucher bietet, hat ihren ganz eigenen Charme. Man hat den Eindruck, als seien die Arbeiter gestern noch hier gewesen und haben Glocken für eine Kirche gegossen. Ein wenig ist es auch morbide, wenn man sich die Wände mit dem teils fehlenden Putz ansieht oder die abgenutzten Werkbänke. Es wirkt echt und ansprechend. Unterstützt wurde die vorhandene Stimmung noch durch die Beleuchtung, mit der Artur Feller, technischer Mitarbeiter von Lewen, gekonnt Akzente gesetzt hatte. So hatte er in den alten Schmelzofen einen roten Scheinwerfer gesetzt, wodurch man den Eindruck bekommen konnte, da wird gerade Kupfer und Zinn zu Glockenbronze verschmolzen. Ein wenig ist auch noch der Geruch einer Werkstätte in der Luft. Optimale Voraussetzungen also, dem Motto des diesjährigen Festivals, “mit allen Sinnen”, gerecht zu werden.

    Von der Mosel nach Berlin

    Eingeladen hatte das Festival in Kooperation mit der KulturGießerei das Klarinettenquartett Blattgold aus Berlin. Um das voraus zu schicken: Es hatte sich auf jeden Fall gelohnt, dieses Ensemble zu engagieren, denn die vier jungen Musiker präsentierten sich als ein reifer und hochtalentierter Klangkörper. Bezugspunkt zur Region aber war Frederike Roth, die zusammen mit ihren Partnern Evelin Achtenhagen, Benjamin Hummel und Hanno Pilz angereist war. Roth wurde in Bernkastel-Kues geboren und hat von dort aus, unter anderem mit dem ersten Bundespreis beim Wettbewerb “Jugend musiziert” und als Mitglied im Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, ihre Karriere begonnen. Dieser Weg führte sie nach Berlin, wo sie 2009 das Blattgold Quartett mit begründete. Roth sorgte dafür, dass dieses Konzert eine ganz persönliche Note bekam. So war unter den Konzertbesuchern auch Ulrich Junk, Roths erster Klarinettenlehrer. Es war ihm schon ein wenig der Stolz anzumerken, als er erleben konnte, was aus seiner ehemaligen Schülerin geworden ist.

    Fliegende Bälle

    Was Roth und ihre Partner zu bieten hatten, konnte sich mehr als nur sehen lassen. Kammermusik ist die Königsklasse im klassischen Genre. Das gilt für ein Streichquartett, das sich mit Beethoven oder Haydn beschäftigt, ebenso, wie für ein Klarinettenquartett, das Kompositionen des Zeitgenossen Willy Mortier oder von George Gershwin spielt. Es kommt wesentlich auf das Zusammenspiel an. Auf das aufeinander zugehen, sich ergänzen. Die Musik ist oftmals ein Dialog zwischen den Instrumenten. Ein nebeneinander her spielen geht nicht. Blattgold wurde dieser Aufgabenstellung überzeugend gerecht. In der Niagara Jazz-Suite von Mortier, in den “Three Préludes” von Gershwin und auch in der Bearbeitung der „Rhapsody in Blue“ flogen die Bälle nur so hin und her. Es war ein gemeinsames Spiel, bei dem jeder jeden im Blick hatte und alle zusammen die Musik.

    Ein beschnittener Bach

    Der erste Teil des Abends war Johann Sebastian Bach gewidmet. Seine “Goldberg-Variationen”, BWV 988, hat Blattgold sich, soweit es denn möglich war, für Klarinettenquartett eingerichtet. Ein Versuch, den schon viele andere Musiker für viele andere Instrumentengruppen unternommen haben. Technisch gesehen meisterte Blattgold die Aufgabe vielleicht nicht mühelos, aber doch glänzend. Ob sich eine Klarinette für die barocke Klangsprache eignet, ist eine reine Geschmacksfrage. Ein wenig war diese Klangwelt schon gewöhnungsbedürftig. Wenn man sich aber darauf einließ, konnte man durchaus viele Aspekte, viele Nuancen entdecken, die das Ganze sehr reizvoll machten. Weniger erfreulich jedoch war, dass Blattgold nahezu alle Wiederholungen, die Bach in seinen Variationen vorgesehen hat, wegließ. Damit beraubte das Quartett die Komposition um sehr wertvolle Teile, die gerade in der Barockmusik wichtig sind. Gerade bei Bach gibt es nichts, was er ohne tiefen Hintergrund geschrieben hat. Alles hat seinen Sinn, gehört dazu. Natürlich wäre der Abend mit den Goldberg-Variationen im vollen Umfang zu lang geworden. Es ist die Frage, ob dieser Umstand ausreicht, einzelne Kompositionen zu beschneiden. Insgesamt war es ein schöner und sehr erfolgreicher Abend, wie die Zustimmung des Publikums zeigte. Erfolgreich für Blattgold, das Festival und für die KulturGießerei.

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  • 22.07.2014 lokalo.de

    Musik eines virtuosen roten Priesters

    BERNKASTEL-WEHLEN. Einen italienischen Abend veranstaltete das Mosel Musikfestival, bei dem es zwar keine Pasta oder Pizza gab, dafür aber Musik von Antonio Vivaldi. Interpretiert wurde es stilgerecht vom venezianischen Ensemble Venice Baroque, das das Temperament der Lagunenstadt an die Mittelmosel brachte.

    von Gerhard W. Kluth

    Vivaldi wurde 1678 in Venedig geboren. Sein Vater war Barbier und spielte im Orchester der Kathedrale von San Marco Violine. Sein Leben lang hatte Vivaldi gesundheitliche Probleme. Er litt an einer chronischen Krankheit, wahrscheinlich Herzschwäche oder einer Form von Asthma. Sein musikalisches Talent trat früh hervor. Schon als Kind sprang er gelegentlich im Orchester von San Marco für seinen Vater ein. Hier geriet er auch in den Zauberbann venezianischer Musik, die ihn später bei seinen eigenen Kompositionen so sehr beeinflussen sollte. Im Alter von 14 Jahren trat Vivaldi in die Priesterlaufbahn ein, für die ihn der Vater bestimmt hatte. Mit 25 wurde er zum Priester geweiht. Zu seinen Hauptpflichten gehörte das Zelebrieren der Messe, wobei er jedes Mal fast eine Stunde lang singen musste. Wegen seiner Erkrankung gab er diese Tätigkeit nach einem Jahr wieder auf.

    Von weitaus größerem Interesse war für ihn seine Tätigkeit als Violin-Lehrer am Ospedale della Pietà in Venedig, in dem verwaiste und unehelich geborene Mädchen erzogen wurden. Vivaldi brachte ihnen das Geigenspiel bei. Er komponierte auch neue Stücke, die die Mädchen einmal die Woche bei ihren Konzerten vortrugen. Wahrscheinlich sicherte ihm seine Priesterwürde diese Tätigkeit, da man von einem Priester erwartete, dass er die Grenzen der Schicklichkeit wahrte. Vivaldi verbrachte 12 glückliche Jahre am Ospedale. Den jungen Mädchen gefiel seine galante, charmante Art, und da von Natur aus extrovertiert, genoss Vivaldi seinerseits die Aufmerksamkeit, die ihm entgegengebracht wurde. Der Spitzname “Roter Priester” passte nicht nur zu seiner Haarfarbe, sondern auch zu seinem sprühenden Temperament. Die Konzerte, bei denen er seine Kompositionen dirigierte, waren musikalische Höhepunkte im venezianischen Kulturleben. Kaum ein Besucher der Stadt ließ sich ein Vivaldi-Konzert entgehen. Und heute?

    Lange Zeit war die Musik des Venezianers bis auf wenige Ausnahmen nicht sehr geschätzt. Die Anzahl der von ihm verfassten Concerti ist gewaltig, jedoch waren viele Musikfreunde der Meinung, dass sie alle zu ähnlich seien. Nicht selten bekam man zu hören: wenn du ein Violinkonzert von Vivaldi kennst, kennst du die anderen auch. Das aber stimmt nicht. Zumindest stimmt es heute nicht mehr, wie man jetzt beim Mosel Musikfestival im Kloster Machern erleben konnte. Zu Gast waren das italienische Ensemble Venice Baroque und der Geiger Giuliano Carmignola. Auf ihrem Programm fanden sich ausschließlich Werke von Vivaldi. Zwei Concerti und eine Sinfonia für Streichorchester sowie fünf Konzerte für Solo-Violine und Streicher. Vor fast ausverkauftem Haus zeigten die Italiener, wie quicklebendig und vor allem auch wie abwechslungsreich die Werke des roten Priesters sind.

    Auch bei diesem zweiten Konzert im Festsaal des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters herrschten tropische Temperaturen, verbunden mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Aber auch ohne diese Umstände kam man, wenn man die Musiker beobachtete, leicht ins Schwitzen. Die Virtuosität, mit der sie bei den Ecksätzen zu Werke gingen, war schlicht atemberaubend. Sie zauberten dabei Klänge aus ihren historischen Instrumenten, die staunen machten. Nichts mehr von der gleichförmigen Art, wie man es von früher gewohnt war. Wo jedes Motiv in der immer gleichen Art gespielt wurde. Hier konnte man erleben, was Klangrede im Barock ist. Dann gab es aber auch die langsamen Sätze, die fast schon poetisch waren.

    Bei Venice Baroque konnte man auch erleben, was denn das italienische Temperament ist. Ganz besonders galt das für den zweiten Teil des Abends, bei dem der Zyklus „Die vier Jahreszeiten“ auf dem Programm stand. Da gingen an manchen Stellen Carmignola schon ein wenig die Pferde durch. Wenngleich seine Technik bewundernswert ist, es einem schwindlig werden konnte, wenn man seine Finger beobachtete, gab es doch ein paar Stellen, die von sich aus belegten, dass es hier des Guten zu viel war. Wenn bei einer Geige die Töne nicht mehr richtig ansprechen, weil der Akteur nur noch über die Saiten huscht, dann sollte die Frage nach dem Tempo gestellt werden. Andererseits aber war es eine große Freude, zu sehen, wie sich Ensemble und Solist gegenseitig anfeuerten und ihre Begeisterung für die Musik scheinbar keine Grenzen kannte. Der Winter in den vier Jahreszeiten brachte keinerlei Abkühlung. Das aber schmälerte die Begeisterung, mit der sich das Publikum bei den Akteuren bedankte, kein bisschen. Recht so.

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  • 21.07.2014 Trierischer Volksfreund

    Mal leicht, mal dramatisch und virtuos

    (Kloster Machern) Das Venice Baroque Orchestra und der italienische Geiger Giuliano Carmignola haben im Barocksaal des Klosters Machern gespielt. Auf dem Programm standen ausschließlich Stücke von Antonio Vivaldi, darunter die Vier Jahreszeiten.

    Kloster Machern. Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, strahlt nach dem Konzert des Venice Baroque Orchestra und des italienischen Geigers Giuliano Carmignola übers ganze Gesicht. "So etwas erlebt man nicht alle Tage", ruft er spontan. Tatsächlich haben die 250 Zuschauer im Barocksaal des Klosters Machern ein bemerkenswertes Konzert gehört, bei dem ausschließlich Stücke aus der Feder des Barockkomponisten Antonio Vivaldi gespielt worden sind. Oder sind es doch zwei Konzerte gewesen? Das 14-köpfige Venice Baroque Orchestra zuerst ohne und anschließend mit Giuliano Carmignola? Denn als dieser in das Konzert einsteigt, ändert sich der Charakter der Musik vollkommen. Carmignola gilt als einer der führenden Barockgeiger und einer der derzeit besten Interpreten für Stücke von Antonio Vivaldi.
    Alleine spielt das Venice Baroque Orchestra leicht, locker und dennoch gekonnt. Die Streicher, unterstützt von Laute und Cembalo, bauen immer wieder mit einer spielerischen Leichtigkeit die Spannungsbögen in der Musik auf, als ob es das Einfachste auf der Welt wäre. Mal ein wenig beschwingt, mal ein bisschen sentimental und dann wieder imposant und kraftvoll treten sie auf. Die Musiker bilden ein harmonisches Kollektiv. Ihnen ist anzumerken, wie gut sie aufeinander eingespielt sind.
    Doch als Carmignola zum Orchester auf die Bühne tritt, wirken die Musiker auf einmal gespannt und hochkonzentriert. Carmignola übernimmt als Solist die Führung des Konzerts, der die anderen Musiker antreibt. Immer wieder stampft er mit dem Fuß auf den Boden und gibt auch schon mal die Einsätze vor wie ein Dirigent, um dann selbst in die Musik einzusteigen. Carmignola wirkt dabei wie eine Diva mit Geige.

    Doch es ist eine Diva, die mitreißt und die mit einer Virtuosität spielt, die ihresgleichen sucht. Dabei scheint jede Note, die er einmal in Begleitung des gesamten Orchesters, dann wieder nur untermalt von dem tiefen Brummen eines Cellos, aus seiner Geige hervorzaubert, etwas Bedeutungsschweres auszustrahlen. Wohl selten haben die Besucher die Vier Jahreszeiten mit einer solchen Dramatik gehört, wie sie Carmignola im Kloster Machern spielt.
    Erst gegen Ende des Konzerts löst sich die Spannung bei den Musikern, zeigt der italienische Geiger auch mal ein Lächeln. Zwei Zugaben und lang anhaltender Applaus beenden ein außergewöhnliches Konzert. cst

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  • 21.07.2014 Trierischer Volksfreund

    Ausdrucksstarkes Geburtstagskonzert

    (Klausen) Geburtstag im Hause Bach, so war das Konzert des Mosel Musikfestivals überschrieben, das in der Wallfahrtskirche aufgeführt wurde. Eingerahmt in die Stücke seines Vaters waren die Sinfonie in h-Moll und das Orgelkonzert in Es-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach. 120 Zuhörer waren zur Veranstaltung gekommen.

    Klausen. Emotionale Wechsel und persönlicher Ausdruck, das zeichnet die Hamburger Symphonien aus, die Philipp Emanuel Bach geschrieben hat. In Klausen konnte man zwei seiner ausdrucksstarken Stücke hören. Anlass war sein 300. Geburtstag.
    120 Besucher waren aus den Kreisen Daun, Wittlich, Trier und auch aus dem Saarland in die Wallfahrtskirche gekommen, um die Camerata Cusana und Josef Still an der Rieger-Orgel mit Vater und Sohn Bach zu hören. Schnelle energische Passagen wechselten sich in der h-moll Symphonie mit zarten Teilen abrupt ab, so dass ein Kontrast entsteht, der für die Zeit in der sie komponiert worden ist (ab 1768), sehr kühn war.
    Das Ensemble Camerata Cusana arbeitete diese Wechsel heraus, und harmonierte sehr gut mit dem Trierer Domorganist Josef Still an der Rieger-Orgel, trotz der schwierigen akustischen Verhältnisse in dem gotischen Bau, der einen großen Nachhall hat. Beim Orgelkonzert in Es-Dur von Philipp Emanuel Bach spielte der Domorganist eine nicht komponierte Kadenz, die das Stück hervorragend ergänzte.

    Die Besucher honorierten die Leistung der Musiker mit lang anhaltendem Applaus. Familie Moser, die seit zehn Jahren immer wieder beim Festival zu Gast ist, sagt: "Es war eine gute Leistung des Laienorchesters, gerade weil die Orgel auch sehr weit weg ist von den Musikern." Magdalena Weber aus Föhren hat das Konzert sehr gut gefallen. Sie berichtet: "Josef Still hat sehr virtuos gespielt. Das Konzert hat mich sehr berührt."
    Der Intendant des Mosel-Musikfestivals Hermann Lewen erklärt: "Dieses Konzert spiegelt die Philosophie des Festivals wider, nicht nur exzellente Musiker von außen dabei zu haben, sondern auch regionale gute Ensembles an kulturhistorischen Orten."
    Vor 20 Jahren gab es schon einmal einige Konzerte in der Wallfahrtskirche Klausen, damals sang unter anderem der Dresdener Kreuzchor in der Kirche.
    chb

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  • 21.07.2014 Lëtzebuerger Journal

    Ein goldenes Jubiläum

    Trierer Friedrich Spee Chor feiert sein 50-jähriges Bestehen mit großer Musik
    In Kooperation mit dem Mosel Musikfestival lud der Trierer Friedrich Spee Chor zu einem festlichen Konzert, das am Ende mit stehenden Ovationen bedacht wurde. Die Zugabe aber, der Choral „Nun danket alle Gott“, zeigte einen wesentlichen Charakterzug der Veranstaltung auf. Demut und Dankbarkeit.

    Auf vielen Bühnen daheim
    „50 Jahre ist ja eigentlich gar nichts für einen Chor.“ Das sagte Klaus Jensen, Oberbürgermeister der Stadt Trier, in seinem Grußwort, als der Spee Chor mit einem großen Festkonzert eben diesen Anlass feierte. 1964 war der Chor von Professor Karl Berg begründet worden und ist seitdem aus dem kulturellen Leben der Stadt und der Region nicht mehr wegzudenken. Alljährlich tritt er mit den verschiedensten Konzerten in Erscheinung und ist auch international auf vielen Bühnen daheim. Wenngleich sich auch so manches weltliche Werk im Repertoire dieses Klangkörpers findet, so ist die sakrale Prägung, die alleine schon der Patron vorgibt, immer ein Kennzeichen der Konzerte gewesen.

    Überragende Fähigkeiten
    Zum Jubiläumskonzert hatte Chorleiter Sebastian Glas dann auch zwei Werke ausgesucht, die sich bestens für einen solchen Anlass eigneten. Zunächst erklang in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin das Te Deum, Opus 103, von Antonin Dvorák, danach die Sinfonie-Kantate „Lobgesang“, Opus 52, von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beides äußerst klangstarke, sinfonisch geprägte Kompositionen mit tiefem religiösen Hintergrund. Das viersätzige Te Deum entstand zur 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas, mit dem Lobgesang wurden 400 Jahre Buchdruckerkunst gefeiert. Beides also Jubelmusik im besten Sinne, die aber nicht die Dankbarkeit und die Demut außen vor lässt. Dem Chor zur Seite stand das Philharmonische Orchester der Stadt Trier, das wieder einmal aufzeigte, welch überragende Fähigkeiten es besitzt. Samtige Streicher, die aber auch fulminant auftreten konnten, strahlendes Blech und immer wieder lyrische Holzbläser prägten ein Gesamtbild, das an Geschlossenheit keine Wünsche mehr offen ließ. Auf dieser Basis agierte der Spee Chor, der sich offensichtlich exzellent auf dieses Konzert vorbereitet hatte. Kraftvoll in vielen Passagen, aber, wenn man von ein paar kleinen Spitzen im Sopran absieht, immer homogen, immer kultiviert. Beide Kompositionen werden von so manchem Chor gerne dazu genutzt, der Stimmgewalt freien Lauf zu lassen. Glas, der durch ein sehr klares und fast schon nüchternes Dirigat Chor und Orchester durch die Musik führte, hatte auch diesen Aspekt fest im Griff. So kamen die großen Chöre mit einer vornehmen Erhabenheit daher, die dazu angetan war, die Zuhörer tief zu berühren. Auch bei den Solopartien hatte Glas eine gute Hand bewiesen. Das Te Deum war bei Ursula Thies (Sopran) und dem Bassisten Vinzenz Haab sehr gut aufgehoben und Mendelssohn hätte sich an den Interpretationen durch Thies, Marina Herrmann als zweiter Sopran und dem Luxemburger Tenor Marc Dostert seine helle Freude gehabt. Die Damen strahlten in den Höhen und man mochte dem Komponisten fast einen Vorwurf machen, dass er die Partie des zweiten Sopran nicht weiter ausgebaut hat. Dostert gestaltete seinen Part mit genau der richtigen Menge Dramatik, bei der die Natürlichkeit nicht verloren ging. Haab gestaltete sein „Tu Rex gloriae“ im Te Deum überaus würdevoll und ehrfürchtig. Insgesamt bleibt für das Konzert nur ein Resümee: Besser hätte der Spee Chor sein goldenes Jubiläum nicht feiern können.

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  • 21.07.2014 lokalo.de

    Musik, die nicht zum Einschlafen gedacht ist

    ÜRZIG. 34 verschiedene Spielorte weist der Katalog des Mosel Musikfestivals in diesem Jahr aus. Kirchen und Klöster, ehemalige Synagogen und Innenhöfe für die Open-Air Veranstaltungen sind vertreten. Und seit einigen Jahren auch immer wieder einmal Weingüter. In Ürzig allerdings konnte man jetzt einen besonderen Abend erleben, der etwas aus dem Rahmen fiel.

    Konzerte veranstalten ist heute nicht mehr ganz so einfach, wie es früher einmal war. Ab und zu muss man sich schon etwas einfallen lassen, um das Publikum zu locken. Außergewöhnliche Programme können da eine Möglichkeit sein oder auch außergewöhnliche Spielstätten. Die Goldberg-Varationen, BWV 988, sind etwas Besonderes, aber sie sind im Rahmen eines Musikfestivals nichts Außergewöhnliches. Es sei denn, sie werden in der Produktionshalle eines Weingutes gespielt und den Konzertbesuchern wird als Sitzgelegenheit ein Möbel angeboten, das man normalerweise eher vom Strand kennt. „Bach im Liegestuhl“ hieß das Konzert, zu dem das Mosel Musikfestival in Kooperation mit dem Weingut Rebenhof eingeladen hatte. Solistin war die junge armenische Pianistin Lilit Grigoryan.

    Winzer Johannes Schmitz, Inhaber der Rieslingmanufaktur, wie er sein Weingut nennt, hatte keine Mühe gescheut, dem Publikum einen gemütlichen Abend zu bereiten, bei dem es getreu dem Motto des MMF 2014, mit allen Sinnen genießen konnte. Für Auge und Zunge hielt er Feines aus Küche und Keller parat, die Augen wurden durch die Landschaft der Mittelmosel verwöhnt, die ungewöhnliche Bestuhlung sorgte dafür für den körperlichen Wohlfühleffekt und für die Ohren war dann die Pianistin am Flügel zuständig. Bei manch einem der Gäste war dann zu hören, die Goldberg-Variationen seien ja auch als Einschlafmusik von Bach gedacht. Hier aber irrten einige. Die „Aria mit 30 Veränderungen“ wie Bach die Komposition selbst benannt hat, ist im besten Sinne Unterhaltungsmusik für den Grafen Kayserling, der häufiger nicht schlafen konnte und für die durchwachten Nächte Zerstreuung suchte. Den Titel „Goldberg-Variationen“ erhielt das Werk, das Bach als vierten Teil in seine „Clavierübungen“ einreihte, weil der Cembalist des Grafen, der ihm in den schlaflosen Nächten vorspielen musste, Johann Theophilus Goldberg hieß.

    Viele Pianisten haben sich schon des monumentalen Zyklus angenommen, den der Thomaskantor eigentlich für ein Cembalo mit zwei Manualen, also zwei Tastenreihen, konzipiert hat. Das bringt technische Schwierigkeiten mit sich, die nicht zu unterschätzen sind. Da das Klavier nur über ein Manual verfügt, kommen sich gelegentlich die Finger der beiden Hände ganz schön in die Quere. Ein Problem, das man meistern kann, wie in Ürzig Grigoryan unter Beweis stellte. Mit Eleganz und Leichtigkeit ging sie das Werk an, spielte sehr durchsichtig und mit großer Sicherheit. Dadurch gewannen natürlich vor allem die verschiedenen Kanons, mit denen die Variationen durchsetzt sind, die Heiterkeit und der Humor, den Bach hier einbrachte, konnten sich voll entfalten. Insgesamt gestalteten sowohl die Pianistin als auch der Gastgeber einen anspruchsvollen Abend, der dem Festivalmotto in vollem Umfang gerecht wurde. Was will man mehr?

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  • 20.07.2014 Lëtzebuerger Journal

    Officium Finalis im Trierer Dom

    Zum dritten und auch letzten Mal gastierten Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble beim Mosel Musikfestival (MMF) in Trier. Von der Anzahl der Konzertbesucher her war der Abend ein voller Erfolg. Vom Musikalischen her auch?

    Ein Samstagabend bei hochsommerlichen Temperaturen. Auf dem Trierer Domfreihof befinden sich viele Menschen. Sie sitzen bei einem guten Glas Wein und genießen das Leben. Auffällig aber ist, dass die Türen zur Kathedrale geöffnet sind. Ungewöhnlich zu so später Stunde. Das Mosel Musikfestival (MMF) hat eingeladen und als Intendant Hermann Lewen die Konzertbesucher begrüßt, steht er vor einem vollbesetzten Dom. Es ist die letzte Möglichkeit, wie es im offiziellen Werbetext für das Konzert heißt, die magischen Klangmomente der Kooperation zwischen dem Saxophonisten Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble zu erleben. Grund hierfür ist, dass das Vokalensemble aufhört. 1974 hatte sich das Quartett gegründet und nun beschlossen, von der Bühne abzutreten. 1994 traten sie erstmals mit dem norwegischen Jazzmusiker zusammen auf und stürmten damit die Charts.

    Brüchige Stimmen

    Kein Zweifel, als Garbarek und Hilliard vor 20 Jahren mit ihrem Programm „Officium“ an die Öffentlichkeit traten, haben sie ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Das Zusammenführen alter liturgischer Gesänge mit der Improvisation auf einem Saxophon war neu und eröffnete Klangspektren, die man so noch nicht gehört hatte. Aber schon 2011, als das MMF das Programm „Officium novum“ präsentierte, hatte man doch an so manchen Stellen den Eindruck, es sei der zweite Aufguss. Und heute? Es ist, gerade bei so einem verdienten Quartett wie dem Hilliard Ensemble, sehr schade, wenn man sagen muss, es ist gut, dass sie aufhören. Zu brüchig sind die Stimmen inzwischen geworden, zu oft ging die Intonation daneben. Die Qualität, mit der dieser Klangkörper einst Weltruhm erlangte, sie ist nicht mehr da.

    In seiner Begrüßung sagte Lewen, der Trierer Dom habe auf der Wunschliste des Quintetts für die Abschiedstournee, mit „Officium Finalis“ überschrieben, ganz oben gestanden und dies sei eine Ehre für die Stadt. Ziemlich schnell hatte man aber den Eindruck, es war vor allem die gnädige Akustik, die für diesen Wunsch den Ausschlag gab. Garbarek braucht die Kathedralakustik, damit sich die Klänge seines Instrumentes entfalten können. Und beim Vokalteil deckte sie vieles zu. Hinzu kam, dass der Abend an vielen Stellen zu sehr auf Effekthascherei ausgelegt war. Das Publikum saß in einem dunklen Dom, bei dem nur der Chorraum mit farbigem Licht und Kerzen erhellt war.

    Ein Abendprogramm gab es nicht. Manchmal ließ sich erahnen, dass es wohl Choräle der Ostkirche waren, die dargeboten wurden. Aber gerade bei sakraler Musik ist doch der Text das wesentliche. Er wird vom Klang getragen und unterstützt. Die Klänge allein sind eine leere Hülle. So war denn auch nach einer viertel Stunde Programm deutlich zu merken, dass die Konzentration bei so manchem Zuhörer nachließ. Die gespannte Stimmung konnte nicht gehalten werden und einige verließen auch den Dom.

    Nun könnte man natürlich sagen, es ist eine Abschiedstournee, die man freundlich betrachten sollte. Dagegen aber spricht, dass die Tickets für diesen Abend immerhin auf allen Plätzen 45,- Euro kosteten.

    Auch das ist ein Argument, die Veranstaltung als das zu betrachten, was sie war; ein professionelles Konzert in einem renommierten, internationalen Festival. Und unter diesem Gesichtspunkt konnte man nur zu dem Schluss kommen: Ziel verfehlt und Ansprüche nicht erreicht.

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  • 20.07.2014 Trierischer Volksfreund

    Magische Momente, kraftvolle Musik

    (Trier) Ein spirituelles Klangerlebnis haben das britische Männer-Vokal-Quartett Hillard Ensemble und der norwegische Saxofonist Jan Garbarek 1100 Zuhörern im Trierer Dom bereitet. Das Nachtkonzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals war nicht nur musikalisch ein besonderes.

    Trier. Es ist ein Eintauchen in eine entrückte Welt: Von der stickigen Schwüle einer sommerlich aufgeheizten und selbst um 22 Uhr immer noch geschäftig summenden Stadt hinein in die stille Kühle der Hohen Domkirche. Nur von Kerzen beleuchtet verströmt der erhabene Raum eine mystische Atmosphäre.
    Und plötzlich wird sie hörbar. Ätherische Töne schweben von irgendwoher durchs Gewölbe, schwingen von den Wänden zurück, umfangen die Sinne. Jan Garbarek hat sich mit seinem Saxofon auf Wanderschaft durchs Kirchenschiff begeben, lotet den Klang im Raum aus. Bald ist ein feiner Widerhall auf seine sanften Melodiesequenzen zu hören, ein hymnisches Echo, das ebenfalls aus einer anderen als der weltlichen Sphäre zu kommen scheint. Es sind die Tenor-, Bariton- und Countertenorstimmen der vier Sänger des Hillard Ensembles.
    Zunächst im Raum verteilt gruppieren sie sich später auf der Bühne und stimmen dort geistliche Gesänge an. Sie klingen leise, feierlich und in wohlgesetzter Harmonie. Jan Garbarek improvisiert dazu, mal begleitend, mal in Pausen.

    Er greift sensibel Gesangselemente auf, führt sie fort oder setzt melodische und rhythmische Kontrapunkte, wobei er stets seine räumliche Position wechselt. Es ist, als wohne man einer Liturgie bei, eine ruhige klare Kraft geht von dieser Musik aus. Was da genau gesungen und zelebriert wird, bleibt zwar verborgen, ist aber auch unerheblich. Alles was zählt, ist die magische Spiritualität, die aus dem Zusammenwirken von Stimmen, Instrument und sakralem Raum entsteht.

    Andächtige Stimmung

    In sie versinken die 1100 Zuhörer so, dass man an besonders leisen Stellen eine Stecknadel fallen hören könnte. Zur andächtigen Stimmung trägt auch das Bewusstsein bei, hier einem Abschied beizuwohnen. Vierzig Jahre nach seiner Gründung und 20 Jahre nach dem überaus erfolgreichen Album "Officium" löst sich das Hillard Ensemble in diesem Jahr auf. Für seine Europa-Abschiedstournee hat es sich nur wenige Städte und Sakralbauten ausgewählt. Auf Platz zwei seiner Favoritenliste stand Trier, weil hier das gemeinsame Projekt mit dem Jazzer mehrfach enthusiastisch vom Publikum aufgenommen worden war. Premiere im Rahmen des Mosel Musikfestivals war 1997 in der Basilika. Die Aufführung im Trierer Dom endete mit stehenden Ovationen. ae

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  • 20.07.2014 Trierischer Volksfreund

    Das Gegenteil einer Tenorshow

    (Bernkastel-Kues) Ein ungewöhnliches Ereignis: Der neue Star am Himmel der Wagner-Heldentenöre mit einem zarten Liederabend im kleinen Kloster Machern. Klaus Florian Vogt widerlegte mit Schuberts "Schöne Müllerin" im ausverkauften Haus diverse Vorurteile.

    Bernkastel-Kues. So prächtig kann selbst Festivalintendant Hermann Lewen selten ein Konzert ankündigen: Der Hauptprotagonist des Abends ist soeben am Steuer des eigenen Sportflugzeugs gelandet, kommt direkt von den Schlussproben des Bayreuther "Lohengrin", wohin er auch am nächsten Morgen zurückjettet. Da, das kann Lewen bei der Begrüßung nicht verbergen, sieht sich das Mosel-Musikfestival endlich mal richtig verortet.
    Dann betritt Klaus Florian Vogt die Bühne, blond, langmähnig, gefühlte 1,90 Meter groß. Unwillkürlich macht man sich in seinem Sitz klein, in Erwartung mächtigen Heroen-Getöses und in Sorge um den filigranen Schubert. Und dann kommt alles anders.

    Wer Vogt nicht kennt, würde vermuten, dass er auf der Opernbühne für Tamino und Nemorino zuständig ist, und mitnichten für Lohengrin, Parsifal oder Siegmund. Eine hell timbrierte, lyrische, blitzsauber intonierende Stimme. Anfangs sehr zurückhaltend, fast zaghaft eingesetzt. Unprätentiös, werkdienlich, frei von Allüren. Das Gegenteil einer Tenorshow. Vogts Stimme gilt unter Experten als monochrom, also nicht besonders farbenreich. Das ist nicht anders, wenn er Lieder singt. Sein Gestaltungspielraum ist nicht groß, in der stimmlichen Darstellungskunst kann er mit Größen der Szene wie Christian Gerhaher oder Matthias Goerne nicht konkurrieren. Aber er arbeitet den Charakter und die Stimmungslage des Schubert\'schen Liederzyklus\' sorgfältig und mit wachsender Intensität heraus. Was zögerlich mit "Wohin?" beginnt, mäandert gekonnt zwischen dynamisch und melancholisch, setzt auf starke Kontraste beim Tempo, streift gelegentlich die Grenzen zur Hektik oder zur Larmoyanz, ohne sie zu überschreiten.
    Vogt trifft am besten die sehnsüchtigen, leisen Töne, und wenn er zum Ende hin das Scheitern der erhofften Beziehung zur schönen Müllerin ahnt, dann lässt er die Vergeblichkeit in anrührender Weise durchschimmern. Woran auch der Pianist Jobst Schneiderat einen gebührenden Anteil hat.
    Das begeisterte Publikum erklatscht sich zwei Zugaben, Vogt bedankt sich mit Brahms. Die bayerisch-augenzwinkernde Ironie von "Da unten im Tale" bleibt dabei deutlich blasser als die Innigkeit des "Sonntagsgrußes". DiL

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  • 08.07.2014 Lëtzebuerger Journal

    Intensiver Dialog

    Fulminanter Auftakt des Mosel Musik Festival 2014

    Mit allen Sinnen“ lautet das Motto des Mosel Musikfestivals (MMF) 2014, bei dem der Barock im Mittelpunkt steht. In der Trierer Barockkirche St. Paulin startete das MMF und hatte zum Auftakt ausgewiesene Fachleute als Interpreten verpflichtet.

    Die Suite Nr. 2 in h-Moll, BWV 1067, von Johann Sebastian Bach war gleichsam der Startschuss für das Festival, das bis zum 3. Oktober wieder das musikalische Geschehen an der Mosel dominieren wird. Sie ist bekannt, diese Suite, im Original für Traversflöte und Streicher geschrieben. In Trier erklang sie in einer Version für Blockflöte. Stefan Temmingh hatte dabei diesen Part übernommen in Zusammenarbeit mit Musikern der Akademie für Alte Musik (Akamus) aus Berlin. Mit wunderbarer Leichtigkeit erklangen die Sätze.

    Frische und Lebendigkeit bestimmten das Geschehen auf der Bühne, gerade so, als sei die Musik gerade erst entstanden. Deutlich wurde auch, dass diese Komposition ein Ensemblewerk ist und kein Solokonzert, wie es oftmals dargestellt wird. Anders war es bei Antonio Vivaldis Concerto G-Dur, RV 443, wo Temmingh natürlich eine Solistenrolle hatte.

    Aber auch hier spielte er sich nicht übertrieben in den Vordergrund sondern führte mit den Streichern aus Berlin, deren Führung Konzertmeister Bernhard Forck übernommen hatte, einen intensiven Dialog. Trotzdem aber blieb die atemberaubende Virtuosität Temminghs niemandem verborgen.

    Wilhelm Friedemann Bach war der älteste Sohn des Thomaskantors. Lange Zeit galten viele Werke von ihm als verschollen, bis man sie 1999 in Kiew wieder entdecken konnte. Von ihm stand das Cembalokonzert in f-Moll auf dem Programm, interpretiert von Akamus und der Cembalistin Wiebke Weidanz. In mehrfacher Hinsicht eine glückliche Kombination. Einmal Bach und Weidanz. Der Meister fand in der Solistin eine exzellente Sachwalterin, die äußerst sensibel mit dem Notentext umzugehen verstand.

    Zum anderen auch hier die Kombination zwischen der Solistin und Akamus. Großartig ergänzten sich die Parts und präsentierten einen Gesamtklang, den man nur bewundern konnte.

    Als dritte im Bund der Solisten agierte die Sopranistin Dorothee Mields, die in der Region keine unbekannte mehr ist. Sie brachte Arien von Johann Sebastian Bach und von dessen Freund Gerog Philipp Telemann mit nach Trier.

    Natürlich beeindruckte zunächst einmal die wunderbar schlanke und doch so präsente Stimme Mields. Was aber wirklich in die Tiefe ging, war die Ausdrucksfähigkeit, mit der sie etwa die Arie „Sehet in Zufriedenheit“ aus Bachs Hochzeitskantate „Weichet nur, betrübte Schatten“, BWV 202, und im Kontrast dazu die Arie „Brecht ihr müden Augen“ aus Telemanns Trauerkantate „Du aber, Daniel, gehe hin“, TWV 4:17, erklingen ließ.

    Bei diesem Konzert konnte man am Ende nur eines sagen: Ein großartiger Abend und ein fulminanter Auftakt für das MMF. Kein Wunder, dass am Schluss begeisterter Applaus das Kirchenschiff füllte.

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  • 07.07.2014 Pizzicato

    Stefan Temmingh brillierte beim Eröffnungskonzert des Mosel Musikfestivals

    In der prachtvollen Barockbasilika St. Paulin in Trier wurde am Sonntag das Mosel Musikfestival eröffnet. Auf dem Programm stand Barockmusik mit der Sopranistin Dorothee Mields, dem Blockflötisten Stefan Temmingh und Musikern der Akademie für Alte Musik Berlin. Temmingh riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

    Das Programm mit Barockmusik von Bach, Telemann und Vivaldi hätte keinen passenderen Rahmen finden können als die spätbarocke Pfarrkirche St. Paulin in Trier, deren prachtvolle Innenausstattung von Meisterarchitekten Balthasar Neumann entworfen wurde. Eindrücke von Auge und Ohr wurden in schöner Harmonie zusammengeführt.

    Zur Eröffnung des Moselmusikfestivals 2014 war auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer angereist. U.a. sagte sie in ihrer Rede: « In diesem Sommer steht die Barockmusik im Mittelpunkt. Das passt wunderbar zum Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz, das diesmal ‘Mit allen Sinnen‘ lautet. » Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt das Moselmusikfestival mit stolzen 185.000 Euro.

    Kammermusikalisches Raffinement und virtuoses Spiel kennzeichneten das Programm, das der aus Südafrika stammende Blockflötist Stefan Temmingh zusammengestellt hatte. Auch wenn so manches Detail in der etwas diffusen Akustik der Kirche unterging, und Dorothee Mields Stimme dadurch etwas blass wirkte, gab es viel klangliche Schönheit und Kantabilität zu bewundern. Zumindest, wenn er auf der hellen Sopran-Blockflöte spielte, hatte es Temmingh leichter, der Musik Glanz zu geben. Und seine auf flinker Lippentechnik und reinster Intonation beruhende Virtuosität verfehlte es nicht, das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinzureißen.

    Auch die sichtbar spielbegeisterten Musiker der Akademie für alte Musik aus Berlin hinterließen einen starken Eindruck.

    Das Mosel Musikfestival wartet noch bis zum 3. Oktober mit mehr als 50 Konzerten an 34 Spielorten entlang der Mosel auf.

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  • 07.07.2014 SWR.de

    Gelungener Auftakt in die 29. Saison

    Mit barocker Konzertmusik ist das Mosel Musikfestival am Sonntag in Trier in seine 29. Saison gestartet. Rund 450 Musikfreunde feierten in der Trierer Kirche St. Paulin den Auftakt des ältesten und größten Klassik-Festivals in Rheinland-Pfalz. Freunde klassischer Musik erwartet bis zum 3. Oktober ein buntes Programm.

    In Trier boten im ausverkauftem Haus Sopranistin Dorothee Mields, Blockflötist Stefan Temmingh und Musiker der Akademie für Alte Musik Berlin Klänge von Johann Sebastian Bach bis Antonio Vivaldi. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) betonte, die Konzertreihe sei eines der "ältesten, größten und wichtigsten Musikfestivals im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz".

    Bis zum 3. Oktober wartet die Reihe mit mehr als 50 Konzerten an 34 Spielorten entlang der Mosel auf. Festivalchef Hermann Lewen zeigte sich mit dem Vorverkauf "sehr zufrieden". Mehrere Konzerte seien bereits ausverkauft, mehr als die Hälfte der Festivalkarten vergriffen.

    Ganz besonderes stolz ist Festival-Intendant Lewen darüber, dass er Weltstars, wie den deutschen Tenor Klaus Florian Vogt, an die Mosel locken konnte. Berühmt wurde dieser durch seine Auftritte bei den Wagner-Festpielen in Bayreuth: "Es ist quasi schon eine Sensation, dass er in den Barocksaal nach Kloster Machern kommt. Dieser Saal, der nur 250 Sitzplätze hat. Sicherlich eine einmalige Chance, ihn dort zu erleben."

    Große Stars der Klassikszene in kleinen Sälen nah am Publikum. Das ist der besondere Reiz des Mosel Musikfestivals, so Lewen. "Wir haben an der Mosel sehr viele kleine, feine, wunderbare historische Räumlichkeiten. Und da unterscheiden wir uns sicherlich von anderen Festivals, die große Festspielhäuser haben. Hier erlebt man das alles sehr hautnah, intim und sicherlich auch sehr exklusiv."

    Doch auch die vermeintlich Kleinen, Unbekannten machen den Reiz des Mosel Musikfestivals aus. Schon viele junge Ausnahmentalente waren zu Gast, ehe der Sprung ins große Rampenlicht der internationalen Klassikszene glückte. Der Nachwuchs liegt Intendant Lewen am Herzen - ganz besonders der aus dem eigenen Bundesland: Das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz ist Stammgast beim Mosel Musikfestival.

    Ein Zuschauermagnet sind jedes Jahr die Freiluftkonzerte im Innenhof des Kurfürstlichen Palais in Trier - doch gerade die kleineren Veranstaltungen versprechen den besonderen Aha-Effekt. Wie zum Beispiel Bachs Goldbergvariationen in einem Weingut in Ürzig unter dem Titel "Bach im Liegestuhl" - angelehnt an die Anekdote, dass Bach die Variationen komponierte, um dem sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. das Einschlafen zu erleichtern. "Dort werden wir zwischen den Fässern 70 Liegestühle aufbauen und es wird eine sehr Bach-erfahrene und exzellente Pianistin die Goldberg-Variation spielen. Mal was anderes", schwärmt Hermann Lewen.

    2014 lockte das Festival gut 15.000 Besucher an. Das Budget des Festivals beläuft sich auf rund 940.000 Euro. Träger der Reihe sind die Landkreise, Städte und Kommunen der gesamten Mosel.

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  • 07.07.2014 Trierischer Volksfreund

    Tiefste Innerlichkeit und höchste Ekstase

    (Trier) Mit barocker Kirchenpracht und Musik desselben Zeitalters ist das Mosel Musikfestival 2014 in St. Paulin in Trier eröffnet worden. Die gut 450 Gäste erlebten einen Abend voller Gemütstiefe und virtuoser Klänge.

    Die Engel im prächtigen Kirchenschiff von St. Paulin hatten gut lachen. Schließlich spielen auch sie Musik von Johann Sebastian Bach, wenn sie dem lieben Gott eine Freude machen wollen - das behauptet zumindest der Philosoph Isaiah Berlin. Der Großmeister der Barockmusik stand im Mittelpunkt des festlichen Konzerts zum Auftakt des Mosel Musikfestivals, das sich die Musik des Barock zum Schwerpunkt gewählt hat. Genuss mit allen Sinnen war angesagt, gemäß dem Thema des rheinland-pfälzischen Kultursommers. Genuss gab es dann auch umfänglich. Mit dem Anblick der kirchlichen Pracht verband sich die Musik zum ganzheitlichen Erlebnis barocker Geistes- und Gefühlswelt.

    Spannend und kurzweilig

    "Endlich ist es wieder so weit", freute sich auch die Schirmherrin, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, über den Start des "ältesten, wichtigsten und größten Musikfestivals" des rheinland-pfälzischen Kultursommers. "Das Mosel Musikfestival bringt die Region voran", bestätigte Dreyer und dankte Festivalintendant Hermann Lewen für sein nachhaltiges Engagement. Um Entschleunigung ging es dagegen dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Festivals, Thomas Egger. Ein "Kontrapunkt zur Schnelllebigkeit der Zeit" seien Musik wie Festival, betonte der Trierer Kulturdezernent. Wie schnelllebig seinerzeit das barocke Zeitalter war, mag dahingestellt sein. Kurzweilig war es auf jeden Fall, dazu spannend, zudem voller Brüche und Widersprüche, wie auch das Programm des Abends bestätigte. Als Mischung aus tiefster Innerlichkeit und höchster Ekstase vergegenwärtigten die Musiker der Akademie für Alte Musik Berlin (darunter der vorzügliche Oboist Michael Bosch) und die Solisten eindrucksvoll, was Barock bedeutet. Neben den Kompositionen von Vater Bach enthielt das Programm Werke von Sohn Wilhelm Friedemann, Antonio Vivaldi und Georg Philipp Telemann. Feinsinn, rhythmische Prägnanz und ansteckende Spielfreude zeichnet die Berliner Spezialisten für Alte Musik aus. Das wurde in Johann Sebastian Bachs Suite Nr.2 in h-Moll deutlich. Zudem sind die Berliner, wie gleich zu Beginn die "Ouverture" der beliebten Suite zeigte, Musikanten mit ausgeprägter Lust am musikalischen Dialog.
    Als virtuoser Flötist präsentierte sich Stefan Temmingh in den Tänzen Bourée und Polonaise. Einem antiken Faun gleicht der dunkelhaarige Südafrikaner, wenn er oben auf der Bühne mit seiner Flöte tanzt, sich in ihren Melodien windet und bisweilen gleichsam mit der Musik zum Sprung ansetzt. Wie das Instrument des alten Fabelwesens kann auch Temminghs atemberaubende Flöte betörend singen, locken, träumen, übermütige Purzelbäume schlagen und in wilder Lust rasen.
    Als weitere Solistin trat Dorothee Mields auf. In der etwas schwierigen Akustik der Kirche hatte es der schlanke, reine Sopran der Barocksängerin, die ein hervorragendes Gefühl für das rechte Maß an Verzierungen hat, oft schwer, sich gegenüber dem Orchester und den Instrumentalisten Gehör zu verschaffen. Bestens gelang das Zusammenspiel in der Aria "Schafe können sicher weiden" aus Bachs Kantate "Was mir behagt, ist nur die muntere Jagd". Engelrein stieg die Stimme der Sängerin zum Himmel auf. Warm und tröstlich erklang sie in der Mittellage. Ein Höhepunkt war Wilhelm Friedemann Bachs Konzert für Cembalo, Streicher und Basso continuo in f-Moll. Wiebke Weidanz leichtes, filigranes Cembalospiel - wunderbar nachdenklich im Andante - wies bereits weit hinaus in die feinsinnige Geisteswelt und Tonsprache des Klassizismus. Das Publikum dankte mit langanhaltendem Beifall. Eva-Maria Reuther

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  • 07.07.2014 lokalo.de

    Mit allen Sinnen Musik erfahren

    TRIER. „Endlich ist es wieder soweit!“ Mit diesen Worten begrüßte die Rheinland-Pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Publikum in der Trierer Basilika St. Paulin zur Eröffnung des Mosel Musikfestivals (MMF) 2014. Die Überschrift der diesjährigen Spielzeit lautet „Mit allen Sinnen“ und nimmt besonders das Zeitalter des Barock in den Fokus.

    von Gerhard W. Kluth

    Als das Konzert zu Ende und die Musik von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann und dem ältesten Bachsohn Wilhelm Friedemann verklungen war, konnte man eines mit dem Brustton der Überzeugung sagen: der fulminanteste Auftakt einer Saison seit vielen Jahren. Viele Variationen hat Intendant Hermann Lewen beim MMF schon ausprobiert. Es gab schon Kammermusik und auch schon Sinfoniekonzerte. Alles gleichermaßen beeindruckend, aber das, was der Blockflötist Stefan Temmingh, die Sopranistin Dorothee Mields, die Cembalistin Wiebke Weidanz und die Mitglieder der Akademie für Alte Musik (Akamus) aus Berlin hier boten, war einzigartig. Zugegeben, es ist auch eine Geschmacksfrage, ob man die Barockmusik mag oder nicht. Aber auch, wenn man nicht unbedingt ein Fan dieses Stils ist, den großen Respekt vor alleine schon der technischen Leistung der Musiker konnte niemand verweigern.

    Da gab es zunächst einmal die Orchestersuite Nr. 2 in h-Moll, BWV 1067, des Thomaskantors. Ausgeführt auf der Blockflöte und nicht, wie im Original, mit Traversflöte. Es gibt nicht wenige Musiker, die von dieser Version behaupten, das geht nicht. Temmingh zeigte, dass es geht und wie es geht. Nach dem Konzert meinte er: es ist nicht einfach, aber gerade darum hat es mich besonders gereizt. Sichtbar, oder besser hörbar wurde dabei, dass diese Suite ein Ensemblewerk ist und nicht, wie es oftmals verkauft wird, ein Konzert für Flöte und Orchester. Mit einem perfekten Zusammenspiel deuteten Akamus und Temmingh die Musik aus, ließen den Affekten freien Lauf und versprühten tatsächlich barocke Lebensfreude. Frei von allen romantischen Anwandlungen, mit denen oftmals die langsamen Sätze gespielt werden, interpretierten die Musiker die einzelnen Tänze lebendig und mit viel Esprit. Kein halten für das Publikum gab es natürlich nach der beschließenden Badinerie, dem wohl berühmtesten Satz der Suite.

    Zweiter flötistischer Höhepunkt war das G-Dur Konzert, RV 443, von Vivaldi, das mit so viel überbordender Freude Raum griff, dass es schon nach dem ersten Satz begeisterten Applaus gab. Hierbei handelt es sich tatsächlich um ein Solokonzert. Temmingh verstand sich aber trotzdem als ein Ensemblemitglied, das in einem musikalischen Dialog mit den anderen Musikern stand. Immer wieder spielte er die einzelnen Streicher an. Gerade so, als ob er ihnen ein Argument vorlegte und auf eine Antwort wartete, die dann auch prompt kam. Eine alte Weisheit sagt, dass das Auge immer mithört. Dies galt für dieses Konzert in ganz besonderem Maße. Die Interaktionen zwischen den Akteuren machten das Geschehen bei aller Virtuosität, mit der sie musizierten, zusätzlich noch zu einem Erlebnis. Es war ein leichtes, zu erkennen, wieviel Vergnügen sie an der Musik hatten. Und diese Freude übertrug sich in Windeseile auf die Zuhörer. Joachim Reidenbach, ehemaliger Organist an St. Paulin nannte in der Pause Temmingh einen „Paganini der Blockflöte“.

    Bachs ältester Sohn stellt in der Musikgeschichte ein wenig den Stiefsohn der komponierenden Bachfamilie dar, obgleich er offensichtlich überaus talentiert war. Sein Charakter scheint nicht einfach gewesen zu sein. 1999 fand man in Kiew einen wahren Schatz an Kompositionen aus seiner Feder, der davor als verschollen galt. Hier gibt es also noch vieles zu entdecken und schon deshalb musste man Akamus und der Cembalistin Wiebke Weidanz dankbar dafür sein, dass sie das f-Moll Konzert im Programm aufgenommen hatten. Abgesehen davon aber glänzte Weidanz als eine beeindruckende und technisch sehr versierte Solistin, deren Spiel sich durch grazile Leichtigkeit auszeichnete. Auch hier galt die Zusammenarbeit zwischen Ensemble und Solopart als oberstes Gebot.

    Mit Dorothee Mields hatte das MMF eine Sopranistin verpflichtet, die in der Region keine unbekannte Größe mehr ist. Sie hatte Arien vom Thomaskantor sowie von dessen Freund Telemann in ihrem Reisegepäck. Die Barockmusik will die unterschiedlichsten Gemütsregungen der Menschen ansprechen und dies wurde von Mields in ganz besonderem Maße erreicht, in dem sie thematisch sehr kontrastierende Werke interpretierte. Hier die Arie „Schafe können sicher weiden“ aus der Jagdkantate, BWV 208, oder die Schlussarie aus der Hochzeitskantate „Weichet nur, betrübte Schatten“, BWV 202, dort die Arien „Brecht ihr müden Augen“ aus einer Trauerkantate und „Mein Heiland, Herr und Fürst“ aus der Brockes-Passion von Telemann. Barock mit allen Sinnen erleben heißt auch, mit allen Gefühlen. Mields, mit traumhaft schöner Stimme, wusste die ganze Bandbreite anzusprechen. Hier wurde tatsächlich der ganze Mensch mit all seinen Emotionen angesprochen. Und das Publikum ließ sich ansprechen. Davon zeugte deutlich der jubelnde Applaus.

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  • 23.12.2013 Lëtzebuerger Journal

    Ein zertifiziertes Weihnachtskonzert

    Concerto Köln verzauberte sein Publikum am Sonntagabend

    Traditionell gibt es vom Mosel Musikfestival (MMF) am Ende des Jahres ein Zusatzkonzert außerhalb des Festivalprogramms. Schauplatz in diesem Jahr war mit der Liebfrauenkirche in Trier das älteste gotische Gotteshaus in der Bundesrepublik. Ein wahrlich prachtvolles Ambiente für ein nicht minder prachtvolles Konzerterleben.

    Ein musikalischer Leckerbissen

    Für die Durchführung dieses musikalischen Leckerbissens hatte MMF-Intendant Hermann Lewen niemand Geringeres als das Ensemble Concerto Köln verpflichtet. Ein Orchester, bei dem sich die Fachpresse seit Jahrzehnten mit Lobeshymnen geradezu überschlägt. Zu Recht, wie man feststellen konnte und es ist nur leicht verständlich, warum dieses Orchester von der EU-Kommission zum kulturellen Botschafter der Europäischen Union ernannt wurde.

    Ein leichtes Schmunzeln allerdings konnte man sich nicht verkneifen, wenn man das Programmheft studierte. Dort war zu lesen, dass Concerto Köln weltweit der erste Klangkörper ist, das sich nach der ISO 9001 vom TÜV Rheinland hat zertifizieren lassen. Qualitätsmanagement macht dies möglich.

    Ob nun mit TÜV-Plakette oder ohne, die Musiker unter der Leitung des Flötisten Martin Sandhoff bescherten dem Publikum in der ausverkauften Basilika eine ausgedehnte Sternstunde des Barock. Angefangen bei Evaristo Felice Dall’Abacos Concerto Opus 5,3 über Antonio Vivaldis Mandolinenkonzert D-Dur, RV 93 und Marc-Antoine Charpentiers Suite „Boels pour les Instruments“ bis hin zu Georg Friedrich Händels Konzert für Harfe und Streicher, HWV 294 und Gerog Philipp Telemanns Konzert für Blockflöte, Traversflöte und Streicher war alles dabei, was das Herz eines Freundes der Barockmusik erfreuen konnte.

    Nichts angestaubtes, nichts Altes

    Die leichte und luftige Art, mit der diese Musiker dem Notentext Leben einhauchten, hatte seinen ganz eigenen Reiz. Nicht selten hatte man den Eindruck, die Komposition würde gerade im Moment entstehen. Springlebendig war der Vivaldi, hochaktuell der Händel, dessen Werk in der Fassung als Orgelkonzert bekannter ist. Bei Telemann umtanzten sich die Melodielinien, dass es eine Freude war, ihnen zu folgen. Es gab keinerlei Effekthascherei und gerade deshalb konnte die Musik auf so wunderbare Weise seine Wirkung entfalten. Hier saftig und kraftvoll, dort zart, lieblich und empathisch.

    Bei einem richtigen barocken Weihnachtskonzert darf natürlich das Concerto grosso, Opus 6/8 von Arcangelo Corelli, überschrieben mit „per la notte di natale“ nicht fehlen. Ist doch die finale Pastorale für viele der Inbegriff der instrumentalen Weihnachtsmusik. Häufig wird dieser Satz mit einem überdicken Zuckerguss überschüttet. Nicht so in Trier. Sachlich ging das Ensemble zu Werk und gerade deshalb konnte dieses Largo seine ganze Schönheit entfalten.

    Minutenlanger Applaus

    Wenn das Konzert ein großer Erfolg war, so lag das auch an den beiden Solistinnen. Die Harfenistin Margret Köll und die Mandolistin Anne Torge bezauberten ihr Publikum durch ein Spiel, das sich nahtlos in die hohe Qualität des Orchesters einfügte. Selten hat man eine so aufmerksame Ruhe bei den Zuhörern erleben können. Mit unspektakulärer Virtuosität interpretierten die beiden Musikerinnen Vivaldis und Händels Meisterwerke. Wie sehr alle Akteure die Zuhörer erreicht hatten, zeigte der Schlussapplaus. Minutenlang erfüllte er die Kirche. Als Dank dafür gab es mehrere Zugaben, darunter die berühmte Air aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach. Wie sagte ein Konzertbesucher am Ausgang: „Jetzt kann Weihnachten kommen“.

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  • 23.12.2013 Trierischer Volksfreund

    Perfekte Einstimmung auf die Festtage

    Es gibt viele Möglichkeiten, die richtige Weihnachtsstimmung herbeizuführen. Mit dem Konzert "Festlicher Barock zum 4. Advent" des Ensembles Concerto Köln hat das Mosel Musikfestival rund 450 Gästen ein ganz besonderes Geschenk beschert. Das Publikum bedankte sich am Ende mit lang anhaltendem Applaus.

    Trier. War es nun der Auftakt zu einer neuen Festival-Runde oder der wohlgesetzte Schlusspunkt eines erfolgreichen Jahres? Egal. Als Intendant Hermann Lewen zur Eröffnung des Konzertes wie gewohnt seine Gäste willkommen hieß, konnte er in viele ihm wohlbekannte Gesichter blicken.

    Hektik kontra Besinnung

    Erfreut und dankbar zeigte er sich, dass das Mosel Musikfestival an diesem Abend zum zweiten Mal in der Liebfrauen-Basilika zu Gast sein durfte. Dass er mit den Künstlern des Abends punktgenau den Geschmack der Konzertbesucher getroffen hatte, zeigte das Publikumsinteresse: Sämtliche Plätze in der Liebfrauen-Basilika waren besetzt. Während es draußen vor der Tür am letzten Tag des Weihnachtsmarktes noch einmal so richtig turbulent zuging, machte sich dagegen im Inneren der Basilika eine besinnlich-feierliche vorweihnachtliche Stimmung breit.
    So wie bei Hermann Lewen war auch Domkapitular Hans-Wilhelm Ehlen, Hausherr und Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Liebfrauen, die Freude auf das kommende Konzert förmlich anzusehen, als er bei seiner Begrüßung den Blick über die voll besetzten Bänke schweifen ließ. Man werde an diesem Abend in einem Gebäude Barockmusik hören, das viel älter als der Barock sei, klärte er die Besucher auf.
    Wie hervorragend sich diese Kirche mit ihrer Akustik für die Ausrichtung solcher Konzerte eignet, das konnten die Besucher sodann erleben. Mit dem warmen Klang ihrer Instrumente trugen die 16 Musiker von Concerto Köln gemeinsam mit den Solisten Margret Köll (Harfe) und Anna Torge (Mandoline) ihr Publikum in eine andere Welt. Konsequent blieben sie den Vorgaben der Komponisten treu, selbst bei der Rezitation von Texten, die zwischen den Sätzen von Marc-Antoine Charpentiers Suite "Noels pour les Instruments" in französischer Sprache erfolgte. Neben den großen Komponisten wie Händel, Telemann oder Vivaldi gelangten an diesem Abend Werke von heute weniger bekannten Meistern zur Aufführung. Alles in allem ein wunderbares und stimmungsvolles Konzert, das für viele Besucher die kommenden Weihnachtstage in greifbare Nähe rückte.

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  • 15.12.2013 Trierischer Volksfreund

    Schlank, pointiert, ästhetisch

    Der Luxemburger Musiker Pascal Schumacher ist der diesjährige Preisträger des mit 5000 Euro dotierten JTI Jazz Award. Vor etwa 100 Gästen überreichte JTI-Marketingchefin Heike Lau im Kurfürstlichen Palais die Auszeichnung an Pascal Schumacher.

    Trier. 2010 hatte Thomas Schmitt, damals Vorsitzender des Jazzclubs Eurocore, erstmals zur Verleihung des JTI Jazz Award eingeladen. Im jährlichen Wechsel nahmen fortan internationale und interregionale Künstler die Auszeichnung entgegen. In diesem Jahr ging der Preis erneut an einen internationalen Gast - und Thomas Schmitt saß erstmals gemeinsam mit seiner Frau Brigitte Flügel-Schmitt als normaler Gast im Publikum. Nach 36 Jahren hatten er und seine Frau alle Ämter niedergelegt.

    Weltstars nach Trier gebracht

    Doch Uli Beckerhoff würdigte in seiner Begrüßung die beiden noch einmal: "Ihr habt Weltstars nach Trier gebracht." Auch JTI-Marketingchefin Heike Lau unterstrich, dass es den Award ohne das Ehepaar Schmitt nicht gegeben hätte: "Die haben uns gar keine andere Möglichkeit gelassen!" Peter Kleist vom Saarländischen Rundfunk startete die Laudatio auf Pascal Schumacher. Der sei ein Meister der Abstraktion, bei aller Reduzierung bleibe aber immer noch genügend Raum für Emotionen und hintergründige Wendungen. Kleist sieht Schumacher in der Tradition von Lionel Hampton und Gary Burton, die das Vibrafon im Jazz etablierten. Mit seiner Musik hebe der Preisträger das Instrument aus der Gruppe der Schlaginstrumente und mache es zum Führungsinstrument.

    Mosel Musikfestival übernimmt

    Mit welcher Meisterlichkeit das geschieht, davon konnten sich die Besucher in dem dann folgenden Konzert selbst überzeugen. Begleitet von seiner Band - dem Bassisten Mauro Gargano, dem Pianisten Franz von Chossy und dem Drummer Jens Düppe - stellte Schumacher seinen jungen und frischen Sound vor: schlank, pointiert, ästhetisch, aber auch explosiv-emotional. Eine Musik, die mit ihrer Klangvielfalt und dem Ideenreichtum den Zuhörer einfängt und nicht mehr aus ihrem Bann entlässt. Begeisterter Applaus am Ende des Abends. Für die Künstler, aber auch für eine Neuerung, die Kulturdezernent Thomas Eggers verkünden konnte: Ab dem kommenden Jahr wird das Marketing für diese Veranstaltungsreihe von Hermann Lewen und damit vom Mosel Musikfestival übernommen.

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  • 11.12.2013 Wochenspiegel

    Musikalischer Hochgenuss »mit allen Sinnen«

    Eröffnet wird das Mosel Musikfestival am 6. Juli 2014 standesgemäß in der barocken Pracht von St. Paulin in Trier: Der Blockflötist Stefan Temmingh, die Sängerin Dorothee Mields und Musiker der renommierten Akademie für Alte Musik Berlin entführen in die originale Klangwelt damaliger Zeit. Zu Gehör kommen Glanzstücke barocker und frühklassizistischer Concertokunst von J. S. Bach, C. P. E. Bach, Vivaldi, Corelli und Telemann. Das Eröffnungskonzert wird vom SWR mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt gesendet.

    „Das Mosel Musikfestival ist seit fast 30 Jahren das Festival, zu dem große Künstler in kleine Dörfer kommen“, unterstreicht Intendant Hermann Lewen mit Blick auf die vielfältigen Programm-Highlights des Festspielsommers 2014: Der Tenor Klaus Florian Vogt, Bayreuths „Lohengrin“, ist mit einem reinen Liedprogramm zu Gast. Im Barocksaal Kloster Machern, Bernkastel-Kues, interpretiert er Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ (18.7.). Die Sopranistin Simone Kermes hat sowohl international als auch an der Mosel Kultstatus. Die Künstlerin kommt mit der Lautten-Compagney Berlin zu einem „Koloratur-Feuerwerk“ in den Innenhof des Kurfürstlichen Palais, Trier (8.8.). Der Bratschist Nils Mönkemeyer ist mit Andreas Arend, Theorbe, im Kammermusikabend zu erleben (29.8.), weiterhin geben sich die Sopranistin Nuria Rial in Begleitung der Camerata Köln (7.9.) und die Akademie für Alte Musik Berlin (28.9.) ein Stelldichein.

    „Nah, klein und fein“

    Jan Garbarek und das Hilliard-Ensemble begeisterten in der Vergangenheit immer wieder das Festivalpublikum. 2014 machen sie mit ihrer weltweiten Abschiedstournee „Officium – Finalis“ im Nachtkonzert auch in der Hohen Domkirche zu Trier Station (19.7.).
    Mit dem Ansatz „nah, klein und fein“ legt das kommende Mosel Musikfestival verstärktes Augenmerk auf die Präsentation intimer Konzertkleinode im außergewöhnlichen Ambiente. Mit der Vinothek des Weingutes Markus Molitor (30.8.) und dem Garten des prächtigen Weingutes Othegraven (4.9.) öffnen sich architektonische Highlights der musikalischen Erschließung der Wein-Kulturlandschaft Mosel. Als ein besonderes Instrumenten-Schatzkästchen lädt „Die Klangwelt des Clavichords“ – eine stattliche Privatsammlung historischer Clavichorde – im barocken Küsterhaus in Föhren zum Entdecken ein (13.9.). Im Rahmen eines ganzen Konzertwochenendes werden ausgewählte Instrumente von dem Pianisten Kit Armstrong zum Klingen gebracht. Als Auftakt spielt der vielbeachtete Nachwuchskünstler Werke von Bach und Couperin vor kleiner Publikumsrunde im Wandelkonzert im Cusanusstift (13.9.). Im festlichen Konzert bringt er am Folgetag eine an ihn ergangene Auftragskomposition des Kultursommers Rheinland-Pfalz zur Uraufführung. Daneben stehen Bach, Mozart, Liszt, Sibelius und eine weitere Eigenkomposition über den Namen B-A-C-H auf dem Programm (14.9.).
    Für die musikalischen Seitensprünge sorgen 2014 u.a. das Rennquintett (31.7.), Latin, Jazz und Bossa Nova (5.9.) und die Six Pack – Vocalshow (27.9.).

    Weitere große Open-Air-Konzerte

    Weitere große Open-Air-Konzerte des Mosel Musikfestival warten u.a. mit Peter Sadlo and Friends (1.8.), „Die Nacht des Flamenco“ (7.8.) und „Zauber einer Sommernacht“ (9.8.) auf. 2014 lockt die ‚JTI Classic Lounge‘ (27.9.) wieder junges Publikum in die 2000 Jahre alte Therme in Trier, diesmal mit dem David-Gazarov-Trio, das zeigt, wie nahe sich Jazz und Klassik wirklich sind und wie schnell sich Bach in einen zeitgenössischen Jazzer verwandeln kann. Passende Chill-Musik legt DJ Daniel Schulze auf.
    Das Abschlusskonzert am 3. Oktober 2014 in der Hohen Domkirche zu Trier ist bereits der Wegweiser ins Jahr 2015, wenn das Mosel Musikfestival sein 30-jähriges Bestehen feiert: Anton Bruckners Messe in d-Moll und „In Terra Pax“ von Frank Martin geben einen Vorgeschmack auf das Motto der Jubiläumssaison: „Helden und Legenden“. Unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Kiefer bestreiten die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, u.a. der Trierer Domchor und Solisten den Schlussakkord 2013.


    Darüber hinaus steht alle drei Jahre die „Königin der Instrumente“ – die Orgel – im Mittelpunkt des Interesses. 2014 ist es wieder soweit: Eine neue Generation junger Organisten wetteifert im 7. Internationalen Orgelwettbewerb um den Hermann-Schroeder-Preis (16.– 20.9.).
    Seit seiner Gründung im Jahr 1985 verwandelt das Mosel Musikfestival die Mosel-Region von Luxemburg über Trier, Bernkastel-Kues, Cochem hin zur Mündung am Deutschen Eck in Koblenz in eine klingende Konzertlandschaft, einen ‚Weinberg der Klassik‘. Heute ist es mit rund 50 Konzerten an mehr als 30 Spielstätten das älteste und größte international ausgerichtete Festival für klassische Musik in Rheinland-Pfalz und eines der größten in Deutschland. Ziel des Programms aus Klassik, Kammermusik und Open-Air-Konzerten ist es, eine der schönsten WeinKulturLandschaften Europas kulturtouristisch neu zu beleben.Träger des Festivals sind die Landkreise, Städte und Kommunen der gesamten Mosel mit einer finanziellen Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz und einer Vielzahl privater Sponsoren.
    Hauptsponsor ist die Firma JTI – Japan Tobacco International Germany – Trier.
    Die 130-seitige Festivalbroschüre, Informationen, Termine und Tickets sowie Bildmaterial und Presseinformationen unter www.moselmusikfestival.de  oder Tel. 06531-3000.

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  • 07.12.2013 Pizzicato

    Mosel Musikfestival 2014 im Glanze des Barocks

    Das 29. Mosel Musikfestival hat vor, vom 6. Juli bis zum 3. Oktober 2014 das Zeitalter des Barocks als ein opulentes, rauschendes Sinnenfest zu feiern. Die eingeladenen Künstler lassen in mehr als 50 Veranstaltungen in 34 Spielstätten entlang der Mosel die Atmosphäre einer der prächtigsten Kunst-, Architektur- und Musikepochen in Mitteleuropa wieder aufleben. Das Festival unter seinem Gründungsintendanten Hermann Lewen greift dabei das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz ‘Mit allen Sinnen’ auf.

    Eröffnet wird das Mosel Musikfestival am 6. Juli 2014 in der barocken Pracht von St. Paulin in Trier: Der Blockflötist Stefan Temmingh, die Sängerin Dorothee Mields und Musiker der Akademie für Alte Musik Berlin entführen in die originale Klangwelt damaliger Zeit.

    Der Tenor Klaus Florian Vogt ist mit einem reinen Liedprogramm im Barocksaal Kloster Machern, Bernkastel-Kues zu Gast. Die Sopranistin Simone Kermes kommt mit der Lautten-Compagney Berlin in den Innenhof des Kurfürstlichen Palais, Trier. Der Bratschist Nils Mönkemeyer ist mit Andreas Arend, Theorbe, im Kammermusikabend zu erleben, weiterhin geben sich die Sopranistin Nuria Rial in Begleitung der Camerata Köln und die Akademie für Alte Musik Berlin ein Stelldichein. Jan Garbarek und das Hilliard-Ensemble begeisterten in der Vergangenheit immer wieder das Festivalpublikum. 2014 machen sie mit ihrer weltweiten Abschiedstournee ‘Officium – Finalis’ im Nachtkonzert auch in der Hohen Domkirche zu Trier Station.

    Mit dem Ansatz „nah, klein und fein“ legt das kommende Mosel Musikfestival verstärktes Augenmerk auf die Präsentation intimer Konzertkleinode im außergewöhnlichen Ambiente. Mit der Vinothek des Weingutes Markus Molitor und dem Garten des prächtigen Weingutes Othegraven öffnen sich architektonisch bemerkenswerte Gebäude der musikalischen Erschließung der Wein-Kulturlandschaft Mosel. Als ein besonderes Instrumenten-Schatzkästchen lädt ‘Die Klangwelt des Clavichords’ – eine stattliche Privatsammlung historischer Clavichorde – im barocken Küsterhaus in Föhren zum Entdecken ein. Im Rahmen eines ganzen Konzertwochenendes werden ausgewählte Instrumente von dem Pianisten Kit Armstrong zum Klingen gebracht. Als Auftakt spielt der vielbeachtete Nachwuchskünstler Werke von Bach und Couperin vor kleiner Publikumsrunde im Wandelkonzert im Cusanusstift. Im festlichen Konzert bringt er am Folgetag eine an ihn ergangene Auftragskomposition des Kultursommers Rheinland-Pfalz zur Uraufführung.

    Das Abschlusskonzert am 3. Oktober 2014 in der Hohen Domkirche zu Trier ist bereits der Wegweiser ins Jahr 2015, wenn das Mosel Musikfestival sein 30-jähriges Bestehen feiert: Anton Bruckners Messe in d-Moll und ‘In Terra Pax’ von Frank Martin geben einen Vorgeschmack auf das Motto der Jubiläumssaison: ‘Helden und Legenden’. ‘

    Die 130-seitige Festivalbroschüre, Informationen, Termine und Tickets unter www.moselmusikfestival.de‘.

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  • 05.12.2013 Trierischer Volksfreund

    Mit allen Sinnen genießen

    53 Konzerte an mehr als 30 Schauplätzen stehen auf dem Programm des 29. Mosel Musikfestivals im Sommer. Der gewohnte Mix aus großen Namen und hoffnungsvollen Talenten verspricht spannende Events. Derweil scheinen sich hinter den Kulissen die Gewichte zu verschieben.

    Trier. Manche wichtige Namen des Mosel Musikfestivals (MMF) erscheinen in keinem Programmheft. Zum Beispiel der von Thomas Egger. Der Trierer Kulturdezernent ist seit wenigen Tagen Vorsitzender des Aufsichtsrates der Träger-GmbH des Festivals. Bei der Gesellschafterversammlung präsidiert wiederum der Bernkasteler Stadtbürgermeister Wolfgang Port, und die beiden Herren vertreten sich in ihren Funktionen wechselseitig.

    Moselmusikfestival 2014

    Von den Landräten ist in der ersten Reihe nicht mehr viel zu sehen, dafür erhöht die Stadt Trier nicht nur ihren Einfluss, sondern auch ihren Gesellschafteranteil - wenn der Stadtrat einem entsprechenden Beschluss des Stadtvorstands zustimmt. Es scheint, als ob der Gründungsort des Festivals und der größte Spielort gemeinsam die Zukunft des Festivals schultern wollen. Das spiegelt sich im Programm wider: je ein Drittel der Veranstaltungen finden in Trier und im Bernkasteler Umfeld statt, der Rest verteilt sich auf die Region zwischen Koblenz und Saarburg.

    Intendant Hermann Lewen kann mit großen Namen aufwarten, allen voran Star-Sopranistin Simone Kermes, die nach ihrem umjubelten Konzert im Kloster Machern auch den Innenhof der Kurfürstlichen Palais erobern will. Mit der Berliner Lautten Compagney zelebriert sie am 8. August Händel-Arien - und setzt so als Galionsfigur das Motto "Mit allen Sinnen - Glanz und Eleganz des Barocks" in Szene.

    Schon am 18. Juli kommt mit Klaus Florian Vogt der derzeit angesagteste Bayreuth-Star ins Kloster Machern, ein Tenor, der in noch höheren Tönen gelobt wird, als er sie selbst singt. In Machern intoniert er nicht Wagner, sondern Schuberts "Schöne Müllerin". Nummer drei in der Reihe der Gesangs-Preziosen ist die Sopranistin Nuria Rial, die am 7. September im Kloster Machern mit der Camerata Köln barocke Bravour-Arien interpretiert. Die junge Spanierin hat schon zwei Klassik-Echos abgeräumt.

    Am 19. Juli könnte es im Dom einen tränenreichen Abschied geben: Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble treten an zu "Officium - Finalis" - 16 Jahre nach ihrem ersten MMF-Auftritt und etlichen sagenumwobenen Tourneen löst sich das vielleicht berühmteste Gesangs-Quartett der Welt Ende 2014 auf.

    Der 21-jährige Kit Armstrong ist auf dem besten Weg, sich vom Klavier-Wunderkind in die erste Reihe der internationalen Pianisten-Riege zu spielen. Das Mosel Musikfestival hat ihn gleich für einen Doppel-Job gebucht: Am 13. September spielt er im Cusanusstift Bernkastel-Kues auf dem historischen Clavicord, tags drauf im Kloster Machern Bach, Mozart, Liszt und eine Auftragskomposition des Kultursommers.

    Auf viele "Stamm-Künstler" braucht das Festival-Publikum auch 2014 nicht zu verzichten. Der Flötist Stefan Temmingh (Eröffnungskonzert am 6. Juli in St. Paulin), die zwölf A-cappella-Giganten von Chanticleer (24. August, Machern), Bratschist Nils Mönkemeyer (29. August, Machern) - sie alle sind langjährige Gäste. Auch die JTI-Classic-Lounge in den Trierer Viehmarktthermen (27. September, mit dem David-Gazarov-Trio) ist auf dem Weg zur Tradition.

    Zwei neue, spektakuläre Locations haben Hermann Lewen und sein Team ausgemacht: Am 9. August steigt ein Vivaldi-Open-Air auf dem Karlsbader Platz in Bernkastel-Kues, am 5. September weiht das Landesjugendorchester mit seiner "Sommer-Sinfonie" das neue Wittlicher Eventum als Festival-Spielort ein.

    Jenseits des klassischen Angebots dürfte das Wochenende 1./2. August herausragen. Freitags gastiert die Percussion-Legende Peter Sadlo mit "Bach, Rythm and more", samstags machen die Musikkabarettisten der bayerischen Familie Well (Ex-Biermösl-Blosn und Ex-Wellküren) das Kurfürstliche Palais unsicher.

    Die einheimische Musikszene setzt drei kräftige Akzente: Am 20. Juli feiert der Friedrich-Spee-Chor in St. Maximin das Jubiläumskonzert zum 50. Geburtstag, am 7. September holt der Konzertchor an dieser Stätte das Sinai-Oratorium des Trierer Komponisten Georg Schmitt aus dem Vergessen zurück, und den Schlussakkord am 3. Oktober besorgen die Domchöre mit einem Oratorium von Frank Martin und der Bruckner-Messe in d-Moll.

    Das komplette Programm im Internet auf www.moselmusikfestival.de

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  • 04.10.2013 Trierischer Volksfreund

    Ein Kampf mit dem Tod

    Mit Sehnsucht, Tod, Erlösung und jeder Menge Klanggewalt beendete das Mosel Musikfestival seine Ausgabe 2013 in der Trierer Basilika. Man sei stolz auf das international ausgerichtete Festival, sagte sein Aufsichtsratsvorsitzender Landrat Günther Schartz.

    Trier. "Weh mir, wo nehm ich, wenn es Winter ist, die Blumen und wo den Sonnenschein?" Friedrich Hölderlins bange Dichterfrage schien im Raum zu stehen, als an diesem frühen Herbsttag das Mosel Musikfestival in der Trierer Basilika zum Schlussakkord ansetzte. Um letzte Dinge, Unbeständigkeit, Todesnähe und Erlösungssehnsucht ging es beim Abschlusskonzert des Festivals, einem Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde Trier in Zusammenarbeit mit dem Mosel Musikfestival. Die Leitung hatte Martin Bambauer.
    Mit Franz Schuberts berühmter wie beliebter "Unvollendeten" begann der Abend. Die Musiker des Münchner Barockorchesters L\'Arpa Festante machten auf ihren historischen Instrumenten die düstere Seelenlandschaft der Musik, durch die sehnsüchtige Melodien ziehen, in ihrer Farbvielfalt und ihren wechselnden Stimmungen erlebbar.

    Düstere Violinen

    Bambauer ließ rhythmisch konturiert spielen und arbeitete kammermusikalisch das Frage- und Antwortspiel der Instrumente heraus. Tröstlich erklangen die Bläser. Wunderbar: das düstere, feine Gemurmel der Violinen zum Anfang. Schuberts ruheloser Sinfonie folgte - womöglich als Antwort auf all die musikalische Ungewissheit - seine gewaltige Messe in As-Dur, gesungen vom Bachchor Trier. Als Schuberts Kampf mit dem Tod hat der Dirigent Nikolaus Harnoncourt die Messe bezeichnet. Gekämpft wurde an diesem Abend tatsächlich an allen Fronten. Bambauer setzte auf Klanggewalt. Was nicht nur der Dynamik der Musik schlecht bekam. Mochte der Chor noch so sehr mit vollem Einsatz und Engagement singen. Die mörderisch hohen Frauenstimmen forderten die Sängerinnen bis an ihre Grenzen und überforderten sie unüberhörbar. Was himmlische Klarheit vermitteln sollte, geriet dabei schrill und allzu scharf. Und auch die Münchner Musiker wie die Solisten hatten Mühe, der Klangmacht standzuhalten. Sehr schön erklang der Chor im tröstlichen "Benedictus, qui venit in nomine Domini" oder zum Ende im "Agnus Dei".
    Hervorragend ausgewählt waren die - in dieser Messe leider nur spärlich eingesetzten - Solisten. Engelgleich erklang Johanna Winkels reiner Sopran. Gundula Schneiders warmer Alt verstand sich gleichermaßen auf Dramatik wie Innerlichkeit. Neben Andreas Karasiaks schlankem Tenor erklang Klaus Mertens verlässlicher Bass. Etwa 850 Zuhörer bedankten sich.

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  • 23.09.2013 Trierischer Volksfreund

    Wie Perlen an einer endlosen Schnur

    Ein angehender Weltstar im lauschigen Ambiente des Klosters Machern: Dieser Coup gelang dem Mosel Musikfestival am Wochenende einmal mehr. Das Publikum bettete den Countertenor Valer Sabadus und sein Ensemble Lyriarte von der ersten bis zur letzten Arie in Ovationen.


    Trier. Countertenöre, also Männer, die in einer Frauen-Stimmlage singen, sind derzeit schwer en vogue. Und doch gibt es immer noch diesen kollektiven Moment des Atemanhaltens, wenn der erste hohe Ton aus der Kehle eines gestandenen Mannsbilds erklingt. Bei den Kennern im Publikum breitet sich ein wohliger Schauer aus, Novizen brauchen ein paar Sekunden, um die sich öffnende Bild-Ton-Schere zu verarbeiten.

    Weicher und samtiger Tonansatz

    Der Effekt steigert sich noch, wenn der Tonansatz so unglaublich weich und samtig ist wie bei Valer Sabadus. Einen Klang gleichsam aus dem Nichts herauszuzaubern, ihn anschwellen zu lassen und wieder zurückzunehmen, damit zu spielen wie mit einem Jo-Jo, emotionale Gebäude zu gestalten wie ein Architekt: Das ist schon ganz große Kunst, die Valer Sabadus da zelebriert. Dabei steht er auf der Bühne wie ein schlaksiger Junge mit offenem, kunstvoll schief gebügelten Hemdkragen, der kaum weiß, wohin er seine langen Arme tun soll. Anfangs wirkt er fast verlegen, hält sich bei den Händel-Hits "Ombra mai fu" und "Cara sposa" zurück, konzentriert sich ganz auf den Gesang.
    Erst gegen Ende des ersten Teils löst er den barocken Tempomaten, bei der Wut-Rede des Xerxes, wo er Augen und Stimme gleichermaßen blitzen lässt - und das begeisterte Publikum einen Moment lang ahnt, was dieser 27-Jährige auch als weltweit gefragter Darsteller zu leisten imstande ist.
    Höhepunkt des Abends unter dem Motto "Händel im Taschenformat" ist erstaunlicherweise kein Händel, sondern ein Arien-Paket seines ärgsten Konkurrenten Nicola Porpora. Da zeigt sich aufs Prächtigste Sabadus\' Fähigkeit zur gesanglichen Modellierung, wenn er Töne aneinanderreiht wie Perlen an einer endlosen Schnur, wenn er Gefühle mäandern lässt wie die sanften Bögen der gerade mal sportplatzlängenweit entfernten Mosel.

    Enorme emotionale Tiefe

    Zugegeben: Eine weitere Xerxes-Arie, mit der er das offizielle Programm beschließt, zeigt das spektakulärere Feuerwerk - aber das kann eine Spitzen-Mezzosopranistin auch. Die komplette emotionale Tiefe der Porpora-Arien kann aber wohl nur ein Countertenor ausloten. Das sechsköpfige Ensemble Lyriarte um die vorzüglichen Geiger Rüdiger Lotter und Florian Deuter und die Cembalistin Olga Watts umrahmt die Höhenflüge von Sabadus mit exzellent und im Wortsinn beherzt dargebotenen Auszügen aus Händel-Sonaten. Bei den Arien-Begleitungen muss man sich an das schmale Klangbild gewöhnen, zumal anfangs zu laut gespielt wird. Aber Solist und Ensemble finden sich im Laufe des Abends zu immer intensiverer Gemeinsamkeit, die in der als Zugabe wiederholten Porpora-Arie "Alto giove" gipfelt.
    Am Ende rückhaltloser Jubel, der zum Glück auch ein in den Liederpausen durchaus störendes Dauergeräusch (aus der Belüftungsanlage?) übertönt. Da ist im ansonsten perfekten Ambiente des Klosters Machern Nachbesserung angesagt.

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  • 16.09.2013 Trierischer Volksfreund

    Leise Lauten, gutes Omen

    Es sind die Liebhaber leiser Töne, die sich "Nachts im Museum" blicken lassen. Etwa 130 Zuhörer begrüßt Mosel-Musikfestival-Intendant Hermann Lewen zum gleichnamigen Konzert im Rheinischen Landesmuseum, wo Joel Frederiksen und das Ensemble Phoenix Munich mit leisen Lautentönen Lieder von Nick Drake und John Dowland interpretieren.


    Trier. Spärliche Instrumentierung, leise Töne: Wer an Depressionen leidet, dem muss das Konzert im Landesmuseum Trier eine krisengeschüttelte schlaflose Nacht bereitet haben. Denn überschrieben mit "Requiem for a Pink Moon" - nach dem Titelsong "Pink Moon" des gleichnamigen und letzten Albums von Nick Drake (1948-1974) - lässt das Konzert von Joel Frederiksen und dem Ensemble Phoenix Munich schwere Kost erwarten. Zumal der rosa gefärbte Vollmond im Frühjahr, der "Pink Moon", als schlechtes Omen gilt.
    Mitnichten folgt das von Joel Frederiksen arrangierte Programm defätistischen Unkenrufen: Wer sich aus dem Trubel der Stadt zwischen die antiken Ausstellungsstücke stiehlt, erfährt trotz Drakes manchmal düsterer, schwermütiger Texte ein Stück Entschleunigung und damit Balsam für die Seele. Auch wegen der wohltuend sanften Bassstimme Frederiksens, der sich auf der Laute selbst begleitet, und der Ruhe, mit der das Ensemble Phoenix Munich (Domen Marincic, Viola da Gamba, Axel Wolf, Laute, und Timothy Leigh Ecans, Tenor) seinen Part übernimmt. Dass sie einen besonderen Kunstgenuss bieten, muss Mosel-Musikfestival-Intendant Hermann Lewen nicht extra erwähnen, zumal nicht nur die Musiker des Abends als Meister Alter Musik ihre Meriten verdient haben. Auch Drakes "Pink Moon"-Album, zweieinhalb Jahre vor seinem Tod veröffentlicht, ist hochgelobt und auf vielen Bestenlisten vertreten.

    Brücke über vier Jahrhunderte

    Neben den Drake-Songs interpretieren die vier Musiker auch Lieder von John Dowland (1553-1626) - "zwei musikalische Welten, die auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein können", heißt es dazu im Programmheft. Die wilden 1970er Jahre treffen auf die elisabethanische Ära. Trotzdem gelingt der Brückenschlag über vier Jahrhunderte. Auch Renaissance-Komponist Dowland verarbeitet Motive wie Schwermut und Sehnsucht, die Lieder sind getragen von intensiven Gefühlen. Nicht nur thematisch könnten die Stücke nicht besser aufeinander abgestimmt sein, sie bedingen sich sogar und werden miteinander verflochten. Eine besonders persönliche Note gibt Frederiksen, der von 22 Stücken im Programm nur fünf nicht selbst arrangiert hat, dem Konzert, als das Quartett seine Eigenkomposition "Ocean" interpretiert und so einen stilistisch gelungenen Dreiklang und den Zeitsprung durch unterschiedliche Musikepochen besteht. Das Publikum ist ergriffen, fordert die Künstler mehrmals zurück auf die Bühne. Ein besseres Requiem (for a Pink Moon) hätte sich Nick Drake nicht wünschen können. cofi

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  • 16.09.2013 Trierischer Volksfreund

    An der Schwelle zum Olymp

    Vorhang auf für den zweiten Weltklasse-Sänger, den das Mosel Musikfestival diese Saison im Kloster Machern präsentiert: Nach der grandiosen Simone Kermes gastiert am Freitag mit Valer Sabadus einer der strahlendsten Sterne am Firmament der Countertenöre.


    Bernkastel-Kues. Der Aufstieg der Countertenöre in den vergangenen fünf Jahrzehnten ist beispiellos. Die Herren mit der hohen Stimmlage sind von einem Kuriosum zu einem Erfolgsfaktor der Opernszene geworden. Sänger wie Philippe Jaroussky, Andreas Scholl, Bejun Mehta oder Franco Fagioli haben Kultstatus und ziehen massenhaft Publikum an. Dank ihrer Kunst können die großen Barockopern wieder aufgeführt werden, die einst für Kastraten geschrieben wurden.
    Als der Brite Alfred Deller 1950 als erster Mann wagte, mit einer Mezzosopran-Stimme zu singen, galt er als Exot, seine Kunst als geradezu anrüchig. Immer wieder wurde er indirekt gefragt, ob er überhaupt ein richtiger Mann sei. Ob es die dahinter versteckte Mutmaßung auch 2013 noch gibt? "Um Gottes Willen, nein", lacht Valer Sabadus, der gerade dabei ist, in den Counter-Olymp aufzusteigen.
    Zweifel wären auch verwunderlich. Sabadus, 27, ist wie seine Kollegen ein gestandenes Mannsbild, man könnte auch sagen: ein Womanizer. Wenn er, wie im Frühjahr in Düsseldorf, den in höchsten Tönen jubilierenden Helden gibt, dann schlägt im Publikum manches Frauenherz höher. Und wahrscheinlich sind es keineswegs nur Frauenherzen.
    Anders als ihre Vorgänger-Generationen, zu denen profilierte Sänger wie der Engländer James Bowman und der Deutsche Jochen Kowalski gehörten, sind die neuen Counter längst über den körperlosen Schöngesang hinweg. "Die große Kunst ist, den Körper mitschwingen zu lassen", sagt Sabadus. So entsteht aus der in die Höhe getriebenen Kopfstimme kein Gefistel, sondern ein dynamischer, kraftvoller Gesang. Möglich werde das, so der Deutsche mit rumänischen Wurzeln, "durch eine Mischung aus Veranlagung und Technik". Und die hat sich so entwickelt, dass aus dem Counter wieder neue Stimmfächer entstanden sind - bis hoch zum Sopran.

    Faszination wie einst Kastraten

    Die außerordentliche Faszination, die Countertenöre analog zu den früheren Kastraten erzeugen, führt Valer Sabadus auf die Differenz zwischen der männlichen Physiognomie und der weiblichen Stimmhöhe zurück: "Das ist nicht das, was man erwartet." Wer Erfolg haben wolle, müsse auf "Gefühle, Ausdruck, Aura" setzen. Und natürlich auf eine stupende Technik. Die Zeiten, da das Publikum allein durch die Fremdheit zu begeistern war, sind längst vorbei. Von den Herren der Schöpfung wird die gleiche Gewandheit und Virtuosität erwartet wie von der weiblichen Konkurrenz. "Wir haben keinen Bonus mehr", stellt Sabadus nüchtern fest. Da tut es gut, wenn einem die internationale Presse attestiert, man singe "so großartig wie ungekünstelt", gehöre zu den "wichtigsten Interpreten des Counter-Repertoires" und habe "die Strahlkraft und Beweglichkeit eines Countertenors der absoluten Spitzenklasse".
    Valer Sabadus konnte solche Kommentare reihenweise lesen, als er im Sommer beim Festival von Aix-en-Provence in der selten gespielten Oper "Elena" von Francesco Cavalli seinen internationalen Durchbruch feierte. Zuvor war er in einer Art Counter-Gipfeltreffen mit vier weiteren Kollegen opernmäßig unterwegs - mit sensationellem Erfolg.
    Dass die hohe Männer-Lage inzwischen auch in der Popmusik für Aufsehen sorgt, sieht der Absolvent der Bayerischen Theaterakademie gelassen. Rumänien schickte beim European Songcontest 2013 in Malmö einen Counter an den Start, der mit einer bizarren Show immerhin Platz 13 eroberte. Kein Problem, sagt Valer Sabadus, "schließlich waren in der Barockzeit die Männer mit den hohen Stimmen auch illustre Showstars". Für ihn selbst ist das keine Alternative. "Auf der Popbühne", da hat der Sänger keinen Zweifel, "würde ich mich nicht unbedingt sehen wollen".

    Valer Sabadus tritt am Freitag, 20. September, 20 Uhr, mit einem Arienabend, der Georg Friedrich Händel gewidmet ist, im Kloster Machern auf. Begleitet wird er vom Ensemble Lyriarte. "Für den kleinen Saal passt das ideal", versichert der Countertenor und verspricht "eine Mischung aus bekannten und unbekannten Arien". Karten gibt es im TV-Service-Center und an der Abendkasse. DiL

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  • 09.09.2013 Trierischer Volksfreund

    Klavier erschlägt Geige: Alina Pogostkina im Kloster Machern

    Ein schlüssiges Programm haben Geigerin Alina Pogostkina, Klarinettist Reto Bieri und Pianistin Diana Ketler am Sonntag beim Mosel Musikfestival im Klostern Machern präsentiert. Der musikalische Eindruck hingegen war zwiespältig.

    Bernkastel-Wehlen. Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen" ist bekannt. Was Diana Ketler erzürnte, als sie in seiner Sonate Nr. 4 a-Moll, opus 23, im Kloster Machern Alina Pogostkinas wunderbares Geigenspiel unter klanggewaltigen Akkorden und donnernden Läufen begrub, bleibt ungewiss. Die pianistische Gegenrede der in London lebenden Lettin trug jedenfalls nichts zu jenem weltgewandten, zündenden, bisweilen dramatischen Dialog bei, den die Sonate ermöglicht. Das waren musikalische Totschlagargumente. Da mochte sich Alina Pogostkinas schöner Geigenton noch so mühen.
    Überhaupt hatte der erste Teil des Konzerts, dem etwa 150 Besucher zuhörten, stellenweise eher etwas von musikalischer Gegenwehr als von dialogischem Miteinander. Auch die feinsinnige, virtuose Klarinette von Reto Bieri, die so herrlich singen und sich sehnen kann, hatte in Claude Debussys "Rhapsodie für Klarinette und Klavier" jede Menge Mühe, dem übermächtigen Klavier standzuhalten. Ziemlich handfest geriet dem Trio auch das fein gewirkte Gewebe des Adagios aus Alban Bergs berühmtem Kammerkonzert.
    Und dann die Wende: Zur musikalischen Wetterscheide wurde die Pause. Wie weggeblasen schien, was vorher das Zusammenspiel des Trios gestört hatte. Feinabstimmung und Dialog waren angesagt. Endlich wurde erlebbar, was für hervorragende Musiker dort zu Gast waren. In impressionistischer Klarheit schimmerte der Schnee in der zeitgenössischen Komposition der Lettin Santa Ratniece "In this white snow the pearls are lost". Wunderbar nachdenklich, zuweilen verklärt, spielte Diana Ketler anschließend "Vier kleine Klavierstücke" von Franz Liszt.
    Schließlich das furiose Ende: Béla Bartóks "Kontraste für Violine, Klarinette und Klavier", eine hochspannende Mischung aus Volkstänzen und Jazz, die der Ungar in der Neuen Welt voll Sehnsucht nach der Alten geschrieben hatte. Dynamisch, klangsinnlich, dabei voll Lust am Spiel und mit geradezu explosivem Temperament riss das Trio sein Publikum mit. Das dankte mit herzlichem Applaus. er

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  • 09.09.2013 Trierischer Volksfreund

    Abschluss und Aufbruch

    Für Stefan Rommelspacher ist es ein glanzvoller Abschied gewesen. Etwa 1000 Besucher im voll besetzten Trierer Dom feierten den scheidenden Domkapellmeister ausgiebig. Der gab mit Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll seiner 13-jährigen Amtszeit einen würdigen Abschluss.

    Trier. Einen Moment lang wirken die ersten Chor-Akkorde im Trie rer Dom, als sei mit ihnen schon alles gesagt. Aber dann setzt das Instrumentalensemble L\'arpa festante im "Kyrie" von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe neue Akzente. Die Oboen führen, aber sie decken das Streicher-Filigran nicht zu. Das Orchester kultiviert einen subtilen Kammerstil, in den sich die Solisten vorzüglich einfügen: Monika Mauchs schlanker, sorgfältig geführter Sopran harmoniert im "Laudamus" perfekt mit dem zarten Streicherklang. Hans Jörg Mammels schmaler Tenor verbindet sich im "Benedictus" überzeugend mit der beweglichen Soloflöte und der kantablen Continuogruppe.

    Gesungenes Gebet

    Andreas Prouys gelingen die völlig unterschiedlich liegenden Bass-Arien so brillant, dass sein Ausstieg am Ende der zweiten Arie kaum der Rede wert ist. Und Terry Weys Countertenor entfaltete im "Benedictus" eine wunderbar stille Innigkeit - fast ein gesungenes Gebet - und die Streicher zeichnen die ausdrucksvollen Klangfiguren der Partitur nuanciert nach. Und dann der Chor: Dirigent Stefan Rommelspacher strukturiert das große "Kyrie" zu Beginn sorgfältig, zielt aber nicht einseitig auf Barockrhetorik. Die Musik fließt mit weiten Gesten, mit ruhigem Atem und immer mit der Klangkraft des großen Chors - wirklich eine "Hohe Messe". Da klingt eine subtile Katholizität mit. Über manches ließe sich streiten - wollen "Credo" und "Confiteor" mit ihrem gravitätischen "stile antico" wirklich so beschwingt musiziert werden, dass sie fast erinnerungslos vorbeirauschen? Aber wenn Bach dann die Auferstehung der Toten beschwört, leise, zagend und mit einer Harmonik, die aus dem "Tristan" stammen könnte - bei diesem bangen Bekenntnis finden der Dirigent und sein Chor genau den zweifelnden und doch hoffnungsvollen Tonfall dieser Musik.

    Unlösbarer Konflikt

    Kammerstil und oratorische Wucht - bei Bach geraten diese Dimensionen bisweilen in einen vielleicht unlösbaren Konflikt. Die Chorfülle spiegelt die Oratorienkraft dieser Musik, aber sie überdeckt auch Wichtiges im Orchester, etwa die Streicher im "Credo". Es gehört zu den Rätseln um diese Messe, warum Bach auf die Realisierung so wenig Rücksicht nahm. Rommels pacher und mit ihm Matthias Balzer, der Leiter der Aufführung in Saarbrücken am Samstag, versuchen nicht zu glätten, sondern stellen sich diesem Problem. Sie setzen die Oratorienkraft des Chors bewusst neben das Kammermusik-Filigran von Orchester und Solisten. Und zeigen dabei: Bachs letztes Werk ist kein kompositorisches Machtwort. In ihm manifestiert sich der suchende, experimentierende Musiker, der Altes immer wieder aufgreift und neu formuliert. Diese Messe ist Abschluss und Aufbruch zugleich. Das mag für den scheidenden Domkapellmeister auch so etwas sein wie ein Symbol.

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  • 09.09.2013 Lëtzebuerger Journal

    Bachs h-Moll Messe zum Abschied

    Trierer Domkapellmeister geht nach Leipzig
    Während 13 Jahren bestimmte Stephan Rommelspacher als Domkapellmeister das musikalische Geschehen an der hohen Domkirche zu Trier. Seit dem 1. September nun ist seit Amtssitz nicht mehr die Trierer Mutterkirche, sondern die Propsteikirche in Leipzig. Damit ist Rommelspacher zwar kein Kathedralmusiker mehr, übernimmt aber weiterhin die Leitung an einer katholischen Hauptkirche. Die Propstei St. Trinitatis ist das zentrale römische Gotteshaus in der sächsischen Metropole, in der durch den Thomaskantor Johann Sebastian Bach Musikgeschichte geschrieben wurde.

    Am vergangenen Wochenende stand Rommelspacher in Trier noch einmal als Dirigent vor seinem Domchor. Was als ein Konzert des Trierer Doms in Kooperation mit dem Mosel Musikfestival (MMF) deklariert war, gestaltete sich tatsächlich als ein ganz persönlicher Abschied Rommelspachers von seiner bisherigen Wirkungsstätte. Unter seiner Leitung führten der Domchor zusammen mit dem Kammerchor „Cantores Trevirensis“ (Einstudierung Matthias Balzer) und dem Münchener Barockorchester „L’arpa festante“ die Bachsche h-Moll Messe auf. Was das Publikum im nahezu voll besetzten Dom erleben durften, war weniger ein Konzert, denn mehr ein feierlicher, tiefgründiger Gottesdienst.

    Ohne falschen Pathos

    Schon im Kyrie ließ Rommelspacher keinen Zweifel daran, dass diese Veranstaltung nicht einer Selbstdarstellung dienen sollte. Breit, getragen und tatsächlich bittend erklang der erste Teil dieses Opus summum. Kontrastreich dazu der Eingangschor des Gloria, der einen wahren jubelnden Charakter hatte. Das „Gratias agimus“ gestaltete Rommelspacher als einen großen Dank. Ohne falschen Pathos, dafür aber mit einer Kraft und Würde, der man sich nicht entziehen konnte. Einer der Höhepunkte des BWV 232 stellt zweifellos das Credo dar. Dies war auch in Trier so und es hätte niemanden gewundert, wenn nach dem sehr betroffen machenden „Crucifixus“ beim strahlenden „Et resurrexit“ tatsächlich die Sonne im Ostchor des Domes aufgegangen wäre. Dies alles war nur möglich, weil die Chöre wirklich alles gaben und dem präzisen Dirigat Rommelspachers minutiös folgten. Natürlich waren hier und da Unsicherheiten zu spüren. Die Ensemble sind keine Profichöre und Bachs hohe Messe ist mehr als nur anspruchsvoll. Und gerade weil es Laien sind, muss man den Chören bescheinigen, dass sie hier ein Meisterwerk vollbrachten und bis zur großartigen Schlussfuge „Dona nobis pacem“ über sich hinaus wuchsen.

    Wunschkonzert

    „L’arpa festante“ ist in der Region kein unbekanntes Orchester mehr. Gerade unter Rommelspacher hat es schon viele Konzerte gespielt und immer wieder unter Beweis gestellt, dass es in der historisch informierten Aufführungspraxis wirklich firm ist. So war es auch diesmal. Unter der Führung von Konzertmeister Christoph Hesse bildete das Orchester einen homogenen Klangkörper, der sich voll und ganz auf die Wünsche des Dirigenten einließ. Einzig einige intonatorische Probleme in der Bassgruppe schmälerten diesen Eindruck ein wenig. Gekrönt wurde das Erleben durch das Solistenquartett, bei dem der Altus Terry Wey zweifelsfrei ein besonderes Glanzlicht darstellte. Seine makellose Stimme verlieh besonders dem „Agnus Dei“ einen edlen, erhabenen Glanz, der dazu angetan war, Emotionen freizusetzen. Strahlend und gleichzeitig sehr würdevoll konnte man die Partien der Sopranistin Monika Mauch und des Tenors Hans Jörg Mammel erleben. Ein wenig bedauerlich war die fehlende Kraft in der Tiefe bei Bariton Andreas Pruys.

    Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

    Insgesamt hat Rommelspacher mit dieser h-Moll Messe zwei Dinge unter beweis gestellt. Trier und die Region verliert einerseits einen großen Musiker. Zum anderen bekommt Leipzig einen Künstler, der bestens mit dem großen Erbe der Stadt umzugehen versteht. Die stehenden, minutenlangen Ovationen, die das Publikum, Chor und Orchester ihm entgegen brachten, waren Dank, sowie Glück- und Segenswünsche zugleich. Berechtigt.
    TRIERGERHARD KLUTH

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  • 08.09.2013 lokalo.de

    "Vor Weihnachten Terrorwarnung, im Mai kommen die Zecken"

    TRIER. Am gestrigen Samstag gastierte einer der bekanntesten Kabarettisten der Bundesrepublik im Trierer Theater: Hagen Rether. Mit bissigen Pointen, unverwechselbarem Humor und zynisch-sarkastischen Unterton sezierte er über dreieinhalb Stunden das Weltgeschehen, um sein Publikum schlussendlich in einem Zustand zwischen Erheiterung und Nachdenklichkeit zu entlassen.

    Ein jeder, der sich am gestrigen Abend auf dem Weg zum Theater machte, hätte wohl an diesem verregneten Tag nicht gedacht, dass ein einzelner Künstler den kulturellen Stern der ältesten Stadt Deutschlands höher schnellen lassen würde. Zumindest all jene, die Rether nicht zuvor einmal live oder im Fernsehen erlebt hatten. Der Wahl-Essener wurde mit allen bedeutenden Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, die ein Künstler seiner Zunft gewinnen kann, beispielsweise mit dem "Deutschen Kabarettpreis" im Jahr 2010, ist regelmäßiger Gast der ZDF-Satire "Neues aus der Anstalt" und gilt als einer der besten politischen Kabarettisten des Landes. Die Feuilletons sind voll des Lobes über Rether und sein Programm "Liebe", mit welchem er nun schon seit 2005 auf Tour geht, dessen Inhalt er jedoch stets um aktuelle politische Ereignisse und gesellschaftliche Diskurse erweitert. Der in Rumänien geborene Kabarettist klimpert süffisant auf dem Piano, zeitgleich plaudert er scheinbar nebensächlich über zahlreiche Paradoxien der westlichen Gesellschaften, der Globalisierung und des kapitalistischen Systems im Allgemeinen. Rether ist provokant, analysiert gnadenlos und wirft unangenehme Fragen auf, die das Publikum, gleich welcher politischer Couleur, zum Nachdenken und Hinterfragen anregen, ohne dabei zu moralisieren. Er will nicht missionieren, seine Worte sind viel mehr ein Plädoyer für Empathie und kritische Meinungsbildung.

    Dem Trierer Publikum eröffnete der Kabarettist auf diese Art neue Blickwinkel auf Diskurse wie die zur Eurokrise, welche ansonsten in den Polit-Talkshows langatmig und ergebnislos geführt werden, stets begleitet von feinsinnigen Pointen. So zeigte er sich gespielt erschrocken darüber, dass er ebenso wie Hans-Olaf Henkel, seines Zeichens ökonomischer Chefideologe der "AfD", intellektuelles Verständnis für die Vorteile des Abwertens von regionalen Währungen habe ("Dann haben die rausgekriegt, dass Henkel das auch findet. Ich will nicht dasselbe finden wie Henkel"). Seine Pointen bringt Rether dabei linguistisch flexibel, mal geschliffen formuliert, mal in einer plakativen Direktheit ausgesprochen. Im Trierer Theater persiflierte der 44-jährige nicht nur die Angst vor Terroranschlägen in Deutschland ("Während des Oktoberfests ist über der Theresienwiese eine Flugverbotszone"), auch kritisierte er, stellvertretend für den Konsumhunger der westlichen Welt, Massentierhaltung und Ressourcenverschwendung. Letztere wurde mit dem Verzehr von mehreren Bio-Bananen visualisiert, die selbstverständlich ein "Flugzeug mit Rapsöl-Motor" eingeflogen habe. Kenner seines Programms war dieser Clou zwar bekannt, ebenso wie das ritualisierte Putzen des Flügels und anschließende Falten der verwendeten Microfasertücher ("Die gehen nach einmal waschen schwer auf Kante"), dennoch weiß Rether seine Erzählungen zu variieren und regional anzupassen: Während er über die Plagiatsaffäre des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg und die Steueraffäre von Bayern-Boss Uli Hoeneß plaudert, stellt er jene nur als Spiegelbilder der deutschen Gesellschaft heraus ("Wir sind ein Volk von selbstgerechten Arschgeigen") und wettete, dass "wahrscheinlich halb Trier in Luxemburg tanken geht". Nach mehreren Seitenhieben auf die katholische Kirche und deren oberste Vertreter im Vatikan, universeller Religionskritik und anschließendem Plädoyer für eine vollständig säkularisierte Gesellschaft, einer Auseinandersetzung über Integrationspolitik und Islamfeindlichkeit ("Das Buch von diesem Sarasani"), beendete der ebenfalls äußerst versierte Pianist nach fast vier Stunden sein Programm mit einer Interpretation von Michael Jacksons "Earth Song". Das Publikum verabschiedete ihn mit Standing Ovations. (ros)

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  • 03.09.2013 5vier.de

    Bach meets Beats – “Flying Bach” in der Arena Trier

    Am Freitag, 30. August, fand im Rahmen des Mosel Musikfestivals eine ganz besondere Show in der Arena Trier statt: Die Breakdancegruppe Flying Steps, mit ihrem Welttournee-Programm Flying Bach. Der Name ist Programm, denn getanzt wird zu den Kompositionen Bachs.

    Wer denkt, Breakdance ist doch schon lange out, dem muss gesagt sein, er irrt sich. Zwar ist es ein bisschen stiller in den letzten Jahren um diese besondere Art der tänzerischen Bewegung geworden, doch das bedeutet noch lange nicht, dass sie out ist. In fast jeder Stadt gibt es mindestens ein Zentrum, um Breakdance zu lernen und damit dieses besondere Lebensgefühl in sich aufzunehmen. Nun gut, dann ist Breakdance eben nicht out; aber klassische Musik, die ist es bestimmt. Auch hier befindet man sich auf dem Holzweg. Klassik erlebt gerade ein kleines Revival. Besonders, wenn man es mit Breakdance mischt, wie die Breakdancetruppe von Flying Steps mit ihrem Welttournee-Programm Flying Bach am Freitag eindrucksvoll beweisen konnte.

    Zwei Pianisten betreten die Bühne, einer am klassischen Flügel, der andere am noch klassischeren Cembalo. Man spielt Bachs Präludien, zwischendurch neu produziert mit elektronischen und Hip Hop Einflüssen, dazwischen ertönt immer wieder das Quietschen von Turnschuhen auf einer glatten Tanzoberfläche. Klingt nicht nach einem klassischen Konzert im klassischen Sinne. Ist es auch nicht.

    Tanz und Musik

    Vielmehr verschmelzen hier zwei große Künste zu einer gemeinsamen großen Kunst. Tanz und Musik passen zusammen wie nichts auf der Welt. “Zwei Sprachen, die auf der ganzen Welt gesprochen und verstanden werden”, so kündigten es die Veranstalter an. Wie recht sie hatten, konnte ihnen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar sein. Dass diese beiden “Sprachen” nicht nur übergreifend verstanden werden, sondern auch in ihren extremsten Ausformungen noch hervorragend zusammenpassen, zeigte Flying Bach.

    Eine Prima Ballerina schwebt über die Bühne und wird von sieben Breakdancern von selbiger wieder vertrieben: Obwohl die beiden Tanzstile scheinbar nichts gemeinsam haben, ist sie sofort fasziniert und möchte Teil der Gruppe sein, die sich um ihren Tanzlehrer versammelt hat. Nach einigen Schwierigkeiten und Rückschlägen darf sie mit trainieren für den großen Auftritt, doch Teil der Truppe zu werden ist schwieriger als sie gedacht hätte.

    Die im ersten Moment befremdliche Mischung ist es, die den Reiz von Flying Bach ausmacht. Bachs Virtuosität auf dem Klavier wird durch die moderne Bearbeitung nicht gebrochen, sondern bereichert. Die fließenden Bewegungen der Ballerina werden durch die schnellen, rhythmischen Bewegungen der Breakdancer nicht aus dem Konzept gebracht, sondern lassen sie sogar zu Höchstformen auflaufen. Die Performance lädt zum Träumen und Mitdenken ein, Klassik muss nichts Verstaubtes haben und Breakdance findet sich schon lange nicht mehr nur auf der Straße.

    Ein Event, das Jung und Alt begeistert

    Zu einem großen Teil wurde die Veranstaltung von JTI gesponsert, was den Preis um die Hälfte dezimierte und die Karten mehr als erschwinglich werden ließ. Nicht nur Hermann Lewen vom Mosel Musikfestival, in dessen Rahmen die Veranstaltung präsentiert wurde, musste JTI für die Unterstützung danken. Auch die Gäste und Zuschauer werden wohl einiges vom Abend für sich mitnehmen. Immerhin präsentierte sich Flying Bach als ein gemeinsames Event, was Jung und Alt begeistern konnte. Vor einigen geladenen Gästen präsentierten JTI und die Arena Trier noch ein Live-Interview mit Tänzer Mikel und Pianist Christoph Hagel, mit anschließender Live-Performance, in der sogar Mutige aus dem Publikum ihr Können unter Beweis stellen durften.

    Flying Bach ist nicht nur ein wagemutiges Experiment, sondern auch ein großer, weltweiter Erfolg und ein lebendiges Beispiel dafür, dass Alt und Neu nicht immer zu einer gut gemeinten, aber schlecht gemachten Mischung werden müssen. Glückwunsch, an alle, die am Freitag in der Arena teilhaben durften und viel Glück an alle, die für einen Termin in der Nähe eine Karte ersteigern möchten. Es lohnt sich!

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  • 01.09.2013 Trierischer Volksfreund

    Ein Glücksfall: Barockmusik trifft Breakdance bei "Flying Bach"

    Bach und Breakdance, das klingt wie Musikantenstadel und Tango: irgendwie unvereinbar. Ein Irrtum, wie 2700 ebenso erstaunte wie begeisterte Zuschauer in der Arena Trier erfahren durften. Das Mosel Musikfestival machte es möglich.
    Trier. Ein Bild, das noch lange nachhallen wird: Aus den Lautsprechern dröhnt von einer mächtigen Orgel Bachs berühmte "Toccata und Fuge in d-Moll", und dazu drehen sich auf der Bühne Menschen, die auf dem Kopf stehen und deren verschränkte Beine mit derart enormer Geschwindigkeit durch die Luft rotieren, dass man glaubt, sie würden wie Hubschrauber jeden Moment abheben.
    Die Kombination von Musik, Bild und Bewegung fährt dem Publikum derart in die Glieder, dass eine Art innerer Aufschrei durch die Reihen geht, ein Moment vorbehaltloser Begeisterung, der wenig später in orkanartigen Beifall mündet.
    Das ist das Finale von "Flying Bach", und der Eindruck täuscht: Es ist der einzige Moment dieses Abends, in dem die Show-Inszenierung dominiert. Kein Effekte-Overkill, dezentes Licht statt Video-Animation: Es ist die Musik von Johann Sebastian Bach, die im Mittelpunkt steht, meistens sogar sehr puristisch, live am Klavier oder Cembalo gespielt. Oft bemerkenswert leise, immer sehr konzentriert.
    Man hat anderes befürchtet: Billige Bach-Anklänge, mit Drum und Synthesizer aufgepeppt und tanzbar gemacht, Barock meets Dancefloor. Nix da. Regisseur Christoph Hagel und die acht grandiosen Tänzer der Berliner Formation "Flying Steps" stellen sich der mörderischen Herausforderung, zu Bachs echtem "Wohltemperierten Klavier" zu tanzen. Und selbst bei den gelegentlich eingestreuten elektronisch bearbeiteten Stücken vom Band sind die Arrangements anspruchsvoll und von "easy listening" Welten entfernt.
    So entsteht eine Art Breakdance-Ballett, mit - bei aller Akrobatik - sorgfältigsten Choreographien. Bachs Musik erzählt kleine Geschichten aus dem Alltagsleben einer Clique von Jugendlichen, witzig, unaufdringlich, ohne Zeigefinger. Für Improvisation ist wenig Platz, dafür ist die Musik zu komplex, und die Tänzer haben die irre Ambition, möglichst jeden Ton, jeden Rhythmus mit einem spezifischen Move oder Style zu unterlegen.
    Das Tempo, die Bewegung in Bachs Musik werden so regelrecht fühl- und sichtbar gemacht - ein hochspannendes Erlebnis, auch und gerade für Bach-Kenner. Das Publikum in der Arena ist bunt gemischt: von 8 bis 80, vom Klassik-Fan bis zum Club-Gänger. Sicher viele, die noch nie Bach im Konzert gehört haben. Etliche junge Gesichter.
    Der Trierer Zigarettenhersteller JT International hat die Veranstaltung zum 40. Geburtstag gesponsert und viele Mitarbeiter eingeladen. Eine Klasse-Idee. "Flying Bach" schafft das rare Kunststück, Experten und Uneingeweihte gleichermaßen zu berühren. Weil man respektvoll und seriös mit Bach umgeht - und weil diejenigen, die ihn hier als Tänzer interpretieren, absolute Meister ihres Fachs sind, deren scheinbare Schwerelosigkeit in der Bewegung traumhaft zu der Musik des Meisters passt. Ein Glücksfall. DiL

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  • 01.09.2013 Lëtzebuerger Journal

    Ein wahrhaft fliegender Bach

    Thomaskantor und Breakdancer trafen sich in Trier

    Nicht das Kurfürstliche Palais in Trier oder das altehrwürdige Kloster Machern, der Geburtsort des Mosel Musikfestivals (MMF) waren der Schauplatz des bisher besuchermäßig größten Erfolges, den das Festival in seinen Analen vermerken darf. Es war die Arena in Trier. Ein Ort, den man für klassische Konzerte eher erst in zweiter Linie in Betracht zieht. Über 2.700 Besucher kamen in die Trierer Multifunktionshalle. Von acht bis 80 war alles vertreten. Es waren viele Besucher da, von denen man annehmen darf, dass sie sonst keine Besucher des MMF sind.

    Alle waren gekommen, um Bach zu hören. Auf dem Programm standen die ersten 12 Präludien und Fugen des Wohltemperierten Klaviers. Live auf Klavier (Christoph Hagel) und Cembalo (Sabina Chukurova) interpretiert und in verfremdeten Versionen eingespielt. Oder waren sie da, um die Truppe Flying Steps zu erleben, die mit ihrem Programm „Red Bull Flying Bach“ die Musik mit ihrem atemberaubenden Breakdance begleiteten? Sicherlich - so mancher eingefleischte Klassikkonsument wird einiges an dem Abend auszusetzen haben. Die musikalischen Interpretationen ließen manche Wünsche offen, gingen oftmals nicht tief genug. Die Klangqualität insbesondere des Cembalos war sehr mäßig, klang sehr konservenhaft. Und die Atmosphäre war alles andere, als dazu angetan, die Augen zu schließen und sich in die Musik zu versenken. Nicht zu vergessen die teilweise scheppernden Lautsprecher, die bei den eingespielten Passagen wirklich kein Vergnügen bereiteten. Alles Punkte, die man als Kritik anbringen kann. Andererseits aber konnten auch die Bachverehrer nicht wegdiskutieren, dass die Performance, die Flying Step bot, nicht nur atemberaubend wegen ihrer akrobatischen Leistungen war. Das visuelle Erleben der Bachkompositionen erlaubte auch neue Einsichten in die Tonsprache des barocken Meisters. Die Choreografie von Flying Steps Mitglied Vartan Bassil lenkte vielleicht manchen ab, bot aber auch die Chance zu neuen Betrachtungsweisen. Wer bereit war, sich zu öffnen, dem flog ein völlig neuer Bach zu.

    Natürlich darf MMF-Intendant Hermann Lewen stolz darauf sein, dass dieses Konzert auf der Welttournee von Flying Steps (seit dem 3. Mai) den bisher größten Besucherstrom erlebte. Aber vielleicht waren ja andere Aspekte dieses Abends viel wichtiger. Etwa die jungen Menschen, denen Bach bisher doch sehr fremd war und die jetzt auf einmal staunten, was denn da alles drin steckt. Die den elektronischen Breakdance-Sound hörten und gerade gespielte Cembalomusik wider erkannten. Der Abend war sicherlich ein Happening, das auf den ersten Blick nur bedingt in einen Festivalkatalog der klassischen Musik passte. Wenn es aber Türen geöffnet hat, durch die sich Jung und Alt, Klassik und Moderne begegnen können, dann war der Abend für alle Seiten ein Erfolg.Die minutenlangen, stehenden Ovationen, das Pfeifen und Johlen des Publikums, der nicht enden wollende Applaus, sprachen hier eine deutliche Sprache. Für Bach, für Flying Steps und für das MMF. Gut so.
    GERHARD KLUTH

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  • 25.08.2013 Trierischer Volksfreund

    Jazzig, klassisch und poppig

    Drei A-Cappella-Gruppen singen vor 160 Zuhörern in der Saarburger Glockengießerhalle. Les Brünettes, Quartonal und Female Affairs überzeugen bei dem vom Mosel Musikfestival und der Veranstaltungsreihe Spiegelbilder organisierten Konzert mit viel Sprach- und Spielwitz.

    Saarburg. Die Illusion klingt perfekt: Vier Türen knallen, die Zündung knarzt, der Motor stottert - langsam setzt sich das fiktive Auto in Bewegung. Im Radio läuft ein Lied der Gruppe Les Brünettes. Stefanie Neigel, Julia Pellegrini, Juliette Brousset und Lisa Herbolzheimer fahren auf Stühlen zu ihrem A-Cappella-Auftritt nach Saarburg, Vollbremsung und Schminkparodie inklusive. Die vier Frau bilden die Formation Les Brünettes.

    Einmal in der früheren Glockengießerstadt angekommen, nehmen sie die Zuhörer mit auf ihre Reisen in den Wald und durch das Weltall. Das Scatten und Singen haben sie an der Musikhochschule Mannheim gelernt. Nach einer Stunde endet der Auftritt mit einer A-Cappella-Version des Volkslieds "Die Gedanken sind frei", das der Dichter Hoffmann von Fallersleben gemeinsam mit dem Musiker Ernst Richter 1842 in einer Liedersammlung veröffentlichte.

    In dunkelblauen Anzügen, mit weißem Hemd und braunen Lederschuhen kommen Mirko Ludwig, Florian Sievers, Christoph Behm und Sönke Tams Freier auf die Bühne. Die Sänger der Gruppe Quartonal treten ohne Mikrofon auf und vertrauen allein der Akustik der Gießhalle. Neben Renaissanceliedern und der "Sérénade d'hiver" von Camille Saint-Saëns singen sie Volkslieder auf Finnisch und Gälisch. Witzig anzuschauen und perfekt interpretiert ist Quartonals Interpretation des englischen Volkslieds "What shall we do with a drunken sailor".

    Poppiger und fetziger wird es beim letzten Act der A-Cappella-Nacht: Female Affairs, das sind Bettina Landmeier, Carolin Gerrits, Renate Schindler, Jördis und Almut Treude sowie Stefan Gwiasda. Die Gruppe stehe für die wichtigen Themen im Leben - Frauen, Männer, Liebe und Essen -, erklärt Bettina Landmeier. Die Texte, immer mit einem Augenzwinkern und immer ein wenig überdreht, stecken voller Sprachwitz.

    Mit regnenden Männern, einer Persiflage auf Geri Halliwells Hit "It\'s raining men", werden die mitsingenden Zuhörer nach Hause geschickt. Ein perfekter Abschluss für einen Abend voller guter Laune. itz

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  • 25.08.2013 Trierischer Volksfreund

    Ein langer, allzu ruhiger Fluss

    Ein selten gespieltes Oratorium von Georg Friedrich Händel hat die Sommersaison des Mosel Musikfestivals abgeschlossen. Der Trierer Konzertchor brachte "Samson" auf die Bühne - ein Kraftakt, bei dem nicht alles gelang.


    Trier. Es gibt Konzerte, die stehen einfach unter keinem glücklichen Stern. Ausgerechnet bei "Samson" spielte, erstmals in diesem Sommer, das Wetter nicht mit. Die Aufführung musste vom Innenhof des Kurfürstlichen Palais in den Saal verlegt werden, und ausgerechnet an diesem Abend stand St. Maximin wegen akuter Bauarbeiten nicht zur Verfügung - weshalb man kurzfristig in die dankenswerterweise zur Verfügung gestellte Arena ausweichen musste. Die konnte aber wiederum nicht den Aufwand betreiben, der notwendig ist, um Klassik-Konzerte dort akustisch optimal klingen zu lassen. Was vor allem dem Chor das Leben schwermachte. Dass kurz vor dem Konzert ein Solist und während des Auftritts zeitweilig ein Teil des Lichts ausfiel, machte die Sache auch nicht einfacher.
    Und das angesichts einer beachtlichen Herausforderung: "Samson", von Konzertchor-Chef Manfred May in eine gut spielbare Fassung gebracht, ist ein wuchtiges, mitreißendes, aber auch schwierig zu singendes Werk.
    Warum die Geschichte des biblischen Selbstmordattentäters Samson, der 3000 Feinde beim Einsturz eines Tempels mit sich in den Tod reißt, zu Händels Lebzeiten eines seiner erfolgreichsten Werke war: Das wurde an diesem Abend in der Arena nie so richtig deutlich. Das hier gezeigte Heldenleben war musikalisch eher ein langer, ruhiger Fluss, behäbig getaktet und nicht dazu geeignet, Funken der Leidenschaft überspringen zu lassen. Wo der Konzertchor von "Licht und Glanz", von "Macht und Herrlichkeit" sang, da leuchtete und glänzte es gar zu selten.

    Wenig Impulse vom Pult

    Mag sein, dass die Abhängtücher, mit denen die Arena den passenden Raum für die 700 Besucher abgegrenzt hatte, viel von der Chordynamik schluckten. Aber man wurde auch den Eindruck nicht los, dass die 65 Sängerinnen und Sänger so viel damit zu tun hatten, das Werk pannenfrei über die Rampe zu bringen, dass für die Lust an der freien Gestaltung wenig Raum blieb. Und von Manfred Mays Pult kamen wenig Impulse, so dass auch das - im Übrigen souverän und klangschön musizierende - Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim eher unterfordert schien. Voll auf der Habenseite des Abends konnten freilich die Solisten verbucht werden. Allen voran der Samson von Andreas Post. Ein wortmächtiger, höchst präzise geführter, gestaltungsfähiger Tenor, mit einer fast instrumentenhaft leicht ansprechenden, fein fokussierten Stimme.
    Eine Klasse für sich auch Terry Wey, ein eher kerniger Countertenor, weniger ätherisch als ein Philippe Jaroussky. Ein begnadeter sängerischer Erzähler, um den nicht zufällig die großen Opernhäuser und Konzertsäle der Welt werben. Das Trierer Publikum kann seine Kunst übrigens demnächst ein weiteres Mal bewundern - bei Bachs h-Moll-Messe am 8. September im Dom.
    Dass Adréana Kraschewski eher von der Oper als vom Lied herkommt, war ihrer Dalila durchaus anzuhören. Das passt auch zu ihrer Rolle als Verführerin, noch besser aber zum Glanzlicht des Abends, ihrer Arie "Kommt, all ihr Seraphim", die sie zum Ende als Israelitin sang, dabei subtil aufs Tempo drückend und wenigstens eine Spur jener Verve und Emotion verbreitend, die diesem Abend sonst weitgehend fehlte.
    Gewohnt markant und gestaltungssicher Tobias Scharfenberger als Samsons Vater, einsatzfreudig Michael Haag, der kurzfristig die Partie des Riesen Harapha übernommen hatte.
    Am Ende gab es freundlich-respektvollen Beifall, der fraglos auch dem immer wieder bewundernswerten Mut des Konzertchors galt, neues Terrain auszuloten.

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  • 18.08.2013 Trierischer Volksfreund

    Spanisches Flair sorgt für Stimmung beim Mosel Musikfestival

    Für einen tollen Konzertabend haben der Gitarrist Pepe Romero und das Kammermusikquartett Cuarteto Casals im Kloster Machern gesorgt. Für die 250 Zuhörer gab es einen musikalischen Ausflug nach Spanien.


    Bernkastel-Kues. Kammermusik mit spanischen Nuancen: Diese Kombination haben 250 Besucher beim Mosel Musikfestival im Kloster Machern erlebt. Zu Gast waren das spanische Kammermusikquartett Cuarteto Casals und der spanische Gitarrist Pepe Romero. Die vier Musiker des Cuarteto Casals starteten den musikalischen Reigen und nahmen die Besucher mit ihrem Spiel emotional gefangen. Von ruhig und besinnlich wechselten sie unvermittelt in dramatische Klänge, um dann romantisch und verträumt fortzufahren.
    Doch im Mittelpunkt des Abends stand der 69-jährige Pepe Romero, ein Meister der Gitarre. Intensiv und trotzdem mit Leichtigkeit, spielte er das Stück "Asturias (Leyenda)" des Komponisten Isaac Albéniz. Nur Romeros Gesicht, das fast auf dem Korpus der Gitarre aufzuliegen schien, verriet die Konzentration des Musikers. Die Flamenco-Motive entführten die Besucher nach Spanien. Das gefühlvolle Spiel, das das Cuarteto Casals begonnen hatte, setzte Romero eindringlich fort. Klasse!
    Ebenso schön sind die beiden anderen Stücke, die der Spanier an diesem Abend alleine spielte. Romero zupfte mal einzelne ruhige Töne, dann flogen die Finger über die Saiten. Auch bei der "Suite Andalusia", einem Stück von Pepe Romeros Vater Celedonio Romero, beeindruckte die Leichtigkeit, mit der der Sohn spielt.
    Beim musikalischen Ausflug auf die iberische Halbinsel ließ lediglich Luigi Boccherinis Streichquartett Nr. 5, das das Cuarteto Casals vor der Pause anstimmte, das spanische Flair etwas vermissen. Doch spielte dies an diesem Abend kaum eine Rolle, denn perfekt gespielt war es allemal.
    Und Romeros Frau Carissa glich dies aus, als sie mit Kastagnettenklängen und Flamencoschritten noch das Sahnehäubchen auf den gelungenen musikalischen Abend setzte. Zwei Zu gaben und Standing Ovations im Barocksaal des Klosters Machern zeigten: Die spanische Leidenschaft hatte die deutschen Zuschauer endgültig mitgerissen. cst

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  • 12.08.2013 Pizzicato

    Mosel Musikfestival 2013: Standing Ovations für Simone Kermes und’ La Folia’

    Vor dem Hard Rock, dem Rock und dem Rock’n Roll gab es das Barock. Dass gerade das Barock vielleicht die frühste Form der Rockmusik sein könnte, daran ließen die Sopranistin Simone Kermes und das Barockorchester ‘La Folia’ das Publikum im Barocksaal des Klosters Machern bei Bernkastel-Kues mehr als einmal denken, behauptet Alain Steffen in seiner Konzertkritik.

    Mit Simone Kermes hatte das Mosel Musikfestival eine der überragendsten Barocksängerinnen unserer Zeit verpflichtet. Große Künstler zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie auch auf kleineren Bühnen eine hundertprozentige Leistung geben und ein Konzert bei einem ‘kleinen’ Festival wie dem ‘Mosel Musikfestival’ die gleiche Qualität besitzt wie ein Auftritt in der Carnegie Hall oder der Mailänder Scala.

    Für das Konzert im Kloster Machern hatte sich Simone Kermes für ein scheinbar gegensätzliches Programm mit geistlichen Motetten (‘In furore iustissima irae’, ‘In turbato mare irato’) von Antonio Vivaldi und weltlichen Opernarien von Nicola Antonio Porpora (aus ‘Polifermo’, ‘Mitriade’ und ‘Germanico in Germania’), Georg Friedrich Händel (‘Piangero la sorta mia’) und Leonard Leo (aus ‘Zenobia Palmira’) entschieden. Ein Programm, das die ganze Gesangskunst der Simone Kermes auf beeindruckendste Weise zur Geltung brachte. Mit dem Rhythmusgefühl und der Leidenschaft einer Rocksängerin wurden die schnellen und hochvirtuosen Arien zu atemberaubenden Momenten, bei denen man als Zuhörer nur staunen konnte.

    Die stimmliche Virtuosität von Simone Kermes ist ebenso einzigartig und konkurrenzlos wie die mit Leichtigkeit bewältigten Oktavenwechsel und die sichere Höhe. Der Gesang und vor allem die Stimme dieser Sängerin scheint weder Hürden noch Grenzen zu kennen. Und dabei wirkt der ganze Vortrag völlig entspannt; nie scheint die Sängerin angestrengt. Im Gegenteil, sie scheint mit der Musik machen zu können, was sie will. Doch nicht nur die virtuosen Arien sind wahre Glücksmomente, auch die langsamen Teile, wie beispielsweise die Mittelteile der beiden Motetten, erreichen in Kermes Interpretation eine Tiefe, die einem die Schauer über den Rücken laufen lässt. Völlig losgelöst auch ‘La Folia’, das seine ‘Frontsängerin’ mit rhythmischer Prägnanz, Spielfreude und technischer Brillanz fantastisch begleitet. Und in den vier rein orchestralen Werken, der Sinfonie in D aus Porporas Oper ‘L’Agrippina’, Vivaldis ‘Olimpiade’ und Händels ‘Xerxes’- Ouvertüre, sowie Hasses Introduttione zu ‘Il cantico de‘ tre fanculli’ zeigten die Musiker, wie wunderbar barocke Musik klingen kann.

    Nachdem die letzte Arie verklungen war, gab es tosenden Applaus und Standing Ovations für Simone Kermes, die sich, gut gelaunt und kommunikationsfreudig, nicht lange bitten ließ. Bei der ersten Zugabe zum Mitklatschen für das ganze Publikum (Barockmusik darf ruhig Spaß machen!) holte sich die Sängerin zwei Damen auf die Bühne zum abrocken und -tanzen. Es folgten noch drei weitere Zugaben, darunter die wohl schönste Arie des Barock, nämlich Händels ‘Lascia eh’io pianga’, die Simone Kermes mit einer ungeheuren Intensität zu gestalten wurde. Ein denkwürdiger Konzertabend von Weltformat!

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  • 11.08.2013 Trierischer Volksfreund

    Crossover-Musik zwischen alten Steinen

    Eine beeindruckende Mischung aus Klassik und moderner Musik hat die junge Formation Spark in der bunt illuminierten und zur Lounge umfunktionierten antiken Viehmarkttherme präsentiert.
    Trier. Viele Neugierige drücken sich am Samstagabend an den Panoramascheiben des Glaskastens über der Trierer Viehmarkttherme die Nasen platt. Drinnen sieht man bunte Lichter blitzen. Rund 400 Besucher machen es sich auf Sesseln und Hockern bequem oder lehnen entspannt an den rund 2000 Jahre alten Mauern. Das Mosel Musikfestival hat zur zweiten Classic Lounge geladen. Nach dem Riesenerfolg mit dem Ahn-Trio im Vorjahr liegt die Erwartungshaltung hoch.
    Es herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Wein und Sektgläser klirren, während der Discjockey für coole Hintergrundbeschallung sorgt. Um 21.30 Uhr beginnt das eigentliche Konzert, jeweils in halbstündige Abschnitte unterteilt.
    Was die fünf jungen Musiker der Gruppe Spark (englisch für Funke) dann abliefern, ist bemerkenswert: Schon im Jahr 2011 wurden sie für ihre "Klassik ohne Grenzen" mit dem Echo-Preis ausgezeichnet, ihre Musik ist Crossover im besten Sinne: Unverkrampft und technisch perfekt überwinden sie Genregrenzen.
    Ob klassische Musik, alte Volksweisen oder zeitgenössische Kompositionen, es wird dekonstruiert und wieder zusammengesetzt, was das Zeug hält - intensiv und schnell oder getragen und gefühlvoll wie bei der alten englischen Ballade "Scarborough Fair" aus dem 16. Jahrhundert, die in der Interpretation von Simon und Garfunkel schon in den 1960ern begeisterte. Das Trierer Publikum lässt sich jedenfalls von der Musik und der wundervollen Atmosphäre verzaubern und spendet großen Applaus.
    Das multitalentierte Quintett spielt mit einer Leichtigkeit und Präzision, die beeindruckt; die natürliche und positive Ausstrahlung tut ein Übriges. Mit Klavier, Cello, Violine, Bratsche sowie diversen Flöten kreiert Spark seinen ganz eignen Sound. Mal groovt es, dass die Füße wippen, mal sind es jazzige Interpretationen, die zum genauen Hinhören auffordern.
    Die Spanne der Komponisten reicht vom französischen Klassiker Gabriel Fauré bis hin zu zeitgenössischen Komponisten. Auf jeden Fall kommt es international und multikulturell daher, die Musik stammt aus den Metropolen Paris, New York, London, Berlin oder Amsterdam. "Ein toller Abend", meint nicht nur Katrin Hülsmann aus Trier. DT

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  • 09.08.2013 Trierischer Volksfreund

    Das Naturereignis

    Sie schickt sich an, in die Phalanx der Netrebkos und Bartolis einzudringen: Simone Kermes, Stimmwunder und Bühnen-Exzentrikerin, wurde im Kloster Machern allen Vorschusslorbeeren mehr als gerecht - und zertrümmerte doch manche Vorurteile.

    Bernkastel-Wehlen. Die "Crazy Queen of Baroque" hält Hof. Die verrückte Sängerin mit dem breit ausgestellten Barockkleid, das so geschnitten ist, dass es den Blick auf einen Minirock und Highheels mit gefühlten 18 Zentimeter hohen Absätzen freigibt. Und auf zwei wohlgeformte Beine, von denen das eine immer einen halben Schritt nach vorne steht. Abteilung Attacke. Achtung, ihr Vivaldis, Händels und Porporas, wir kommen!
    Das ist der Ruf, der Simone Kermes vorauseilt und den sie mit sichtlichem Vergnügen pflegt. Aber wer nicht nur schaut, sondern auch hört, der entdeckt etwas ganz anderes. Fein modulierte Vokalisen, enorme Gestaltungsmacht, sorgfältige Intonation. Natürlich auch effektvolle Emotionen, die aber nie die Regeln des Barockgesangs verletzen, dessen Grenzen sie auslotet, ohne sie zu überschreiten.
    Ein Wunder: die Innigkeit und Konzentration, mit der sie die leisen, traurigen Arien interpretiert. Da wird die Stimme fast chansonhaft leicht, da ist noch das winzigste Pianissimo punktgenau fokussiert. Da ist null Show, kein Millimeter Platz zwischen der Interpretin und dem Stück. Und wenn sie bei den Zu gaben Händels "Lascia ch\'io pianga" singt, dann ist das von einer ebenso schlichten wie rührenden Intensität, die unter Umgehung des Gehirns sofort das Gefühlszentrum des Zuhörers erreicht.

    Halsbrecherische Töne
    Natürlich gibt\'s auch die andere Simone Kermes. Jene, die Koloraturen in den Raum schießt wie Feuerwerkskörper - auch wenn man ihren halsbrecherischen Tönen die Arbeit, die dahinter steckt, eine Spur stärker anhört als der Bartoli. Jene, die Vivaldis Motetten entmottet, sie ins Weltliche zurückholt. Ihr ekstatisches "O Jesu" ist kein Gebet, sondern ein Aufschrei von Maria Magdalena. Vor allem aber empfindet sie Barockmusik als Rhythmus. Da vibriert nicht nur sie, da vibrieren auch die Musiker des brillanten jungen Orchesters La Folia, die mit jedem Ton fiebern, die virtuos das Tanzbare aus der alten Musik herauskitzeln. Und dann kann auch Simone Kermes nicht stillhalten, die Beine geben den Takt vor, der Oberkörper pendelt, die Haare fliegen. Aber wer ist bloß auf den von Journalisten gerne zitierten Spruch von der "Lady Gaga der Klassik" gekommen? Was hat Simone Kermes mit dieser künstlichen Tanzmaus und ihren einstudierten Bewegungen zu tun? Wenn man einen Vergleich aus der Popwelt heranziehen will, dann schon die urwüchsige Energie der frühen Tina Turner.
    Irgendwann hört man auf mit der Suche nach Vergleichen, lässt sich wie die Sängerin nur noch treiben. Freut sich, wenn die Kermes dem Erklimmen des nächsten Koloratur-Gipfels schon einmal ihr triumphierendes Lächeln vorausschickt. Oder sich mit dem Konzertmeister abklatscht wie zwei Basketballer nach einem gelungenen Pass. Oder mit zwei Damen aus der ersten Reihe tanzt.
    120 Minuten dauert das Naturereignis, zwei Lehrstunden in der Kunst der Überwältigung. Puristische Spaßbremsen mögen Einwände haben, aber die gibt es an diesem Abend im Kloster Machern nicht. Wenn am Schluss jemand verrückt ist, dann das Publikum, das sich wie von Sinnen Zugaben erklatscht.
    Die schönste hat Festspiel-Macher Hermann Lewen fürs Ende aufgehoben: Simone Kermes kommt wieder. Am 8. August 2014 open air im Kurfürstlichen Palais in Trier.

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  • 02.08.2013 Trierischer Volksfreund

    Himmlische Freuden und amerikanische Rhythmen

    Zu einem eindrucksvollen Konzert sind das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz und sein Dirigent Misha Katz zusammen mit dem Fauré Quartett nach Trier gekommen. Trotz Hitze fanden sich gut 400 begeisterte Zuhörer ein.
    Trier. Sie sind jung, hochmusikalisch und begeistert von der Musik und ihren Instrumenten: Die Musiker des Landesjugendorchesters Rheinland-Pfalz verkörpern die hoffnungsvolle Elite im Musikernachwuchs des Landes. Im Rahmen des Mosel Musikfestivals spielte das Orchester in der Abteikirche von St. Maximin zusammen mit dem Fauré Quartett. Am Dirigentenpult stand Misha Katz. Dass neben Stücken von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler auf dem Programm auch ein Werk des hierzulande wenig bekannten polnisch-französischen Komponisten Alexandre Tansman stand, dürfte den Partnern vom Fauré Quartett zu verdanken sein, die eine Liebe zum eigenwilligen Repertoire haben. Mit Misha Katz stand dazu ein Dirigent am Pult, der nicht einfach dirigiert. Der gefühlvolle Russe tanzt mit dem Taktstock. Sein ganzer Körper ist Vortragsanweisung und Ausdruck musikalischer Gestaltung.
    Etwas schwerfällig begann der Abend mit Beethovens "Leonoren-Ouvertüre". Vor allem die Bläser hatten Mühe, sich in der schwierigen Akustik zurechtzufinden. Spannend wurde es dann beim gemeinsamen Auftritt von Jugendorchester und Fauré Quartett in der dritten Sinfonie, der "Symphonie concertante" von Alexandre Tansman. Die vier Fauré-Musiker mit ihrer unbändigen Spielfreude, ihrer musikalischen Feinabstimmung, ihrem schlanken Strich und dem vorzüglich strukturierten Klavierspiel von Dirk Mommertz sind immer wieder ein Erlebnis. Mit Tempo und Energie trieben sie auch in Trier das Spiel an und hielten die Spannung. Gerade im ersten Satz überdeckte das Orchester leider mehrfach das Ensemble. Dagegen waren die jungen Musiker im zweiten jazzartigen Satz, in dem das Orchester zur Big Band wird, in ihrem Element.
    Zum eigentlichen musikalischen Höhepunkt des Abends geriet indes Gustav Mahlers 4. Sinfonie. Mit bewundernswerter Sensibilität loteten die Nachwuchsmusiker die vielfarbige Musik aus. Gut strukturiert und weit atmend, mit fein ausgearbeiteten Instrumentenstimmen (hauchzart diesmal die Streicher) ließ Katz spielen. Eindrucksvoll schaffte das Orchester die Balance zwischen Witz und mystischer Klangsinnlichkeit. Wunderschön: die lyrischen Partien.
    Ein weiteres Glanzlicht: Aline Wilhelmys ausdrucksvoller klarer Sopran im vierten Satz von Mahlers Sinfonie. Allerdings hatte auch ihre Stimme Mühe, sich im Raum zu behaupten. er

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  • 29.07.2013 Trierischer Volksfreund

    Musik, die direkt aus der Seele kommt

    Mit einem mutigen wie großartigen Programm begeisterten die Skride-Schwestern und der Cellist Julian Steckel am Sonntag 170 Zuhörer im Kloster Machern. Beim Konzert des Mosel Musikfestivals standen Werke von Peteris Vasks und Johannes Brahms auf dem Programm.
    Bernkastel-Wehlen. Musik ist Seelensprache. Wer es immer noch nicht geglaubt hatte, der ging am Sonntag im Kloster Machern bekehrt nach Hause. Auf dem hochinteressanten Programm standen zwei Stücke, die nichts anderes sind als in Klangformen gebrachter Ausdruck von Gefühl und Seelenzustand.
    Mit den drei Skride-Schwestern, die gemeinsam mit dem jungen talentierten Cellisten Julian Steckel musizierten, waren Interpreten an die Mosel gekommen, die jene musikalische Seelenangelegenheit zu ihrer ureigenen existenziellen Sache machten.
    Der Abend begann mit Peteris Vasks höllisch schwerem Klavierquartett. "Mitleiden mit dem Schmerz der Welt" sei der "Ausgangspunkt seines Schaffens" hat der zeitgenössische lettische Komponist (geboren 1946) einmal gesagt. Woraus für ihn folgt: "Ich suche den direkten Ausdruck. Musik muss für mich erst einmal emotional sein."
    Vasks ist einer, der tief in der Musikgeschichte verwurzelt ist und doch seine ganz eigene Sprache gefunden hat. Sein bewegendes Klavierquartett ist eigentlich nichts anderes als ein Bericht aus der Provinz einer in höchstem Maß traumatisierten Seele. Drängend, unmittelbar, manchmal spannend bis zum Bersten brachten die Musiker ans Licht, was sich in der düsteren Schwere dieser Seelennacht verbirgt.
    Mit ihrem packenden Spiel machten das Schwestern-Trio und der Cellist die Zuhörer zu Leidensgenossen dieser Zerrissenheit, zu Mitwissern der Fragen und Antworten, der gellenden Schreie, des tröstenden, zuweilen sehnsüchtigen Gesangs der Geigen. Atemberaubend gerade in den hohen Lagen: Baiba Skrides herrliche Stradivari. Wunderbar erklang der samtene Ton von Linda Skrides Viola.
    Entschlossen und prägnant hielt Schwester Lauma am Klavier das Stück zusammen. Wie eine Totenglocke klang das Klavier gleich zu Beginn. Zitternd antworteten die Geigen. Den drei Künstlerinnen war Steckels Cello ein kraftvoller vielfarbiger Gesprächspartner.
    Nach der Pause dann Brahms spannungsreiches Klavierquartett Nr. 1 in g-Moll. Auch das ein Stück von geradezu bedrängender Seelensprache und emotionaler Kraft. Doch dort, wo Vasks Musik zu verzweifeln droht und am Ende in Schwermut zurücksinkt, da tröstete Brahms mit jener betörenden Süße und Innigkeit, zu der eben nur Brahms fähig ist. Noch einmal sangen sich Geige und Viola direkt und tief in die Gefühlswelten ihrer Zuhörer. Auch hier fesselten die Spielfreude des Quartetts und nicht zuletzt ihr Witz, der gerade bei Brahms jedem Hang zum Rührstück zuwiderläuft. So wie beim Pizzicato, als die beiden Geigerinnen die Töne gleichsam aus den Saiten kitzelten. er

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  • 28.07.2013 Trierischer Volksfreund

    Singende Komödianten, swingende Könige

    Fulminantes Open-Air-Wochenende im Innenhof des kurfürstlichen Palais in Trier: Insgesamt rund 1200 Zuschauer bejubelten am Freitag die SWR-Bigband mit Sängerin Fola Dada als "Kings of Swing" und am Samstag die Berliner Formation "Comedian Harmonists".

    Trier. Unter einem konstant strahlenden Sommerhimmel bei hochsommerlichen Temperaturen lässt es sich formidabel über das Wetter scherzen. Das tut Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, dann auch in gewohnt lockerer Manier zur Begrüßung der jeweils 600 Zuschauer am Freitag und Samstag im Innenhof des Trierer Kurfürstlichen Palais.
    Er hat gut lachen, das euphorische Publikum dankt ihm und den Künstlern mit viel Applaus für zwei äußerst gelungene Open-Air-Konzerte.
    Den Auftakt macht am Freitagabend die SWR-Bigband mit ihrem Programm "Kings of Swing" und der entzückenden Sängerin Fola Dada, die mit warmem Timbre große Hits im Stile von Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong interpretiert und dafür verdienten Applaus bekommt.

    Allerhöchstes Niveau
    Die 17 Musiker spielen mit Verve - angefeuert von ihrem Bandleader Pierre Paquette - die Klassiker der großen Swing- und Jazz-Meister Benny Goodman, Duke Ellington oder Louis Armstrong, und das auf allerhöchstem Niveau. Unnötig, dass Paquette in seinen Moderationen ständig von "super, wunderbar, Weltklasse" spricht, das Publikum überzeugt die schiere musikalische Qualität. Die Besucher schnippen mit den Fingern und können ihre Füße nicht still halten. Hier sind Vollprofis am Werk. Vom ersten Lied an groovt und swingt es, die Luft vibriert und die Männer auf der Bühne haben sichtlich Spaß an dem, was sie tun. Der Funke zum Publikum springt über. Als Zugabe werden "What a Wonderful World" und "In the Mood" gegeben, dafür gibt es stehende Ovationen. Von der einzigartigen Atmosphäre im Hof zwischen der Rückseite des Rokoko-Palais und der 1700 Jahre alten Basilika inspiriert sind auch die Berliner Comedian Harmonists am Samstag. Ihr letzter Auftritt vor sechs Jahren beim Mosel Musikfestival war buchstäblich ins Wasser gefallen und musste in die Europahalle verlegt werden. Umso mehr genießen sie heute das Freilichtgefühl bei 30 Grad Celsius - und das im Frack! Der erste Teil ihres Programms zum zehnjährigen Bestehen der Gruppe widmet sich ganz den Schlagern der 1930er Jahre, die ihre großen Vorbilder damals auf so unnachahmliche Art und Weise interpretiert haben. "Ein Freund", "Veronika, der Lenz ist da" und auch der stachelige "Kleine grüne Kaktus" sind dabei.
    Höhepunkt ist sicher die sehr schön vorgetragene "Isabella aus Kastilien". Der zweite Teil schlägt - nach dem Motto: Was hätte sein können - einen musikalischen Bogen von den 1940er bis in die 2000er Jahre. Glenn Millers "Moonlight Serenade" oder eine hinreißende Beatles-Comedian-Harmonist-Version von "She Loves You" bezaubern das Publikum. Dieser Teil ist auch deswegen besonders stark, da etwas ganz Neues, mit den Original-Interpreten nicht Vergleichbares dargeboten wird.

    Komödiantisches Talent
    Die zwei Tenöre, ein Bass und zwei Baritone sind hervorragende Sänger, deren große Stärke die stimmliche Interaktion ist und die ihr komödiantisches Talent in Mimik und Gestik ausdrücken. Auch hier gilt: Wer in den ersten Reihen sitzt und näher dran ist, hat mehr davon. Zwischen den einzelnen Liedern wird die Geschichte der Original-Harmonists erzählt, jeder schlüpft in eine Rolle, es geht um Triumphe und Niederlagen, Streit, Immigration, Neuanfang und endgültige Trennung.
    Manchem ist das "zu viel Gerede zwischendurch", wie ein Herr beim Hinausgehen bemerkt. Sei\'s drum: Zum Abschluss eines runden Mosel Musikfestival-Wochenendes gibt es frenetischen Jubel und Standing Ovations.

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  • 22.07.2013 klassic-com

    Ein Abend ohne Klischees

    Vokaltrio White Raven und Fiddler Gerry O'Connor

    Im Rahmen des Mosel Musikfestivals boten das Vokaltrio White Raven und der irische Fiddler Gerry O'Connor einen überzeugenden und außergewöhnlichen Liederabend in der restaurierten Synagoge. Es war ein heißer Abend. Die brütenden Lufttemperaturen im Weinort Wittlich wollten wenig zu irisch-keltischen Liedern passen und machten den Instrumenten zu schaffen, während sich die Sänger jedoch tapfer hielten. Ich vermeide jegliche Bemerkung wie "Klassik trifft Folksong", auch wenn man auf den ersten Blick daran denken mag. Von Crossover zu sprechen, wäre aber völlig verfehlt, denn das Ensemble White Raven vermischt nichts, sondern liefert originale Musik, dargeboten von Sängern, die allesamt Experten für Alte Musik sind und sich vor diesem Hintergrund leidenschaftlich der traditionellen Musik verschrieben haben. Es ist bemerkenswert, wie gut - und wie häufig - traditionelle Musik mit Alter Musik Hand in Hand geht, wie nahe beide einander sind und immer waren, bevor die Kunstmusik eine akademische Distanz entwickelte.

    Das Programm kombinierte a-capella gesungene Lieder in englischer oder gälischer Sprache, meist in Terzettbesetzung, oder aber mit Geige oder Harfe begleitete Solostücke sowie immer wieder eingestreute instrumentale Tänze. Die für Sopran, Tenor und Bariton bestimmten Arrangements gehören zum markanten Konzept des Ensembles. Die Sängerin Kathleen Dineen verarbeitet traditionelle Lieder zu anspruchsvollen vokalen Arrangements und folgt damit der Logik, dass das überlieferte Volksliedgut immer auch Teil der Kunstmusik war und sich in viefältiger Weise erfolgreich umsetzen lässt - sei es nun im Pub im Süden Irlands in geselliger Runde oder als dreistimmige a-capella Vokalsätze - nie verliert die Musik ihren Charakter und ihren Charme, hebt sie aber in dieser Weise auf ein künstlerisches Niveau und einen sängerischen Anspruch, so dass auch der konservative Konzertbesucher findet, was er sucht.

    Obwohl der Bariton Mathias Spoerry erst seit kurzer Zeit Teil des Trios ist, erreichen die Sänger eine perfekte Homogenität und ein regelrechtes Verschmelzen der drei Stimmen. Die intonatorische Präzision und klangliche Ausgewogenheit waren beeindruckend und schmeichelhaft für das Ohr zugleich. Gänsehaut brachten die Solostücke der beiden Sänger: Robert Getchell trug das weithin bekannte Lied 'Danny boy' mit seiner strahlend-hell timbrierten Tenorstimme in einer so liebevollen Weise vor, dass man das allzu oft interpretierte Stück wieder gerne hörte. Für einen magischen Moment sorgte Mathias Spoerry, als er 'She moved through the fair' sang, eine zutiefst berührende irische Ballade. Nur sehr spärlich von der Harfe begleitet, erreichte seine samtige Bariton-Stimme eine ergreifende Intensität - vor allem in den leisen und leisesten Tönen.

    Gerry O'Connor lockerte das Programm der tiefsinnigen Lieder durch fantastische Jigs und Reels auf, mitreißende Tanzmusik, mal nur mit der Violine gespielt, mal mit Harfenbegleitung. Mit O'Connor hatte das Ensemble ein Stück pure irische Musikrealität mitgebracht. Der weithin bekannte Fiddler spielt mit charmanter Lässigkeit und ansteckender Begeisterung, erzählte daneben die ein oder andere Anekdote und mischte sich in der Pause sowie vor und nach dem Konzert sogleich unter die Zuschauer im Foyer. Generell suchten die Musiker intensiv den Kontakt mit den Zuhörern, indem sie mündlich und nicht mit einem Programmzettel durch die Werke führten und viele Songs mit persönlichen Worten kommentierten. Trotz der imposanten Umgebung der Synagoge kam auf diese Weise eine sympathische und entspannte Stimmung auf.

    Neben der musikalischen Lebendigkeit und klanglichen Perfektion war die Darbietung vor allem eines: authentisch. In Anbetracht des Überangebots an klischeehaft aufpolierter und synthetischer Musik, die auf dem Kontinent als irisch oder schottisch verkauft wird, bekam man hier kunstgerecht und ehrlich vorgetragenes Liedgut, wie es tatsächlich noch Teil der irischen Musikkultur ist - eine Offenbarung für die Zuhörer!  White Raven bot Vokalkunst auf höchstem Niveau mit einem tief in der Tradition verwurzelten Repertoire und in wundervoller Begleitung lebendiger Fiddle-Musik.

    Einen Kritikpunkt könnte man am Ende anbringen: Als Zuhörer war man dazu gezwungen, auf seinem Stuhl sitzen zu bleiben, was bei so tanzfreudiger irischer und schottischer Musik beinahe unmöglich ist. Und so sah man in der vollbesetzten Synagoge Dutzende dezent wippende Köpfe und Füße.

    Kritik von Silvia Bier

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  • 21.07.2013 Trierischer Volksfreund

    Zwischen Klamauk und Kantate

    Die Blechbläser-Formation Mnozil Brass hat am Freitag in Trier ein ungewöhnlich packendes Klamauk- und Klangerlebnis abgeliefert. Vor über 1000 frenetisch applaudierenden Zuschauern zeigten die sieben Österreicher eine Inszenierung jenseits der musikalischen Konventionen.
    Trier. Blasmusik ist seit einiger Zeit wieder schwer angesagt, und zwar in der knalligen Partyvariante. Auch die Macher des Mosel Musikfestivals wissen um diesen Trend. Dem fügt die österreichische Formation Mnozil Brass (benannt nach einem Wiener Gasthaus, in dem die Musiker vor gut 20 Jahren zum ersten Mal miteinander spielten) eine weitere Facette hinzu. Und wie!
    Unter einem strahlendblauen Sommerhimmel sind über 1000 Zuschauer aus ganz Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich in den Innenhof des Kurfürstlichen Palais\' in Trier gekommen - die Truppe hat mittlerweile Kultstatus.
    Das Panoptikum der sieben Typen zwischen Spießer im Banker-Habit und bunt kostümiertem Clown, bläst von der ersten Minute an zum Angriff. Sofort wird klar, dass dies nicht einfach ein Konzert ist, sondern ein musikalisches Gesamtkunstwerk für - wie sie selbst sagen - "angewandte Blechmusik zum Sehen und Riechen". Und zum Hören, natürlich: Klassik, Volksmusik, Pop, Swing und Funk werden bunt gemischt, die Performance changiert zwischen Slapstick, Comedy, Akrobatik und Pantomime. Dabei beweist Mnozil Brass einen bizarren österreichisch-angelsächsischen Humormix, der einzigartig ist. "Wie albern", sagt eine distinguierte Dame beim Pausen-Sekt, das beschreibt die erste Konzerthälfte ganz gut. Spöttisch persifliert die Band die Militärkapelle oder Rocky-Filme (in Zeitlupe) genauso wie olympisches Synchronschwimmen im Trockenen.
    Wer aber gedacht hätte, dass der gebotene Klamauk eine eventuell mangelnde musikalische Qualität kompensieren soll, sieht sich spätestens im zweiten Teil getäuscht. Hier sind Meister am Werk, die ihre Trompete, Posaune oder Tuba mit einer lässig-präzisen Attitüde in allen Lagen beherrschen, zwischendurch wird a-cappella gesungen - wunderbar! Eine funkige Version von Stevie Wonders "Superstition" zeigt die Spielkunst der sieben Bläser und bringt Schwung in die Zuschauer. In den ersten Reihen sind sie hautnah dabei, sehen jeden Schweißtropfen fliegen und jede Grimasse en détail, an den Seiten und in den hinteren Reihen kommt leider nicht alles so hautnah an. Wenn die Band aber ihren Posaunisten in Trance versetzt und dieser - quasi schwebend und stocksteif - trotzdem weiterspielt, hat das gesamte Auditorium einen Mordsspaß. Fast ohne Ironie kommt der Schlussteil aus, bei "My Way" (Sinatra), "Bohemian Rhapsody" (Queen) oder "Nobody Does It Better" von Carly Simon schmettern die Trompeten und klagen die Posaunen, der Gesang ist anrührend. Das geht unter die Haut und in die Beine, wer textsicher ist, singt leise mit. Dann werden Wunderkerzen entzündet, unter dem tiefblauen Nachthimmel zwischen Basilika und Palais wirkt das fast gar nicht kitschig. Frenetischer, stehender Applaus zum Abschluss.

  • 21.07.2013 Trierischer Volksfreund

    "Für Elise" auf der Handkante

    Dass zu einem Debüt beim Mosel Musikfestival fast 500 Zuschauer kommen, ist eher selten. Das Musik-Comedy-Duo Igudesman & Joo, vor allem durch Internetspots bekannt geworden, zeigte im Innenhof des Kurfürstlichen Palais\' in Trier, was alles aus dem Versuch werden kann, Mozart zu spielen.
    Trier. Die Rollenverteilung auf der Bühne scheint klar: ein finster blickender Mafioso asiatischer Herkunft am Klavier und ein braver Oberbuchhalter mit Stirnglatze, der Geige spielt. Doch vorsichtig: Im Laufe des Abends entpuppt sich der Mafioso als Sensibelchen, und der Buchhalter hat es faustdick hinter den Ohren.
    Der Deutsch-Russe Aleksey Igudesman und der koreanische Brite Hyung-ki Joo haben Victor Borges alte Kunst der Musik-Comedy für die Generation Down load aufbereitet. Zwei skurrile Gestalten kämmen die Musik auf Parallelitäten durch, mixen Mozart, Bond und Handyton, spielen "Für Elise" im Karatestil auf der Handkante oder Eric Carmens "All by myself", als wär\'s ein echter Rachmaninov.
    Preziosen wie ein Country-Liebeslied an eine Kuh (samt grotesker "Kuhreographie") treffen auf Mozarts "Alla Turca", das die beiden Herren mal eben von Moll in Dur transferieren, schließlich ist man in Deutschland, dem "Land von Bier, Fußball und Wurst", und da soll es auch in der Musik fröhlich zugehen.
    Die musikalischen Gags zünden, jenseits davon ist die Show oft etwas holzschnittartig - musikalische Standup-Comedy, eine Spur zu viel "Cindy aus Marzahn und die jungen Wilden", eine Spur zu wenig vom anarchischen, hintersinnigen, musikalisch fili granen Musikkabarett eines Hans Liberg.
    Und doch bleiben spannende Erkenntnisse: Etwa, dass man Saties "Gymnopédie" auch unter dem Klavier liegend, die Hände blind auf die Tastatur gereckt, passabel intonieren kann. Oder dass sich eine vermeintliche Schnulze wie Francis Lais "Schicksalsmelodie" unter den großen Klassikern durchaus halten kann.
    Freundlicher Beifall für die "Little Nightmare Music" und das Festivaldebüt bei Galawetter. Mit ein bisschen Steigerung nach oben schaffen es Igudesman und Joo über die Jahre sicher auch, sich einen Kultstatus wie die Mnozil Brass (siehe Bericht oben) zu verschaffen, in deren Windschatten zu spielen an diesem Wochenende alles andere als ein leichter Job war. DiL

  • 18.07.2013 Trierischer Volksfreund

    Zu Besuch bei vier Orgeln

    Die Orgelwanderfahrten gehören seit vielen Jahren zur Tradition des Mosel Musikfestivals. Die eintägige Exkursion ging in diesem Jahr in den Raum Obermosel und nach Luxemburg. Kurzkonzerte und Besichtigungen führten in die Pfarrkirchen von Konz, Perl, und Helfant sowie in die Basilika zu Echternach.

    Bernkastel-Kues/Zeltingen-Rachtig. Zur Orgelwanderfahrt begrüßten der Leiter des Mosel Musikfestivals, Hermann Lewen, und der Vorsitzende des Förderkreises Kirchenmusik St. Marien Rachtig, Kurt Schaaf, die 55 Teilnehmer.
    Die erste Station war die moderne Pfarrkirche St. Nikolaus in Konz mit ihrer neuen Thomas-Gaida-Orgel, die architektonisch und in ihrer Klangfülle hervorragend dem Raum angepasst ist. Durch Nutzung der digitalen Einzelsteuerung lassen sich Register und Klangfarben miteinander kombinieren, um eine schier unerschöpfliche Klangvielfalt zu erreichen. Als "Glücksfall" für Konz bezeichnete Dekanatskantor Karl Ludwig Kreutz die Orgel.

    Konzert mit Trompete
    Nächste Station war die Pfarrkirche St. Gervasius und Protasius in Perl, in der die Gruppe von dem Organisten Peter Maas an der Link-Orgel erwartet wurde. Er sang mit seiner Countertenor-Stimme das Ave Maria von Giulio Caccini und spielte gemeinsam mit der Trompeterin Louisa Schmitz ein Konzert von Alexander Arutjunjan. In der Helfanter Kirche St. Bartholomäus, die auch als Saargaudom bezeichnet wird, stellte Peter Boesen das Bauwerk vor. Der Organist Alfred Feltes stimmte an der Sebald-Orgel "Großer Gott wir loben dich", an, das von den Fahrtteilnehmern kräftig mitgesungen wurde.
    Dann ging es nach Luxemburg zur Stadt Echternach. Basilika-Organist Paul Kayser präsentierte beim "Grand Choeur" von Theodor Salomé fast alle Möglichkeiten der Basilika-Orgel von Klais mit ihrer gewaltigen Klangfülle. Anschließend lud er die deutsche Gruppe auf die Empore ein, erläuterte die technischen Besonderheiten und Funktionen des großen Orgelwerks.
    Der Vorsitzende Kurt Schaaf dankte dem Organisator der Orgelwanderung Egon Kappes für dessen ehrenamtliches Engagement sowie allen Helfern, insbesondere Martha Eltges, Christel Köper und Heiko Stein für ihre Mitarbeit. red

  • 15.07.2013 Trierischer Volksfreund

    Wenn Blockflöte auf Cembalo trifft: Duo begeistert Besucher in Enkirch

    Nah dran an der Ausstrahlung des Stargeigers David Garrett: Der Südafrikaner Stefan Temmingh spielt mit Partnerin am Cembalo in Enkirch 300 Jahre alte Sonaten. Auf der Blockflöte!

    Enkirch. Man nehme eine über 1000 Jahte alte Kirche, Kompositionen aus der Barockzeit, vor allem aber zwei junge Vollblutmusiker. Fertig ist ein gut 150 Zuschauer begeisterndes zweistündiges Konzert. Geschehen am Sonntag in Enkirchs evangelischer Kirche: "Corelli à la mode".

    Frisch und modern
    Dabei hörte sich die musikalische Zubereitung anlässlich des 28. Mosel Musikfestivals aufregend frisch und modern an. Der 30-jährige Stefan Temmingh zog die Zuhörer durch dynamisches Blockflötenspiel in den Bann. Mit kreisendem Oberkörper und zumeist leicht gebeugten Knien erschien das fast schon rockig. Partnerin Wiebke Weidanz webte den weichen Klang der Flöte, oftmals zum Trällern und Zwitschern gesteigert, ein in den feinen, metallischen Klangteppich ihres Cembalospiels. Fünf Sonaten (drei aus dem Opus 5 von Arcangelo Corelli) und eine Chaconne (spanischer Volkstanz) standen auf dem Programm.

    Begeisterte Bravo-Rufe
    Noch vor der Pause kamen aus dem Publikum Klatschen begeisterte "Bravo"-Rufe. Auch Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, schwärmte: "Zwei Weltstars, welche die Kulturlandschaft Mosel feingliedrig und sinnenfroh in Szene setzen!" jeb

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  • 09.07.2013 Kein Korkschmecker

    WEINBERG DER KLASSIK

    Jetzt schmeckt es hier nicht nur nach Riesling – der Sommer bietet neben Gaumenfreuden das „Mosel Musikfestival“ für Ohren und Augen. Das älteste und größte Klang-Event in Rheinland-Pfalz will in diesem Jahr über 15.000 Besucher in den wohl grössten „Weinberg der Klassik“ locken.

     

    Bis zum 3. Oktober ist die Fluss-Region von Luxemburg über Trier, Bernkastel-Kues, Cochem hin zur Mündung am Deutschen Eck bei Koblenz auf pralle Hochkultur eingestimmt. Wer alle Veranstaltungen des Festivals begleiten will, der braucht übrigens eine gute Kondition: 56 Konzerte an 31 Spielstätten. Der international renommierte Cello-Professor Claus Kanngiesser unterstrich bereits seinen herausragenden Status als Bachinterpret. Das Suiten-Konzert am ersten Julisonntag in der ausverkauften Kapelle Cusanusstift in Bernkastel-Kues war ein Genuss, auch für mich als Klassik-Novize. Als Dank vom Veranstalter gab es verdientermaßen einen feinen Moseltropfen für den Künstler.

    Kammermusik und „Crossover-Highlights“

    Die Liste der anderen verpflichteten Künstler soll ebenso hohen Ansprüchen genügen: Simone Kermes, Pepe Romero, Alina Pogostkina, Xavier de Maistre und Alexander Lonquich sind einige der Sänger und Musiker von Rang aus aller Welt. Neben dem Schwerpunkt Kammermusik sind die Orchester-Kompositionen der Romantik und Moderne sowie Barock- und Vokalkonzerte unter den Steilhängen vertreten. Aber nicht nur das.

    Festival-Gründer und Intendant Hermann Lewen will mit „Crossover-Highlights“ (Jazz, Swing, Chanson) und gastronomischem Rahmenprogramm auch andere Zielgruppen ansprechen. „Lecker theatralisch“ lautet das Motto bei Angeboten wie „Oper à la carte“. Und ein Solo-Gläschen Riesling geht bekanntlich immer.

    Weinkeller – Glockengießerei – Ruine

    Bei den Konzert-Bühnen muss sich die Region nicht hinter Salzburg und Co verstecken. Kirchen, Klöster, Burgen, Schlösser und alte Weinkeller dienen als Kulisse mit reichlich Geschichte. Wahrzeichen wie die Basilika Trier, das Kurfürstliche Palais Trier und der Barocksaal Kloster Machern sind dabei die Hauptakteure.

    Weil Festivalleiter Hermann Lewen die Besucher auch in diesem Jahr überraschen will, setzt er auf ungewöhnliche Locations: Ob Glockengießerei oder Ruine – stets sind es andere Stätten, die durch die Musik oder Veranstaltungen des "Mosel Musikfestivals" für kurze Zeit neu belebt werden.

    „Namedropping“ an der Mosel

    Auch mit "Namedropping" kann das „Mosel Musikfestival“ dienen. Zugkräftige Solisten wie Peter Schreier, Barbara Hendricks, Frank-Peter Zimmermann oder Thomas Quasthoff haben inzwischen für einen guten Namen des „Weinbergs der Klassik“ unter den großen klassischen Musikfestivals der Bundesrepublik gesorgt.

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  • 08.07.2013 Trierischer Volksfreund

    Fesselndes Spiel und warmer Klang

    Mit den Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach ist Claus Kanngiesser in der Kapelle des Cusanusstifts in Bernkastel-Kues zu Gast gewesen. Die 130 begeisterten Zuhörer bedankten sich mit anhaltendem Beifall.

    Bernkastel-Kues. Wenn er so dasitzt im schönen Chor des Cusanusstifts und mit geschlossenen Augen selbstvergessen in sein Cello hört, hat er etwas von den andächtigen Figuren altmeisterlicher Schnitzaltare. Locker und ausgesprochen umgänglich wirkt Claus Kanngiesser dagegen beim Plaudern mit seinem Publikum.
    Am beredtsten bleibt der Cellist aber noch immer, wenn er, ganz eins mit seinem Instrument, musiziert. Ins Stift war der Musiker mit Johann Sebastian Bachs Suiten für Violoncello gekommen, von denen er Nr. 1, (G-Dur), Nr. 2 (d-Moll) und Nr. 4 (Es-Dur)spielte.
    Schon lebenslang hätten ihn die stilisierten Tanzfolgen fasziniert, hat der Kölner Musikprofessor einmal gesagt. Nicht anders geht es den meisten bedeutenden Cellisten. Vom legendären Pablo Casals ist bekannt, dass er die Suiten für die "Quintessenz" des Bach\'schen Werks hielt.
    So ungebrochen wie ihre Faszination, so vielfältig bleiben die Deutungsmöglichkeiten der Cello-Suiten. Kanngiessers nachdenkliches, dabei kraftvolles Spiel, in dem das Cello einen warmen, vielstimmigen Klangraum schuf, hatte etwas von einer Reise ins Innere der eigenen Seelenwelt und ihren wechselvollen Stationen und vielfarbigen Temperamenten.

    Erst routiniert, dann ergreifend
    Ein wenig arg routiniert hatte der Cellist seinen Vortrag mit der Suite Nr. 1 begonnen. Aber bereits mit dem düster sinnenden Preludium der Suite Nr. 2 begann jenes fesselnde Klangerlebnis, zu dem der Rest des Abends wurde. Wunderbar: der feierliche Ernst der Sarabande und die melancholische Gigue. Zum Höhepunkt des Abends geriet die großartige Suite Nr. 4, in deren Prélude das Cello wie eine Orgel klang und einen die berühmte hochvirtuose Gigue zum Schluss atemlos zurückließ. Rhythmisch straff und intelligent gegliedert, legte Kanngiesser die Struktur der Suiten offen, aber er verlor sich nicht. Kraftvoll und dicht hielt er die Spannung und damit das Werk zusammen. Einmal mehr bestätigte das Spiel des Cellisten eindrucksvoll: In der kompositorischen Vielfalt und Vielfarbigkeit von Bachs Cello-Suiten sind der Reichtum und die Dialogkraft eines ganzen Kammerensembles lebendig.

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  • 07.07.2013 Trierischer Volksfreund

    Überwältigendes Klangerlebnis und bewegender Aufruf

    Mit der Aufführung von Benjamin Brittens "War Requiem" (zum 100. Geburtstag des Dirigenten) hat das Mosel Musikfestival in seiner 27-jährigen Geschichte einen absoluten musikalischen Höhepunkt erreicht. 800 Zuhörer waren begeistert und bewegt. Unter ihnen auch der Dirigent Enoch zu Guttenberg.
    Trier. Wie die rechten Worte finden für etwas, das in seiner ganzen Tiefe und Größe eigentlich nur erfühlt werden kann? Selten war ein Abend so eindringlich, so überwältigend wie die Aufführung von Benjamin Brittens "War Requiem" in der Trierer Basilika.
    Die nackten Mauern des Baus boten den perfekten Rahmen für dieses klangmächtige Bild menschlicher Not, kriegerischer Barbarei und Erlösungshoffung.


    Wie ein klassisches Gemälde

    Als Friedensappell hatte Britten sein Requiem zur Einweihung der wieder aufgebauten Kathedrale von Coventry 1962 komponiert. Gleichsam als Parallele wies Triers Kulturdezernent Thomas Egger vor der Aufführung auf die Zerstörung der Basilika 1944 und ihre Wiedereröffnung als evangelische Kirche 1956 hin.
    In Brittens Requiem verbinden sich die lateinischen Gesänge der katholischen Totenmesse mit den Kriegsgedichten des im Ersten Weltkrieg gefallenen, englischen Dichters Wilfred Owen. Mit ihren drei hintereinander gestaffelten Ebenen, die sich durchdringen, ist die Komposition wie ein klassisches Gemälde angelegt. So hatte Dirigent Ralf Otto auch seine Musiker aufgestellt. Im Vordergrund steht der Mensch, das leidende Individuum, verkörpert durch die Gesangssolisten, Owens Verse und ein kleines Kammerorchester. Dahinter im Mittelgrund als gemeinschaftliches Totengedenken: das große Orchester und der große Chor mit den liturgischen Texten und der Musik der Totenmesse. Den Hintergrund schließlich bilden die hohen Sopranstimmen des Knabenchors. Sie hatte Otto im hinteren Teil der Basilika platziert. Unter Ottos souveräner, hochsensibler Leitung entstand ein dichtes musikalisches Gemälde von packender Klangmacht und bewegender Eindringlichkeit.
    Vielfarbig, konturen- und nuancenreich bis ins Feinste machten die Orchestermusiker der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern gemeinsam mit dem großartigen Bachchor Mainz und dem ebenbürtigen Chor der Hochschule für Musik Mainz die dramatische Spannung, den inneren Widerspruch dieses Meisterwerks hörbar. Das war keine herkömmliche tröstende Totenmesse. Das war Todesangst mit gellenden Schreien und heftigen Orchester-Attacken, in denen Susanne Bernhards hochdramatischer Sopran für Aufruhr sorgte. Als hauchzarter Klang keimte Hoffnung in dieser Seelennacht.
    Wie eine ferne Verheißung erklangen die glasklaren Knabenstimmen des Mainzer Domchors. Vor allem kollektiven Erleben stand die Not des Einzelnen. Meine Poesie ist das Leid hatte Wilfred Owen über seine Texte geschrieben, Christoph Prégar diens schlanker ausdrucksstarker Tenor meißelte dieses Leid, seine Verzweiflung und seinen bitteren Spott in Klangskulpturen. Ihm zur Seite: Thomas E. Bauers wunderbarer, warmer Bariton. Kammermusikalisch vom Feinsten: ihr Dialog mit dem "kleinen Orchester". Ein ganz großer Abend.

    Das Konzert senden am Dienstag, 13. August, ab 20.05 Uhr alle Kultursender der ARD bundesweit. Ferner gibt es im Rahmen der European Broadcasting Corporation (EBC) bereits am 15. Juli eine Übertragung in zehn europäische Länder. red

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  • 04.07.2013 Focus Online

    Mosel Musikfestival startet mit opulentem Konzert

    Mit einem Konzert mit 300 Musikern geht das Mosel Musikfestival heute in Trier an den Start. Auf dem Programm steht das Chorwerk „War Requiem“ des britischen Komponisten Benjamin Britten.

    Gespielt wird es von der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, gesungen unter anderem vom Bachchor Mainz. Das größte und älteste Klassik-Festival in Rheinland-Pfalz wartet bis zum 3. Oktober mit 55 Konzerten an 31 Spielstätten entlang der Mosel auf. Die Reihe setzt traditionell auf einen Mix aus internationalen Spitzenmusikern und Nachwuchskünstlern. Im vergangenen Jahr lockte das Festival 14 000 Besucher an.

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  • 04.10.2012 Trierischer Volksfreund

    Krönender Abschluss eines erfolgreichen Sommers

    Es hat Tradition, das Mosel Musikfestival mit einem großen Chorwerk zu beschließen. "The Kingdom" des britischen Komponisten Edward Elgar erklang in diesem Jahr zum Finale im Trierer Dom - interpretiert von gleich drei Domchören.

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  • 30.09.2012 Trierischer Volksfreund

    Mit Mühe gegen den Strom: Speechor huldigt Namenspatron

    Friedrich Spee hat seine letzte Ruhe in der Trierer Jesuitenkirche gefunden. Der nach ihm benannte Konzertchor setzte ihm in seiner Grabeskirche ein musikalisches Denkmal.

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  • 24.09.2012 Trierischer Volksfreund

    Tröstende und trotzige Töne

    Ein weiterer Höhepunkt des Mosel Musikfestivals: Im Barocksaal des Kurfürstlichen Palais in Trier begeisterte die russische Pianistin Olga Scheps etwa 200 Zuhörer.

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  • 23.09.2012 Trierischer Volksfreund

    Musikalische Marienverehrung

    Marianische Musik aus einem ganzen Jahrtausend: Mit seinem Programm "Salve Regina" hat das sechsköpfige Vokalensemble Singer pur liturgische Gesänge aus dem Hochmittelalter bis zur Gegenwart in der Liebfrauenkirche präsentiert. Rund 250 Zuhörer lauschten andächtig den grandiosen Stimmen der dreimaligen Echo-Klassik-Gewinner.

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  • 17.09.2012 Trierischer Volksfreund

    Alte Geschichte mit aktuellem Bezug

    Hexenprozesse sind im aufgeklärten 21. Jahrhundert ein Relikt aus längst vergangenen Epochen. Wirklich? Ein Konzert des Trierer Friedrich-Spee-Chores in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin ließ daran zweifeln.

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  • 16.09.2012 Trierischer Volksfreund

    Brutal, kindisch und voller Sehnsucht

    Die Münchner Gruppe Gefilte Fish ist beim Mosel Musikfestival in Wittlich aufgetreten. Vor mehr als 200 Zuhörern spielten sie jüdische Liebeslieder. In der Pause gab es gefilte Fish.

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  • 10.09.2012 Trierischer Volksfreund

    Ein merk-würdiger Abend mit Kit Armstrong am Flügel

    Das Kloster Machern ist Keimzelle und Premiumspielort des Mosel Musikfestivals. Der junge Pianist Kit Armstrong hat den Festspielen dort zu einem ausverkauften Haus verholfen.

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  • 08.09.2012 Focus Online

    Pianist Kit Armstrong begeistert beim Mosel Musikfestival

    Pianist Kit Armstrong füllt mit seinen 20 Jahren bereits Konzertsäle in New York, London und Berlin. Jetzt hat er sein Debüt beim Mosel Musikfestival gegeben. Das Publikum war begeistert.

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  • 03.09.2012 Trierischer Volksfreund

    "Gott sprach: Es werde Sommer!"

    Im Rahmen des Mosel Musikfestivals ist am Sonntagnachmittag Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" im Innenhof des Kurfürstlichen Palais in Trier aufgeführt worden. Bei bestem Spätsommerwetter erfreuten sich mehr als 600 Zuschauer an dem zeitlosen Werk.

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  • 26.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Mosel Musik Festival: Energie, Spannung und filigrane Intimität

    Das Mosel Musik Festival ist ein Publikumsmagnet. Insgesamt 1000 Besucher erwartete Intendant Hermann Lewen für das vergangene Wochenende, das vom Fauré Quartett fulminant eröffnet wurde.

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  • 26.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Gitarrenmeister in Wittlicher Synagoge

    Ein Koreaner, ein Brasilianer und ein Moselaner haben in der Wittlicher Synagoge die Zuschauer in ihren Bann gezogen. Das Acoustic Guitar Meeting hat bereits zum achten Mal stattgefunden.

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  • 26.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Ein Regenwald in der Glockengießerei

    In der alten Glockengießerei Mabilon in Saarburg haben am Samstag drei A-cappella-Ensembles über 150 Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Über den gesamten Abend hinweg nutzten die Musiker nur ihre Stimme als Instrument.

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  • 20.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Verrückte Lieder und alte Steine

    Barocke Musik in urzeitlicher, römischer und zeitgenössischer Atmosphäre: Die Lautten Compagney Berlin hat im Rahmen des Mosel Musikfestivals 200 Zuhörer im Rheinischen Landesmuseum verzaubert. Thema des Wandelkonzerts waren diesmal verrückte Lieder, "Mad Songs".

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  • 20.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Die Flöte schlägt Purzelbäume: Englische Barockmusik in Trier

    Ein luftiges Highlight: Mit barocker Blockflötenmusik vom Feinsten hat das Hille-Perl-Trio sein Publikum im Kurfürstlichen Palais in Trier die Hitze vergessen lassen. Das Konzert wurde präsentiert vom Verein der Freunde des Mosel Musikfestivals.

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  • 19.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Moderne Klassik in historischer Kulisse

    Das New Yorker Ahn-Trio hat am Samstag rund 450 Zuschauer mit alternativer Musik in seinen Bann gezogen. Im Rahmen des Mosel Musikfestivals bot die Trierer Viehmarkttherme eine extravagante Lounge-Atmosphäre.

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  • 18.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Ein Abend, der nachhallt: Tobias Scharfenberger singt Schubert

    Ein ungewöhnlich zusammengestellter, hoch konzentrierter, vom Publikum begeistert gefeierter Liederabend: Diesen Genuss boten das Mosel Musikfestival und der Trierer Konzertchor mit Schuberts "Schwanengesang" in der Interpretation des Baritons Tobias Scharfenberger im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais.

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  • 13.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Reife Leistung junger Musiker

    Das Landesjugendorchester Rheinland Pfalz hat im Rahmen des Mosel Musikfestivals in der Trierer Abtei St. Maximin vor knapp 300 Zuhörern ein umjubeltes Konzert gegeben.

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  • 13.08.2012 Trierischer Volksfreund

    Eine gefühlvolle Weltreise mit Gitarre

    Eine gekonnte Darbietung haben die vier Musiker des Los Angeles Guitar Quartet bei ihrem Konzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals gezeigt. Mit den Emotionen, die sie mit ihrer Musik erzeugt haben, haben sie die Zuschauer in ihren Bann gezogen.

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  • 29.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Musik wird zur Sinnfrage

    Nach vorne gerichtet, voller Lust an Spiel und Ausdruck haben sich Geigerin Julia Fischer und ihr Quartett im ausverkauften Barocksaal des Klosters Machern präsentiert. Ein musikalischer Hochgenuss für 300 Zuhörer.

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  • 29.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Jungens, kommt bald wieder

    Das Mosel Musikfestival ist ein Festival der klassischen Musik. Ab und zu aber gibt es auch Ausflüge in die Unterhaltung. Niveauvoll und mit Charme, wie man jetzt im Innenhof des Kurfürstlichen Palais in Trier erleben konnte.

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  • 22.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Kühle Brillanz

    Das Mosel-Musikfestival hat in diesem Jahr kein Glück mit der Open-Air-Saison. Auch das Klavierkonzert mit Martin Stadtfeld, das man gerne in der faszinierenden Akustik des Innenhofs im Kurfürstlichen Palais gehört hätte, musste nach St. Maximin ausweichen.

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  • 19.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Der Mann, der den Ton angibt

    Zum runden Geburtstag schenkt er sich ein besonderes Konzert: Wenn Hermann Lewen am Samstag 60 wird, fallen Arbeit und Vergnügen beim Auftritt von Martin Stadtfeld im Innenhof des Kurfürstlichen Palais wieder einmal zusammen. Der Festivalchef und seine Veranstaltungsreihe sind einfach nicht zu trennen.

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  • 17.07.2012

    Orgelmusik als Fastfood

    Es sollte ein besonderes Event beim diesjährigen Mosel Musikfestival werden, das Konzert von Cameron Carpenter, dem Enfant terrible der internationalen Orgelwelt. Geplant war ein Open Air Orgelkonzert im Innenhof des Trierer Kurfürstlichen Palais. Dem machte Petrus einen Strich durch die Rechnung.

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  • 16.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Die vielen Facetten der Klarinetten

    Die luxemburgische Formation Claritmico hat im Rahmen des Mosel Musikfestivals ein sehr abwechslungsreiches und dynamisches Konzert in der ehemaligen Synagoge Schweich gegeben. Die sechs Klarinettisten begeisterten mit Werken von Bach und Paganini bis hin zu Klezmer-Musik.

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  • 15.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Der einsam an der Orgel tanzt

    Es hätte das erste Orgel-Open-Air in Deutschland werden sollen, aber das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung. So musste Cameron Carpenter, der Mann, der die Orgel aus der Kirche befreien will, ausgerechnet in die ehemalige Kirche St. Maximin ausweichen. Kurios. Ein Ausnahmekonzert gab es trotzdem.

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  • 15.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Mit britischem Humor

    Das Ukulele Orchestra of Great Britain hat 650 Zuhörern in der Europahalle Trier einen vergnüglichen Abend bereitet. Sein Auftritt begeisterte mit der Kombination von virtuosen Arrangements und wahrhaft britischem Humor.

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  • 11.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Heiße Rhythmen gegen deutschen Regensommer

    Die Barrelhouse Jazzband hat bei einer Matinee des Mosel-Musik-Festivals 350 Zuschauer begeistert. Ihr kreolischer New Orleans Jazz und energiegeladene Auftritte der Soul-Diva Harriet Lewis sorgten trotz wetterbedingter Verlegung des Konzerts vom Hof des Kurfürstlichen Palais in die Europahalle für sommerliche Stimmung.

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  • 08.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Besuch vom Geschichtenerzähler

    Französische Chansons auf Deutsch? Dass das nicht peinlich, sondern sehr unterhaltsam ist, hat Götz Alsmann bewiesen. Vor 1000 Zuschauern trat der Musiker mit der unverwechselbaren Haartolle am Samstag im Innenhof des Kurfürstlichen Palais auf.

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  • 04.07.2012 Trierischer Volksfreund

    Fulminanter Start in die Spielzeit

    Mit einem Konzert der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und des Trierer Bachchors ist am Sonntag das Mosel Musikfestivals eröffnet worden. Knapp 800 Besucher erlebten den Auftakt der Spielzeit 2012 in der Konstantin-Basilika in Trier.

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  • 23.06.2012 Trierischer Volksfreund

    Auftakt mit Pauken und Trompeten

    Der Countdown für die 25. Auflage des Mosel Musikfestivals läuft. Noch acht Tage, dann steigt am 1. Juli in der Trierer Konstantin-Basilika das Eröffnungskonzert. Intendant Hermann Lewen und sein kleines Team sind in der heißen Vorbereitungsphase.

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  • 07.05.2012 Trierischer Volksfreund

    Vom Pochen des Schicksals

    Fast 400 Chorsänger, knapp 100 Orchestermusiker, ein außergewöhnliches Werk in einem besonderen Ambiente und zu einem ganz speziellen Anlass: Mahlers 2. Sinfonie in der Trierer Arena im Rahmenprogramm der Heilig-Rock-Wallfahrt wurde vor 1500 Zuschauern zum Erlebnis.

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  • 19.12.2011 Trierischer Volksfreund

    Warme Stimmen in frostiger Atmosphäre

    Der Tölzer Knabenchor ist aktuell eines der renommiertesten Jugend-Vokalensembles. Am Sonntagabend brachte er gemeinsam mit dem Barockorchester "L Arte del Mondo" Bachs Weihnachtsoratorium in der Trierer Konstantin-Basilika zu Gehör.

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  • 05.10.2011 Trierischer Volksfreund

    Bachchor beeindruckt in der Konstantin-Basilika

    Die Spielzeit des Mosel Musikfestivals ist beendet. In Trier ging es an den Start. Und hier hat es auch mit einem fulminanten Finalkonzert geendet.

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  • 21.09.2011 Trierischer Volksfreund

    Perlende Läufe, transparenter Klang

    Ein herrlicher Abend mehr: Nach Paris nahmen die Weltstars Albrecht Mayer und Evgenia Rubinova im Kloster Machern ihre Zuhörer mit. Das Publikum war begeistert.

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  • 21.09.2011 Trierischer Volksfreund

    Wahnsinnige Musik und Virtuosität

    Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger ist ein gern gesehener Gast beim Mosel Musikfestival. Auch in Schweich lauschte ihr ein fasziniertes Publikum.

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  • 19.09.2011 Trierischer Volksfreund

    Die Brüder Kutrowatz spielen in Trier mit Kraft und Tempo

    Mit widerstandsfähigen Trommelfellen ausgerüstet, haben die Zuhörer das Konzert der Kutrowatz-Brüder am besten überstanden. Für den Abend im Kurfürstlichen Palais hat das Mosel Musikfestival mit dem Österreich Forum Trier zusammengearbeitet.

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  • 16.09.2011 Trierischer Volksfreund

    Reise mit Akkordeon und Cello in mythische Klangwelten

    Zwei Musikerinnen mit Akkordeon und Cello haben 70 Zuschauer auf Schloss Veldenz auf eine Reise in die Tiefe der Zeit mitgenommen. Das Konzert hat im Rahmen des Mosel Musikfestivals stattgefunden.

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  • 14.09.2011 Trierischer Volksfreund

    Von wegen nur Blech!

    Die Karten für das Wittlicher Konzert des Blechbläserensembles Stuttgart Radio Brass sind besonders schnell vergriffen gewesen. Das hat nicht zuletzt an dem Heimspiel des Solotrompeters Thomas Hammes gelegen.

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  • 12.09.2011 Trierischer Volksfreund

    Händel-Klänge in barocker Kirche

    In St. Paulin, Triers schönster Barockkirche, haben Domorganist Josef Still und das Orchester Camerata Cusana vier barocke Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel aufgeführt. Die Darbietung in passender Atmosphäre wurde von den über 150 Zuschauern mit stehenden Ovationen bedacht.

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  • 05.09.2011 Trierischer Volksfreund

    Chorgesänge mit emotionaler Kraft

    Besonderer Anlass für das traditionelle Domkonzert im Rahmen des Mosel-Musikfestivals: Mit der Messe von Giacomo Puccini und dem Magnificat von John Rutter wurde die Wiedereröffnung der renovierten Liebfrauenkirche gefeiert. Ein stimmiger Abend - mit überraschender Verteilung der Gewichte.

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  • 29.08.2011 Trierischer Volksfreund

    "Jedes Konzert ein bisschen Risiko"

    Einige der Zuhörer kamen von der Mittelmosel, wo nur wenige Stunden zuvor ein schweres Unwetter wütete und tennisballgroße Hagelkörner erheblichen Schaden anrichteten. Sie kamen in verbeulten Autos und mit provisorischen Seitenfenstern aus Pappe oder Folie, um das Acoustic Guitar Meeting zu erleben.

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  • 29.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Überraschende Klänge eines unterschätzten Instrumentes

    Von Barockmusik bis zur Parodie auf eine Fernsehwerbung - das Akkordeon-Duo Toeac spielt unterschiedlichste Werke. Beim Konzert des Mosel Musikfestivals in Saarburg ließ sich am Samstag die ganze Vielfalt des Instruments erleben.

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  • 23.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Ein energiegeladener Faun macht Luftsprünge

    Ein wunderbares Konzert ließ im Kloster Machern die Hitze vergessen. Auf Einladung der Freunde des Mosel Musikfestivals....

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  • 22.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Nächtliche Ohrwürmer im Museum

    Lieder des 17. und 18. Jahrhunderts hat das United Continuo Ensemble beim zweiten Wandelkonzert "Nachts im Museum" im Rahmen des Mosel Musikfestivals im Rheinischen Landesmuseum vorgestellt. Die beliebtesten Arien des barocken Leipziger Opernhauses haben die rund 170 Zuhörer sowohl instrumental, aber auch mit Tenor Jan Kobow überzeugt.

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  • 16.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Harmonien aus einer anderen Welt

    Chanticleer ist ein Vokalensemble, das seit über 30 Jahren zur Weltspitze gehört. Ein Ensemble, das über männliche Soprane verfügt, die so überirdisch schön singen, dass den Zuschauern Tränen kommen. In der Paulinkirche in Trier haben sie ihr Publikum zu Begeistungsstürmen hingerissen.

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  • 15.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Kurzkritik: Kammermusikalischer Abend im Kloster Machern

    Alle drei sind sie noch jung und jeder für sich ist ein Musiker, der auf den großen Bühnen der Welt zu Hause ist. Ob Berlin, Tokio oder New York, die Namen der Geigerin Arabella Steinbacher, des Cellisten Daniel Müller-Schott und des Harfenisten Xavier de Maistre sind bekannt.

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  • 09.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Ein Swing- und Smoking-Sonntag

    Die wohl weltbeste Glenn-Miller-Tribute-Band hat am Sonntag im Rahmen des Mosel Musikfestivals in Trier vor 500 begeisterten Zuschauern den Beweis ihrer Klasse geliefert. Die Verlegung des Konzertes vom Innenhof des Kurfürstlichen Palais in die Europahalle tat der Qualität keinen Abbruch.

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  • 07.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Staraufgebot in der Halle

    Die wetterbedingte Verlegung des Konzerts "Eine große Nachtmusik" mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart vom Innenhof des Kurfürstlichen Palais in die Europahalle hat einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die rund 600 Zuschauer waren dennoch zufrieden.

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  • 07.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Pe Werner im Mondrausch

    Das Mosel Musikfestival ließ die Pe-Werner-Fans nicht im Regen stehen. Statt im Innenhof des Kurfürstlichen Palais überraschte die Künstlerin mit viel Neuem auf der mit rotem Oleander geschmückten Bühne der Europahalle.

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  • 03.08.2011 Trierischer Volksfreund

    "Nahe dem Himmel"

    Die Förderung junger Musiker gehört seit Jahren zur Philosophie des Mosel Musikfestivals. Da ist es nur logisch, dass das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz (LJO) hier ein gern gesehener Gast ist.

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  • 02.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Hinreißende Mischung aus Musikalität und Schönheit

    Mit Schönheit, Talent und Temperament hat das Ahn Trio in Trier sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Die Künstlerinnen spielten im Rahmen des Mosel Musikfestivals im Kurfürstlichen Palais.

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  • 02.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Mit neuer Form ins Schwarze getroffen

    Wandelkonzerte sind Veranstaltungen mit Bewegung. Sie sind beliebt, weil sie keinen so statischen Charakter haben. Einen neuen Weg in diesem Genre ging nun mit Erfolg das Mosel Musikfestival.

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  • 01.08.2011 Trierischer Volksfreund

    Ein Abend voller Dramatik und Heiterkeit

    Wenn sich ein Holzbläserensemble versammelt, ist der Gedanke an einen Serenadenabend in lauer Abendluft nicht weit. Lau war der Abend im Cusanuststift nicht gerade, dafür war die Musik vom Feinsten.

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  • 27.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Pianisten im Kelterhaus

    Seit dem vergangenen Jahr geht das Mosel Musikfestival mit den "Musikalischen Auslesen" auf Reisen. Nach Schweich im Jahr 2010 finden junge Pianisten aus aller Welt jetzt in Mesenich (Kreis Cochem-Zell) eine Plattform.

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  • 24.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Wenig Shakespeare, viel Rufus Beck

    Ein Mann, zwei Frauen: Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" zu dritt aufzuführen, ist ganz schön gewagt. Das Experiment, zu dem Rufus Beck mit den klavierspielenden Schwestern Anna und Ines Walchowski ins Kurfürstliche Palais lockte, ist nur teilweise geglückt.

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  • 19.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Eine Bühne für den Propheten im eigenen Land

    Die Förderung und Unterstützung junger Künstler gehört zur Philosophie des Mosel Musikfestivals. Mit einem Klavierrezital des 14-jährigen Pianisten Philipp Vitkov an der Mosel wurde das einmal mehr in die Tat umgesetzt.

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  • 17.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Jan Gabarek sorgt für Stimmung und Wohlklang

    Für Stimmung und Atmosphäre ist die Konstantin-Basilika ein sehr geeigneter Raum. Beim Nachtkonzert mit Saxofonist Jan Gabarek und dem Hilliard-Ensemble konnte man diesen Vorzug in vollem Umfang genießen.

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  • 17.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Nachtmusik mit Salonorchester

    Das Wandelkonzert des Mosel Musikfestivals ist eine Institution. Auch in diesem Jahr gehörte die Veranstaltung in die Rubrik "ausverkauftes Haus". Die musikalische Qualität ließ jedoch zu wünschen übrig.

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  • 12.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Orgelwanderfahrt in die Eifel

    Im vielfältigen Programm des Mosel Musikfestivals darf seit Jahren eine Veranstaltung nicht fehlen: die Orgelwanderfahrt mit Besichtigungen von besonders interessanten Kirchen und Orgeln, jeweils mit Kurzkonzerten.

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  • 11.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Liedermacher Frederik Vahle sorgt für Stimmung bei Klein und Groß

    Er verzaubert Kinder wie Erwachsene. Im Rahmen des Mosel Musikfestivals war der Liedermacher Frederik Vahle zu Gast in der ausverkauften Wittlicher Synagoge.

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  • 04.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Barocker Sommerzauber wie zu Kurfürsts Zeiten

    Barocker Orchesterklang und die prachtvolle Architektur des Kurfürstlichen Palais: Das Bach orchester des Gewandhauses Leipzig unter der Leitung von Christian Funke hat am Samstagabend beim Mosel-Musikfestival mit Meisterwerken der Barockmusik das Publikum begeistert.

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  • 01.07.2011 Trierischer Volksfreund

    Die Monty Pythons der Blasmusik

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  • 28.06.2011 Trierischer Volksfreund

    Kröver Konzert sorgt für Gänsehaut

    Das zweite Konzert des Mosel Musikfestivals hat fast 600 Zuschauer in die Weinbrunnenhalle nach Kröv gelockt. Sie haben eine gelungene Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Walpurgisnacht und Carl Orffs Carmina Burana gesehen und gehört.

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  • 27.06.2011 Trierischer Volksfreund

    Eröffnung mit berauschender Wirkung

    In den letzten Jahren hat Trier sich zum Hauptspielort des Mosel Musikfestivals entwickelt. Vor ausverkauftem Haus gab es nun in St. Maximin die Ouvertüre des neuen Jahrgangs.

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  • 27.06.2011 Trierischer Volksfreund

    Den Nachruf gibt es schon zu Lebzeiten

    Hermann Lewen ist der Vater der Moselfestwochen und damit auch des Mosel-Musik-Festivals. Er ist aber auch für die Kulturarbeit in Bernkastel-Kues zuständig. Das Bundesverdienstkreuz ist der Lohn für Lewens vielfältiges Engagement.

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  • 27.06.2011 Luxemburger Wort

    Auftakt mit Weinberg der Romantik

  • 14.06.2011 Trierischer Volksfreund

    Mosel Musikfestival auf Expansionskurs

    Noch zehn Tage bleiben bis zum Eröffnungskonzert des Mosel Musikfestivals 2011. 8000 Karten sind schon verkauft, 20 Prozent mehr als im Vorjahr um die gleiche Zeit. Die Stadt Trier will das Festival künftig stärker unterstützen.

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  • 10.05.2011 Rhein-Zeitung

    Diva befreit Kurort von Enthaltsamkeit

    Bad Bertrich - Melancholische Melodien, Lieder über die Sehnsucht und schmachtende Schlager – im fürstlich-schwülen Flair des Kurparks erfüllen Chansons und Evergreens den lauen Sommerabend im August mit ihrer nostalgischen Note.

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  • 06.05.2011 Trierischer Volksfreund

    Mosel Musikfestival: Drei Konzerte in der Wittlicher Synagoge

    1600 Konzerte mit 4000 Künstlern aus aller Welt hat Hermann Lewen, Intendant des Mosel Musikfestivals, in 25 Jahren in die Region gebracht. Wittlich ist ebenfalls Veranstaltungsort der Reihe. Dieses Jahr sind drei Konzerte des Festivals in der Synagoge.

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  • 25.03.2011 Trierischer Volksfreund

    Mosel Musikfestival-Chef bekommt Bundesverdienstkreuz

    Für seine Verdienste um Musik und Kultur ist der Intendant des Mosel Musikfestivals, Hermann Lewen, am Freitag mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden. Sein 1985 gegründetes Festival habe das Moseltal zwischen Luxemburg und Koblenz kulturtouristisch

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  • 04.02.2011 Luxemburger Wort

    Das Musikfest im Weinberg

    Zeitgleich mit der Lese des Eisweins an der Mosel wurde der musikalische Jahrgang 2011 an der deutschen Mosel präsentiert. „Weinberg der Klassik“ lautet das Motto der 26. Ausgabe des Mosel Musikfestivals, das einen exzellenten Rebensaft für die Ohren verspricht, wo auch die Luxemburger Mosella nicht abseits stehen wird.

  • 21.12.2010 Trierischer Volksfreund

    German-Brass-Konzert in Trier - Video

    Video: Trier, 21.12.2010: Bereits zum vierten Mal bot das Mosel Musikfestival zum Weihnachtsfest ein Konzert in der Nachspielzeit an. Zu Gast: das Blechbläserensemble German Brass.

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  • 20.12.2010 Trierischer Volksfreund

    Bachsche Klänge in der Nachspielzeit

    Es ist inzwischen schon Tradition, dass das Mosel Musikfestival kurz vor Weihnachten noch einmal zum Konzert einlädt. In diesem Jahr wird es ein Abend zum Genießen und zum Lachen.

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  • 12.10.2010 Luxemburger Wort

    Brisantes Abschlusskonzert im Trierer Dom

    Mosel Musikfestival 2010: Monteverdis "Marienvesper" lockte über 1 000 Besucher an.

  • 04.10.2010 Trierischer Volksfreund

    Glanzvoller Abschluss

    Vor 400 Jahren hat Claudio Monteverdi seine Marienvesper geschrieben. Mehr als 1000 Zuhörer erlebten dieses Werk von elementarer Bedeutung für die Musica sacra im Trierer Dom.

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  • 28.09.2010 Trierischer Volksfreund

    Gewagter Humor und viel Feingefühl

    Humorvolle Ansagen und nachdenkliche Lieder bilden den Rahmen des aktuellen Programms von Konzertkabarettist Lars Reichow. In der Bernkastel-Kueser Mosellandhalle hat er 200 Besucher in seinen Bann gezogen.

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  • 27.09.2010 Trierischer Volksfreund

    Videospielmusik für Klassikfans

    Videospiele sind mehr als nur Pong und Ego-Shooter - das gilt nicht nur für das Spieleerlebnis, sondern auch für die musikalische Untermalung. Dass die Werke von Komponisten wie des Japaners Nobuo Uematsu auch konzerttauglich sind, zeigte der Pianist Benyamin Nuss in Trier.

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  • 22.09.2010 Trierischer Volksfreund

    Atemlose Stille, donnernder Applaus

    Nach einer gefühlt minutenlangen Stille brandet jubelnder Applaus in der Wittlicher Pfarrkirche St. Bernhard auf. Es ist die Reaktion auf ein Chorkonzert, dem man getrost das Prädikat "Groß" verleihen darf.

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  • 20.09.2010 Trierischer Volksfreund

    Der Tango gibt den Takt an

    Ein ausverkaufter Festsaal im Kloster Machern bildete die Kulisse für ein Konzert des Mosel Musikfestivals, das versprach, neue Pfade zu betreten und Grenzen zu überschreiten.

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  • 15.09.2010 Trierischer Volksfreund

    La Belle Danse im Barocksaal

    Musik und Tanz in Vollendung im Barocksaal des Klosters Machern: Das Ensemble "Le Concert Lorrain" hatte zum Tanz aufgespielt und entführte das Publikum ins Lothringen des 18.Jahrhunderts. Was die vier Musiker und das Tanzpaar boten, war ein wunderbarer Genuss für Auge und Ohr.

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  • 14.09.2010 Trierischer Volksfreund

    Zu viel Gestik und Schwere beim Volksliederabend

    Das Alte Casino in Traben-Trarbach war Schauplatz eines Volksliederkonzertes des Mosel Musikfestivals. Wirklich überzeugen konnte der Abend allerdings nicht.

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  • 06.09.2010 Trierischer Volksfreund

    Was auch gewesen ist - "trotzdem"

    Erika Pluhar ist Schauspielerin, Sängerin und Autorin. Als Liedermacherin hat sie, präsentiert vom Trierischen Volksfreund, für einen bemerkenswerten Abend im Kurfürstlichen Palais gesorgt. Erika Pluhar ist Schauspielerin, Sängerin und Autorin. Als Liedermacherin hat sie, präsentiert vom Trierischen Volksfreund, für einen bemerkenswerten Abend im Kurfürstlichen Palais gesorgt.

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  • 31.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Chopin jugendlich frisch

    Ehrlich, gefühlvoll und technisch brillant: Marianna Shirinyan hat im Chopin-Jahr 2010 Klavierwerke des polnischen Komponisten gespielt, dazu eine Sonate von Robert Schumann.

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  • 30.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Böse bis in die Bartstoppeln

    Er kam, sah und liebte - fast gar nichts: Der Kabarettist Hagen Rether hat beim Mosel-Musikfestival drei Stunden lang mit seinem Programm "Liebe" in der Trierer Europahalle gastiert. Der TV präsentierte den Abend.

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  • 30.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Getanzte Sehnsucht

    Sehnsucht und Weltschmerz verpackt in Musik und tänzerisch modern interpretiert: "Die Nacht des Fado" im Rahmen des Mosel Musikfestivals hat rund 400 Zuschauern einen Blick in die Seele Portugals eröffnet.

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  • 24.08.2010 Trierischer Volksfreund

    A-cappella-Gesang als Topereignis

    Bei ihrem Debut beim Mosel Musikfestival im Jahre 2008 war Amarcord noch ein Geheimtipp. Aber ebenso wie vor zwei Jahren hinterließ das Ensemble auch diesmal ein restlos begeistertes Publikum.

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  • 23.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Gute Unterhaltung, hohes Niveau

    Rund 600 Gäste sind zum Open-Air-Konzert "Klassik meets Cuba" der Klazz Brothers nach Trier gekommen. Das Konzert beeindruckte mit Ironie und Witz.

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  • 18.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Halbzeit beim Mosel Musikfestival

    11 000 Besucher: Intendant Lewen ist zufrieden. Die Konzerte des Mosel Musikfestivals 2010 haben seit dem Start Anfang Juni mehr als 11 000 Besucher angelockt

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  • 18.08.2010 Rhein-Zeitung

    Besondere Klänge in der Alten Kirche

    Musik an ungewöhnliche Orte bringen, das will das Mosel Musikfestival. Die alte Kirche in St. Aldegund passt da perfekt ins Konzept, und die Doppelpedalharfe ist das richtige Instrument zum außergewöhnlichen Ort.

  • 18.08.2010 Rhein-Zeitung

    Bach exellent interpretiert

    Luxemburger Kammerorchester gastiert im Castor-Dom von Treis-Karden

  • 17.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Weltklasse-Swing in Trier

    Die Matinee des Mosel Musikfestivals mit dem Pasadena Roof Orchestra hat mit Swing- und Jazz-Interpretationen der Zwanziger- und Dreißigerjahre ein ausgelassenes Publikum begeistert. Die Veranstaltung war kurzfristig in die Europahalle verlegt worden.

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  • 17.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Märchenhafte Instrumentenkunde

    Auf eine spannende Reise zur "Musikweltmeisterschaft" hat der Kirchenmusiker Hartmut Müller seine kleinen und großen Besucher beim Kinderkonzert in Pfalzel mitgenommen.

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  • 16.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Ein Großprojekt als Erfolgsgeschichte

    Musik von Mendelssohn Bartholdy, Mozart und Tschaikowsky und über 90 Nachwuchsmusiker der Extraklasse: Das sind die Bestandteile eines Sinfoniekonzerts, das zu einem besonderen Erlebnis wurde.

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  • 10.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Hommage an die Königin der Instrumente

    Enorme Ausdrucksvielfalt: Edin Karamazov hat seine innige Beziehung zur Laute vor rund 100 Zuschauern präsentiert. Im Rahmen des Mosel Musikfestivals stand der Musiker in Trier auf der Bühne.

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  • 09.08.2010 Luxemburger Wort

    Audienz bei Ihrer Majestät der Königin

    Ein Abend mit dem Lautenisten Edin Karamazov im Kurfürstlichen Palais

  • 02.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Schumann in der Urfassung

    Manch einer war sicherlich mit großen Erwartungen ins ehemalige Kloster Machern gekommen. Auf dem Programm des Mosel Musikfestivals stand Kammermusik von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann, interpretiert vom BeethovenQuartett, das sich 2006 in Bonn gegründet hat.

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  • 01.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Eine Reise durch Raum und Zeit

    Exotische Instrumente wie die Theorbe, das Zink und allerlei Rhythmusklangkörper weben zeitlos schöne Klangteppiche. Die Lautten Compagney Berlin nimmt die Zuschauer im Rheinischen Landesmuseum mit auf eine spannend-meditative Entdeckungsreise.

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  • 01.08.2010 Trierischer Volksfreund

    Genuss und mitreißende Lust am Spiel

    Zum 25-jährigen Bestehen hat sich das Mosel Musikfestival einen anderen strahlenden Jubilar eingeladen. Das gleichaltrige Concerto Köln verbreitete mit barocker Musik Glanz und jede Menge Festtagslaune.

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  • 27.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Jubel und Trauer eng verwoben

    Die Goldberg-Variationen von Bach gehören zu den anspruchsvollsten Klavierstücken der Musikgeschichte. Der deutsche Pianist Andreas Groethuysen und seine israelische Kollegin Yaara Tal haben bewiesen, dass sie mit spielerischer Leichtigkeit zu meistern sind

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  • 26.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Von erhaben bis ausgelassen

    Schon seit vielen Jahren kooperieren die Landesstiftung Villa Musica und das Mosel Musikfestival miteinander. Diesmal war ein beschwingter musikalischer Sommerabend geplant.

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  • 24.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Kran hievt Konzertflügel ins Kloster Machern

    Bernkastel-Kues. Eines der weltweit führenden Klavierduos, Yaara Tal und Andreas Groethuysen, ist am Sonntag, 25. Juli, ab 17 Uhr im Kloster Machern zu hören.

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  • 19.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Ein großartiges Chaos

    Es hätte so leicht ein Reinfall werden können. Die Operettengala im Innenhof des Kurfürstlichen Palais im Rahmen des Mosel Musikfestivals schien beendet, als Regenschauer die rund 750 Gäste von ihren Sitzen vertrieben. Doch Gäste und Musiker haben kurzerhand im Inneren des Palais eine Party improvisiert.

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  • 19.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Musikalische Leistung auf Weltniveau

    Schon zum wiederholten Mal ist das Ensemble London Brass beim Mosel Musikfestival zu Gast gewesen. Auch 2010 glänzten die zehn Briten mit Präzision und Musikalität auf höchstem Niveau.

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  • 19.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Von empfindsam bis brachial

    Einen Nachmittag der Extreme hat der Pianist Dejan Lazic in Trier präsentiert. Der Rachmaninov-Spezialist und Echo-Klassik-2009-Preisträger begeisterte mit ausgefallenen Interpretationen.

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  • 14.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Hausputz in der guten Stube

    Pünktlich zum Start der Sommer Open Airs des Mosel Musikfestivals im Innenhof des Kurfürstlichen Palais zeigt sich Triers gute Stube in einem frisch renovierten Gala-Zustand. Seit vergangenem Herbst waren Restauratoren und Maler am Werk - und auch die Fenster-Erneuerung schreitet fort.

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  • 13.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Ein lustiger Frosch erklärt die Welt der "kleinen" Oper

    Unter dem Titel "Dein ist mein ganzes Herz" präsentiert der TV am Freitag, 16. Juli, 21 Uhr, die Operetten-Gala im Innenhof des Kurfürstlichen Palais Trier im Rahmen des Mosel Musikfestivals.

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  • 11.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Der unvollkommene Zauber

    Es sollte ein opulenter Sommerabend werden, aber irgendwie funktionierte nicht alles so wie erhofft: Beim "Zauber einer Sommernacht" des Mosel Musikfestivals haben die rund 350 Besucher einiges miterlebt - inklusive verspäteter Zündung des Feuerwerks.

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  • 11.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Schnörkellos und brillant

    Warme Cellotöne, klare Pianoklänge, ein lauer Sommerabend - all das bot das Mosel Musikfestival am Freitag im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais in Trier. Der 1979 in München geborene Ausnahme-Cellist Johannes Moser und die polnische Pianistin Ewa Kupiec

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  • 05.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Orgeltouristen entdecken Klangwelten

    Sie gilt als die Königin der Instrumente: die Orgel. Auf der Orgelwanderfahrt des Förderkreises Kirchenmusik haben die Teilnehmer gleich fünf dieser adligen Damen in kleinen Konzerten kennengelernt.

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  • 02.07.2010 Trierischer Volksfreund

    Marlenchen lässt die Kinder trompeten

    In Kooperation mit dem Mosel Musikfestival gab es an der Grundschule Bombogen ein musikalisches Sonderprojekt. Verantwortlich war hierfür Marlene Appel, die in diesem Jahr das Festivalteam verstärkt.

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  • 21.06.2010 Trierischer Volksfreund

    Wandelkonzert mit edlem Wein

    Seit langem ausverkauft war das Jubiläums-Wandelkonzert im Stift. 260 Besucher machten sich auf einen genussvollen, von edlen Tropfen aus der Vinothek begleiteten musikalischen Weg zu drei Spielstätten. Sonne, Mond und Stern des Ballett&Tanzstudios Ute Lichter gaben das Geleit.

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  • 09.06.2010 Luxemburger Wort

    Volksauftrakt zum Schumann-Jubiläum

    Nun hat das Mosel Musikfestivalk 2010 begonnen. Unter den rund 30 Spielorten hatte man die ehemalige Abteikirche in Trier ausgewählt, denn es kam zahlreiches Publikum zusammen, vor allem aber wirkte mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern ein umfangreiches Orchester mit, und auch das als "Kammerchor" bezeichnete Vokalensemble war mit über fünfzig Sängerinnen und Sänger....

  • 07.06.2010 Trierischer Volksfreund

    Zum Auftakt Robert Schumann

    Trier. Es war nicht anders zu erwarten. Die Liste der Ehrengäste war beeindruckend lang bei der Eröffnung des Mosel Musikfestivals 2010 - diesmal in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin in Trier. Intendant Hermann Lewen hat in diesem Jahr Grund zu feiern, schließlich wird "sein Festival" 25 Jahre alt. Dies aber stellte er nicht in....

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  • 07.06.2010

    25 Jahre Mosel Musikfestival

    Trier (dpa) Mit einem fulminanten Konzert der Deutschen Radio Philharmonie ist das Mosel Musikfestival am Samstagabend in Trier in seine 25. Saison gestartet. Auf dem Programm standen Werke des Komponisten Robert Schumann (1810-1856), der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert.

  • 06.06.2010 Recklinghäuser Zeitung

    25 Jahre Mosel Musikfestival

    Mit einem fulminanten Konzert der Deutschen Radio Philharmonie ist das Mosel Musikfestival am Samstagabend in Trier in seine 25. Saison gestartet. Auf dem Programm standen Werke des Komponisten Robert Schumann (1810-1856), der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert.

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  • 06.06.2010 Focus Online

    25 Jahre Mosel Musikfestival

    Mit einem fulminanten Konzert der Deutschen Radio Philharmonie ist das Mosel Musikfestival am Samstagabend in Trier in seine 25. Saison gestartet. Auf dem Programm standen Werke des Komponisten Robert Schumann (1810-1856), der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert.

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  • 06.06.2010 Ibbenbürener Volkszeitung

    25 Jahre Mosel Musikfestival

    Trier - Mit einem fulminanten Konzert der Deutschen Radio Philharmonie ist das Mosel Musikfestival am Samstagabend in Trier in seine 25. Saison gestartet. Auf dem Programm standen Werke des Komponisten Robert Schumann (1810-1856), der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert.

  • 06.06.2010

    25 Jahre Mosel Musikfestival

    Trier (dpa) Mit einem fulminanten Konzert der Deutschen Radio Philharmonie ist das Mosel Musikfestival am Samstagabend in Trier in seine 25. Saison gestartet. Auf dem Programm standen Werke des Komponisten Robert Schumann (1810-1856), der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiert.

  • 05.06.2010 Klassika

    Jubiläum: Das Mosel Musikfestival startet mit der Deutschen Radio Philharmonie in seine 25. Saison

    it dem Auftaktkonzert der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken und Kaiserslautern wird am 5. Juni 2010 das 25. Mosel Musikfestival in Trier feierlich eröffnet. Auf dem Programm des Abends stehen ausschließlich Werke von Robert Schumann, dessen 200. Geburtstag nur wenige Tage später, am 8. Juni, gefeiert wird: das Requiem für Soli, Chor und Orchester, die Ballade „Der Königssohn“ op. 116, das „Nachtlied“ op. 108 sowie „Ariel. Sonnenaufgang“ aus „Szenen aus Goethes Faust“ 2. Teil. Solisten des Abends in der ehemaligen Abteikirche St. Maximin sind Sibylla Rubens (Sopran), Ingeborg Danz (Mezzosopran), Christoph Prégardien (Tenor), Yorck Felix Speer (Bass). Außerdem wirkt der KammerChor Saarbrücken mit. Die musikalische Leitung des Abends, der auch von SWR mitgeschnitten wird, liegt in den Händen von Georg Grün.

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  • 05.06.2010 Rhein-Zeitung

    Klassisches und Jazziges entlang der Mosel

    MOSEL. Intendant Hermann Lewen hat eine Vision: Sein Musikfestival soll dereinst die Mosel von der Quelle bis zur Mündung bespielen. Wann ihm der Gedanke kam, weiß er nicht mehr. Im Gründungsjahr 1985 wird es kaum gewesen sein, denn da galten die Bemühungen des Kulturmanagers erst mal der Etablierung einer bloß lokalen Sommerkonzert-Reihe in Bernkastel-Kues. Mit sieben Konzerten und einem 40 000 Mark schmalen Budget gingen die "Moselfestwochen" damals an den Start.

  • 04.06.2010 PR-inside.com

    Jubiläum: Mosel Musikfestival startet mit Deutscher Radio Philharmonie in seine 25. Saison: 5. Juni 2010

    Mit dem Auftaktkonzert der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken und Kaiserslautern wird am 5. Juni 2010 das 25. Mosel Musikfestival in Trier feierlich eröffnet. Auf dem Programm des Abends stehen ausschließlich Werke von Robert Schumann, dessen 200.

  • 04.06.2010

    Jubiläum: Mosel Musikfestival startet mit Deutscher Radio Philharmonie in seine 25. Saison: 5. Juni 2010

    Mit dem Auftaktkonzert der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken und Kaiserslautern wird am 5. Juni 2010 das 25. Mosel Musikfestival in Trier feierlich eröffnet. Auf dem Programm des Abends stehen ausschließlich Werke von Robert Schumann, dessen 200. Geburtstag nur wenige Tage später, am 8. Juni, gefeiert wird: das Requiem für Soli, Chor und Orchester, die Ballade „Der Königssohn“ op. 116, das „Nachtlied“ op. 108 sowie „Ariel. Sonnenaufgang“ aus „Szenen aus Goethes Faust“ 2. Teil. Solisten des Abends in der ehemaligen Abteikirche St. Maximin sind Sibylla Rubens (Sopran), Ingeborg Danz (Mezzosopran), Christoph Prégardien (Tenor), Yorck Felix Speer (Bass).

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  • 31.05.2010 Trierischer Volksfreund

    Wunschkonzert zum Auftakt

    Ein Sängerensemble von internationaler Klasse mit dem Tenor Christoph Prégardien an der Spitze, eines der profiliertesten Orchester der Großregion, dazu ein spannendes Repertoire: Das Moselmusikfestival kleckert nicht zum Beginn seiner Jubiläumssaison, es klotzt.

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  • 26.05.2010 Luxemburger Wort

    Zum Jubiläum geht es „Über die Grenzen“

    Das Mosel Musikfestival begeht in diesem Sommer sein 25. Jubiläum. Ein Vierteljahrhundert ist es alt und hat die Flussregion zwischen Luxemburg und Koblenz am Rhein mit einer riesigen Menge von Konzerten und musikalischen Darbietungen jedweder Art versorgt. In den letzten Jahren orientierte sich das Festival vornehmlich am jeweiligen Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz, das sich im aktuellen Jahr 2010 auf das Thema „Über Grenzen“ festgelegt hat.

  • 26.05.2010 Luxemburger Wort

    Die Vielfalt in der Einheit

    Seit das Mosel Musikfestival 1985 aus der musikalischen Taufe gehoben wurde, ist Hermann Lewen dabei. Wir trafen den Intendanten zu einem Gespräch, bei dem er nicht nur auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurückblickte, sondern ebenfalls sympathisch locker aus dem Nähkästchen plauderte ...

  • 18.05.2010 Trierischer Volksfreund

    Jubel zum Jubiläum

    Nur noch gut zwei Wochen, dann startet das Mosel-Musikfestival in seine Saison 2010. Grund zum Feiern gibt es nicht nur, weil die erfolgreichste Kultur-Veranstaltungsreihe der Region 25 Jahre alt wird. Das einst unter dem Titel "Moselfestwochen" gestartete Projekt erweist sich als resistent gegenüber Krise und Konkurrenz.

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  • 28.12.2009 Trierischer Volksfreund

    Oh Freunde, genau diese Töne!

    Inzwischen ist das Konzert des Mosel Musikfestivals zwischen Weihnachten und Neujahr eine Tradition. Präsentiert vom Trierischen Volksfreund stand diesmal die neunte Sinfonie von Ludwig van Beethoven auf dem Programm.

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